Schnee, der auf Zedern fällt

Schnee, der auf Zedern fällt

Schnee, der auf Zedern fällt

Schnee, der auf Zedern fällt - Originaltitel: Snow Falling on Cedars - Regie: Scott Hicks - Drehbuch: Scott Hicks, Ron Bass und David Guterson, nach dem Roman "Schnee, der auf Zedern fällt" von David Guterson - Kamera: Robert Richardson - Schnitt: Hank Corwin - Musik: James Newton Howard - Darsteller: Ethan Hawke, Max von Sydow, Youki Kudoh, James Cromwell, Sam Shepard, James Rebhorn, Rick Yune, Richard Jenkins u.a. - 2000; 120 Minuten

Inhaltsangabe

1950 steht auf der zum US-Staat Washington gehörenden Pazifikinsel San Piedro der älteste Sohn einer aus Japan eingewanderten Familie unter Mordverdacht vor Gericht. Die Verhandlung wird zum Dreh- und Angelpunkt mehrerer Handlungsstränge, in denen Scott Hicks die ungerechte Behandlung der Japaner nach dem Überfall auf Pearl Harbor anprangert.
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Kritik

In der Verfilmung des Romans "Schnee, der auf Zedern fällt" von David Guterson übernahm Scott Hicks die Erzählstruktur des Romans: Ein komplexes Geflecht von Handlungssträngen fügt sich schrittweise zu einer mehrdimensionalen Geschichte.
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Als Fischer an einem Morgen im Jahr 1950 vor der zu dem US-Staat Washington gehörenden Pazifikinsel San Piedro ihre Netze einholen, stoßen sie auf die Leiche ihres Kollegen Carl Heine, die sich darin verfangen hat. Über dem linken Ohr des Toten stellt der Gerichtsmediziner (Max Wright) eine Wunde fest, die seiner Meinung nach von einem Kendo-Schlag stammt. Der Schaum, der aus dem Mund der Leiche quillt, wenn er auf den Brustkorb drückt, zeigt allerdings, dass Carl noch atmete, als man ihn ins Wasser warf. Auf Carls Boot, der „Susan Marie“, findet man eine zu Boden gefallene Tasse und eine für die vorgesehene Halterung zu große Batterie. Batterien dieser Größe hat der japanischstämmige Fischer Kabuo Miyamoto (Rick Yune) auf seinem Boot. Er war zwar mit Carl befreundet, aber es ist auch bekannt, dass Kabuos Familie von Carls Mutter um ein Stück Land gebracht worden war. Dieser Familienstreit könnte das Motiv für die Tat gewesen sein. Kabuo wird unter Mordverdacht verhaftet und vor Gericht gebracht.

Richter Fielding (James Cromwell) leitet das Verfahren. Alvin Hooks (James Rebhorn) vertritt die Anklage, und der alte Rechtsanwalt Nels Gudmundsson (Max von Sydow) verteidigt den schweigsamen Angeklagten. Ishmael Chambers (Ethan Hawke), der für die von seinem Vater Arthur (Sam Shepard) gegründete Lokalzeitung schreibt, beobachtet den Prozess von der Zuschauergalerie aus. Immer wieder betrachtet er Hatsue (Youki Kudoh), die Frau des Angeklagten, die ebenfalls im Publikum sitzt und voller Sorge die Gerichtsverhandlung verfolgt.

Hatsue, die Tochter japanischer Einwanderer, war als Kind (Ann Suzuki) in Ishmael (als Kind: Reeve Carney) verliebt. Obwohl ihre Mutter den Umgang mit Weißen verboten hatte, traf sie sich fast jeden Tag mit ihm in einer Höhle, wo sie sich küssten und aneinander kuschelten. Doch als die Japaner in den USA nach dem japanischen Angriff auf den Hauptstützpunkt der US-Pazifikflotte in Pearl Harbor auf Hawaii am 7. Dezember 1941 in Kalifornien interniert wurden, und man Hatsues Vater wegen des Besitzes von Dynamitstangen verhaftete, obwohl er den Sprengstoff nur für die Beseitigung von Baumstümpfen verwendet hatte, schrieb sie Ishmael einen Abschiedsbrief. Diese Trennung hat Ishmael nie verwunden. Deshalb ist er auch bei dem Gerichtsprozess gegen Hatsues Ehemann kein neutraler Beobachter.

Durch die Befragung der Zeugen arbeitet Nels Gudmundsson heraus, dass Kabuo Miyamotos Vater vom Vater des Toten ein großes Stück Ackerland erworben hatte. Japanische Einwanderer durften zwar in den USA keine Immobilien besitzen, aber der in den USA geborene Kabuo wäre rechtmäßiger Eigentümer des illegal erworbenen Geländes geworden. Bevor Kabuos Vater alle vereinbarten Raten bezahlt hatte, wurden die Japaner in den USA wegen Pearl Harbor interniert. Dann starb Carls Vater, und seine verwitwete Mutter Etta (Celia Weston) verkaufte den gesamten Grundbesitz einem Amerikaner. Die Familie Miyamoto erhielt nur ihr bereits bezahltes Geld zurück. Eine Woche vor seinem Tod kaufte Carl Heine den früheren Besitz seines Vaters zurück. Einige Tage später kam Kabuo bei ihm vorbei, um über einen Kauf des Areals mit ihm zu reden, das sein Vater hatte erwerben wollen. In der Nacht, als Carl ums Leben kam, traf ihn Kabuo im dichten Nebel auf See. Weil Carls Batterien leer waren, hatte er eine Petroleum-Signallampe in den Mast gehängt, um auf sich aufmerksam zu machen. Kabuo überließ ihm eine seiner beiden eigenen Batterien, die zwar etwas zu groß war, aber doch angeschlossen werden konnte. Warum er seine fehlende Batterie am Morgen rasch wieder ersetzt und nicht schon bei seiner Verhaftung von dieser Begegnung erzählt habe, wird Kabuo gefragt. Weil zu befürchten gewesen sei, sagt der Angeklagte, dass man ihm nicht geglaubt hätte.

Die Geschworenen ziehen sich zur Beratung zurück. Ein Schuldspruch ist zu erwarten.

Von seiner Eifersucht und seinem Gerechtigkeitssinn hin- und hergerissen, berichtet Ishmael Chambers jetzt Nels Gudmundsson, was er vor zwei Tagen durch eigene Nachforschungen herausgefunden hat: In der Nebelnacht, in der Carl Heine starb, genau zur fraglichen Zeit, passierte ein chilenischer Frachter die Stelle, an der sich Carl und Kabuo getroffen hatten. Kann es nicht so gewesen sein, dass Carl nach dem Einbau der Ersatzbatterie in den Mast geklettert war, um die Petroleumlampe herunterzuholen und durch die von dem in unmittelbarer Nähe vorbeifahrenden Frachter erzeugten Wellen das Gleichgewicht verlor? Tatsächlich finden sich bei einer erneuten Untersuchung der „Susan Marie“ Haar- und Hautspuren, die darauf schließen lassen, dass Carl mit dem Kopf aufschlug, bevor er ins Wasser stürzte.

Zu Beginn der nächsten Sitzung fragt Richter Fielding nicht, wie erwartet, die Geschworenen nach ihrem Urteil, sondern er stellt das Verfahren gegen Kabuo Miyamoto ein.

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In seiner Verfilmung des Bestsellers „Schnee, der auf Zedern fällt“ (Originaltitel: „Snow Falling on Cedars“, 1994) von David Guterson übernimmt Scott Hicks die Erzählstruktur des Romans: Dreh- und Angelpunkt ist das Verfahren vor einem Gericht im US-Staat Washington gegen einen Mordverdächtigen, dessen Eltern aus Japan eingewandert waren. Am Beispiel der Familie des Angeklagten beleuchten Zeugenaussagen die Vorurteile der Amerikaner gegen die japanischen Einwanderer und deren ungerechte Behandlung nach dem Angriff auf Pearl Harbor. Außerdem wird ein Lokalreporter, der den Prozess beobachtet, mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert, weil er weder aus dem Schatten seines charakterstarken Vaters herausgetreten noch über die Trennung von seiner Jugendfreundin hinweggekommen ist: sie, die Tochter japanischer Einwanderer und Ehefrau des Angeklagten, sitzt wie er im Publikum. Dieses komplexe Geflecht aus Episoden in der Gegenwart, aus der Kindheit von Ishmael und Hatsue, über den gescheiterten Landkauf der Familie Miyamoto und die Behandlung der Japaner in den Vierzigerjahren erzählt Scott Hicks in zahlreichen, teilweise extrem kurzen Rückblenden, die mit langen Einstellungen – zum Beispiel Landschaftsbildern und Großaufnahmen von Gesichtern und Händen – kontrastieren. Zu Beginn des Spielfilms „Schnee, der auf Zedern fällt“ lassen sich im dichten Nebel erst ganz allmählich Umrisse erkennen; ebenso langsam werden die Konturen der Geschichte deutlich.

Scott Hicks hat sich ganz auf die Geschichte, die Erzählstruktur und die Ästhetik der Bilder konzentriert und die Charaktere vernachlässigt; die Figuren bleiben blass, und mit Ausnahme Max von Sydows hat auch keiner der Schauspieler daran etwas geändert.

Robert Richardson wurde für seine großartigen Bildkompositionen in „Schnee, der auf Zedern fällt“ für einen „Oscar“ nominiert.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2003

Sofja Tolstaja - Eine Frage der Schuld
Sofja Tolstaja legt mit diesem Roman einen Gegenentwurf zur "Kreutzersonate" ihres Mannes Leo Tolstoi vor. Sie erzählt im Grunde genommen die gleiche Geschichte, aber aus der Perspektive einer Frau.
Eine Frage der Schuld

Sofja Tolstaja

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