Snow Cake

Snow Cake

Snow Cake

Originaltitel: Snow Cake – Regie: Marc Evans – Drehbuch: Angela Pell – Kamera: Steve Cosens – Schnitt: Marguerite Arnold – Musik: Broken Social Scene – Darsteller: Alan Rickman, Sigourney Weaver, Carrie-Anne Moss, Emily Hampshire, Callum Keith Rennie, James Allodi, Julie Stewart, Selina Cadell, Nia Roberts, Jackie Brown, David Fox, Jayne Eastwood u.a. – 2005; 110 Minuten

Inhaltsangabe

In einer Raststätte wird Alex Hughes von der 19-jährigen Vivienne Freeman angesprochen. Alex versucht dem kontaktfreudigen, eine Mitfahrgelegenheit suchenden Mädchen klarzumachen, dass er weder an einem Gespräch noch an Gesellschaft interessiert ist, doch am Ende nimmt er es doch im Auto mit. Bei einem schweren Unfall kommt Vivienne ums Leben. Alex bleibt nahezu unverletzt. Obwohl ihn keine Schuld trifft, sucht er Viviennes Mutter auf – und wundert sich über deren Reaktion ...
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Kritik

Statt Mitleid mit einer geistig Behinderten zu erwecken, zeigt "Snow Cake", dass die Autistin Linda ihre Umgebung einfach anders wahrnimmt und neben Unzulänglichkeiten auch Stärken hat. Die Tragikomödie wirbt für mehr Geduld und Verständnis im Umgang mit Außenseitern.
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Alex Hughes (Alan Rickman), ein aus England stammender Eigenbrötler, ist mit einem Leihwagen in Ontario unterwegs. Während er in einer Raststätte eine Pause einlegt, setzt sich die neunzehnjährige Vivienne Freeman (Emily Hampshire) zu ihm an den Tisch und versucht, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Sie wuchs bis vor drei Jahren bei ihren Großeltern Dirk und Ellen (David Fox, Jayne Eastwood) auf und war gerade zu Besuch bei ihnen. Nun sind sie zum Wandern abgereist, und Vivienne ist als Anhalterin auf dem Rückweg zu ihrer Mutter Linda (Sigourney Weaver) in Wawa, Ontario. Alex versucht dem redseligen Mädchen klarzumachen, dass er weder an einem Gespräch noch an Gesellschaft interessiert ist, doch am Ende nimmt er es doch im Auto mit. Er habe jemanden getötet, sagt er, sei gerade erst aus dem Gefängnis entlassen worden und nun auf dem Weg nach Winnipeg, Manitoba. Vivienne lässt sich durch das Geständnis nicht abschrecken. Sie möchte Schriftstellerin werden und hat von Anfang an vermutet, dass die Biografie des einsamen Wolfes außergewöhnlich ist.

Bevor sie Wawa erreichen, wird der Wagen von einem schleudernden Sattelschlepper gerammt. Vivienne ist sofort tot. Alex wird nur leicht verletzt. Schuld an dem Unfall ist zwar der Lastwagenfahrer John Neil (Callum Keith Rennie), aber Alex fühlt sich verpflichtet, Viviennes Mutter aufzusuchen. Der Tod des Mädchens wühlt ihn auf, zumal er vor vier Jahren seinen Sohn ebenfalls bei einem Verkehrsunfall verlor.

Linda hat bereits von der Polizei erfahren, dass ihre Tochter tot ist, aber sie wirkt, als habe die Nachricht sie nicht berührt, und dass der Mann vor ihr steht, in dessen Auto Vivienne ums Leben kam, scheint ihr nicht weiter wichtig zu sein. Linda bittet ihren Besucher, sie zur Identifizierung der Leiche zu begleiten. Und sie besteht darauf, dass er in ihrem Haus übernachtet. Er soll mindestens bis zum nächsten Dienstag bleiben, denn an diesem Tag kommt die Müllabfuhr, und Linda mag die Plastiksäcke mit dem Abfall nicht hinaustragen. Das hat Vivienne für sie gemacht, und diesmal soll Alex es für sie tun. Auf dem Rücken im verschneiten Garten liegend, erklärt sie ihm, Vivienne habe ihr einmal einen Orgasmus beschrieben, das müsse etwa so sein wie das, was sie empfindet, wenn sie Schnee isst.

Die Nachbarin Maggie (Carrie-Anne Moss) klärt Alex darüber auf, dass Linda autistisch ist.

Linda spricht nicht mit Maggie und behauptet, es handele sich bei ihr um eine Prostituierte. Alex, der seit Jahren nicht mehr mit einer Frau zusammen war, lässt sich von Maggie zum Essen einladen und geht mit ihr ins Bett. Erst als er sie anschließend nach dem Preis fragt, merkt Maggie, dass er sie für eine Prostituierte hielt und klärt das Missverständnis auf. Sie hat zwar gern Sex und beschränkt sich dabei nicht auf einen einzigen Mann, aber sie macht das zu ihrem eigenen Vergnügen.

Der Polizist Clyde (James Allodi), der zu Maggies Freunden zählt, warnt sie vor Alex. Aus dem Polizeicomputer weiß er, dass der Fremde gerade eine vierjährige Gefängnisstrafe verbüßte, weil er einen Menschen getötet hatte. Außerdem soll er einen Polizisten geschlagen haben. Das hält Maggie allerdings nicht davon ab, sich weiterhin mit Alex zu treffen.

Alex kümmert sich um die Organisation der Beerdigung. Es gelingt ihm sogar, Linda zu überreden, die Trauergäste anschließend in ihr Haus einzuladen. Allerdings leidet Linda unter der Anwesenheit ungewohnt vieler Menschen, und bei dem Gedanken, die Gäste könnten Schmutz hinterlassen, droht sie in Panik zu geraten. Als sie Pop-Musik laufen lässt und dazu ausgelassen tanzt, sind einige der Trauergäste entsetzt. Sie verstehen nicht, dass Linda sich daran erinnert, wie sie mit Vivienne zusammen zu dieser Musik tanzte.

Von Dirk Freeman erfährt Alex, dass niemand weiß, wer der Vater seiner Enkelin war.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Zum Abschied schenkt Alex Linda eine Torte aus Schnee (snow cake).

Maggie trägt von jetzt an die Müllsäcke ihrer Nachbarin auf die Straße.

Alex gestand ihr noch von sich aus, warum er im Gefängnis war. Sein Sohn Ryan wurde von einem betrunkenen Autofahrer tödlich verletzt, als er sich zum ersten Mal mit ihm treffen wollte. Alex hatte erst kurz zuvor erfahren, dass während seiner kurzen Affäre mit einer Frau namens Rebecca ein Kind gezeugt worden war. In seinem Zorn über den Tod des Jungen, den er nie kennengelernt hatte, suchte er den schuldigen Autofahrer auf und schlug auf ihn ein. Dabei fiel der Mann so unglücklich auf den Kopf, dass er starb. Alex wurde deshalb zu einer Haftstrafe verurteilt, und nach deren Verbüßung ist er nun auf dem Weg zu Rebecca in Winnipeg.

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Marc Evans inszenierte die Tragikomödie „Snow Cake“ (Schneetorte) nach einem Drehbuch von Angela Pell, die selbst einen autistischen Sohn hat. Statt Mitleid mit einer geistig Behinderten zu erwecken, zeigt „Snow Cake“, dass die Autistin Linda ihre Umgebung einfach anders wahrnimmt und neben Unzulänglichkeiten auch Stärken hat. Von ihr lernt Alex, mit seinem eigenen Trauma besser umzugehen. Seine eigene Geschichte ist häppchenweise in die Haupthandlung eingeflochten, die ohne Effekthascherei erzählt wird. „Snow Cake“ wirbt für mehr Geduld und Verständnis im Umgang mit Außenseitern.

Was Sigourney Weaver […] nicht liegt, ist ein exaltiertes Wesen. Genau das allerdings muss sie etwa fünfzig Prozent der Zeit in „Snow Cake“ an den Tag legen. Sie spielt eine Autistin, und das bedeutet: Sigourney hopst. Sigourney trotzt. Sigourney wälzt sich ungeschminkt und voll gurgelnder Begeisterung im Schnee herum. Das ist, bei aller Poesie, nicht besonders mitreißend anzuschauen, auch wenn es sich dabei sicherlich um gut recherchierte Autistenverhaltensweisen handelt. Aber glauben will man sie Sigourney Weaver nicht.
Da findet man dann Zuflucht bei Alan Rickman, der hier sowieso den besseren Autisten gibt. Sigourney Weaver würde vermutlich sofort und endlos mit jedem Menschen plaudern, wenn es ihr nur gelingen könnte. Alan Rickman hingegen will aus freien Stücken möglichst wenig Kontakt zu möglichst wenig Leuten. (Doris Kuhn, Süddeutsche Zeitung, 2. November 2006)

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2009

Autismus

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In den bildstarken Erzählungen baut Jan Costin Wagner durch dunkle An­deutungen eine dichte, beklem­men­de Atmosphäre auf. Dabei erkennen wir die Zusammen­hänge erst nach und nach oder durch eine über­raschende Schlusswendung.
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