Alfred Dreyfus-Affäre


Marie Bastian, eine Putzfrau in der Deutschen Botschaft in Paris, spioniert für das Deuxième Bureau und übergibt ihrem Kontaktmann regelmäßig zerrissene Dokumente aus dem Papierkorb des Militärattachés Maximilian von Schwartzkoppen.

Ende September 1894: Daraus setzt der französische Auslandsgeheimdienst einen an Schwartzkoppen adressierten Begleitbrief – ein Bordereau – zusammen, der offenbar der Lieferung von fünf geheimen französischen Dokumenten beilag. (Wie sich später herausstellt, stammt das Bordereau von dem überschuldeten französischen Offizier Ferdinand Walsin-Esterházy.)

Erste Oktoberhälfte 1894: Hauptmann Alfred Dreyfus wird als Absender des Bordereau verdächtigt.

14. Oktober 1894: Der Kriegsminister General Auguste Mercier unterzeichnet einen Haftbefehl gegen Alfred Dreyfus, überträgt die weiteren Ermittlungen Oberst Armand du Paty de Clam und regelt die für den folgenden Tag geplante Festnahme.

15. Oktober 1894: Alfred Dreyfus wird unter einem Vorwand ins Büro des Generalstabschefs gerufen, dort jedoch statt von General Raoul de Mouton de Boisdeffre von Oberst Armand du Paty de Clam empfangen, der ihn dazu bringt, für einen Handschriftenvergleich mehrmals den Text des Bordereau zu schreiben. Danach wird Dreyfus ins Gefängnis Cherche-Midi gebracht.

28. Oktober 1894: Lucie Dreyfus, die Tochter eines wohlhabenden Diamantenhändlers und Schwester des Mathematikers Jacques Salomon Hadamard, die seit 1890 mit Alfred Dreyfus verheiratet ist und zwei kleine Kinder mit ihm hat, darf erst jetzt die Familie über die Inhaftierung ihres Ehemanns unterrichten.

31. Oktober 1894: Erste Zeitungsmeldungen über die Festnahme von Alfred Dreyfus tauchen auf.

Ende Oktober / Anfang November 1894: Félix Gustave Saussier, der Militärgouverneur von Paris, der von der französischen Regierung mit der weiteren Untersuchung des Spionagefalls beauftragt wurde, überträgt diese Aufgabe dem Hauptmann Bexon d’Ormescheville, einem Prüfungsrichter am Premier Conseil de Guerre in Paris.

2. November 1894: Der italienische Militärattaché Major Alessandro Panizzardi meldet dem Generalstab in Rom in einem verschlüsselten Telegramm, es habe keinen Kontakt zu Alfred Dreyfus gegeben.

10. November 1894: Die deutsche Botschaft in Paris versichert in einer Presseerklärung, keinen Kontakt mit Alfred Dreyfus gehabt zu haben.

11. November 1894: Im Deuxième Bureau wird der Inhalt des entschlüsselten Telegramms von Alessandro Panizzardi ins Gegenteil gefälscht.

3. Dezember 1894. General Saussier erhält den von Hauptmann d’Ormescheville und Major du Paty verfassten Untersuchungsbericht. Obwohl die Ansichten der hinzugezogenen Schriftsachverständigen in der Frage von Dreyfus‘ Autorenschaft des Bordereau widersprüchlich ausfielen, wird in dem Bericht nur das Dreyfus belastende Gutachten des Kriminalisten Alphonse Bertillon erwähnt. Das Bordereau wird zum entscheidenden Beweisstück.

19. Dezember 1894: Vor dem permanenten Kriegsgericht der Militärregierung in Paris beginnt der Prozess gegen Alfred Dreyfus. Als Vorsitzenden Richter amtiert Oberst Émilien Maurel. Die Öffentlichkeit wird sogleich ausgeschlossen.

21. Dezember 1894: Die Militärrichter erhalten ein Geheimdossier mit Belastungsmaterial gegen den Angeklagten. Alfred Dreyfus und sein Verteidiger Edgard Demange erfahren davon nichts.

22. Dezember 1894: Alfred Dreyfus wird wegen Landesverrats zu Degradierung, Verbannung und lebenslanger Haft verurteilt.

5. Januar 1895: Im großen Hof der École Militaire in Paris wird Alfred Dreyfus öffentlich degradiert: Ein Unteroffizier reißt dem Hauptmann alle militärischen Abzeichen von der Uniform und zerbricht den Säbel.

15. Januar 1895: Jean Casimir-Perier tritt als französischer Staatspräsident zurück.

17. Januar 1895: Nachfolger wird Félix Faure.

31. Januar 1895: Die französische Abgeordnetenkammer beschließt auf Antrag des Kriegsministers, Alfred Dreyfus auf die Teufelsinsel (Île de Diable) vor der Küste von Cayenne zu deportieren.

13. Februar 1895: Lucie Dreyfus darf ihren Ehemann in der Festung auf der Île de Ré besuchen.

21. Februar 1895: Ein Kriegsschiff mit Alfred Dreyfus an Bord sticht in See.

13. April 1895: Alfred Dreyfus trifft auf der Teufelsinsel ein.

1. Juli 1895: Jean Sandherr wird als Leiter des Deuxième Bureau von Oberstleutnant Marie-Georges Picquart abgelöst.

14. Februar 1896: Das von Theodor Herzl nicht zuletzt aus Empörung über das Urteil gegen Alfred Dreyfus verfasste Buch „Der Judenstaat“ erscheint.

März 1896: Der französische Geheimdienst erhält von Marie Bastian die Schnipsel einer mit der Initiale C signierten Nachricht des deutschen Militärattachés Maximilian von Schwartzkoppen, in der dieser sich unzufrieden mit der Relevanz der von einem Agenten übermittelten Informationen äußert. Dieses für Charles Ferdinand Walsin-Esterházy bestimmte Dokument wird später wegen der Papierfarbe als „le petit bleu“ bezeichnet.

Marie-Georges Picquart beginnt, Erkundigungen über Major Esterházy einzuziehen. Im Zuge seiner Nachforschungen fällt ihm auf, dass die Handschrift des Bordereau der des Majors entspricht, und er kommt zu der Überzeugung, dass nicht Alfred Dreyfus, sondern Charles Ferdinand Walsin-Esterházy für Maximilian von Schwartzkoppen spionierte.

1./15. September 1896: Vergeblich versucht Picquart zunächst den Generalstabschef Raoul Le Mouton de Boisdeffre und dann seinen Vorgesetzten General Charles Arthur Gonse zu überzeugen, dass es erforderlich sei, den Fall Dreyfus neu aufzurollen.

Alfred Dreyfus‘ älterer Bruder Mathieu, der von Mülhausen nach Paris zog, um für die Rehabilitierung des Verurteilten zu kämpfen, lässt das Gerücht verbreiten, der Häftling sei von der Teufelsinsel geflohen. Damit will er verhindern, dass der Fall in Vergessenheit gerät. Ungewollt bewirkt er dadurch aber zugleich, dass sein Bruder wochenlang zum Schlafen angekettet wird und die für ihn bestimmte 16 Quadratmeter große, mit Wellblech überdachte Hütte auch tagsüber nicht verlassen darf.

9./14. September 1896: In der Zeitung „L’Éclair“ wird erstmals öffentlich erwähnt, dass Dreyfus aufgrund eines der Verteidigung vorenthaltenen Geheimdossiers verurteilt worden sei, und das Kriegsministerium wird aufgefordert, die angeblichen Beweise publik zu machen.

18. September 1896: Lucie Dreyfus bittet die Abgeordnetenkammer in einem offenen Brief, eine Wiederaufnahme des Prozesses gegen ihren Mann einzuleiten.

2. November 1896: Major Hubert Henry vom Deuxième Bureau übergibt General Gonse ein von ihm gefälschtes Dokument („le faux Henry“). Es handelt sich um einen abgefangenen undatierten Brief Panizzardis an Schwartzkoppen. Henry setzte das Datum 14. Juni 1894 hinzu und fügte zwischen Anrede und Unterschrift einen selbst geschriebenen Text ein, demzufolge Alfred Dreyfus Informationen weitergab. Henry übergeht dabei seinen Vorgesetzten Marie-Georges Picquart.

6. November 1896: Mathieu Dreyfus verschickt 3500 Exemplare des vom dem anarchistischen Journalisten Bernard Lazare verfassten Traktats „Une erreur judiciaire. La vérité sur l’Affaire Dreyfus“ (Ein Justizirrtum. Die Wahrheit über die Affäre Dreyfus).

10. November 1896: Die Zeitung „Le Matin“ veröffentlicht ein Faksimile des als Beweis gegen Alfred Dreyfus verwendeten Bordereau.

Mathieu Dreyfus lässt in Paris Plakate aufhängen, auf denen die Handschrift seines Bruders Alfred mit der auf dem Bordereau verglichen werden kann.

16. November 1896: Der seit Ende Oktober faktisch seines Amtes enthobene Oberstleutnant Marie-Georges Picquart wird aus Paris abkommandiert, offiziell im Rahmen einer Inspektionsreise.

6. Januar 1897: Ohne die Möglichkeit gehabt zu haben, noch einmal nach Paris zurückzukehren, wird Picquart nach Nordafrika versetzt.

Frühjahr 1897: Picquart fasst in Tunesien das Ergebnis seiner Ermittlungen im Fall Dreyfus/Esterházy schriftlich zusammen. Im Fall seines Todes soll das Dokument dem französischen Staatspräsidenten ausgehändigt werden.

13. Juli 1897: Der Rechtsanwalt Louis Leblois, ein Schulfreund Picquarts, unterrichtet Auguste Scheurer-Kestner, den Vizepräsidenten des französischen Senats, über den Verdacht, dass nicht Alfred Dreyfus, sondern Ferdinand Walsin-Esterházy das Land verraten habe.

14. Juli 1897: Der Politiker und Journalist Joseph Reinach kündigt Lucie Dreyfus in einem Brief an, dass Auguste Scheurer-Kestner für eine Wiederaufnahme des Prozesses gegen ihren Ehemann eintreten werde.

August / September 1897: In Politiker- und Journalisten-Kreisen kursiert das Gerücht, Auguste Scheurer-Kestner setze sich für die Rehabilitierung von Alfred Dreyfus ein.

Ferdinand Walsin-Esterházy behauptet, Alfred Dreyfus habe seine Handschrift imitiert.

22. Oktober 1897: Offiziere des Generalstabs – darunter Oberst Armand du Paty de Clam – sichern Esterházy Unterstützung zu.

23. Oktober 1897: Nachdem Charles Ferdinand Walsin-Esterházy erfahren hat, dass ihn Marie-Georges Picquart und die Familie Dreyfus für den tatsächlichen Landesverräter halten, unterrichtet er Maximilian von Schwartzkoppen darüber.

Der Kriegsminister Jean-Baptiste Billot befiehlt General Jérôme Leclerc in Tunis, Oberstleutnant Picquart zur gefährlichen libyschen Front abzukommandieren. Leclerc verzögert die Ausführung des Befehls.

29. Oktober 1897: Auguste Scheurer-Kestner versucht vergeblich, die Unterstützung des Staatspräsidenten Felix Faure für eine Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Alfred Dreyfus‘ zu gewinnen.

Anfang November 1897: „Le Temps“ veröffentlicht einen Brief des Historikers Gabriel Monod, in dem dieser die Überzeugung äußert, dass das Bordereau nicht von Alfred Dreyfus geschrieben wurde.

7. November 1897: Ein Börsenmakler, der glaubt, auf dem Faksimile des Bordereau die Handschrift von Charles Ferdinand Walsin-Esterházy erkannt zu haben, übergibt Mathieu Dreyfus Briefe des Majors.

12. November 1897: Der Militärattaché Maximilian von Schwartzkoppen wird nach Deutschland versetzt.

12. November 1897: Der Kriegsminister Jean-Baptiste Billot leitet geheime Ermittlungen gegen Picquart ein.

15. November 1897: „Le Temps“ veröffentlicht einen offenen Brief des Senators Auguste Scheurer-Kestner, demzufolge Indizien für die Unschuld Alfred Dreyfus‘ vorliegen.

17. November 1897: In einem offenen Brief an den Kriegsminister beschuldigt Mathieu Dreyfus Major Marie Charles Ferdinand Walsin-Esterházy, das Bordereau geschrieben zu haben. Erstmals wird der Name öffentlich genannt.

17. November 1897: Jean-Baptiste Billot beauftragt General Georges de Pellieux, den Militärkommandanten des Département Seine, mit einer Voruntersuchung gegen Esterházy.

General de Pellieux kommt nach ein paar Tagen zu dem Ergebnis, dass die Vorwürfe gegen Esterházy unbegründet seien.

26. November 1897: Picquart wird nach Frankreich zurückgerufen.

7. Dezember 1897: Auguste Scheurer-Kestner kritisiert vor dem Senat, dass im Prozess gegen Alfred Dreyfus den Richtern ohne Wissen des Angeklagten oder der Verteidigung Belastungsmaterial übermittelt wurde.

Ministerpräsident Félix Jules Méline behauptet, es gebe keine Dreyfus-Affäre.

1. Januar 1898: Auf Anraten der militärischen Führung beantragt Esterházy ein Militärgerichtsverfahren gegen sich selbst.

10. Januar 1898: Der Prozess wird eröffnet.

11. Januar 1898: Wie erwartet, endet der Prozess gegen Esterházy mit einem Freispruch.

13. Januar 1898: Aufgrund eines von Billot unterzeichneten Haftbefehls wird Picquart in die Festung Mont-Valérien in Suresnes gebracht.

13. Januar 1898: „L’Aurore“ veröffentlicht einen offenen Brief des Schriftstellers Émile Zola an den Staatspräsidenten, in dem er Oberst du Paty de Clam und die Generäle Mercier, Billot, de Boisdeffre, Gonse und de Pellieux anklagt, sich an Menschlichkeit und Gerechtigkeit vergangen zu haben: „J’Accuse …“. Mit dem sensationellen Brief provoziert er absichtlich eine Verleumdungsklage, damit seine Anschuldigungen öffentlich verhandelt werden.

18. Januar 1898: Das Regierungskabinett beschließt, dass der Kriegsminister eine Verleumdungsklage gegen Émile Zola und Alexandre Perrenx, den Geschäftsführer von „L’Aurore“, einreichen soll.

7. Februar 1898: Émile Zola und Alexandre Perrenx müssen sich vor Gericht verantworten.

23. Februar 1898: Émile Zola und Alexandre Perrenx werden verurteilt, aber die Vollstreckung der Haft- und Geldstrafen wird ausgesetzt.

24. Februar 1898: Ministerpräsident Jules Méline behauptet vor der Abgeordnetenkammer, der Fall Dreyfus sei abgeschlossen.

26. Februar 1898: Eine Militärkommission entscheidet, Oberstleutnant Marie-Georges Picquart wegen schweren Fehlverhaltens aus der Armee auszuschließen und ihm nur die Pension eines Majors zu gewähren. Er kann die Festung Mont-Valérien verlassen.

2. April 1898: Das Urteil gegen Émile Zola wird wegen eines Verfahrensfehlers aufgehoben.

23. Mai 1898: Der neue Prozess gegen Émile Zola beginnt.

28. Juni 1898: Henri Brisson folgt Jules Méline im Amt des Ministerpräsidenten, Godefroy Cavaignac übernimmt von Jean-Baptiste Billot das Kriegsminissterium.

7. Juli 1898: Der neue Kriegsminister Godefroy Cavaignac versichert vor der Abgeordnetenkammer, Alfred Dreyfus sei zu Recht verurteilt worden. Um dies zu untermauern, verliest er Texte aus dem Geheimdossier. Die Parlamentarier applaudieren.

9. Juli 1898: „Le Temps“ druckt einen offenen Brief Marie-Georges Picquarts an den Ministerpräsidenten Henri Brisson. Der aus der Armee verstoßene Offizier bezieht sich auf die von Godefroy Cavaignac zitierten Texte und erklärt, er könne beweisen, dass zwei der Dokumente nichts mit Alfred Dreyfus zu tun hätten und es sich beim dritten um eine Fälschung handele.

12. Juli 1898: Godefroy Cavaignac verklagt den pensionierten Offizier und dessen Anwalt Louis Leblois.

13. Juli 1898: Während Leblois gegen Kaution freikommt, wird Picquart im Gefängnis La Santé eingesperrt.

18. Juli 1898: Als der zweite Prozess gegen Émile Zola mit einem erneuten Schuldspruch endet, flüchtet der Schriftsteller noch am selben Tag nach London, um sich der Vollstreckung zu entziehen.

13. August 1898: Hauptmann Louis Cuignet fällt bei der Untersuchung einer dem Geheimdossier gegen Alfred Dreyfus nachträglich hinzugefügten Kopie auf, dass ein Teil des Blattes blau, ein anderer rot liniiert ist. Das Schriftstück – „le faux Henry“ – wurde also aus zwei nicht zusammengehörigen Teilen zusammengesetzt.

30. August 1898: Oberstleutnant Hubert-Joseph Henry gibt gegenüber Cavaignac, Boisdeffre und Gonse die Fälschung zu. Daraufhin wird er festgenommen.

31. August 1898: Ein Aufseher findet Hubert-Joseph Henry in der Festung Mont Valérien mit durchschnittener Kehle vor. Er habe sich mit einem Rasiermesser selbst getötet, so das Ergebnis der Ermittlungen.

3. September 1898: Lucie Dreyfus reicht erneut ein Gesuch um Wiederaufnahme des Prozesses gegen ihren Mann ein.

Anfang September 1898: Godefroy Cavaignac tritt als Kriegsminister zurück.

September 1898: Sein Nachfolger Émile Auguste Zurlinden tritt nach wenigen Tagen ebenfalls zurück und wird von Charles Chanoine abgelöst.

September 1898: Ferdinand Walsin-Esterházy, der inzwischen aus der Armee ausgeschlossen wurde, setzt sich ins Ausland ab.

Oktober 1898: Sein Name wird in der Liste der Ehrenlegion gelöscht.

1. November 1898: Ministerpräsident Henri Brisson tritt mit seinem Kabinett zurück.

10. Februar 1899: Die Abgeordnetenkammer nimmt einen Gesetzesentwurf der Regierung von Charles Dupuy an, demzufolge alle noch offenen Berufungsfälle der Gemeinsamen Kammer des Obersten Berufungsgerichtes vorzulegen sind.

27. März 1899: Die Gemeinsame Kammer beginnt mit der Prüfung des Geheimdossiers aus dem Fall Dreyfus.

3. Juni 1899: Das Oberste Berufungsgericht entscheidet, dass Alfred Dreyfus für ein Wiederaufnahmeverfahren nach Frankreich geholt werden muss.

5. Juni 1899: Émile Zola kehrt nach Frankreich zurück.

9. Juni 1899: Marie-Georges Picquart wird freigelassen.

9. Juni 1899: Alfred Dreyfus verlässt die Teufelsinsel.

13. Juni 1899: Das Verfahren gegen Marie-Georges Picquart und Louis Leblois wird eingestellt.

30. Juni / 1. Juli 1899: Alfred Dreyfus trifft in Frankreich ein und wird nach Rennes gebracht.

8. August 1899: Der neue Kriegsgerichtsprozess gegen Alfred Dreyfus beginnt in Rennes. Oberst Mercier Jouaust übernimmt den Vorsitz.

14. August 1899: Der Rechtsanwalt Fernand Labori, der Dreyfus verteidigt, wird von einem Attentäter in den Rücken geschossen, überlebt aber den Anschlag.

9. September 1899: Alfred Dreyfus wird erneut für schuldig gefunden; das Gericht senkt nur das Strafmaß von lebenslang auf zehn Jahre.

19. September 1899: Staatspräsident Émile Loubet begnadigt Alfred Dreyfus.

11. Juli 1906: Als Ergebnis einer neuen Untersuchung des Falls hebt das Oberste Berufungsgericht das Urteil gegen Alfred Dreyfus vom 9. September 1899 auf.

13. Juli 1906: Durch ein Gesetz werden Alfred Dreyfus und Marie-Georges Picquart wieder in die Armee aufgenommen, Dreyfus im Rang eines Majors, Picquart als Brigadegeneral.

20. Juli 1906: Im Hof der École Militaire in Paris wird Alfred Dreyfus in die Ehrenlegion aufgenommen.

25. Oktober 1906: Georges Clemenceau wird Ministerpräsident.

Er ernennt General Picquart zum neuen Kriegsminister.

26. Juni 1907: Alfred Dreyfus nimmt seinen Abschied.

4. Juni 1908: Bei der Überführung der Asche des am 29. September 1902 gestorbenen Schriftstellers Émile Zola ins Panthéon schießt ein nationalistischer Journalist mehrmals auf Alfred Dreyfus und verletzt ihn leicht am Arm.

Der Attentäter wird später mit der Begründung freigesprochen, er habe nicht vorsätzlich, sondern aus leidenschaftlicher Überzeugung gehandelt.

Literatur über die Dreyfus-Affäre

  • Hannah Arendt: Die Dreyfus-Affäre und folgende Kapitel. In: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft (Piper Verlag, München 2005, ISBN 3-492-21032-5)
  • Louis Begley: Der Fall Dreyfus. Teufelsinsel, Guantánamo, Alptraum der Geschichte (Übersetzung: Christa Krüger, Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M 2009, ISBN 978-3-518-42062-1)
  • Léon Blum: Beschwörung der Schatten. Die Affäre Dreyfus (Übersetzung: Joachim Kalka, Berenberg Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-937834-07-9)
  • Yvonne Domhardt: Alfred Dreyfus. Degradiert – Deportiert – Rehabilitiert (Hentrich und Hentrich Verlag, Teetz 2005, ISBN 3-933471-86-9)
  • Vincent Duclert: Die Dreyfusaffäre. Militärwahn, Republikfeindschaft, Judenhass (Übersetzung: Ulla Biesenkamp, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 1994, ISBN 3-8031-2239-2)
  • Eckhardt Fuchs, Günther Fuchs: „J’accuse!“ Zur Affäre Dreyfus (Decaton-Verlag, Mainz 1994, ISBN 3-929455-27-7)
  • Ruth Harris: The Man on Devil’s Island. Alfred Dreyfus and the Affair that divided France (Penguin Books, London 2011, ISBN 978-0-141-01477-7)
  • Elke-Vera Kotowski, Julius H. Schoeps (Hg): J’accuse …! … ich klage an! Zur Affäre Dreyfus. Eine Dokumentation (Begleitkatalog zu einer Wanderaussstellung in Deutschland 2005, Verlag für Berlin-Brandenburg, Potsdam 2005, ISBN 3-935035-76-4)
  • Alain Pagès (Hg): Émile Zola. Die Dreyfus-Affäre. Artikel – Interviews – Briefe (Übersetzung: Karl Zieger, Haymon-Verlag, Innsbruck 1998, ISBN 3-85218-265-4)
  • Julius H. Schoeps, Hermann Simon (Hg.): Dreyfus und die Folgen (Edition Hentrich, Berlin 1995, ISBN 3-89468-154-3)
  • Siegfried Thalheimer: Die Affäre Dreyfus (dtv, München 1963, 2. Auflage, 1986: ISBN 3-423-02954-4)
  • George Whyte: Die Dreyfus-Affäre. Die Macht des Vorurteils (Übersetzung: Oliver Mallick, Verlag Peter Lang, Frankfurt/M 2010, ISBN 978-3-631-60218-8)

Opern, Romane und Kinofilme beschäftigen sich mit der Dreyfus-Affäre. Roger Martin du Gard schrieb den Roman „Jean Barois“ (1913; Übersetzung: Eva Mertens, Zsolnay Verlag, Wien 1930, 510 Seiten), und von Robert Harris stammt der Roman „Intrige“.

© Dieter Wunderlich 2013

Alfred Dreyfus (kurze Biografie)
Robert Harris: Intrige

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