Kalender Girls

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Kalender Girls – Originaltitel: Calendar Girls – Regie: Nigel Cole – Drehbuch: Tim Firth, Juliette Towhidi – Kamera: Ashley Rowe – Schnitt: Michael Parker – Musik: Patrick Doyle – Darsteller: Helen Mirren, Julie Walters, John Alderton, Linda Bassett, Annette Crosbie, Celia Imrie, Penelope Wilton, Philip Glenister, Ciarán Hinds, John Sharian, Jay Leno u.a. – 2003; 100 Minuten

Inhaltsangabe

Wie in jedem Jahr, will die Ortsgruppe des Rylstone Women's Institute in Knapely, einer Kleinstadt in Yorkshire, auch 2004 einen Benefiz-Kalender herausbringen. Chris Harper schlägt vor, statt Kirchen aus der Region reife Frauen aus der Vereinigung abzubilden, und zwar nackt, wenn auch dezent. Dabei denkt sie nur an eine kleine regionale Wohltätigkeitsaktion, aber das Vorhaben löst ein Medienecho aus, das sogar dazu führt, dass die Kalender Girls in die USA eingeladen werden ...
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Kritik

"Kalender Girls" basiert zwar auf einer wahren Begebenheit, aber die Namen und Charaktere sind ebenso wie die Handlung der unterhalt­samen Filmkomödie von Nigel Cole fiktiv. Hervorzuheben ist die hochkarätige Besetzung u. a. mit Helen Mirren und Julie Walters.
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An jedem Donnerstag versammeln sich die Mitglieder einer Ortsgruppe des Rylstone Women’s Institute in Knapely, einer Kleinstadt in Yorkshire. Dabei wird jeweils ein Vortrag gehalten, beispielsweise über Brokkoli. Nicht selten schlafen einige der Anwesenden dabei ein.

Auf einer Großveranstaltung der landesweiten Frauenorganisation gewinnt Chris Harper (Helen Mirren) aus Knapely den May Wilkinson-Pokal 2002 für einen Bisquit. Als sie ans Mikrofon gerufen wird und nach dem Geheimnis ihres Rezepts gefragt wird, gerät sie kurz in Verlegenheit, weil sie den Kuchen gar nicht selbst gebacken, sondern vorschriftswidrig bei Marks & Spencer gekauft hatte, aber mit einer flapsigen Bemerkungen zieht sie sich rasch aus der Affäre und sorgt für einen Lacher.

Die Ortsgruppe Knapely gibt jedes Jahr einen Benefiz-Kalender heraus. 2003 sind Brücken in der Region abgebldet, und als Motiv für den nächsten Kalender schlägt die Vorsitzende Marie (Geraldine James) Kirchen vor.

Chris ist seit Jahrzehnten eng mit Annie Clarke (Julie Walters) befreundet, die ebenfalls beim WI mitmacht. Annies Ehemann John (John Alderton) soll einen der nächsten Vorträge für die Frauen halten. Doch bevor es dazu kommt, erkrankt er an Leukämie. Jeden Tag besuchen Annie und Chris ihn im Krankenhaus. Die Chemotherapie rettet John nicht: Er stirbt.

In einer der nächsten Versammlungen verliest Chris den von ihm für den geplanten Vortrag vorbereiteten Text. Darin heißt es, mit den Frauen von Yorkshire sei es wie mit den Blumen: In der letzten Phase entfalten sie sich am schönsten.

Als Chris das Zimmer ihres Sohnes Jem (John-Paul Macleod) aufräumt, stößt sie auf ein Heft mit Fotos nackter Frauen. Kurz darauf fällt ihr in einer Fahrradwerkstatt ein an der Wand hängender Pin-up-Kalender auf, und sie leiht ihn sich aus. Darüber ist der Werkstattbesitzer (Ted Robbins) ebenso verwundert wie ihr Sohn. Die Fotos haben Chris auf eine Idee gebracht: Wie wäre es, im nächsten Kalender statt Kirchen Frauen abzubilden? Dezente Bilder reifer Frauen aus der Ortsgruppe des Rylstone Women’s Institute in Knapely. Von dem Erlös könnte man ein neues Sofa für den Besucherraum im Krankenhaus kaufen, denn Chris stellte fest, dass das vorhandene durchgesessen ist. Die Aktion würde John besser gefallen als eine für ihn gestiftete Parkbank.

Kurzerhand lädt Chris ein paar Frauen ein und versucht, sie fürs Mitmachen zu gewinnen. Einige stehen dem Vorhaben skeptisch gegenüber. Um ihnen zu demonstrieren, dass die Kalender Girls zwar unbekleidet posieren, aber Brüste und Schambereich auf den Aufnahmen nicht zu sehen sein sollen, zieht Chris beherzt Bluse und BH aus und stellt sich hinter einen Blumenstrauß. In diesem Augenblick kommt ihr Sohn mit einem Freund nach Hause. Jem starrt seine Mutter entgeistert an; er kann es nicht fassen, dass sie mit nacktem Oberkörper vor den Gästen steht. Was ist nur mit ihr los?

Nachdem zumindest einige der Frauen zugesagt haben, sich an der Benefiz-Aktion zu beteiligen, suchen Chris und Annie nach einem geeigneten Fotografen. Keiner der Bewerber gefällt ihnen. Der eine ist auf Pudel spezialisiert, der andere auf Orchideen und Schmetterlinge, und ein Student (Merryn Owen) will mit seinen verschrobenen Bildern Kapitalismuskritik üben. Da erinnern Chris und Annie sich an den sympathischen Krankenpfleger Lawrence Sertain (Philip Glenister), der John während der Chemotherapie betreute und erzählte, er sei Hobbyfotograf.

Lawrence schlägt den Damen vor, sie bei der Hausarbeit und anderen alltäglichen Verrichtungen zu fotografieren. Und für das Dezemberblatt des Kalenders will er alle elf Frauen, die bei der Aktion mitmachen, gemeinsam ablichten.

Zwei Stunden vor dem Shooting erinnert Chris die Teilnehmerinnen per Handy-Rundruf daran, die Büstenhalter abzulegen, damit die Abdrücke auf der Haut rechtzeitig verschwinden.

Weil einige Frauen sich nicht vor einem männlichen Fotografen ausziehen möchten, soll Lawrence die Kulissen und Requisiten drapieren, das Licht setzen und die Kamera einstellen, solange das Modell noch einen Bademantel trägt. Erst nachdem er den Raum verlassen hat, legt Celia (Celia Imrie), die als Erste posiert, den Bademantel ab. Chris soll den Drahtauslöser drücken. Es gibt doch noch Fragen. Lawrence versucht sie durch die geschlossene Tür zu beantworten, aber am Ende holen ihn die Kalender Girls entnervt herein, damit er selbst alles regelt.

Chris gewinnt die Jennings Brewery als Sponsor. Die Brauerei ist bereit, die Druckkosten für 500 Exemplare des „The Knapely WI Calendar“ zu übernehmen.

Die Ortsvorsitzende des Rylstone Women’s Institute ist von der provokanten Aktion nicht erbaut. Rat suchend wendet sie sich an die Obervorsitzende Brenda Mooney (Harriet Thorpe). Als Chris und Anne davon erfahren, eilen sie Marie nach – und platzen in eine Delegierten-Versammlung des Gesamtvorstandes. Anne wird aufgefordert, das Projekt kurz zu erläutern, aber ihr läuft die Redezeit davon. Chris springt ein und wirbt mit einer fulminanten Rede für das unorthodoxe Vorhaben. Am Ende überlässt Brenda Mooney die Entscheidung der Ortsvorsitzenden, stellt aber die Bedingung, dass der alternative Kalender nur regional verkauft und jedes Aufsehen vermieden wird. Draufhin gibt auch Marie ihr Plazet.

Auf einer Pressekonferenz in Knapely wollen die Frauen für den Kalender werben. Als Chris und Anne hinkommen, finden sie den Raum leer vor und sind schwer enttäuscht. Aber dann erfahren sie, dass die Pressekonferenz aufgrund des unerwarteten Andrangs in einen größeren Saal verlegt wurde. In den folgenden Tagen werden die Kalender Girls von Reportern umlagert. Dass nicht mehr ganz junge Frauen sich für einen Benefiz-Kalender nackt fotografieren lassen, elektrisiert die Medien. Auch das Fernsehen berichtet darüber. In der örtlichen Buchhandlung ist der Kalender innerhalb von zehn Minuten ausverkauft. Die Kalender Girls bekommen Unmengen von Zuschriften.

Ruth (Penelope Wilton) verpackt den Kalender, in dem auch sie abgebildet ist, in Geschenkpapier und möchte damit ihren Ehemann Eddie (George Costigan) überraschen, der als Teppichhändler viel unterwegs ist. Doch als er von einer mehrtägigen Tour nach Hause kommt, schimpft er, weil er schon beim Tanken darauf angesprochen wurde, dass seine Frau nackt in einem Kalender zu sehen sei. Eddie fährt gleich wieder weg. Ruth folgt ihm allerdings und findet heraus, dass er sich mit einer anderen Frau (Gillian Wright) verabredet hat.

Das Medienecho ist selbst in den USA zu hören: Die Kalender Girls werden in die Tonight Show von Jay Leno (Jay Leno) eingeladen.

Darüber freuen sie sich riesig, aber Annie rät ihrer Freundin, nicht mitzufliegen, sondern sich um ihren Sohn zu kümmern, der unlängst von der Polizei mit einem Joint erwischt wurde. Er kam dann zwar rasch wieder frei, weil man ihm Oregano statt Haschisch untergeschoben hatte, aber der Junge muss offenbar stärker beaufsichtigt werden. Sein Vater Rod (Ciarán Hinds) hat dafür nicht genügend Zeit, denn er muss sich um seine Gärtnerei kümmern, zumal Chris wegen ihres Engagements für den Kalender als Hilfskraft ausgefallen ist.

Die Mitarbeiterin der Fluglinie am Check-In-Schalter (Celia Henebury) bietet den fünf Frauen, die sich auf den Weg nach Hollywood gemacht haben, einen Upgrade in die 1. Klasse an. An der Hotelrezeption werden sie vom Manager (Matt Malloy) persönlich empfangen. Als Annie in ihre Suite geführt wird, kann sie es kaum glauben, dass sie in dem Luxus wohnen soll.

Währenddessen redet Rod Harper in der Gärtnerei mit einem vermeintlichen Kunden namens Andy Jackson (Ian Embleton). Arglos erzählt er, dass seine Frau so mit dem Benefiz-Kalender beschäftigt sei, dass er im Betrieb alles allein machen müsse und seit sechs Wochen nichts mehr mit ihr gelaufen sei. Andy Jackson knipst noch rasch ein Foto von Rod Harper, bevor er sich verabschiedet – und veröffentlicht dann einen Zeitungsartikel über die angeblichen Eheprobleme des Kalendergirls Chris Harper und ihres Mannes.

Nachdem Chris das gelesen hat, fliegt sie kurz entschlossen den anderen Kalender Girls hinterher, ohne mit ihrem Mann darüber gesprochen zu haben. Rechtzeitig zur Tonight Show von Jay Leno trifft sie in Amerika ein.

Und sie erreicht auch noch, dass die britischen Kalender Girls gegen viel Geld für ihren Wohltätigkeitsfonds für einen Waschmittel-Werbespot engagiert werden. Erst unmittelbar vor der Aufnahme erfahren sie von Danny (John Sharian), dem Regisseur, dass sie dabei nackt hinter aufgehängten Wäschestücken stehen sollen. Frustriert läuft Annie hinaus. Chris folgt ihr und versucht, sie zurückzuholen. Anne wirft ihr vor, egoistisch und gefallsüchtig zu ein. Andernfalls wäre sie bei ihrem Mann und ihrem Sohn geblieben. Der Streit entzweit die beiden langjährigen Freundinnen.

Die Kalender Girls kehren nach Yorkshire zurück. Als sie in Knapely eintreffen, sind die anderen Mitglieder der Ortsgruppe des Rylstone Women’s Institute gerade bei ihrer wöchentlichen Versammlung.

Rod begrüßt seine Frau auf der Straße. Er entschuldigt sich, weil er dem Reporter auf den Leim ging, und Chris bittet ihn um Verzeihung, weil sie nicht mit ihm darüber sprach. Rod versichert, er habe von Anfang an voll hinter ihrem Projekt gestanden und das werde sich auch nicht ändern. Dann schickt er sie zu den anderen hinein und fordert sie auf, sich mit Annie zu versöhnen.

In der Versammlung wird das aktuelle Ergebnis der Aktion „Kalender Girls“ bekannt gegeben: Bis zu diesem Tag sind bereits 286 000 Pfund Sterling für die Leukämie-Stiftung eingebracht worden. Das reicht auch für das Sofa, das Chris und Annie für das Krankenhaus in Knapely kaufen wollten.

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Als John Baker, ein Assistant National Park Officer der Yorkshire Dales National Park Authority, an Leukämie (Non-Hodgkin-Lymphom) erkrankte und behandelt wurde, begannen seine Frau Angela und andere Mitglieder des Rylstone Women’s Institute in Yorkshire Geld für ein neues Sofa im Besucherraum des Krankenhauses zu sammeln. Im Juli 1998 starb John Baker im Alter von 54 Jahren. Danach kamen seine Witwe und andere Mitglieder der Frauenvereinigung auf die Idee, auf dem Wohltätigkeitskalender für das Jahr 2000 nicht die üblichen Motive abzubilden, sondern selbst dafür zu posieren, und zwar bei hausfraulichen Tätigkeiten, allerdings unbekleidet. Die Kalender Girls waren zwischen 45 und 65 Jahre alt, als Terry Logan, der Ehemann des Kalender Girls Lynda Logan, die Aufnahmen machte. Ab 12. April 1999 boten sie ihren Kalender zum Kauf an. Innerhalb von einer Woche war die erste Auflage vergriffen. Bis zum Jahresende verkauften sich 88 000 Exemplare des Kalenders, und die Kalender Girls konnten der Leukaemia & Lymphoma Research der University of Leeds fast eine halbe Million Pfund Stirling zukommen lassen. Aufgrund des Erfolgs wurden die britischen Kalender Girls sogar in die amerikanische Nightshow von Jay Leno eingeladen.

Sechs der elf tatsächlichen Kalender Girls – Angela Baker, Beryl Bamforth, Christine Clancy, Ros Fawcett, Lynda Logan, Tricia Stewart – verkauften ihre Rechte, aber die Namen und Charaktere der Kalender Girls im Kinofilm von Nigel Cole sind dennoch überwiegend fiktiv.

Im Mittelpunkt der Komödie stehen elf nicht mehr ganz junge Engländerinnen in einer Kleinstadt in Yorkshire, die für einen Wohltätigkeits-Kalender auf dezente Weise die Hüllen fallen lassen und mit diesem mutigen Unternehmen einen unerwarteten Medienrummel auslösen, sodass sie von dem Erlös am Ende nicht nur das geplante Sofa fürs Krankenhaus kaufen können, sondern eine halbe Milliarde Pfund für die Leukämieforschung aufbringen.

Die einfache, aber warmherzige Geschichte wird mit ein paar Konflikten und Familienproblemen gewürzt, aber „Kalender Girls“ wird dadurch nicht zum Familiendrama, sondern bleibt eine flotte, unterhaltsame und humorvolle Filmkomödie. Getragen wird sie durch hochkarätige Schauspielerinnen wie Helen Mirren und Julie Walters.

Einige der tatsächlichen Kalender Girls sind als Mitglieder des Gesamtvorstandes des Women’s Institute zu sehen.

In Deutschland wurde die Idee beispielsweise 2008 von den „Albertinum Girls“ im Seniorenzentrum Albertinum in Neu-Ulm aufgegriffen. Und die „Kelkheimer Kalendergirls“ sind in einem Kalender für das Jahr 2014 zu sehen. Basierend auf dem Drehbuch von Tim Firth und Juliette Towhidi schrieb Wolf Christian Schröder das im November 2010 erstmals aufgeführte Theaterstück „Kalender Girls“.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2013

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Über Günter Grass als Mensch und sein Leben erfahren wir aus dem Buch "Günter Grass" von Heinrich Vormweg kaum etwas, denn der Literatur- und Theaterkritiker beschäftigt sich fast ausschließlich mit den Werken des Nobelpreisträgers.
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