Mein Mann

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Mein Mann - Originaltitel: Mon Homme - Regie: Bertrand Blier - Drehbuch: Bertrand Blier - Kamera: Pierre Lhomme - Schnitt: Claudine Merlin - Musik: Barry White, Henryk Gorecki u. a. - Darsteller: Anouk Grinberg, Gérard Lanvin, Valéria Bruni-Tedeschi, Olivier Martinez, Sabine Azéma, Mathieu Kassovitz, Dominique Valadié, Dominique Lillia, Bernard Fresson, Bernard Le Coq, Jacques Francois, Michel Galabru u.a. - 1995; 95 Minuten

Inhaltsangabe

Marie arbeitet als Prostituierte in Lyon. Eigentlich wartet sie auf den einen Mann, mit dem sie eine Familie gründen und glücklich werden kann. Den glaubt sie schließlich in einem Clochard gefunden zu haben, den sie bei sich aufnimmt, ausstaffiert und zu ihrem Zuhälter macht. Aber Jeannot wird bei dem Versuch, eine Kosmetikerin zur Prostituierten zu machen, verhaftet und zu einer Haftstrafe verurteilt ...
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Kritik

"Mein Mann" ist ein Großstadtmärchen, eine Groteske über eine heilige Hure, mit der Bertrand Blier der herzlosen Gesellschaft den Spiegel vorhält. Anouk Grinberg wurde für ihre Rolle bei der Berlinale 1996 mit einem "Silbernen Bären" ausgezeichnet.
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Marie Abarth (Anouk Grinberg) ist eine Prostituierte in Lyon, die ihrem Gewerbe nicht aus Geldgier nachgeht, sondern weil es ihr Freude macht. Eigentlich wartet sie auf den einen Mann, mit dem sie eine Familie gründen und glücklich werden kann.

Eines Nachts, als sie nach Hause kommt, stößt sie auf einen Clochard, der neben den Mülltonnen schläft. Marie weckt ihn und sagt ihm, da könne er nicht liegen bleiben, denn da werde er von Ratten angebissen. Er bettelt sie um ein paar Münzen an, aber sie nimmt den verdreckten, stinkenden Penner mit in ihre Wohnung in der sechsten Etage, wärmt ihm etwas Eintopf auf und schenkt ihm ein Glas Rotwein ein. Er heißt Jeannot (Gérard Lanvin). Nachdem er gegessen und getrunken hat, lässt Marie ihn am Boden neben der Heizung schlafen. Halb ausgezogen schaut sie ihn noch einmal an; er öffnet die Augen, und als Marie sich ihm anbietet, zieht er seine zwei Mäntel und das Jackett aus. Marie legt sich mit gespreizten Beinen auf den Rücken, aber er will sie von hinten nehmen, und sie dreht sich willig um. Ob er ihr Zuhälter werden wolle, fragt sie ihn. Sie werde ihm ihre gesamten Einnahmen geben und ihn um Geld bitten, wenn sie selbst etwas brauche. Jeannot will es sich überlegen.

Am anderen Morgen setzt Marie ihren Schützling in die Badewanne und kauft ihm Maßanzüge. Schließlich zieht sie mit ihm in eine größere Wohnung.

Bei der Maniküre lernt Jeannot die unbedarfte Blondine Sara (Valeria Bruni-Tedeschi) kennen. Die Kosmetikerin verliebt sich in ihn. Er nennt sie Sanguine, kauft ihr von Maries Geld ein Auto und überredet sie dann, sich für ihn zu prostituieren. Sanguine bemüht sich, aber als sie sich im Hotelzimmer vor einem Freier auszieht, fängt sie zu weinen an, und da zeigt ihr der Mann seinen Ausweis: Es handelt sich um Inspektor Marvier (Bernard Le Coq) von der Sittenpolizei.

Der sorgt dafür, dass Jeannot eingesperrt wird.

Marie ist tief enttäuscht. Von Sanguine will sie zunächst nichts wissen, aber dann befreunden sich die beiden Frauen. Als sie in einer Cafébar sitzen, beobachtet Marie, wie ein gut aussehender Kerl vergeblich in seinen Taschen nach ein paar Münzen für einen Kaffee sucht. Sie steckt ihm das Geld zu und fragt ihn unverblümt, ob er bereit sei, ihr zwei Kinder zu machen, sie sei bisher eine Nutte gewesen und wolle gerade damit aufhören. Jean-François Loriot (Olivier Martinez), so heißt der junge Arbeitslose, ist zwar verblüfft, setzt sich aber zu Marie und Sanguine an den Tisch.

Einige Jahre später: Marie und Jean-François haben zwei Kinder. Vergeblich bewirbt er sich bei verschiedenen Firmen. Einen Unternehmer, der ihn ablehnt, schlägt er zusammen. Dann geht er betteln, aber keiner der Passanten gibt ihm etwas. Zu Hause erfährt er, dass inzwischen der Strom gesperrt wurde. In der Not holt Marie den Koffer mit ihrer schwarzen Reizwäsche vom Schrank, zieht sich um und prostituiert sich wieder wie früher, doch sie findet keinen Freier und trifft stattdessen auf die hochschwangere Sanguine. Gemeinsam gehen sie heim und Marie fordert Jean-François auf, sich um Sanguine zu kümmern, bei der gerade die Wehen einsetzen. Offenbar ist er auch der Vater des noch ungeborenen Kindes.

Obwohl Marie Jeannots Briefe ungeöffnet zurückschickte und ihn im Gefängnis nicht besuchte, erwartet er bei seiner Entlassung, dass sie ihn abholt. Vor dem Tor wartet statt Marie eine etwas ältere Frau – Bérengère (Sabine Azéma) –, die endlich wieder einen Mann braucht und sich wie eine Klette an den ersten hängt, der aus dem Gefängnis kommt: Jeannot.

Schließlich taucht Jeannot bei Marie auf. Nach langem Schweigen bittet er sie und alle anderen Frauen um Verzeihung.

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„Mein Mann“ ist ein Großstadtmärchen, eine Groteske über eine heilige Hure, mit der Bertrand Blier (*1939) der herzlosen Gesellschaft den Spiegel vorhält. Für eine elegante Kameraführung sorgt Pierre Lhomme. Sehenswert ist „Mein Mann“ auch wegen der ausgezeichneten Besetzung (Mathieu Kassovitz tritt z. B. in einer Gastrolle als Freier Clément auf). Anouk Grinberg wurde bei der Berlinale 1996 für ihre Rolle in „Mein Mann“ mit einem „Silbernen Bären“ ausgezeichnet.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

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