Aron Ralston


2002 kündigte Aron Lee Ralston seine Anstellung als Ingenieur in Phoenix/Arizona, denn der 27-jährige Outdoor-Freak hatte sich vorgenommen, alle 59 Viertausender (14 000 ft) in Colorado im Alleingang zu bezwingen und bereits 1997 damit angefangen.

Am 26. April 2003 unternahm Aron Ralston einen Tagesausflug im Blue John Canyon in Utah. Während er eine Felsspalte durchkletterte, löste sich ein 350 kg schwerer Felsbrocken und klemmte seinen rechten Unterarm gegen die Felswand ein.

Weil niemand wusste, in welchem Gebiet Aron Ralston sich befand und er keinen Kontakt zur Außenwelt hatte, konnte er nicht auf fremde Hilfe hoffen. Proviant hatte er auch nur für einen Tag eingepackt. An Flüssigkeit standen ihm noch 350 ml Wasser zur Verfügung.

Nachdem der Versuch gescheitert war, den Felsen mit einem aus Kletterseilen und Karabinerhaken gebastelten Flaschenzug zu bewegen, wollte Aron Ralston den Arm unterhalb des Ellbogens amputieren. Aber das Messer seines billigen Multifunktions-Werkzeuges war stumpf, und es wäre völlig unmöglich gewesen, damit Knochen zu durchtrennen.

Der zerquetsche Arm, Durst, Hunger, Schlafmangel, Kälte und Todesangst setzten ihm zu. Weil Aron Ralston nicht mehr damit rechnete, lebend aus dem Canyon zu kommen, nahm er mit seinem Camcorder eine Abschiedsbotschaft für seine Familie auf.

Am fünften Tag, am 1. Mai, benutzte er seine Kenntnisse über Drehmomente und Hebelwirkungen, um sich Elle und Speiche zu brechen. Dann begann er, mit dem Multifunktions-Werkzeug das Fleisch an der Bruchstelle zu durchtrennen. Es dauerte eine Stunde, bis er freikam.

Aber gerettet war er noch längst nicht. Zunächst musste er sich einhändig über eine 20 Meter hohe Felswand abseilen. Die Entfernung bis zu seinem Auto betrug 13 Kilometer. Während Aron Ralston jedoch in die Richtung ging, begegnete er einer niederländischen Urlauberfamilie: Eric und Monique Meijer mit ihrem Sohn Andy. Sie gaben ihm zu trinken und setzten einen Notruf ab. 127 Stunden nach dem Unfall, sechs Stunden nach der Amputation seines Arms wurde Aron Ralston von einem Hubschrauber aufgenommen. Bis dahin hatte er bereits ein Viertel seines Blutes verloren.

Die Medien berichteten ausführlich über den Unfall und die Amputation des Armes. So war Aron Ralston beispielsweise am 21. Juli 2003 bei David Letterman in der „Late Show“.

13 Mitarbeiter der Nationalpark-Verwaltung hoben schließlich den Felsbrocken mit entsprechenden Geräten und bargen den abgetrennten Unterarm. Am 27. Oktober 2003, seinem 28. Geburtstag, kehrte Aron Ralston mit einem Kamerateam zur Unfallstelle zurück und verstreute dort die Asche seines eingeäscherten Arms.

Am 7. September 2004 veröffentlichte Aron Ralston das Buch „Between a Rock and a Hard Place“ („Im Canyon. Fünf Tage und Nächte bis zur schwierigsten Entscheidung meines Lebens“, Übersetzung: Susanne Schädlich, Ullstein, Berlin 2005, ISBN 3-550-07620-7).

Drei Tage später sendete Dateline NBC unter dem Titel „Desperate Days in Blue John Canyon“ eine zweistündige Dokumentation über Aron Ralston.

Trotz des fehlenden rechten Unterarms verwirklichte Aron Ralston sein Ziel: Bis 2005 bezwang er alle Viertausender in Colorado im Alleingang, und zwar jeweils im Winter.

Im August 2009 heiratete Aron Ralston Jessica Trusty. Sie bekamen im Februar 2010 einen Sohn, aber die Ehe wurde im November 2012 geschieden.

Im Frühjahr 2010 drehte Danny Boyle den Film „127 Hours“. Danny Boyle und der Hauptdarsteller James Franco durften auch die Videobotschaft sehen, die Aron Ralston im Blue John Canyon aufgenommen und bisher nur Familienangehörigen und engen Freunden gezeigt hatte.

© Dieter Wunderlich 2013

Danny Boyle: 127 Hours

Hans-Dieter Otto - Lexikon der ungesühnten Morde
Unter den Kapitel-Überschriften "Perfekte Morde?", "Unaufgeklärte Morde", "Unentdeckte Morde", "Spektakuläre Freisprüche" und "Spät gesühnte Morde" schildert Hans-Dieter Otto im "Lexikon der ungesühnten Morde" rund 50 Fälle.
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