Der König der Löwen

Der König der Löwen

Der König der Löwen

Der König der Löwen – Originaltitel: The Lion King – Regie: Roger Allers, Rob Minkoff – Drehbuch: Irene Mecchi, Jonathan Roberts, Linda Woolverton – Schnitt: Ivan Bilancio – Musik: Hans Zimmer (Elton John) – 1994; 85 Minuten

Inhaltsangabe

König Mufasa regiert sein Reich gerecht und umsichtig. Sein Bruder Scar missgönnt ihm die Macht und verbündet sich mit drei Hyänen, die seinen kleinen Neffen Simba töten sollen. Nachdem der erste Versuch misslungen ist, lösen die Hyänen die Stampede einer Gnu-Herde aus. Mufasa rettet Simba aus der Gefahr, gerät jedoch selbst unter die Hufe, und als er sich an einem Felsen hochziehen will, stößt Scar seinen Bruder in den Tod. Simba flieht und wächst fernab der Heimat auf, die unter Scars Diktatur verkommt ...
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Kritik

"Der König der Löwen" ist zwar ein unterhaltsamer Zeichentrickfilm, aber trotz einiger komischer Szenen bleibt die Grundhaltung überraschend ernsthaft. Es geht darum, sich als Jugendlicher selbst zu finden und in der Generationenfolge Verantwortung zu übernehmen.
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Mit Ausnahme der Hyänen versammeln sich die Tiere des Landes vor einem mächtigen Felsen, um Simba, dem neugeborenen Sohn des Königspaares Mufasa und Sarabi, zu huldigen. Der weise Mandrill Rafiki salbt das Löwenjunge und hebt es hoch, damit alle es sehen können.

König Mufasa regiert sein Reich gerecht und umsichtig. Er lehrt den Thronfolger, dass alles auf der Welt im Kreis des Lebens zusammenhängt und nicht aus dem Gleichgewicht gebracht werden darf.

Scar missgönnt seinem Bruder Mufasa die Macht und will verhindern, dass Simba ihn beerbt. Zu diesem Zweck verbündet er sich mit den drei Hyänen Shenzi, Ed und Banzai. Sie sollen Simba töten, als dieser mit seiner gleichaltrigen Freundin Nala einen Elefantenfriedhof erkunden möchte, von dem ihm sein Onkel Scar erzählt hat, um ihn hinzulocken. Simba musste seinem Vater zwar versprechen, sich von der Gegend fernzuhalten, aber die Neugier treibt ihn hin, und Nala folgt ihm. Es gelingt ihnen, den Nashornvogel Zazu, der auf sie aufpassen soll, abzuschütteln. Zazu warnt den König, und im letzten Augenblick rettet Mufasa die beiden kleinen Löwen vor den Hyänen.

Danach erklärt der König dem kleinen Simba, dass es nur mutig zu sein gilt, wenn die Umstände es erfordern. Unnötig dürfe man sich nicht in Gefahr bringen. Als Simba mit seinen Tatzen in den Abdruck einer Pranke seines Vaters tritt, erkennt er, wie viel kleiner er noch ist.

Scar gibt nicht auf. Er lockt Simba in eine Schlucht und lässt die Hyänen dann eine Gnu-Herde aufscheuchen. Während der Stampede alarmiert er seinen Bruder und teilt ihm mit, dass Simba in Lebensgefahr sei. Von Zazu geführt, gelingt es Mufasa, seinen Sohn zu retten und in Sicherheit zu bringen. Er selbst wird von der riesigen Herde mitgerissen, kann sich aber an einer Felswand ein Stück hochziehen. Über ihm taucht Scar auf, aber statt seinem Bruder zu helfen, zerkratzt er ihm die Pranken, sodass Mufasa den Halt verliert und zertrampelt wird.

Simba trauert um seinen Vater. Scar redet ihm ein, Schuld am Tod des Königs zu sein, denn Mufasa würde noch leben, wenn er nicht Simba gerettet hätte. Verstört befolgt Simba den Rat seines Onkels, möglichst weit wegzulaufen. Heimtückisch schickt Scar ihm Shenzi, Ed und Banzai nach. Simba flieht in ein Dornengestrüpp und von dort in die Wüste. Die Hyänen geben die Verfolgung auf, denn sie glauben nicht, dass der kleine Löwe lebend aus der Wüste zurückkommt. Scar lassen sie in dem Glauben, sie hätten Simba gefressen.

Irgendwann bricht Simba in der Wüste zusammen. Das Warzenschwein Pumbaa und das Erdmännchen Timon retten ihn und bringen ihn zu einer Oase. Dort wächst der kleine Löwe in ihrer Obhut heran und übernimmt ihr Mantra „Hakuna Matata“ (keine Sorgen).

Jahre später wird Pumbaa von einer Löwin gejagt. Simba stellt sich der Angreiferin in den Weg und kämpft mit ihr. Erst als sie ihn auf den Rücken wirft, erkennt er Nala wieder, denn sie bezwang ihn schon in der Kindheit immer wieder.

Sie berichtet ihm, dass Scar sich nach dem Tod seines Bruders und dem vermeintlichen Tod seines Neffen mit Hilfe der Hyänen zum König der Löwen machte. Unter seinem diktatorischen Regime verkam das Land, und inzwischen herrschen in der Ödnis Hunger und Durst. Nala setzte sich ab, um Hilfe zu suchen. Nun bittet sie Simba, mit ihr zurückzukehren und Scar die Herrschaft abzunehmen, damit das Königreich wieder prosperiert. Simba, der noch immer überzeugt ist, schuld am Tod seines Vaters zu sein, will jedoch von seiner Vergangenheit nichts mehr wissen und sein sorgenfreies Leben mit Pumbaa und Timon weiterführen.

Kurz darauf trifft Rafiki ein und erklärt Simba, der alte König der Löwen lebe in seinem Sohn weiter. Mufasas Geist erscheint und erinnert Simba daran, dass er der rechtmäßige König sei. Da beschließt Simba, sich seiner Aufgabe zu stellen, und seine Freunde begleiten ihn.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Nala ruft die Löwinnen zusammen, und Simba fordert Scar heraus. Der fühlt sich inmitten der vielen Hyänen sicher. Er gibt seinem Neffen zu bedenken, dass sie verwandt seien und bringt ihn dazu, vor Sarabi und den anderen Löwinnen zu bekennen, den Tod seines Vaters verursacht zu haben. Von Scar getrieben, rutscht Simba von einem Felsvorsprung und klammert sich fest. Bevor Scar ihm die Pfoten zerkratzt wie damals Mufasa, gesteht er ihm gehässig, er habe seinen Vater ermordet. Das versetzt Simba in Wut und verleiht ihm so viel Kraft, dass er sich nach oben katapultieren und Scar zu Boden werfen kann. Dann zwingt er Scar, das Geständnis vor den Löwinnen zu wiederholen.

Während die Hyänen angreifen, flieht Scar. Simba holt ihn auf einem Felsplateau ein. In die Enge getrieben, behauptet Scar, die Hyänen seien an allem schuld. Statt seinen Onkel zu töten, rät Simba ihm, das Land zu verlassen und nie mehr zurückzukommen. Der heimtückische Scar schleudert ihm plötzlich Glut aus einem Feuer ins Gesicht und stürzt sich auf ihn. Während des Kampfes stürzt Scar von dem Felsvorsprung. Die Hyänen Shenzi, Ed und Banzai, die seine letzten Äußerungen hörten, rächen sich für seinen Verrat und töten ihn.

Simba übernimmt das Amt des Königs und bringt das Land wieder zum Blühen.

Als Nala und er Nachwuchs bekommen, salbt Rafiki die kleine Kiara und präsentiert sie den vor dem Königsfelsen versammelten Tieren des Landes als Thronfolgerin.

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„Der König der Löwen“ beginnt und endet mit der Geburt einer neuen Generation. Ein Grundthema des Zeichentrickfilms ist denn auch der Kreislauf des Lebens. Im Mittelpunkt stehen aber vor allem die Selbstfindung in der Adoleszenz und die Übernahme von Verantwortung. Auch das Motiv des Kampfes zwischen David und Goliath ist erkennbar. Die Hauptlinien des Plots erinnern darüber hinaus an William Shakespeares Tragödie „Hamlet“: In beiden Fällen wird der König von einem hinterhältigen Bruder getötet und der Sohn des Ermordeten stellt nach langem Zögern am Ende die Ordnung wieder her.

Die Szene, in der Scar einen Vorbeimarsch der Hyänen im Gleichschritt abnimmt, spielt auf Paraden der Nationalsozialisten an, wie sie von Leni Riefenstahl gefilmt wurden. Die Disney-Leute verherrlichen das nicht, sondern drücken klar ihre Abscheu vor der Tyrannei eines verschlagenen Diktators aus. Aber der König der Löwen, dessen Herrschaft gepriesen wird, lässt sich auch nicht demokratisch wählen, und die Filmkritikerin Christiane Peitz weist darauf hin, dass „Der König der Löwen“ faschistische Züge aufweist:

In diesem Film gebührt nur dem Stärksten die Macht. Die Hyänen ganz unten, am Ende der Nahrungskette dienen als Chargen des Bösen, eine Horde von Ghetto-Schwarzen im Fascho-Outfit. Merke: Nur die Reichen sind gut und die Armen Verbrecher. […] Die Disneysche Lehre vom Kreislauf der Natur verniedlicht den Sozialdarwinismus zur Computeranimation: Löwen fressen Antilopen, aber dann, erklärt der Papa dem Sohn, verwesen die Löwen zu Gras und werden von den Antilopen verspeist. […] Das mit Weltmusik, Afrika-Impressionen und ein paar komischen Einlagen garnierte Hohelied auf die Herrschaft illustriert eine Führer-Phantasie, die schaudern macht. Disney feiert einen Reichsparteitag der Tiere, wie er im Lehrbuch für Propagandafilme stehen könnte. […] Natürlich geht die Apotheose der Macht mit den üblichen Hollywood-Appellen zu Vaterlandspflicht, Tatkraft, Arbeitsmoral und Vergangenheitsbewältigung einher. (Christiane Peitz: Triumph des Willens, „Die Zeit“, 25. November 1994)

„Der König der Löwen“ ist zwar ein unterhaltsamer Zeichentrickfilm für Kinder und Erwachsene, aber trotz einiger komischer Szenen bleibt die Grundhaltung überraschend ernsthaft. Erzählt wird die Geschichte stringent und temporeich. Durchdacht eingesetzte Wiederholungen, Spiegelungen und Symmetrien strukturieren die Darstellung. So flüchtet Simba beispielsweise von links nach rechts und kehrt Jahre später von rechts nach links zurück. Menschen oder Artefakte kommen in „Der König der Löwen“ übrigens keine vor.

600 Zeichner schufen in vier Jahren über eine Million Bilder. Bei der Stampede kamen auch Computer zum Einsatz. Einige Mitglieder des Disney-Filmteams flogen im November 1991 für zwei Wochen nach Kenia, um Eindrücke von der afrikanischen Landschaft und von wilden Tieren zu sammeln. In „Der König der Löwen“ werden Tiere und Landschaften denn auch weitgehend realistisch abgebildet – nur dass die Tiere sprechen und denken können.

Als Regisseur war zunächst George Scribner vorgesehen, aber im Oktober 1991 trat Roger Allers an dessen Stelle. Im April 1992 kam Rob Minkoff dazu, und das mehrfach geänderte Drehbuch wurde unter Mitwirkung von Kirk Wise und Gary Trousdale noch einmal gründlich überarbeitet.

Für die musikalische Untermalung von „Der König der Löwen“ ließ sich Hans Zimmer von Wolfgang Amadeus Mozart und afrikanischen Rhythmen inspirieren. Dabei arbeitete er mit dem südafrikanischen Komponisten Lebo M (bürgerlich: Lebohang Morake) zusammen, der dann bei der Einspielung auch einen Zulu-Chor dirigierte. Die Texte der Lieder stammen von Tim Rice, und Elton John vertonte sie: „Circle Of Life“, „I Just Can’t Wait to Be King“, „Be Prepared“, „Hakuna Matata“, „Can You Feel the Love Tonight“. Die Titelmelodie für „Der König der Löwen“ wird im Original von Carmen Twillie gesungen, in der deutschen Synchronisation von Jocelyn B. Smith.

Den Song „The Lion Sleeps Tonight“ (ursprünglich: „Mbube“) hatte der Südafrikaner Solomon Linda 1939 komponiert. Die Erben des 1962 verstorbenen Zulu-Musikers verklagten The Walt Disney Company wegen Urheberrechtsverletzung und erstritten 10 Millionen Rand.

„Der König der Löwen“ wurde mit zwei „Oscars“ ausgezeichnet: Eine der Trophäen erhielt Hans Zimmer für die Musik, die andere ging an Elton John und Tim Tice für den Song „Can You Feel the Love Tonight“.

In Bezug auf die Einspielergebnisse gilt „Der König der Löwen“ als erfolgreichster klassischer Zeichentrickfilm.

„Der König der Löwen“ ist Frank Wells gewidmet. Der Präsident und Chief Operating Officer der Walt Disney Company kam am 3. April 1994 – elfeinhalb Wochen vor der Premiere des Zeichentrickfilms (24. Juni 1994) – bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben.

Synchronstimmen:

  • Simba: Matthew Broderick / Frank-Lorenz Engel (Gesang: Joseph Williams / Cusch Jung)
  • Nala: Moira Kelly / Alexandra Wilcke (Gesang: Sally Dworsky / Alexandra Wilcke)
  • kleiner Simba: Jonathan Taylor Thomas / Julius Jellinek
  • kleine Nala: Niketa Calame / Magdalena Turba
    (Gesang: Laura Williams / Magdalena Turba)
  • Mufasa: James Earl Jones / Wolfgang Kühne
  • Scar: Jeremy Irons / Thomas Fritsch
  • Pumbaa: Ernie Sabella / Rainer Basedow
  • Timon: Nathan Lane / Ilja Richter
  • Rafiki: Robert Guillaume / Joachim Kemmer
  • Zazu: Rowan Atkinson / Eberhard Prüter
  • Shenzi: Whoopie Goldberg / Hella von Sinnen
  • Banzai: Cheech Marin / Frank Lenart
  • Sarabi: Madge Sinclair / Rita Engelmann

1995 bis 1999 knüpfte Disney mit der Fernsehserie „Timon & Pumbaa“ / „Abenteuer mit Timon und Pumbaa“ an den Erfolg von „König der Löwen“ an.

Das Sequel „The Lion King II. Simba’s Pride“ / „Der König der Löwen 2. Simbas Königreich“ schaffte es 1998 nicht in die deutschen Kinos. Das gilt auch für das Prequel „The Lion King 1 ½“ / „Der König der Löwen 3. Hakuna Matata“ aus dem Jahr 2004.

„Der König der Löwen“ wurde 2011 digital in 3D konvertiert.

Elton John und Tim Rice schrieben das auf dem Zeichentrickfilm basierende Musical „The Lion King“ / „Der König der Löwen“. Es wurde am 31. Juli 1997 im Orpheum Theater in Minneapolis uraufgeführt und dann am Broadway gespielt. Die deutsche Erstaufführung fand am 2. Dezember 2001 im Hamburger Hafen statt.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2012

Rob Minkoff: Stuart Little
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Rafael Chirbes - Am Ufer
Was Rafael Chirbes in seinem trost­losen Roman "Am Ufer" zu erzählen hat, kleidet er in Erinnerungen, innere Monologe, Dialoge. Zumeist hören wir den Protagonisten, aber zwischendurch kommen auch andere Figuren zu Wort.
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