Marjane Satrapi: The Voices
mit Ryan Reynolds u. a.
      Kritik:
"The Voices" wechselt zwischen Horror und Klamauk. Man könnte argu­mentieren, dass dieses Durcheinander der Schizophrenie des Protagonisten entspricht, aber wirk­lich überzeugend ist nur, wie ver­schie­den Jerry die Welt mit und ohne Psychopharmaka wahrnimmt. Kritik, Filmkritik, Rezension, Filmbesprechung
 

The Voices

 
  Inhalt:
Jerry Hickfang ist zwar ein freundlicher, einfältiger junger Mann, aber auch schizo­phren. Wenn er seine Medikamente nimmt, ist die Welt für ihn grau und düster. Ohne den Einfluss der Psychopharmaka sieht seine Wohnung dagegen nicht mehr ver­wahrlost aus, und auch alles andere ist in warme Farben getaucht. Jerry kann sich dann mit seinen Haustieren unterhalten. Dabei hört er immer wieder auf seinen bösartigen Kater statt auf seinen gut­müti­gen Hund. So wird er zum Serienmörder ... Handlung, Inhalt, Inhaltsangabe, Zusammenfassung



The Voices – Originaltitel: The Voices – Regie: Marjane Satrapi – Drehbuch: Michael R. Perry – Kamera: Maxime Alexandre – Schnitt: Stéphane Roche – Musik: Oliver Bernet – Darsteller: Ryan Reynolds, Gemma Arterton, Anna Kendrick, Jacki Weaver, Gulliver McGrath, Sam Spruell, Adi Shankar, Ella Smith, Paul Chahidi, Stanley Townsend, Valerie Koch, Paul Brightwell u.a. – 2014; 105 Minuten

   


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Marjane Satrapi: The Voices

Inhaltsangabe:

Jerry Hickfang (Aaron Kissiov / Gulliver McGrath / Ryan Reynolds) ist zwar ein freundlicher, einfältiger junger Mann, aber auch schizophren. Offenbar verbrachte er unlängst einige Zeit im Gefängnis, aber wir erfahren weder den Grund noch die Dauer der Haft. Jedenfalls arbeitet er nun zur Bewährung im Lager der Milton Bathtub Factory und muss sich regelmäßig bei der Amtspsychiaterin (Jacki Weaver) melden, die sicherstellen soll, dass er seine verordneten Psychopharmaka nimmt. Auch Sheriff Weinbacher (Stanley Townsend) hat ein Auge auf ihn.

Wenn Jerry seine Medikamente nimmt, ist die Welt für ihn grau und düster. Ohne den Einfluss der Psychopharmaka sieht seine Wohnung über einer Bowling-Bahn dagegen nicht mehr verwahrlost aus, und auch alles andere ist in warme Farben getaucht. Jerry kann sich dann mit seinen Haustieren unterhalten, dem gutmütigen Hund Bosco und dem bösartigen Kater Mr Whiskers.

Nach einiger Zeit erhält Jerry von seinem Vorgesetzten Dennis Kowalski (Paul Chahidi) den Auftrag, bei den Vorbereitungen für ein Picknick der Mitarbeiter zu helfen. Dabei kommt Jerry in Kontakt mit der attraktiven, aus England stam­menden Buchhalterin Fiona (Gemma Arterton). Als er sie mit dem Vorschlag einer Verabredung überrascht, Bücher von Dieter Wunderlich sagt sie unüberlegt zu, obwohl sie eigentlich gar nicht mit dem schüchternen Lagerarbeiter ausgehen möchte. Zur vereinbarten Zeit wartet Jerry in einem China-Restaurant vergeblich auf sie. Als er sich niedergeschlagen auf den Heimweg macht, sieht er Fiona im strömenden Regen am Straßenrand stehen und nimmt sie in seinem Pick-up mit. (Als Zuschauer wissen wir, dass Fiona mit Kolleginnen bei einer Karaoke-Party war und ihr Auto danach nicht ansprang.) Erleichtert schlägt Fiona vor, noch einen Burger zu essen. Auf dem Weg zum Schnellrestaurant fahren sie durch einen Wald und kollidieren mit einem die Straße überquerenden Hirsch. Jerry hört, wie das schwer verletzte Tier ihn um den Gnadentod bittet und schneidet ihm beherzt die Kehle durch. Der Anblick versetzt Fiona in Panik. Sie rennt in den Wald. Jerry folgt ihr besorgt. Als er Fiona einholt, stolpern sie beide, und dabei rammt er ihr versehentlich das zum Töten des Hirsches benutzte Messer in den Bauch. Um Fionas Leiden zu verkürzen, sticht er weiter auf sie ein und lässt dann die Leiche liegen.

Zu Hause rät Bosco ihm, sich der Polizei zu stellen, aber Mr Whiskers hält es für besser, stattdessen die Leiche zu beseitigen. Jerry holt die Tote, zerstückelt sie in seiner Wohnung, verpackt die Teile in Kunststoff-Behältern und stellt den abgetrennten Kopf in den Kühlschrank. Fionas Kopf fordert ihn auf, seine Medikamente wieder zu nehmen, und Jerry folgt dem Rat. In der Nacht wird er von Albträumen aus seiner Kindheit heimgesucht. Die Wohnung sieht schrecklich aus, und die Haustiere sprechen nicht mehr mit ihm. Entsetzt spült Jerry die restlichen Pillen im WC hinunter. Am anderen Morgen sieht er alles wieder in Bonbon-Farben. Fionas Kopf fühlt sich einsam und drängt Jerry, etwas dagegen zu unternehmen.

Um Fionas Wunsch zu erfüllen, verabredet er sich mit ihrer australischen Kollegin Lisa, die gern darauf eingeht. In der Absicht, sie zu ermorden, bringt er sie in die leer stehende Waldhütte seiner verstorbenen Eltern. Dort erinnert er sich, wie er als Siebenjähriger am Bett seiner aus Berlin stammenden Mutter (Valerie Koch) stand. Man hatte ihre Einweisung in die Psychiatrie verfügt. Als ein Krankenwagen und die Polizei vorfuhren, zertrümmerte die Mutter ein Glas und versuchte, sich mit einer Scherbe die Kehle durchzuschneiden. Weil ihr das nicht gelang, bat sie Jerry, sie zu töten. Die Erinnerung an damals erschüttert ihn, und er bringt es nicht fertig, Lisa etwas anzutun. Stattdessen bringt er sie nach Hause und schläft mit ihr.

Lisa lässt sich von ihrer Kollegin Alison (Ella Smith) in der Buchhaltung Jerrys Adresse geben und besucht ihn. Um sie am Betreten der Wohnung zu hindern, empfängt er sie vor der Tür – die dann aber dummerweise zufällt. Während Jerry an der Fassade hochklettert und durch eine Dachluke einsteigt, gelingt es Lisa, die Tür zu öffnen. Im Inneren entdeckt sie die mit Fleisch gefüllten Plastikbehälter und Fionas Kopf. Als Lisa in Panik davonzurennen versucht, stößt Jerry sie, und bei dem Sturz bricht sie sich das Genick. Auf diese Weise bekommt Fionas Kopf im Kühlschrank Gesellschaft.

Ein dritter Kopf kommt hinzu, als Alison bei Jerry klingelt, um sich nach den beiden verschwundenen Kolleginnen zu erkundigen.

In der nächsten Sitzung gesteht Jerry seiner Therapeutin, dass er die Psychopharmaka abgesetzt und drei Menschen ermordet habe. Entsetzt greift Dr. Warren zum Telefon, aber er hält sie davon ab, die Polizei zu alarmieren. Stattdessen fesselt er sie, verklebt ihr den Mund und verschleppt sie als Geisel.

Mitarbeiter der Milton Bathtub Factory erfahren aus dem Internet, dass Jerry Hickfang nach dem Tod seiner Mutter in einer psychiatrischen Anstalt war. Zwei von ihnen fahren zu seiner Adresse, und während einer im Auto wartet, dringt der andere in die Wohnung ein – wo er sowohl auf die drei Köpfe der Buchhalterinnen als auch die Leichenteile stößt. Die beiden Männer verständigen daraufhin die Polizei.

Kurz nachdem Jerry mit seiner Geisel nach Hause gekommen ist, umstellt ein Sonderkommando der Polizei das Gebäude. Er klettert durch einen Schacht in den Keller. Dabei tritt er versehentlich auf eine Rohrleitung. Gas strömt aus. Die Polizei stürmt das Haus und befreit Dr. Warren. Der Hund und die Katze werden in ein Tierheim gebracht. Bevor Jerry festgenommen werden kann, explodiert das Haus.

Im Sterben glaubt Jerry, Bosco und Mr Whiskers zu sehen. Sie versichern einander, dass sie sich trotz ihrer unterschiedlichen Lebensauffassungen gut leiden konnten. Dann gehen sie auseinander. Jerry tanzt mit seinen Eltern, Fiona, Lisa, Alison und Jesus (Michael Pink) in einem farbigen Nebel.

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Filmkritik:

Jerry Hickfang ist eigentlich ein freundlicher, einfältiger junger Mann, aber auch schizophren. Solange er die verordneten Psychopharmaka regelmäßig einnimmt, ist die Welt grau und düster, aber wenn er sie absetzt, lebt er in einer bonbonfarbigen schönen Umgebung und spricht mit seinen Haustieren. Dabei hört er immer wieder auf seinen bösartigen Kater statt auf seinen gutmütigen Hund. So wird er zum Serienmörder.

Das ist ein vielversprechender Ausgangspunkt, aber der amerikanische Drehbuchautor Michael R. Perry und die aus dem Iran stammende Regisseurin Marjane Satrapi können sich nicht entscheiden, was sie daraus machen sollen: einen Serienmörder-Film, ein Splatter Movie, eine schwarze Killerkomödie, eine zynische Groteske, makabren Klamauk oder ein Feel Good Movie über einen Psychopathen. Ist Jerry bemitleidenswert, zum Fürchten oder zum Lachen? Die einzelnen Passagen von "The Voices" passen nicht zusammen. Man könnte räsonieren, dass dies der psychischen Verfassung des Schizophrenen entspricht, aber überzeugend ist dieses Durcheinander nicht.

Die Dreharbeiten für "The Voices" fanden im Frühsommer 2013 in Berlin statt.

Deutsche Synchronsprecher in "The Voices":Dennis Schmidt-Foß (Jerry Hickfang), Maria Koschny (Fiona), Anne Helm (Lisa), Katarina Tomaschewsky (Dr. Warren) u.a.

Inhaltsangabe

Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2015

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