Liebe das Leben

Liebe das Leben

Liebe das Leben

Liebe das Leben - Originaltitel: La vie rêvée des anges - Regie: Erick Zonca - Drehbuch: Erick Zonca und Roger Bohbot - Kamera: Agnès Godard - Schnitt: Yannick Kergoat - Musik: Yann Thiersen - Darsteller: Élodie Bouchez, Natacha Régnier, Grégoire Colin, Jo Prestia u.a. - 1998; 115 Minuten

Inhaltsangabe

Die 21-jährige Herumtreiberin Isabella ("Isa") Tostin kommt nach Lille, befreundet sich mit der spröden, zurückhaltenden Marie Thomas und zieht zu ihr in eine Wohnung, auf die Marie vorübergehend aufpassen soll, weil die Bewohnerin bei einem Verkehrsunfall starb und die Tochter im Koma liegt. Während Isa das Leben nimmt, wie es kommt, träumt Marie von einem Märchenprinzen, der sie aus der Tristesse erlöst ...
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Kritik

Erick Zonca erzählt die Geschichte schnörkellos und unpräteniös. Der sachliche Stil, die Handkamera und vor allem die nicht dem am Computer hergestellten Cover-Girl-Schönheitsheitsideal entsprechenden Hauptdarstellerinnen suggerieren dabei Authentizität.
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Die einundzwanzigjährige Herumtreiberin Isabella („Isa“) Tostin (Élodie Bouchez) kommt nach Lille, um dort einen Freund zu besuchen, aber der ist vor einem Monat weggezogen. Weil sie Geld braucht, verkauft sie auf der Straße selbst gebastelte Postkarten, und dabei gerät sie an einen Jugoslawen (Zivko Niklevski), der ihr eine Arbeit als Näherin in einer Fabrik verschafft.

Nach Feierabend, an der Bushaltestelle, überredet Isa ihre spröde, zurückhaltende Kollegin Marie Thomas (Natacha Régnier), sie für eine Nacht bei sich aufzunehmen. Isa wundert sich über die große Wohnung, aber sie gehört Marie nicht; sie soll nur darauf aufpassen, denn die Bewohnerinnen – eine Madame Val und deren Tochter – wurden bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt. Die Mutter ist inzwischen gestorben; das Mädchen Sandrine (Louise Motte) liegt im Koma. Marie hat nichts dagegen, dass Isa die Wohnung mit ihr zusammen benutzt. Die beiden jungen Frauen befreunden sich, und als Isa wegen ihrer Ungeschicklichkeit an der Nähmaschine nach einigen Tagen entlassen wird, hört Marie ebenfalls zu arbeiten auf.

Isa liest im Tagebuch Sandrines und beginnt dann, das Mädchen regelmäßig im Krankenhaus zu besuchen. Weil ihr die Krankenschwester versichert, dass die Komapatientin sie hört, liest sie ihr schließlich ältere Abschnitte aus dem Tagebuch vor, das sie für Sandrine auch weiterführt.

Auf der Suche nach einer neuen Arbeit bewerben Isa und Marie sich im Nachtklub „Hollywood“, in dem die Bedienungen wie berühmte Filmstars aussehen. Isa imitiert Madonna und verrät, dass Marie für Lauren Bacall schwärmt. Sie werden zwar nicht als Bedienungen eingestellt, sollen aber Werbung für das Lokal machen, d.h. in lächerlichen gelben Kleidchen und auf Rollschuhen Flyer verteilen. Während Marie zu stolz ist, macht Isa unbekümmert mit.

Inzwischen haben Isa und Marie sich mit zwei Türstehern eines anderen Nachtklubs angefreundet: Fredo (Jo Prestia) und Charlie (Patrick Mercado). Isa nimmt zwar Geldgeschenke von dem aufbrausenden Fredo an, weigert sich jedoch, mit ihm ins Bett zu gehen. Marie dagegen schläft mit dem dicken, freundlichen Charlie, vielleicht wegen des Geldes, das er ihr immer wieder zusteckt, oder aber auch einfach aus Gleichgültigkeit.

Als Chriss (Grégoire Colin), der Nachtklubbesitzer, für den Fredo und Charlie arbeiten, in einem Bekleidungsgeschäft beobachtet, wie Marie eine Lederjacke zu stehlen versucht, aber von zwei Kaufhausdetektiven festgehalten wird, greift er ein und bezahlt die Jacke, damit die junge Frau nicht angezeigt wird. Chriss lädt Marie noch auf einen Drink ein, aber statt sich für seine Hilfe zu bedanken, verhält sie sich schroff abweisend und weist auch das Geschenk der Jacke zurück. Kurz darauf nimmt sie ihn dann doch in die Wohnung mit, geht mit ihm in ein Hotelzimmer und verbringt mit ihm ein Wochenende in seinem Haus am Meer, ohne auf Charlie zu achten, der noch ein paar Mal vergeblich anruft und verständnisvoll reagiert, als Isa ihm sagt, dass Marie inzwischen einen anderen hat.

Isa warnt ihre Freundin vor dem „reichen Arschloch“, das bestimmt nicht vorhabe, sich mit einer einzigen Geliebten zu begnügen, aber Marie klammert sich an die Hoffnung, den Märchenprinzen gefunden zu haben, der sie aus der Tristesse erlöst. Sie nimmt ein schickes Kleid aus dem Schrank der Wohnung, zieht es an und will Chriss damit überraschen – und ertappt ihn, wie er gerade eine andere Frau leidenschaftlich küsst. Frustriert läuft sie wieder nach Hause, zieht jedoch keine Konsequenzen aus der Beobachtung und trifft sich auch weiterhin mit Chriss.

Monsieur Val (Christian Cailleret), der Bruder der verstorbenen Wohnungsbesitzerin, taucht eines Tages mit einem Interessenten auf, der hier zum Monatswechsel einziehen möchte. Die Mädchen müssen die Wohnung bis dahin verlassen haben.

Chriss hat bald genug von Marie, sagt es aber nicht ihr, sondern bittet Isa, es ihr mitzuteilen und lässt sich am Telefon verleugnen, wenn Marie anruft.

Als Isa versucht, die verloren gegangene Vertrautheit mit Marie wiederherzustellen, fährt diese sie gereizt an: „Du kannst nicht verkraften, dass es zwischen mir und Chriss gut läuft!“ Isa entgegnet, dass Chriss nichts mehr mit ihr zu tun haben wolle, aber zu feig sei, es ihr ins Gesicht zu sagen. Marie weigert sich, zu glauben, dass es aus ist und beschuldigt Isa, sich aus Neid an Chriss herangemacht zu haben. Da gibt Isa den Versuch auf, Marie die Augen zu öffnen, schnallt wieder ihren Rucksack um, verlässt die Wohnung und beginnt, wieder auf der Straße zu leben.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Noch einmal geht sie ins Krankenhaus. Dort erfährt sie, dass Sandrine wahrscheinlich wieder gesund wird, weil es erste Anzeichen für ein Erwachen aus dem Koma gibt. Eine Krankenschwester meint, es sei gut gewesen, dass Isa mit der Patientin gesprochen habe und freut sich, dass Isa das Mädchen offenbar erneut besuchen will, doch an der Tür zögert Isa und geht dann fort, ohne Sandrine noch einmal gesehen zu haben.

Sie kehrt in die inzwischen ausgeräumte Wohnung zurück. Marie schläft. Statt sie zu wecken, schreibt Isa ihr einen Abschiedsbrief. Dann hört sie Geräusche im Nebenzimmer – und sieht gerade noch, wie Marie sich aus dem Fenster stürzt.

Isa nimmt in einer anderen Fabrik wieder eine Stelle als Näherin an. Die Kamera wandert an den Arbeitsplätzen der Frauen entlang. Mit einer von ihnen wird Isa sich vermutlich befreunden. Das Leben geht weiter.

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„Liebe das Leben“ handelt vom Alltag zweier junger Frauen, einer eher introvertierten Träumerin, die das Scheitern ihrer Illusion nicht verkraftet und einer zuversichtlichen Pragmatikerin, die auf andere Menschen zugeht und ihnen zu helfen versucht. Durch Nebenhandlungen wird diese Geschichte durchaus komplex, aber Erick Zonca erzählt sie in seinem ersten Kinofilm schnörkellos und unprätentiös. Der sachliche Stil, die Handkamera und vor allem die nicht dem am Computer hergestellten Cover-Girl-Schönheitsheitsideal entsprechenden Hauptdarstellerinnen suggerieren dabei Authentizität. Élodie Bouchez und Natacha Régnier wurden bei den Filmfestspielen in Cannes für ihre eindrucksvolle Darstellung in „Liebe das Leben“ gemeinsam mit dem Preis für die beste weibliche Hauptrolle ausgezeichnet.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004

Erick Zonca: Julia

Christopher Isherwood - Der Einzelgänger
Christopher Isherwood hat einen besonderen Stil entwickelt: Er beschreibt Szenen so, als ob es sich um einen Dokumentarfilm handeln würde. Ungeachtet des ironischen Untertons bleibt der Autor sachlich und unaufgeregt. Seine Sprache ist kultiviert und ausgefeilt.

Der Einzelgänger

Christopher Isherwood

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