Die andere Frau

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Die andere Frau

Originaltitel: Die andere Frau - Regie: Margarethe von Trotta - Drehbuch: Pamela Katz - Kamera: Martin Langer - Schnitt: Corina Dietz - Musik: EnJott Schneider - Darsteller: Barbara Sukowa, Barbara Auer, Stefan Kurt u.a. - 2004; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Familie Schuhmacher zog nach der Wende von Ostdeutschland nach Holland. Dort leisten sie sich ein Haus und eine Yacht. Eines Tages erhält Ivonne Schuhmacher Post von einer ihr unbekannten Frau, die in der Bundesrepublik wegen Landesverrats zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde: Vera Glaubitz behauptet, Ivonne werde von ihrem Ehemann betrogen ...
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Kritik

Höhepunkte des Dramas "Die andere Frau" sind die Besuche der Ehefrau eines früheren Stasi-Agenten bei seiner jahrelang zu Spionagezwecken missbrauchten früheren Geliebten im Gefängnis: Kammerspielartige Szenen mit zwei hervorragenden Darstellerinnen.
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Das Ehepaar Ivonne und Stefan Schuhmacher (Barbara Auer, Stefan Kurt) zog nach der Wende von Ostdeutschland nach Holland. Die beiden Söhne sind inzwischen fast erwachsen. Eines Tages erhält Ivonne Post von einer ihr unbekannten Frau, die in der Bundesrepublik Deutschland wegen Landesverrats zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde: Vera Glaubitz (Barbara Sukowa). „Man sagt, eine gute Ehefrau merkt, wenn ihr Mann ihr untreu ist“, heißt es darin. Vera behauptet, Ivonne werde von ihrem Mann betrogen und bietet an, sie über ihn aufzuklären.

Trotz des weiten Wegs fährt Ivonne zu der Justizvollzugsanstalt, in der Vera ihre Strafe verbüßt. Die sarkastische und verbitterte Frau erzählt ihr, wie sie als ledige Mutter einer Tochter einen gut aussehenden und charmanten Mann namens Peter van Hees kennen gelernt hatte, der sich rührend um das Kind kümmerte. Sie verliebte sich in ihn und wurde auch nicht argwöhnisch, als er sie bat, im Auswärtigen Amt, wo sie als Sekretärin arbeitete, geheime Unterlagen für ihn zu kopieren. Er behauptete, für ein Friedensforschungsinstitut in Wien zu arbeiten, und der offizielle Weg, um an die Informationen zu kommen, sei zu umständlich und langwierig. Erst nach Jahren fand sie heraus, dass es sich bei Peter um einen sogenannten Stasi-Romeo handelte, der den Auftrag hatte, durch ein Verhältnis mit ihr an geheime Dokumente heranzukommen. Noch bevor er aufgetaucht war, hatten andere Stasi-Agenten sie ausgeforscht, damit er sich auf ihre Vorlieben einstellen konnte. Kein Wunder, dass er ihr wie der Mann ihres Lebens vorkam. Ivonne wundert sich über Veras Leichtgläubigkeit, und als Vera sie auf die Stasi-Vergangenheit ihres Mannes anspricht, betont sie, das sei in der DDR nicht ungesetzlich gewesen und er hätte nie etwas Illegales von ihr verlangt. Immer wenn Ivonne ihre Gesprächspartnerin drängt, endlich den Namen der Frau zu verraten, mit der Stefan sie angeblich betrügt, weicht Vera aus. Nach einer Stunde ist die Sprechzeit unvermittelt zu Ende. Wenn Ivonne mehr erfahren wolle, müsse sie eben noch einmal kommen, meint Vera ungerührt.

Von ihrem Mann wird Ivonne mit einer Yacht überrascht.

Als sie ihren holländischen Nachbarn Henk fragt, wieso er so gut Deutsch spricht, gibt er zu, vor der Wende ein begeisterter Kommunist gewesen und häufig in die DDR gereist zu sein. Ivonne möchte wissen, ob er ihren Mann damals bereits gekannt habe, aber in diesem Augenblick kommt Henks kleine Tochter Katy (Kira Schoenen) und unterbricht die Unterhaltung.

Bei Ivonnes zweitem Besuch im Gefängnis erzählt Vera, dass sie 1987, nach fünf Jahren, aufhören wollte, Dokumente aus dem Auswärtigen Amt zu schmuggeln. Um seine Informationsquelle nicht zu verlieren, fuhr Peter mit ihr nach Holland, stellte sie seiner Familie vor und heiratete sie in einer kleinen Kirche. Die Familie, der Pfarrer, die Trauung – alles fingiert! Peter war Deutscher, hatte aber im Rahmen seiner Ausbildung bei der Stasi holländisch gelernt und eine neue Identität angenommen. Ivonne begreift schließlich, dass Peter und Stefan ein und dieselbe Person sind: Sechs Jahre lang hatte ihr Mann ein Verhältnis mit einer anderen Frau und war sogar zum Schein mit ihr verheiratet!

Am nächsten Tag erklärt Ivonne ihrem Mann, über ihn und Vera Bescheid zu wissen, verschweigt aber ihre Besuche in der Haftanstalt und behauptet, durch einen Brief von Veras Tochter Antonia unterrichtet worden zu sein. Stefan beteuert, nur seine Pflicht erfüllt und immer nur seine Ehefrau geliebt zu haben.

Beim übernächsten Besuch im Gefängnis erklärt Ivonne, sie habe Stefan verziehen. Er sei ein guter Mensch. Und sie sei nur noch einmal gekommen, um zu verstehen, wie das damals hatte passieren können. Aber es irritiert sie dann doch, dass Vera behauptet, mit Peter alias Stefan und ihrer Tochter Antonia wie eine Familie gelebt zu haben. Es gibt ihr auch zu denken, dass Vera zu einer Haftstrafe verurteilt wurde und nach ihrer Entlassung mit Schulden dastehen wird, während ihr Verführer straffrei ausging und sich in Holland ein Haus und eine Yacht leisten kann.

Nach dem Geld für das Haus in Holland gefragt, behauptet Stefan, das Haus verkauft zu haben, in dem er zusammen mit Vera und Antonia gelebt hatte. Das habe natürlich die Stasi bezahlt, aber auf seinen Namen eintragen lassen. Ivonne hält es für ungerecht, dass Vera nichts davon bekommen soll, und sie drängt ihn deshalb, sich nicht nur bei Vera zu entschuldigen, sondern ihr auch einen fairen Anteil des Verkaufserlöses zu überweisen.

Bei ihrem fünften Besuch bringt Ivonne Vera Geld mit und berichtet ihr, dass Stefan zugesagt habe, ihr die Hälfte vom Wert des Hauses zu überlassen. Da beschimpft Vera Ivonne als scheinheiliges Luder und stürzt sich auf sie. Die Aufseherinnen, die Vera zurückreißen, raten ihr, sich so kurz vor ihrer Entlassung zusammenzunehmen.

Ivonne sucht Veras Tochter auf. Antonia (Karoline Schuch) lebt allein in einer Mietwohnung und erzählt ihrer Besucherin, hier auch mit ihrer Mutter und ihrem Stiefvater gewohnt zu haben. War also auch das von der Stasi bezahlte Haus eine Lüge?

Nachdem Ivonne vier Tage lang verschwunden war, verabredet sie sich mit Stefan in einem Gartenlokal. Dort taucht auch die inzwischen aus der Haft entlassene Vera auf, und Ivonne fordert ihn auf, sich zwischen ihnen zu entscheiden. Vera verlangt Geld von ihm; er bietet ihr eine Million und prahlt damit, von Leuten, die das eine oder andere aus ihrer Vergangenheit zu verbergen hätten, nahezu beliebige Summen erpressen zu können. Nach diesem Geständnis zeigt Vera, dass sie ein Mikrofon und einen Sender am Körper trägt, und im Hintergrund gehen Polizeibeamte in Stellung.

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Bei „Die andere Frau“ handelt es sich um die Geschichte eines sog. Stasi-Romeos, der in der DDR verheiratet ist und unter einer anderen Identität sechs Jahre lang mit einer Mitarbeiterin des Auswärtigen Amtes und deren Tochter in der Bundesrepublik Deutschland zusammenlebt, um an geheime Unterlagen heranzukommen. Nach der Wende nützt er sein bei der Stasi erworbenes Wissen, um Menschen zu erpressen, die etwas aus ihrer Vergangenheit zu verbergen haben. So kann er sich ein Haus und eine Yacht leisten. Die Frau, die er zu Spionagezwecken ausnützte, wird dagegen wegen Landesverrats zu einer Haftstrafe verurteilt und muss damit rechnen, nach ihrer Entlassung allein, arbeitslos und mit Schulden dazustehen. Um sich zu rächen, klärt sie die ahnungslose Ehefrau des ehemaligen Stasi-Mitarbeiters auf. Auf diese Weise wird dieser von den Lügen seiner früheren Doppelexistenz eingeholt.

Auch wenn nicht jedes Detail plausibel ist, stellt „Die andere Frau“ eine ernste und spannende Auseinandersetzung mit einem Phänomen aus der Zeit der beiden deutschen Staaten dar.

Margarethe von Trotta zeigt zwar das Vorleben des Stasi-Agenten mit seiner Geliebten in Rückblenden und inszeniert die aktuelle Auseinandersetzung zwischen ihm und seiner Ehefrau in konventionellen Einstellungen, aber die Höhepunkte des Dramas sind deren Besuche in der Haftanstalt: Szenen wie in einem Kammerspiel mit den beiden nuancierten und ausdrucksstarken Hauptdarstellerinnen Barbara Sukowa und Barbara Auer.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004

Ministerium für Staatssicherheit (Stasi)

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"Der Fremde" ist erzählte Philosophie und gilt als eines der Hauptwerke des Existenzialismus. Albert Camus hat die Erzählung in zwei Teile gegliedert, die sich deutlich unterscheiden. Er veranschaulicht damit das Absurde unseres Daseins.
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