Helge Thielking : Das gute Kind

Das gute Kind

Helge Thielking

Das gute Kind

Das gute Kind Originalausgabe: Bastei Lübbe, Köln 2015 ISBN: 978-3-404-17214-6, 319 Seiten, 9.99 € (D)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Die 38-jährige Bremer Kommissarin Femke Sundermann wird suspendiert, nachdem sich ihr Sohn mit ihrer Dienstwaffe erschossen hat. Drei Monate später taucht bei ihr eine junge Frau auf, die behauptet, Lena Weitz zu sein, die Tochter ihrer früheren Freundin Anja. Aber das hält Femke für unmöglich, denn Anja wurde vor 18 Jahren mit ihrer sechs Wochen alten Tochter zusammen von Bernd Noack ermordet. Zumindest kam das zuständige Gericht zu diesem Urteil ...
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Kritik

Jedes Mal, wenn Helge Thielking die Leser in dem spannenden Kriminalroman "Das gute Kind" mit einem Informations­häppchen füttert, wirft er auch gleich neue Fragen auf, sodass man begierig weiterliest, um mehr zu erfahren.
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Femke Sundermann ist 38 Jahre alt. Sie studierte Linguistik, als ihre beste Freundin, die Goldschmiedin Anja Weitz, vor 18 Jahren – am 3. September 1996 – mit ihrer sechs Wochen alten Tochter Lena spurlos in Bremen verschwand. Die damals 23-Jährige war ungewollt schwanger geworden, und Femke hatte es als Erste mitbekommen, weil sie mit ihr beim Gynäkologen gewesen war. Der mutmaßliche Vater des Kindes, Bernd Noack, kehrte noch vor der Geburt nach Berlin zurück, um sein Jura-Studium fortzusetzen. Er war drei Jahre älter als Anja und stammte aus einer ebenso reichen wie konservativen Familie. Zwar versuchte er, Anja mit 25 000 D-Mark zu einer Abtreibung zu überreden und verdoppelte das Angebot, als sie nicht darauf einging, aber die Vaterschaft wollte er nicht anerkennen. Damit gab Anja sich nicht zufrieden: Mit der Drohung, seine Eltern zu informieren und der Polizei Hinweise auf die illegalen Wetten zu geben, die er mit seinem Freund Andreas Hebestreit organisiert hatte, zwang sie ihn zu einer Aussprache am 3. September 1996 in ihrer Wohnung. Danach blieb sie verschwunden, und Bernd Noack wurde in einem Indizienprozess wegen Doppelmordes verurteilt. Nach den Leichen von Anja und Lena Weitz suchte die Polizei vergeblich.

Aufgrund des erschütternden Erlebnisses brach Femke Sundermann ihr Linguistik-Studium ab, absolvierte die Aufnahmeprüfung der Polizeihochschule Bremen, schloss die Ausbildung als Jahrgangsbeste ab und brachte es in der Bremer Mordkommission zur Kriminalhauptkommissarin.

Vor fünf Jahren, als Femke im dritten Monat schwanger war, zogen sie und ihr Lebensgefährte Jörg von ihrer Mansarde in eine Vier-Zimmer-Wohnung in einer Jugendstilvilla im Bremer Stadtteil Schwachhausen, aber der Rechtsanwalt und die Kriminalkommissarin blieben unverheiratet.

Vor einem Vierteljahr brachte Jörg den Jungen kurz vor Dienstschluss ins Polizeipräsidium, weil er dringend zu einem Mandanten nach Hamburg musste und die Tagesmutter im Urlaub war. Femke wollte nur noch einen Bericht fertigschreiben und dann mit Paul nach Hause fahren. Aber dann hörte sie aus einem der anderen Büros ein Gebrüll: Zwei Kleindealer waren von der Polizei aufgegriffen worden. Nun hatte einer den anderen als Geisel genommen und drohte, ihn umzubringen. Kurz entschlossen griff Femke ein und schoss ihm mit ihrer Dienstwaffe ins Knie. Damit halste sie sich einen weiteren Bericht auf. Während sie ihr Büro noch einmal verließ und mit Kollegen am Korridor sprach, erschoss Paul sich versehentlich mit ihrer Dienstwaffe, die sie entsichert auf dem Schreibtisch hatte liegen lassen.

Seither ist sie vom Dienst suspendiert und kaum noch in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen. Jörgs Nähe erträgt sie nicht mehr. Zu Hause schläft sie in ihrem Arbeitszimmer, und seit ein paar Tagen hat sie sich in das Ferienhaus ihrer Eltern in dem Fischerdorf Neuharlingersiel zurückgezogen.

Dort taucht eine junge Frau auf, die behauptet, Lena Weitz zu sein. Femke hält sie für eine Betrügerin:

„Das ist unmöglich, Sie sind seit achtzehn Jahren tot!“

Erst als die Fremde ein zweites Mal völlig durchnässt vom Regen zum Ferienhaus kommt, lässt Femke sie ein, gibt ihr trockene Kleidung und bewirtet sie mit heißem Tee. Während die junge Frau duscht, durchsucht Femke ihren Rucksack und stößt auf eine Pistole, die sie herausnimmt und in eine Besteckschublade legt. Die Waffe bestärkt Femke in der Annahme, eine Kriminelle vor sich zu haben, und sie wirft die Frau hinaus, die behauptet, mehr über ihre Mutter Anja Weitz erfahren zu wollen.

Bald darauf kehrt Femke nach Bremen zurück. Obwohl sie der Fremden nicht glaubt, hat sie angefangen, über die Ereignisse vor 18 Jahren erneut zu grübeln und die Ergebnisse der polizeilichen Ermittlungen zu hinterfragen.

Während ihres Aufenthalts in Neuharlingersiel entdeckte die bei einer Bäuerin im Oberblockland wohnende Biologie-Studentin Caroline Sefzyk beim Joggen in den Borgfelder Wümmewiesen ein ausgebranntes Auto mit einer verkohlten Leiche. Die Kennzeichen-Schilder hatte jemand abmontiert. Auch die Fahrgestellnummer fehlte. Kriminalhauptkommissar Lothar Hemmer, der Chef der Mordkommission, leitet die Ermittlungen. Abgesehen von der Frage nach der Identität der toten Person geht es darum, ob sie durch das Feuer starb oder bereits tot war, als das Auto brannte. Unfall, Suizid oder Mord?

Dr. Lennart Maaß, der als Oberarzt des Instituts für Rechts- und Verkehrsmedizin beschäftigt ist und seit Monaten den kranken Institutsleiter vertritt, findet heraus, dass es sich bei der verbrannten Person um einen 40 bis 45 Jahre alten Mann handelte. Er beauftragt die auf Gesichtsweichteilrekonstruktionen spezialisierte Ärztin Dr. Da-Jeong Lee, das Gesicht des Toten zu rekonstruieren.

Da-Jeong Lee wurde vor 35 Jahren in Seoul geboren und wuchs in einem Waisenhaus auf, bis eine Familie aus Wilhelmshaven das zweijährige Kind adoptierte. Nach dem Abitur reiste sie nach Korea, legte ihren deutschen Namen ab und begann ein Kunststudium. Aber das brach sie dann ab, um in Berlin Medizin zu studieren.

Femke Sundermann erkennt beim ersten Blick auf das von Da-Jeong Lee rekonstruierte Gesicht, dass es sich bei dem Toten um Andreas Hebestreit handelt. Vor 18 Jahren, als Anja und Lena ermordet wurden, waren Femke und Andreas ein Paar.

Aufgrund der Spuren geht die Polizei davon aus, dass Andreas Hebestreit sich selbst das Leben nahm. Wegen eines Suizid-Versuchs wurde er bereits vor zehn Jahren psychiatrisch behandelt. Damals hatte er sich die Pulsadern aufgeschniten.

Nach einem heftigen Streit mit Jörg packt Femke ihre Sachen und zieht zu ihrem sieben Jahre älteren Bruder Frank Sundermann, der mit seiner Frau Marion, der 18-jährigen Tochter Saskia und dem zwei Jahre jüngeren Sohn Felix ein Haus im Bremer Stadtteil Oberneuland bewohnt. Als Partner in einer Gesellschaft für Unternehmens­beratung ist er geschäftlich viel unterwegs und verdient eine Menge Geld. Marion, eine Perfektionistin, brach ihr Lehramtsstudium vor der Geburt des ersten Kindes ab. Damals gehörten Frank und Marion auch zu dem Freundeskreis um Femke und Anja, Bernd und Andreas.

Femke findet heraus, dass die 18-Jährige, die vorgibt, Lena Weitz zu sein, unter dem Namen Lisa Keller im Kinderheim Bergbach am Stadtrand von Salzburg aufwuchs. Man hatte sie am 17. September 1996 an einem Seiteneingang des Salzburger Doms gefunden. Im Alter von elf Jahren riss Lisa zum ersten Mal aus, die letzten fünf Jahre verbrachte sie in der Psychiatrie. Einige Monate nach dem 18. Geburtstag verließ sie das Heim. Dass sie nicht adoptiert worden war, erklärt der Heimleiter mit leichten epileptischen Anfällen, die sie bereits als Kleinkind hatte.

Der Forensiker Lennart Maaß stellt fest, dass Andreas Hebestreit zwar noch lebte, als das Feuer ausbrach, allerdings mit einem Schädelbruch: Er wurde ermordet. Kommissar Hemmers Verdacht fällt sofort auf Bernd Noack, dessen Reststrafe vor sechs Wochen auf fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Möglicherweise wollte er sich dafür rächen, dass sein früherer Freund Andreas Hebestreit vor Gericht gegen ihn ausgesagt hatte.

Femke, die weiter auf eigene Faust Nachforschungen anstellt, besucht Anjas Vater Reinhard Weitz in Worpswede. Der Gärtner ist seit zwölf Jahren verwitwet: Seine Frau, die ein Künstlercafé betrieben hatte, kam nicht über den Tod sowohl der Tochter als auch der Enkelin hinweg und schluckte schließlich eine tödliche Dosis Pflanzenschutzmittel. Die Nuckelflasche, die Femke von Worpswede mitbringt, übergibt sie der beim LKA beschäftigten Biologin Dr. Malin Janssen zusammen mit der Tasse, aus der die junge Frau in Neuharlingersiel Tee trank.

Aufgrund des DNA-Vergleichs des Saugers und der Teetasse glaubt die Kriminalhauptkommissarin, dass Lisa Keller tatsächlich Lena Weitz ist. Bernd Noack wurde erst am 19. September 1996 verhaftet. Er könnte also Lena zwei Tage vorher nach Salzburg gebracht und am Dom ausgesetzt haben. Aber warum stritt Bernd Noack vor Gericht alles ab und wies nicht darauf hin, dass er das Kleinkind am Leben gelassen hatte? Mit einer solchen Aussage hätte er zwar den Mord an Anja indirekt zugegeben, aber ein geringeres Strafmaß erwarten können.

Bei einem erneuten Treffen in einem Straßencafé geraten Femke und Lena in Streit. Die Kommissarin folgt der 18-Jährigen, die zunächst ein Stück mit der Trambahn fährt und dann mit ihrem Handy am Ohr zu Fuß geht, bis ein Auto neben ihr hält und sie einsteigt. Femke erkennt den Fahrer: Es ist Bernd Noack!

Weil der Mordverdächtige nicht zu einer Vernehmung kam und sein Handy ausgeschaltet hat, fahndet die Polizei nach ihm. Femke hat das Kennzeichen des Wagens notiert und nennt Lothar Hemmer auch Lenas Handy-Nummer. Das Auto gehört einem Bekannten Noacks, und Lenas prepaid Handy wird auf einem Flohmarkt gefunden. Martin Holzinger, der Direktor der Kriminalpolizei und des LKAs, droht Femke mit einem weiteren Verfahren wegen Strafvereitelung im Amt, weil sie mit ihren eigenmächtigen, dilettantischen Nachforschungen die polizeilichen Ermittlungen gestört habe. Ein Wort gibt das andere, und am Ende entlässt Holzinger die Kriminalhauptkommissarin.

Um sich zu beruhigen, trinkt Femke auf dem Weg zum Haus ihres Bruders noch etwas. Von ihren Verwandten ist nur Felix zu Hause. Er sitzt mit Kopfhörern vor einem elektronischen Spiel und bekommt nichts von den Einbrechern mit, die durch die von Femke nicht richtig zugedrückte Haustüre eindringen. Femke hört zwar die Geräusche, aber als sie mit einem Küchenmesser bewaffnet nach dem Rechten sehen will, drehen draußen bereits die Reifen eines Autos durch. Das Gästezimmer wurde durchwühlt. Die Einbrecher haben Femkes Laptop und die Lena in Neuharlingersiel abgenommene Schusswaffe erbeutet.

Vermutlich handelte es sich bei den Einbrechern um Bernd Noack und Lena Weitz. Frank hält Marion von einer Anzeige ab. Es wäre nicht ratsam, Bernds Zorn wegen der belastenden Zeugenaussagen von damals noch weiter zu schüren, meint er.

Lisa Keller bzw. Lena Weitz schrieb dem Häftling Bernd Noack vor einem Jahr, gab sich als seine Tochter zu erkennen und besuchte ihn dann in den letzten Monaten mehrmals in der JVA Oslebshausen. Als er freigelassen wurde, holte sie ihn ab.

Während Lothar Hemmer im Polizeipräsidium die nach dem Fund der verkohlten Leiche gebildete SOKO Wümmewiesen leitet, macht Femke ein Vereinsheim am Weserufer zum Hauptquartier der privaten „SOKO Lena“. Außer Jörg und Frank unterstützen sie Lennart Maaß, Malin Janssen und der in der Mordkommission auf IT spezialisierte Tobias („Toby“) Schumacher.

Frank ruft seine Schwester an. Er ist im Auto unterwegs, um Felix vom Sportplatz und Saskia vom Bahnhof abzuholen. Es beunruhigt ihn, dass er zweifellos von einem Wagen verfolgt wird, der so aussieht wie der von Femke beschriebene, von Bernd gefahrene. Später versucht Femke mehrmals, ihren Bruder zu erreichen, aber es springt immer nur die Mailbox an, und die Handys seiner Kinder sind abgeschaltet.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Toby Schumacher gelingt es, Franks iPhone mit einem Stealth Ping zu orten – was er eigentlich nur aufgrund einer richterlichen Anordnung oder der Eilanordnung eines Staatsanwalts tun dürfte. Femke und Lennart fahren zu dem genannten Ort im Jeebeler Wald bei Weyhe, 16 Kilometer südwestlich von Bremen. Dort finden sie Franks Auto. Es ist leer und abgeschlossen. Femke lässt ihr eigenes Handy ebenfalls von Toby orten, damit er sie zu Franks Smartphone lotsen kann. Auf diese Weise stoßen Femke und Lennart auf eine frisch aufgewühlte Stelle im Waldboden. Aufgeregt gräbt Femke mit bloßen Händen, bis sie ihren erschossenen Bruder vor sich hat. In dem Grab liegt aber auch noch ein Müllsack, und Femkes Vermutung, dass es sich um Anjas mumifizierte Leiche handeln könnte, bewahrheitet sich bei den Ermittlungen der zuständigen Kollegen aus Hannover.

Fast zur gleichen Zeit wird Bernd Noack festgenommen. Im Fond seines Wagens sitzen seine Geiseln Saskia und Felix. Er gibt zu, dass ein Streit mit Anja Weitz am 3. September 1996 in ihrer Wohnung zum Kampf eskalierte. Sie habe ihn mit einem Messer angegriffen, sagt er aus, sei dann aber im Bad ausgerutscht und mit dem Hinterkopf auf den Rand der Badewanne aufgeschlagen. Vermutlich habe sie noch gelebt, als er ihre Wohnung in Panik verließ, ohne den Notarzt zu rufen.

Aber wer hat die Sterbende oder bereits Tote aus der Wohnung geholt und im Wald verscharrt?

Femke ist im Haus ihres toten Bruders, als Lena/Lisa mit der Pistole in der Hand auftaucht. Verstört und erschöpft gesteht sie, dass sie Frank Sundermann erschoss, beteuert aber, es nicht gewollt zu haben. Es sei ihr und Bernd nur darum gegangen, endlich die Wahrheit über ihre Mutter und die Ereignisse von damals zu erfahren. Während Bernd mit den entführten Kindern wegfuhr, um deren Vater unter Druck zu setzen, zwang sie Frank mit vorgehaltener Waffe, sie zu Anjas Grab zu bringen. Als er dort versuchte, ihr die Waffe zu entreißen, löste sich ungewollt ein Schuss. Nach dem Geständnis hält Femke die junge Frau davon ab, sich selbst zu erschießen.

In diesem Augenblick ruft Malin Janssen an und teilt Femke mit, dass ihrer unerfahrenen biologisch-technischen Assistentin Katrin Schöller bei der DNA-Untersuchung der Nuckelflasche ein Fehler unterlaufen sei. Sie habe eine zweite Spur am Sauger übersehen. Malin fand heraus, dass Frank Sundermanns DNA nicht nur mit der an einem in der Nähe des ausgebrannten Autos in den Borgfelder Wümmewiesen sichergestellten Knopf übereinstimmt, sondern auch mit einer der beiden Spuren an der Nuckelflasche verwandt ist.

Da begreift Femke, was damals geschah, und ihre Schwägerin gibt es zu: Marion war zwei Monate vor Anja schwanger geworden. Während ihre Tochter Saskia aufgrund von Komplikationen mit einer infantilen Cerebralparese zur Welt kam, gebar Anja das gesunde Mädchen Lena. Das war sechs Wochen alt, als Marion etwas von Anja holen wollte. Weil niemand öffnete, sperrte sie mit dem ihr anvertrauten Ersatzschlüssel auf und sah die Freundin leblos im Bad am Boden liegen. Statt die Notrufnummer zu wählen, entführte sie Anjas gesunde Tochter. Frank packte Anjas Leiche nach Einbruch der Dunkelheit in einen Müllsack, trug sie zum Auto und vergrub sie im Jeebeler Wald. Ein paar Tage später setzte er die kranke eigene Tochter in Salzburg aus. Anschließend hielten er und Marion sich mit Anjas gesunder Tochter einige Zeit in den USA auf. Von dort berichteten sie Verwandten, Freunden und Bekannten von erstaunlichen Erfolgen der medizinischen Behandlung ihrer Tochter.

Marion zufolge kam Andreas Hebestreit 18 Jahre nach der Vertauschung der Säuglinge überraschend zu ihr und Frank. Er sagte, bei ihm habe sich eine 18-Jährige gemeldet und behauptet, Lena zu sein. Nun verdächtigte er Frank und Marion, damals Anjas Leiche weggeschafft zu haben. Die beiden stritten es ab. Er drohte mit der Polizei. Während Andreas und Marion weiter stritten, holte Frank unbemerkt einen Baseballschläger. Um den Mord zu vertuschen, zerrte er den noch Lebenden in dessen Auto, fuhr damit in die Borgfelder Wümmewiesen und entzündete das Feuer.

Kriminalhauptkommissar Lothar Hemmer erschießt Bernd Noack nach der Festnahme aus unmittelbarer Nähe. Wie es dazu kam, muss noch aufgeklärt werden. Erst einmal suspendiert man ihn vom Dienst.

Martin Holzinger bietet Femke Sundermann an, die Kündigung zurückzunehmen, aber sie lässt sich nicht darauf ein. Sie besiegelt die Trennung von Jörg und nimmt ihren verwaisten Neffen Felix bei sich auf.

Von Malin Janssen erfährt sie nach einem weiteren DNA-Test, dass Bernd Noack nicht der Vater von Anja Weitz‘ Tochter war.

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„Das ist unmöglich, Sie sind seit achtzehn Jahren tot!“

Was für ein erster Satz! Auf der vierten Seite setzt Helge Thielking in seinem Psychothriller „Das gute Kind“ gleich noch einen drauf und lässt die Protagonistin berichten:

[…] ich habe mein Kind getötet.

Nach diesem fulminanten Einstieg zieht Helge Thielking die Spannungsschraube in „Das gute Kind“ immer weiter an. Jedes Mal, wenn er die Leser mit einem Informationshäppchen füttert, wirft er auch gleich neue Fragen auf, sodass man begierig weiterliest, um mehr zu erfahren. Für Suspense sorgen außerdem zahlreiche Cliffhanger am Ende kurzer Kapitel und eine Reihe von unerwarteten Wendungen. In den Atempauen erfahren wir einiges über DNA-Vergleiche und verkohlte Leichen. Ganz nebenbei und ohne die Stringenz der Darstellung zu beeinträchtigen, reichert Helge Thielking den Kriminalroman mit Bremer Lokalkolorit an. Und trotz des hohen Tempos leuchtet er sowohl die Zusammenhänge als auch die Beweggründe der Handelnden sorgfältig aus.

„Das gute Kind“ ist geschickt aufgebaut. Es sieht so aus, als handele es sich um den nachträglichen Bericht der Protagonistin Femke Sundermann, einer durch die Ermordung ihrer besten Freundin und den Tod ihres eigenen Sohnes aus der Bahn geworfenen suspendierten Kriminalkommissarin, die Helge Thielking in der Ich-Form zu Wort kommen lässt. Eingeschoben sind fiktive Dokumente wie ein Obduktionsbericht, ein psychiatrisches Gutachten und ein Zeugenaufruf. Über Vorkommnisse, die Femke Sundermann weder selbst erlebt noch in Ermittlungsakten nachgelesen hat, stellt sie Mutmaßungen an:

Ob er laut fluchte? Bestimmt. War sein Groll von Dauer? Ganz sicher nicht.

Nur ganz selten unterläuft Helge Thielking ein Stilbruch: So schildert er beispielsweise im 67. Kapitel das Geschehen unvermittelt aus einer anderen Perspektive als der seiner Protagonistin Femke Sundermann.

Den Kriminalroman „Das gute Kind“ von Helge Thielking gibt es auch als Hörbuch, gelesen von Ursula Berlinghof.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2015
Textauszüge: © Bastei Lübbe

Helge Thielking: King of Pain
Helge Thielking: Destino. Tod in der Karibik

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