Hurensohn

Hurensohn

Hurensohn

Originaltitel: Hurensohn – Regie: Michael Sturminger – Drehbuch: Michael Sturminger, Michael Glawogger, nach dem Roman "Hurensohn" von Gabriel Loidolt – Kamera: Jürgen Jürges – Schnitt: Hannes Anderwald, Karina Ressler – Musik: Adrian Vonwiller – Darsteller: Chulpan Khamatova, Miki Manojlovic, Stanislav Lisnic, Ina Gogálová, Georg Friedrich, Bernadette Abendstein, Gerti Drassl, Maria Hofstätter, Tamara Matelka u.a. – 2004; 85 Minuten

Inhaltsangabe

Ozren ist der Sohn einer aus Kroatien stammenden Prostituierten in Wien. Die junge, attraktive Mutter heißt Silvija. Ozren glaubt zunächst, sie arbeite als Kellnerin, doch als er älter wird, begreift er nach und nach, was sie wirklich macht. Silvija merkt nicht, wie ihr Sohn darunter leidet, dass sie keine Heilige, sondern eine Hure ist. Schließlich wechselt sie vom Straßenstrich in ein Apartment in einer besseren Gegend und lässt Ozren allein in ihrer Wohnung im Rotlichtviertel zurück ...
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Kritik

In seiner Verfilmung des Romans "Hurensohn" von Gabriel Loidolt vermeidet Michael Sturminger Pathos, Sentimentalität und Effekthascherei. Das Ergebnis ist eine Familientragödie, die zugleich als Milieustudie gesehen werden kann.
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Ozren ist der Sohn einer aus Kroatien stammenden Prostituierten in Wien. Die junge, attraktive Mutter, die sich im Streit von Ozrens Vater (Robert Ritter) getrennt hat, heißt Silvija (Chulpan Khamatova). Sie wohnt mit ihrem Kind (Gabriel Usein, Emanuel Usein) mitten im Rotlichtviertel. Ozren glaubt, seine Mutter arbeite als Kellnerin, und als ihn jemand „Hurensohn“ schimpft, versteht er nicht, was damit gemeint ist. Nachts wird er hin und wieder wach und hört die Mutter mit einem fremden Mann im Wohnzimmer. Als er groß genug ist, um zu verstehen, was ein Hurensohn ist – und es auf derbe Weise von dem Zuhälter Pepi (Georg Friedrich) erklärt bekommt – bricht für Ozren eine heile Welt zusammen.

Silvija herzt ihren Sohn, überschüttet ihn mit Zärtlichkeit, aber als er bei der Weihnachtsfeier in der Schule im Chor singen soll und fest damit rechnet, dass sie kommt, wartet er vergeblich auf sie: Wenn Silvija alias Monique einen Freier hat, kann sie sich nicht um ihren Sohn kümmern. Aus Schuldgefühl kleidet sie Ozren dann wieder neu ein. Wie ihr Sohn darunter leidet, das seine Mutter keine Heilige, sondern eine Hure ist, merkt sie nicht. Ozren geht mittags zu seiner verwitweten Tante Ljilana (Ina Gogálová) zum Essen, und abends bringt ihn sein unverheirateter, als Müllmann arbeitender Onkel Ante (Miki Manojlovic) ins Bett.

Als Ozren sechzehn ist (ab jetzt: Stanislav Lisnic), lässt Silvija ihn allein in ihrer Wohnung zurück, weil man ihr einen lukrativeren Job angeboten hat: Sie wechselt vom Straßenstrich in ein luxuriöses Apartment in einer besseren Gegend von Wien und schafft dort als Callgirl für jemanden an.

Pepi erklärt Ozren, seine Mutter sei jetzt keine Hure mehr, sondern eine „Geheime“. Was der Unterschied sei, fragt Ozren, und Pepi antwortet: „Der Preis“.

Eines Tages entdeckt Ozren sie zufällig in der Stadt. Elegant gekleidet steigt sie zu einem Herrn in dessen Luxuslimousine, und der Chauffeur hält ihr die Tür auf. Ozren nimmt ein Taxi, um ihr zu folgen, aber Silvija bemerkt ihn, lässt anhalten und verbietet sich die Verfolgung.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Kurz vor ihrem Geburtstag findet Ozren doch noch ihre Adresse heraus. Als Geschenk kauft er ihr einen Reisegutschein und einen Reiseführer. Damit fährt er zu ihr. Weil Silvija gerade einen Freier erwartet und noch nicht fertig ist, drückt sie einfach den Türöffner, und Ozren betritt ihren Salon. Zuerst ist sie gerührt über das Geschenk, aber dann fasst sie sich und versucht ihrem Sohn rücksichtslos klarzumachen, dass er nicht hier sein dürfte. Sie drängt ihn aus der Wohnung und wirft seine Geschenke vor die Tür – rutscht dann aber auf dem Papier aus, stürzt über die Treppe hinunter und bricht sich das Genick.

Als Ozren begreift, dass seine Mutter tot ist, rennt er aus dem Haus, kauert sich gegenüber in eine Ecke und weint.

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Der Wiener Regisseur Michael Sturminger (* 1963) studierte an der Wiener Filmhochschule sowie bei Axel Corti Regie, Drehbuch und Dramaturgie. Vor dem Kinofilm „Hurensohn“ inszenierte er v. a. Opernaufführungen in Wien und Zürich.

Der Film „Hurensohn“ basiert auf dem 1998 veröffentlichten gleichnamigen Roman von Gabriel Loidolt.

Michael Sturminger beginnt mit dem Ende: Der „Hurensohn“ Ozren spricht in die Kamera: „Ich habe meine Mutter umgebracht. Meine allerliebste Mutter. Ich habe aus meiner Mutter einen Seelenschmetterling gemacht.“

Die Familientragödie handelt von einem Jungen, der seine Mutter für die schönste Frau der Welt hält und darunter leidet, dass sie keine Heilige, sondern eine Hure ist. „Hurensohn“ ist zugleich eine authentisch wirkende Milieustudie. Michael Sturminger erzählt lakonisch, unsentimental und mit einem artifiziellen Setting, das zuweilen an die frühen Filme von Rainer Werner Fassbinder erinnert, aber es gibt auch Ironie und Zwischentöne.

Unter den bis in die Nebenrollen überzeugenden Darstellern sind vor allem Chulpan Khamatova, Miki Manjolovic und Stanislav Lisnic hervorzuheben.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2008

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