Zwölf Winter

Zwölf Winter

Zwölf Winter

Originaltitel: Zwölf Winter – Regie: Thomas Stiller – Drehbuch: Thomas Stiller, Holger Karsten Schmidt – Kamera: Marc Liesendahl– Schnitt: Ulrike Leipold – Musik: Peter Scherer – Darsteller: Jürgen Vogel, Axel Prahl, Wotan Wilke Möhring, Thomas Darchinger, Matthias Koeberlin, Katharina Palml, Doreen Jacobi, Torsten Michaelis u.a. – 2009; 85 Minuten

Inhaltsangabe

Als der Mike Roth 1990 aus dem Gefängnis kommt, schließt er sich sofort zwei ehemaligen Mithälftlingen an, die seit zwei Jahren Banken überfallen. Alex Greif fällt kurz darauf wegen einer Krebserkrankung aus, aber Mike Roth und Klaus Starck machen allein weiter: Winter für Winter rauben sie zwei, drei Banken aus. 1999 wird im BKA Bonn das EK "Winter" auf sie angesetzt, aber die beiden Bankräuber gehen so überlegt vor, dass die Beamten noch jahrelang im Dunkeln tappen ...
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Kritik

Thomas Stiller inszenierte die Gaunerballade "Zwölf Winter" bewusst unprätentiös, stringent und lebensnah. Getragen wird sie nicht zuletzt von dem überzeugenden Schauspieler-Duo Jürgen Vogel und Axel Prahl.
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1984 erhält der in Rheinbach inhaftierte Bankräuber Michael („Mike“) Roth (Jürgen Vogel) noch einmal Besuch von seiner Freundin. Sie singt ihm ein Geburtstagsständchen, aber er weiß, dass sie nicht wiederkommen und auch nicht auf ihn warten wird.

Sechs Jahre später kann er die Justizvollzugsanstalt verlassen. Das angesparte Geld gibt er für zwei Übernachtungen in einer Hotelsuite aus.

Roth trifft sich mit zwei ehemaligen Mithäftlingen, die seit 1988 Banken ausrauben: Klaus Starck (Axel Prahl) und Alex Greif (Thomas Darchinger). Beim nächsten Banküberfall ist er dabei. Nachdem die drei Gauner ihre Beute – 400 000 D-Mark – verteilt haben, zeigt Alex seinen Komplizen, dass ihm die Haare ausgehen: Er hat Leukämie und wird mit einer Chemotherapie behandelt. Alex hält das für einen Hohn, denn er verzichtete auf das Rauchen, um keinen Lungenkrebs zu bekommen. Jedenfalls ist er nicht in der Lage, sich an weiteren Banküberfällen zu beteiligen.

Also machen Roth und Starck allein weiter. Sie werden Freunde, obwohl sie grundverschieden sind: Starck nimmt eine Thermoskanne und Stullen mit, wenn sie Banken ausspähen, und er spart Geld für seinen Traum, sich irgendwann einmal mit seiner Ehefrau Michelle (Katharina Palm) in deren marokkanische Heimat abzusetzen. Roth lebt dagegen auf großen Fuß und gibt das erbeutete Geld sofort wieder aus – mit seiner neuen Freundin Sabine (Doreen Jacobi), aber auch mit anderen Frauen. Während Starck ständig einen Revolver bei sich hat, viel damit übt und dazu neigt, sich damit zu verteidigen, schwört ihn Roth auf Gewaltlosigkeit ein. Roth gibt auch sonst die Prinzipien vor: Sie beschränken sich auf zwei, drei Banküberfälle im Winter, kurz vor Geschäftsschluss, wenn es bereits dunkel ist. Von Frühjahr bis Herbst widmen sie sich der Planung und Vorbereitung. Widerstrebend lässt Starck sich auf ein hartes Fitness-Training mit Roth ein, das dazu dient, die beiden maskierten Bankräuber aufgrund ihrer Bewegungen möglichst jung wirken zu lassen. Tatsächlich halten die Zeugen die über vierzig Jahre alten Täter übereinstimmend für zehn bis zwanzig Jahre jünger.

1999 fallen Gerd Prothmann (Wotan Wilke Möhring) und Reiner Geugis (Matthias Koeberlin) vom Bundeskriminalamt Bonn Parallelen bei mehreren Banküberfällen seit 1988 auf. Daraus schließen sie auf Serientäter. Zusammen mit drei Mitarbeitern bilden sie das Einsatzkommando „Winter“.

Ohne davon etwas zu wissen, ändern Roth und Starck ihr Vorgehen: Statt eines Autos mit gefälschten Kennzeichen benutzen sie für die Banküberfälle nun ein Motorrad, und wegen der Helme können sie auf Gesichtsmasken verzichten.

Bevor Starck seinen Aussteiger-Traum verwirklichen kann, erkrankt Michelle und stirbt bei einer Operation an einer Thrombose. Weil er seit Jahren unter dem falschen Namen Vogt im Untergrund lebt, kann er nicht einmal an ihrer Beerdigung teilnehmen.

Prothmann, der von Frau und Tochter getrennt lebt und deshalb beinahe rund um die Uhr arbeitet, vermutet aufgrund der gesammelten Informationen, dass die Täter in der Justizvollzugsanstalt Rheinbach waren. Also konzentriert sich die Fahndung auf ein Dutzend Männer, die dort um 1988 herum entlassen wurden und als Täter in Frage kommen. Einer von ihnen heißt Glowalla (Torsten Michaelis). Der hat noch eine Rechnung mit Starck offen, weil er von ihm im Gefängnis brutal zusammengeschlagen worden war, nachdem er ihn provoziert hatte. Zufällig sah er Starck unlängst in einem Tierheim. Er hilft der Polizei nun, die Spur des Untergetauchten zu finden.

Der Arbeitslose Mike Roth gerät ebenfalls ins Visier des EK „Winter“. Nachdem an einer leeren Wasserflasche in einem Fluchtauto ein genetischer Fingerabdruck gefunden wurde, fordert ihn die Polizei zu einer Speichelprobe auf. Weil Roth jedoch einen Bekannten mit einem gefälschten Personalausweis zum Polizeirevier schickt, führt die DNS-Spur nicht weiter.

Im Winter 2000 überfallen Roth und Starck eine im Sommer ausgekundschaftete kleine Bankfiliale – und stehen vor verschlossenen Türen: Der Schalter wurde inzwischen durch einen Geldautomaten ersetzt.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Das EK „Winter“ rüstet mit Hubschraubern und Wärmebildkameras auf, aber Roth und Starck verstecken sich nach einem Banküberfall im Winter 2001 unter einer Brücke und hüllen sich in eine silberne Thermofolie. Starck wird observiert und abgehört. Aufgrund des verstärkten Fahndungsdrucks halten die beiden seit Jahren erfolgreichen Bankräuber im 12. Winter den Zeitpunkt für gekommen, aufzuhören und sich nach Marokko abzusetzen.

Da taucht Alex Greif bei Mike Roth auf: Er benötigt Geld für eine kostspielige Krebstherapie. Roth wäre bereit, dem früheren Kumpan die letzte Beute zu überlassen, aber dann hätte er wieder einmal nichts mehr, und Starck mag nicht auf seine Ersparnisse verzichten. Also beschließen die beiden, Anfang 2002 noch einen letzten Banküberfall durchzuführen, um Greif helfen zu können.

Bei der Fahrt zur Bank werden sie vom EK „Winter“ in zwei Zivilfahrzeugen verfolgt. Auch für die Polizei unerwartet, geraten sie alle zusammen in eine Verkehrskontrolle. Während Roth und Starck überprüft werden, telefoniert Geugis aufgeregt mit dem Verantwortlichen, um freie Fahrt zu bekommen. So kann das EK „Winter“ die Verfolgung fortsetzen, sobald Roth und Starck weiterfahren dürfen. Auf einer einsamen Landstraße drängen die Beamten die Bankräuber von der Fahrbahn ab. Deren Wagen überschlägt sich und bleibt mit dem Dach nach unten im Straßengraben liegen.

Das Landgericht Bonn verurteilt Mike Roth und Klaus Starck 2003 zu je fünfzehn Jahren Haft.

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Die Geschichte, die Thomas Stiller in der melancholischen Gaunerballade „Zwölf Winter“ erzählt, beruht weitgehend auf Tatsachen. Dementsprechend verzichtete er auf jede Effekthascherei und achtete stattdessen darauf, dass der Film so authentisch wie möglich wirkt. „Zwölf Winter“ spielt denn auch nicht an mondänen Orten, sondern in deutschen Provinzstädten. Die Inszenierung ist bewusst unprätentiös, stringent und lebensnah. Getragen wird sie nicht zuletzt von einem überzeugenden Schauspieler-Duo: Jürgen Vogel und Axel Prahl.

Leider haben sich die Schauspieler nicht im Geringsten mit den Charakteren auseinandergesetzt. Authentisch ist auch was anderes. Vieles was im Film vorkommt ist nie passiert. Gut ist halt nur Fernsehunterhaltung und keine Dokumentation. Aber wenn man die Geschichte näher an der Wahrheit gedreht hätte, wäre der Film ein echter Knaller gewesen.
(Arno E. Hoffmann, Juni 2010)

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2009 / 2010

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