Albert Speer : Erinnerungen

Erinnerungen

Albert Speer

Erinnerungen

Erinnerungen Entwurf: März 1953 - Dezember 1954 Erstausgabe: Ullstein Verlag (Propyläen), Frankfurt/M / Berlin / Wien 1969 Aktuelle Ausgabe: Ullstein 2003 ISBN: 3-549-07184-1, 612 Seiten
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

"Nun lege ich meine Memoiren vor [...] Ich schilderte, was ich erlebt habe und wie ich es heute sehe. Ich bemühte mich dabei, der Vergangenheit nicht auszuweichen. Meine Absicht war, mich weder der Faszination noch dem Schrecken jener Jahre zu entziehen [...] Ich wollte aufrichtig sein." (Albert Speer)
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Kritik

Die "Erinnerungen" des intelligenten und abwägenden Insiders Albert Speer an die Vorgänge im "Dritten Reich" sind packend geschrieben und beinhalten viele kenntnisreich aus subjektiver Sicht geschilderte Details über die NS-Herrschaft.

Albert Speer (1905 – 1981), Hitlers Architekt und Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion, wurde am 23. Mai 1945 von den Briten in Glücksburg festgenommen und vom Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg am 1. Oktober 1946 zu zwanzig Jahren Haft verurteilt, die er in Berlin-Spandau verbüßte. Am 30. September 1966 kam er wieder frei. Mit Unterstützung des Historikers Joachim Fest bearbeitete Albert Speer seinen von März 1953 bis Dezember 1954 im Gefängnis verfassten Entwurf für das Buch „Erinnerungen“, das er 1969 veröffentlichte. (Seine „Spandauer Tagebücher“ erschienen 1975.)

In seinem Vorwort vom 11. Januar 1969 schrieb Albert Speer:

Nun lege ich meine Memoiren vor […] Ich schilderte, was ich erlebt habe und wie ich es heute sehe. Ich bemühte mich dabei, der Vergangenheit nicht auszuweichen. Meine Absicht war, mich weder der Faszination noch dem Schrecken jener Jahre zu entziehen […] Ich wollte aufrichtig sein. (Seite 15)

Nach einem kurzen Kapitel über „Herkommen und Jugend“ erzählt Albert Speer, wie er – beeindruckt von einer Rede, die Adolf Hitler am 4. Dezember 1930 im überfüllten Festsaal auf der Hasenheide im Berliner Bezirk Neukölln gehalten hatte – am 1. März 1931 der NSDAP beitrat.

Wie es schien, legte er [Hitler in der besagten Rede] freimütig und offen seine Sorgen um die Zukunft dar. Seine Ironie war durch einen selbstbewussten Humor gemildert, sein süddeutscher Charme heimelte mich an; undenkbar, dass ein kühler Preuße mich eingefangen hätte. Hitlers anfängliche Schüchternheit war bald verschwunden; zuweilen steigerte er nun seine Tonlage, sprach eindringlicher und mit suggestiver Überzeugungskraft. Dieser Eindruck war weitaus tiefer als die Rede selbst, von der ich nicht viel in der Erinnerung behielt. (Seite 32f)

In den Kapiteln 2 bis 32 schildert Albert Speer seinen beruflichen Werdegang von 1931 bis 1945, seinen Aufstieg zum Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt (1937) und seine erfolgreiche Arbeit als Reichsminister für Bewaffnung und Munition (1942) bzw. Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion (1943). Dabei kommt er auch auf Rivalitäten innerhalb der NS-Führung – zum Beispiel zwischen Hermann Göring und Joseph Goebbels – ausführlich zu sprechen. Und er streicht seine besondere Nähe zu Adolf Hitler heraus.

Wenn Hitler Freunde gehabt hätte, dann wäre ich bestimmt einer seiner engen Freunde gewesen. (Seite 517)

Seine eigene Rolle stellt Albert Speer als die eines Verführten und im Grunde unpolitischen Machers dar.

Entscheidende Jahre meines Lebens habe ich der Technik gedient, geblendet von ihren Möglichkeiten. (Seite 525)

Drei Kapitel über die „Stationen der Gefangenschaft“, das Verfahren vor dem Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg (Nürnberger Prozesse) und sein eigenes Schlussplädoyer bilden den Epilog des Buches.

Als der wichtigste Vertreter einer technisch hoch entwickelten Macht, die soeben bedenkenlos und ohne Hemmungen alle ihre Mittel gegen die Menschheit eingesetzt hatte, suchte ich nicht nur einzugestehen, sondern auch zu begreifen, was geschehen war. (Seite 521)

Dreiundzwanzig Jahre nach seiner Verurteilung resümiert Albert Speer noch einmal:

Heute, ein Vierteljahrhundert nach diesen Ereignissen, belasten nicht allein einzelne Verfehlungen mein Gewissen, so groß sie auch gewesen sein mögen. Mein moralisches Versagen lässt sich kaum in Einzelheiten auflösen; es bleibt die Mitwirkung am gesamten Geschehen. Ich hatte nicht nur an einem Krieg teilgenommen, von dem wir im engeren Kreise niemals im Zweifel sein durften, dass er der Weltherrschaft galt. Ich hatte ihn sogar durch meine Fähigkeiten und durch meine Energie um viele Monate verlängert. Auf der Spitze des Kuppelbaus für das neue Berlin hatte ich jene Weltkugel angebracht, deren Besitz Hitler nicht nur im Symbol anstrebte. Die andere Seite dieses Anspruches war die Unterjochung der Nationen. Frankreich, das wusste ich, sollte zu einem Kleinstaat degradiert, Belgien, Holland und auch Burgund in Hitlers Reich eingegliedert werden; ich wusste, dass das nationale Leben der Polen und der Sowjetrussen ausgelöscht, sie zu Helotenvölkern gemacht werden sollten. Auch seine Ausrottungsabsichten gegenüber dem jüdischen Volk hatte Hitler für den, der hören wollte, nie verheimlicht […] Ohne jemals Hitler geradezu zuzustimmen, hatte ich doch Bauten entworfen und Waffen produziert, die seinen Zielen dienten. (Seite 524f).

Die „Erinnerungen“ des intelligenten und abwägenden Insiders Albert Speer an die Vorgänge im „Dritten Reich“ erwiesen sich als Bestseller, der auch in zwanzig Übersetzungen und bis heute in immer wieder neuen Auflagen erschien.

Es ist ein packendes Buch mit vielen kenntnisreich geschilderten Details über die NS-Herrschaft. Die Lektüre von Albert Speers „Erinnerungen“ ist nach wie vor empfehlenswert, allerdings immer unter dem Vorbehalt, dass man sich auch aus anderen Quellen über das „Dritte Reich“ informiert, denn Speer erliegt naturgemäß Selbsttäuschungen und stellt sich ungeachtet seiner Einsichten in einem günstigen Licht dar. Diese geschickte Selbststilisierung ist eines der Hauptthemen in dem dreiteiligen Fernsehfilm „Speer und Er“ von Heinrich Breloer.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004
Textauszüge: © Ullstein Verlag – Die Seitenangaben
beziehen sich auf die Ullstein-Taschenbuch-Ausgabe von 1975.

Albert Speer (Kurzbiografie)
Heinrich Breloer: Speer und Er
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