Wilbur. Das Leben ist eins der schwersten

Wilbur. Das Leben ist eins der schwersten

Wilbur. Das Leben ist eins der schwersten

Wilbur. Das Leben ist eins der schwersten – Originaltitel: Wilbur begår selvmord / Wilbur Wants to Kill Himself – Regie: Lone Scherfig – Drehbuch: Anders Thomas Jensen, Lone Scherfig – Kamera: Jørgen Johansson – Schnitt: Gerd Tjur – Musik: Joachim Holbek – Darsteller: Jamie Sives, Adrian Rawlins, Shirley Henderson, Lisa McKinlay, Mads Mikkelsen, Julia Davis, Susan Vidler, Robert McIntosh, Lorraine McIntosh, Gordon Brown, Mhairi Steenbock u.a. – 2002; 105 Minuten

Inhaltsangabe

Wilbur versucht immer wieder, sich das Leben zu nehmen – wird jedoch ebenso oft von seinem älteren Bruder Harbour gerettet. Erst als der unverbesserliche Optimist Harbour sich in die schüchterne Putzfrau Alice verliebt und die allein erziehende Mutter mit ihrer kleinen Tochter Mary zu ihm und seinem Bruder zieht, findet Wilbur endlich Lebensmut. Nun könnten sie alle zusammen restlos glücklich sein ...
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Kritik

Obwohl es in "Wilbur. Das Leben ist eins der schwersten" u. a. um Suizid geht, ist es Lone Scherfig gelungen, jedes Pathos zu vermeiden und eine zwischen Humor und Tragik ausgewogene Komödie mit einfühlsam dargestellten Charakteren zu inszenieren.
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Harbour (Adrian Rawlins) und Wilbur (Jamie Sives) sind Brüder. Bereits im Kindesalter hatten sie die Mutter verloren. Sie war zwei Jahre lang im Krankenhaus, schleppte sich jedoch immer wieder nach Hause, um ihre Familie zu besuchen. In einer eisigen Winternacht wachte der damals fünfjährige Wilbur auf, weil sie ans Fenster klopfte. Sie trug nur ein Nachthemd und fror, aber Wilbur, der seinen Vater sagen gehört hatte, zu Hause würde die Mutter sterben müssen, wagte es nicht, sie hereinzulassen und ging wieder ins Bett, ohne seinem Vater oder seinem älteren Bruder etwas zu sagen. Am anderen Morgen lag die Mutter tot vor dem Haus.

Inzwischen sind Harbour und Wilbur erwachsen. Der kürzlich verstorbene Vater hinterließ ihnen nichts als die heruntergekommene antiquarische Buchhandlung „North Books“ in Glasgow, die Harbour nun betreibt.

Während es sich bei Harbour um einen unerschütterlichen Optimisten handelt, lässt sich sein jüngerer Bruder Wilbur durch nichts von seinen Selbstmordversuchen abbringen. Er schluckt beispielsweise Schlaftabletten und dreht das Gas auf. Gerade noch rechtzeitig bringt Harbour ihn ins Krankenhaus. Der zynische Psychiater Horst (Mads Mikkelsen) und die Krankenschwester Moira (Julia Davis), die gern mit Wilbur ins Bett möchte, leiten dort eine Selbsterfahrungsgruppe.

Weil Wilbur wegen des gefährlichen Vorfalls mit dem Gas die Mietwohnung gekündigt wurde, nimmt Harbour ihn bei sich in den Privaträumen hinter der Buchhandlung auf.

Nach kurzer Zeit versucht Wilbur, sich mit einer Telefonschnur zu erhängen, wird aber von der Kundin Alice (Shirley Henderson) gerettet. Die schüchterne, allein erziehende Mutter, die im Krankenhaus putzt und „North Books“ die von entlassenen Patienten vergessenen Bücher verkauft, um ihren Lohn ein wenig aufzubessern, kommt deshalb zu spät zur Arbeit – und wird von ihrem Vorgesetzten (Colin McAllister) hinausgeworfen.

Harbour verliebt sich in die Arbeitslose und heiratet sie. Zusammen mit ihrer Tochter Mary (Lisa McKinlay) zieht Alice zu ihrem Mann und ihrem Schwager.

Alices Kollegin Sophie (Susan Vidler) hat es – wie Moira – auf Wilbur abgesehen, doch als sie an seinem Ohr lutscht, findet er das ekelhaft und weist sie zurück.

An Marys neuntem Geburtstag läuft Harbour noch schnell los, um Sahne für die Feier zu holen. Im Supermarkt bricht er zusammen und wird ins Krankenhaus gebracht, wo die Ärzte bei ihm ein Karzinom in der Bauchspeicheldrüse diagnostizieren und ihm dringend eine Chemotherapie empfehlen.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Gegen den ärztlichen Rat verschweigt Harbour seiner Frau und seinem Bruder die Krankheit, doch bei einem gemeinsamen Abendessen erfahren Alice und Wilbur durch eine Äußerung von Moira – die annimmt, sie wüssten längst Bescheid – was mit Harbour los ist. Daraufhin beginnt Harbour endlich mit der Chemotherapie.

Schon bevor Harbour ins Krankenhaus musste, kamen Alice und ihr Schwager sich näher, und Wilbur hat wieder Lebensmut gewonnen. Einmal stellte er sich an den Rand eines Daches, sprang jedoch nicht, und als er zufällig beobachtete, wie eine Frau (Coral Preston) sich ertränken wollte, zog er sie aus dem Wasser. Allmählich geben Alice und Wilbur den Widerstand gegen ihre Gefühle auf und lassen sich auf ein Verhältnis ein.

An Weihnachten darf Harbour das Krankenhaus vorübergehend verlassen und seine Familie besuchen. Vielleicht spürt er, was Alice und Wilbur für einander empfinden, aber er lässt sich nichts anmerken, und zum Abschied bittet er seinen Bruder, sich um Alice und Mary zu kümmern.

Zurück im Krankenhaus, schluckt Harbour eine Handvoll gehorteter Schlaftabletten und legt sich hin.

Im letzten Bild sehen wir Wilbur, Alice und Mary an seinem Grab.

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In „Wilbur. Das Leben ist eins der schwersten“ geht es um Glück bzw. Unglück, die Liebe, den Tod und das Leben – aber die dänische Filmregisseurin Lone Scherfig hat daraus kein pathetisches Drama gemacht, sondern eine feinfühlige Tragikomödie, in der sich traurige und komische Momente die Waage halten. Lone Scherfig lässt sich sehr viel Zeit, die Geschichte zu erzählen, und sie verzichtet dabei auf jede Effekthascherei. Die Bilder sind unspektakulär; trübe Farben herrschen vor, aber in den schnoddrigen Dialogen blitzen witzige Einfälle auf. – Eine Komödie über das Thema Selbstmord? Ja, aber diesen Widerspruch hat bereits Hal Ashby in „Harold und Maude“ aufgelöst. Bei den einfühlsam dargestellten Figuren in „Wilbur. Das Leben ist eins der schwersten“ handelt es sich um schrullige, menschlich vorbildliche Außenseiter.

Der Titel stammt aus dem Roman „Kleiner Mann – was nun?“ von Hans Fallada.

Lone Scherfig knüpfte mit „Wilbur. Das Leben ist eins der schwersten“ (die Schreibweise „Wilbur. Das Leben ist eines der schwersten“ ist falsch) an den Erfolg ihrer Komödie „Italienisch für Anfänger“ („Italiensk for begyndere“) an.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2007

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John Grisham sorgt mit einem kom­plexen Plot ebenso wie mit inte­res­san­ten Details aus dem Justiz­wesen und der Selbst­verwaltung von Indianer­reservaten dafür, dass "Bestechung" nicht nur eine spannende, sondern auch anregende Lektüre ist.
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