Bube Dame König grAs

Bube Dame König grAs

Bube Dame König grAs

Bube Dame König grAs - Originaltitel: Lock, Stock and Two Smoking Barrels - Regie: Guy Ritchie - Drehbuch: Guy Ritchie - Kamera: Tim Maurice-Jones - Schnitt: Niven Howie - Musik: David A. Hughes und John Murphy - Darsteller: Nick Moran, Jason Fleming, Dexter Fletcher, Jason Statham, Steven Mackintosh, Vinnie Jones, Sting, Lenny McLean, Steve Sweeney, Frank Harper u.a. - 1998; 105 Minuten

Inhaltsangabe

Vier Kleinganoven legen zusammen, um die 100 000 Pfund aufzubringen, die der Unterweltkönig Harry als Mindesteinsatz für eine Pokerpartie verlangt. Obwohl Eddie ein ausgekochter Zocker ist, steht er am Ende mit einer halben Million Schulden da. Um das fehlende Geld zu beschaffen, überfallen Eddie und seine Freunde eine Bande von Raubmördern, die gerade einige Drogendealer um deren Geld, Ware und Leben gebracht hat ...
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Kritik

Bei "Bube, Dame, König, grAs" handelt es sich um eine furiose Gaunerkomödie, eine aberwitzige Farce mit schrägen Dialogen und einem Feuerwerk skurriler Einfälle.
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Bacon (Jason Statham) verhökert an Straßenecken in London gestohlenen Krimskrams und muss sich dabei vor Polizeistreifen in Acht nehmen. Um endlich an das große Geld zu kommen, legen er und seine Freunde Eddie (Nick Moran), Tom (Jason Fleming) und Soap (Dexter Fletcher) zusammen: Mit dem geforderten Mindesteinsatz von 100 000 Pfund soll der Zocker Eddie an einer Pokerpartie des Nachtklubbesitzers, Pornokönigs und Gangsterbosses Harry Lonsdale (P. H. Moriarty) teilnehmen und das Doppelte oder Dreifache gewinnen. Eddie gilt zwar als der beste Kartenspieler weit und breit, aber er rechnet nicht damit, dass Harrys Vertrauter Barry (Lenny McLean) im Nebenraum sitzt, ihm über eine versteckte Kamera ins Blatt schaut und Harry über Morsesignale instruiert, die dieser unter der Hose an der Wade spürt. Schließlich zwingt Harry seinem Gast einen Kredit auf, und am Ende hat Eddie nicht nur seinen Einsatz verspielt, sondern eine halbe Million Pfund Schulden. Harry gibt ihm eine Woche Zeit, sie zu begleichen. Danach wird er zuerst Eddie und dann auch seinen drei Freunden für jeden Tag Verzug einen Finger abhacken lassen. Nicht umsonst nennt man ihn Hackebeil-Harry! Schlimmstenfalls müsste Harry sich das Geld von Eddies Vater J. D. (Sting) holen, der eine Bar in London betreibt.

Während Eddie, Bacon, Tom und Soap überlegen, wie sie ihre Finger behalten können, beauftragt Barry zwei andere Kleinganoven – Lenny (Stephen Callender-Ferrier) und Gary (Victor McGuire) – zwei antike Gewehre zu beschaffen, die sein Boss Harry im Katalog eines Auktionshauses entdeckt hat und haben möchte. Lenny und Gary brechen in das Herrenhaus des alten Ehepaares ein, das die Waffen besitzt. Statt sich mit dem Inhalt des Gewehrschranks zu begnügen, fesselt Gary das Paar aufs Bett und verbrennt ihnen die Fußsohlen, damit sie verraten, wo die Wertsachen versteckt sind. Dabei wird er von einem Greis überrascht, der mit einem Gewehr auf ihn schießt. Der Schuss versengt Gary die Haarpracht, auf die er so stolz war. Die beiden Tölpel verkaufen ihr Diebesgut mitsamt den beiden altmodischen Flinten, deren Wert sie nicht erahnen und bringen Barry stattdessen zwei prächtige Gewehre. Der verlangt von ihnen wütend, die gewünschten Waffen zurückzuholen.

Zufällig hört Eddie durch die dünne Wand seiner Wohnung, wie die Nachbarn einen Raubüberfall auf das Quartier von Drogendealern planen. Das bringt ihn auf die Idee, mit Bacon, Tom und Soap die Gangster nach dem Coup um die Beute zu bringen.

Ziel des Überfalls von Dog (Frank Harper), Paul (Huggy Leaver), John (Tony McMahon) und Plank (Steve Sweeney) ist das Haus, in dem Willie (Charles Forbes), Winston (Steve Mackintosh), J (Nicholas Rowe) und Charles (Nick Marcq) ihr selbst angebautes Marihuana heimlich verkaufen. Aus Sicherheitsgründen haben die Drogenhändler im Inneren des Hauses einen Käfig vor die Haustür gebaut, in dem die Kunden während des Kaufs stehen. – Plank wird vorgeschickt. Als einer der Dealer zu ihm ans Gitter kommt, drückt Plank ihm plötzlich die Mündung eines Gewehrs an den Hals, aber statt aufzusperren, fällt der Bedrohte in Ohnmacht. Dog, Paul und John kommen dazu. Während sie nach dem neben dem Bewusstlosen am Boden liegenden Schlüsselbund angeln, werden sie von dessen drei Komplizen mit Luftdruckgewehren beschossen. Dog schießt dem Bewusstlosen die Zehen ab und droht damit, als nächstes auf den Oberschenkel zu zielen, wenn das Gitter nicht aufgeschlossen wird. Paul will nicht so lang warten und mäht mit seiner Maschinenpistole alle nieder. Im Hinterzimmer stoßen die Gangster auf Unmengen von Geldbündeln. Paul muss mehrere Male gehen, um die Plastiksäcke mit dem Geld und dem Marihuana in den vor der Tür geparkten Lieferwagen zu tragen. Einmal trifft er dabei auf einen Polizisten, der gerade einen Strafzettel wegen Falschparkens ausfüllt. Kurzerhand schlägt er ihn zusammen und wirft ihn in den Laderaum.

Eddie, Bacon, Tom und Soap verfolgen den Lieferwagen und überfallen die Raubmörder, als diese aussteigen und in ein Haus gehen. Sie fesseln die Männer mit Klebeband und lassen sie liegen. Dann rauben sie den Lieferwagen. Während der Fahrt schlagen sie den Polizisten, der wieder zu sich kommt, noch einmal bewusstlos.

Die Geldbündel verpacken sie in einer Reisetasche. Das erbeutete Marihuana soll der aus Griechenland stammende Hehler Nick (Stephen Marcus) für Eddie und dessen Freunde zu Geld machen. Nick bietet die Ware dem schwarzen Drogenboss Rory Breaker (Vas Blackwood) an, der sofort durchschaut, dass es sich bei dem Marihuana um die Beute aus dem Raubmord handelte, denn Willie, Winston, J und Charles hatten für ihn gearbeitet.

Rory holt sich das Geld zurück und überfällt mit seinen Männern auch die Raubmörder. Bei dem Schusswechsel der beiden Banden kommen alle bis auf Dog um, der mit der Geldtasche und zwei Gewehren fliehen kann. Auf der Straße wird er jedoch von Chris (Vinnie Jones) gestellt, einem Kriminellen, der für Harry arbeitet und stets seinen Sohn, den „kleinen Chris“ (Peter McNicholl), bei sich hat, weil er auf dessen sorgfältige Erziehung großen Wert legt.

Lenny und Gary beobachten, wie Chris eine Reisetasche und die beiden gesuchten antiken Gewehre in seinen Sportwagen legt. Sie folgen ihm. Weil Chris die Gewehre Harry bringt, stehen die beiden tollpatschigen Kleinganoven unvermittelt vor dem Unterweltkönig und ihrem Auftraggeber Barry. Harry schießt sofort. Chris ist der Einzige, der dem Gemetzel entkommt. Aber inzwischen hat Dog den im Sportwagen sitzen gebliebenen kleinen Chris in seine Gewalt gebracht. Er verlangt das Geld zurück. Chris fährt mit ihm und seinem Sohn los und lenkt das Auto bewusst gegen einen geparkten Wagen, damit er den überraschten Dog überwältigen und mit dem Geld entkommen kann.

Eddie und Tom stellen fest, dass Harry und Barry tot sind. Eddie wird zwar verhaftet, kann aber bald wieder von seinem Vater aus dem Gefängnis geholt werden, weil der von Paul zusammengeschlagene Polizist die Leiche von Paul identifiziert und deshalb festzustehen scheint, dass dieser und seine Komplizen die Raubmorde durchgeführt hatten. Dass die Bande von Eddie, Tom, Bacon und Soap überfallen wurde, ahnt man bei der Polizei nicht. Chris bringt Eddie von sich aus die Reisetasche mit dem Geld, denn er will nicht Harrys Fehler machen und ihn unterschätzen. Die vier Freunde verstecken das Geld. Damit ihnen bei einer möglichen polizeilichen Durchsuchung die beiden altmodischen Gewehre, die Tom aus Harrys Büro mitnahm, nicht zum Verhängnis werden, soll Tom damit zu einer Brücke fahren und sie in die Themse werfen. Während er unterwegs ist, blättern seine Freunde in einem Auktionskatalog, stoßen auf die Abbildungen der beiden antiken Gewehre und stellen fest, dass der Schätzwert eine halbe Million Pfund beträgt. Aufgeregt rufen sie Tom an, damit dieser die wertvollen Waffen nicht ins Wasser wirft. Tom ist bereits auf der Brücke, aber der Sack mit den Gewehren ist auf einem Betonvorsprung unter dem Brückengeländer liegen geblieben. Um beide Hände frei zu bekommen, klemmt er sich das Handy zwischen die Zähne und beugt sich weit über das Geländer, bis er den Sack gerade mit den Fingerspitzen erreicht, als das Handy klingelt …

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Wie Quentin Tarantino geht Guy Ritchie in seinem Kinodebüt über Leichen; moralische Fragen werden in „Bube, Dame, König, grAs“ nicht gestellt, und eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit findet nicht statt. Das ist auch gar nicht beabsichtigt, denn bei „Bube, Dame, König, grAs“ handelt es sich um eine furiose Gaunerkomödie, eine aberwitzige Farce mit einem guten Dutzend überdrehter Figuren, schrägen Dialogen und einem Feuerwerk skurriler Einfälle. Wenn einer den anderen hereinlegt und eine Bande der anderen das Diebesgut abjagt, ist es zwar nicht einfach, den Überblick zu behalten, aber auch wenn man beim ersten Anschauen des Films hin und wieder den Faden verliert, schmälert das kaum das Vergnügen – sofern man diese Art von schwarzem Humor mag.

Frauen spielen – mit Ausnahme Glorias (Suzy Ratner), die bekifft bei den Marihuana-Händlern herumhängt – in „Bube, Dame, König, grAs“ keine Rolle.

Es ist überraschend, dass der Werbefilmer Guy Ritchie in „Bube, Dame, König, grAs“ gerade nicht auf Hochglanz-Ästhetik setzt, sondern eine eher spröde Bildsprache mit sepiafarbenen Aufnahmen bevorzugt. Das heißt allerdings nicht, dass der Kameramann Tim Maurice-Jones konventionell arbeitet, im Gegenteil: Er filmt zum Teil aus der Froschperspektive, setzt harte Schatten und beleuchtet Gesichter mitunter von unten. Als Eddie beim Poker eine halbe Million Pfund verliert, betonen Doppelbelichtungen seine Bestürzung. Bei einigen Sequenzen kommen Split Screens und Parallelmontagen zum Einsatz; Bilder frieren ein, und manchmal ändert sich die Abspielgeschwindigkeit. Auch der Ton ahmt diese Manipulationen hin und wieder nach. Überhaupt trägt der Soundtrack – darunter übrigens der Sirtaki von Mikis Theodorakis aus „Alexis Sorbas“ – sehr zum Vergnügen bei.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

Guy Ritchie: Snatch. Schweine und Diamanten

Wolfgang Hildesheimer - Tynset
Ein von Schlaflosigkeit und angstvoller Unruhe gepeinigter Mann geht in dem Haus umher, das er schon lange nicht mehr verlassen hat. Nur noch seine Assoziationen führen über die Selbstisolation hinaus. – Die Erzählstruktur ist wie ein Musikstück kunstvoll aufgebaut, mit Tynset als Leitmotiv.
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Wolfgang Hildesheimer

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