Battle in Heaven

Battle in Heaven

Battle in Heaven

Originaltitel: Batalla en el cielo / Battle in Heaven – Regie: Carlos Reygadas – Drehbuch: Carlos Reygadas – Kamera: Diego Martínez Vignatti – Schnitt: Adoración G. Elipe, Benjamin Mirguet, Carlos Reygadas, Nicolas Schmerkin – Musik: John Tavener – Darsteller: Marcos Hernández, Anapola Mushkadiz, Bertha Ruiz, David Bornstein, Rosalinda Ramirez, El Abuelo, Brenda Angulo, El Mago, Francisco ("El Gato") Martínez, Diego Martínez Vignatti, Alejandro Mayar, Chavo Nava, Estela Tamariz u.a. – 2005; 95 Minuten

Inhaltsangabe

Der als Chauffeur eines Generals in Mexiko Stadt arbeitende Mestize Marcos, der aus Geldgier mit seiner Ehefrau das Baby einer Freundin entführte, das jedoch dabei starb, versucht den Augenblick hinauszuzögern, in dem er sich entscheiden muss, ob er zu seinem Verbrechen steht oder nicht. Er vertraut sich der schönen Tochter des Generals an, und Ana schläft mit ihm, um ihn von seiner Gewissensnot abzulenken. Aber dann rät sie ihm, zur Polizei zu gehen ...
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Kritik

Carlos Reygadas setzt in "Battle in Heaven" auf die Kraft seiner in extrem langen Einstellungen gefilmten Bilder. Die Handlung bleibt rudimentär, und die Dialoge beschränken sich auf ein Minimum. Schönheit und Hässlichkeit prallen aufeinander.
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Der ungefähr fünfzig Jahre alte Mestize Marcos (Marcos Hernández) arbeitet als Chauffeur für einen General in Mexiko Stadt und hilft beim täglichen Ritual des Fahne-Hissens und –Einholens. Seine Frau (Berta Ruiz) – die wie er an Adipositas erkrankt ist – steht in einem Fußgänger-Tunnel der U-Bahn und bietet den Passanten Uhren und Süßigkeiten zum Kauf an. Aus Geldgier entführt das Ehepaar das Baby der Freundin Viky (Rosalinda Ramirez), aber das Kind stirbt, bevor Marcos Lösegeld dafür verlangen kann.

Einige Stunden nach dem Tod des Kindes holt er Ana (Anapola Mushkadiz), die schöne, junge Tochter des Generals vom Flughafen ab und bringt sie zu dem Edelbordell, in dem sie sich aus Langeweile prostituiert. Niemand von ihren Angehörigen oder Freunden weiß davon; nur Marcos ist in das Geheimnis eingeweiht.

Während der Fahrt fällt Ana auf, dass Marcos noch resignierter und lethargischer ist als sonst und einmal an einer auf Grün umgesprungenen Verkehrsampel gedankenverloren stehenbleibt. Sie fragt ihn, was mit ihm los sei, und er gesteht ihr die missglückte Kindesentführung. Von menschlichen Abgründen möchte die verwöhnte, lebensfrohe Generalstochter eigentlich nichts wissen, aber aus Mitleid nimmt sie Marcos mit ins Bordell. Eine Kollegin, die ihn dort von seinen Gewissensbissen ablenken soll, bringt es jedoch nicht fertig, ihn zu erregen.

Um Marcos zu trösten, geht Ana selbst mit ihm ins Bett. Aber nach dem Koitus gibt sie ihm den Rat, sich wegen seiner Tat zu stellen. Wie erstarrt bleibt Marcos liegen.

Als er seiner Frau ankündigt, dass er zur Polizei gehen werde, fordert sie ihn auf, damit noch einen Tag zu warten und in der Zwischenzeit mit ihr eine Wallfahrt zur Madonna von Guadalupe zu machen.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Bevor Marcos sich allein auf diesen letzten Weg macht, verabschiedet er sich von Ana. Nachdem sie ihm frech gesagt hat, sie werde ihn nicht vermissen, bleibt er stehen, uriniert in die Hose, holt dann ein Küchenmesser und schneidet ihr die Kehle durch. Liebevoll legt er die Sterbende auf den Boden.

Die letzten Meter zur Basilika der Jungfrau von Guadalupe legt er auf den Knien zurück.

Inzwischen sucht ihn die von Anas Freund Jaime (David Bornstein) alarmierte Polizei bereits. Seine Frau, die im Streifenwagen mitfährt, bittet darum, die Wallfahrtskirche vor den Polizisten betreten zu dürfen. Sie nähert sich ihrem mit einer Plastiktüte über dem Kopf vor dem Bildnis der Jungfrau von Guadalupe knienden Mann von hinten, und als sie ihn an der Schulter berührt, kippt er tot um.

Das Schlussbild bezieht sich wohl auf den Himmel und die Erlösung: Während Ana ihn oral befriedigt, lächelt Marcos verklärt.

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In „Battle in Heaven“ (Kinotitel, Titel der DVD) bzw. „Eine Schlacht im Himmel“ (Fernsehtitel) geht es um die Gewissensnöte eines Mannes, der fast erstarrt, um den Augenblick hinauszuzögern, in dem er sich entscheiden muss, ob er zu seinem Verbrechen steht oder nicht. Wie Raskolnikow in „Schuld und Sühne“ vertraut er sich einer Prostituierten an, die ihm – auch das ist eine Parallele zu dem Roman von Fjodor Dostojewski – dazu rät, sich zu seiner Schuld zu bekennen. Erlösung sucht er in der Sexualität.

Eine psychologische Studie ist „Battle in Heaven“ ebenso wenig wie ein gesellschaftskritischer Film. Im Vordergrund steht das Formale: Der mexikanische Regisseur Carlos Reygadas Castillo (* 1971) missachtet Sehgewohnheiten und vermeidet alles, was in Hollywood für unverzichtbar gehalten wird. Die Handlung bleibt rudimentär, und die Dialoge beschränken sich auf ein Minimum. Carlos Reygadas setzt in „Battle in Heaven“ auf die Kraft seiner authentisch wirkenden Bilder, die sich mit dem vorwiegend aus Geräuschen bestehenden Ton zu einer Einheit verbinden. Die Kamera verharrt zwar nicht bewegungslos wie beispielsweise bei „Code unbekannt“, „Milchwald“ oder „Ferien“, aber Schwenks und Kamerafahrten werden mit bleierner Langsamkeit durchgeführt, und die Einstellungen sind selbst dann extrem lang, wenn scheinbar nur Banales – wie etwa eine Autofahrt – zu sehen ist. Das trägt zur Authentizität bei, wird aber vom Zuschauer auch als zäh empfunden.

Schönheit und Hässlichkeit prallen in „Battle in Heaven“ aufeinander. Carlos Reygadas zeigt den an Adipositas erkrankten älteren Mestizen nicht nur nackt beim Sex mit der schönen weißen Generalstochter, sondern auch mit seiner Ehefrau, die noch fetter ist als er selbst. Er scheut sich auch nicht, eine realistisch gefilmte Fellatio-Szene als Rahmenhandlung zu verwenden und Geschlechtsorgane – darunter einen nach der Kopulation erschlaffenden Penis – in Großaufnahme zu zeigen.

Wenn eine junge, schöne, reiche Frau (Anna) einem armen, älteren Mann (Marcos) einen bläst, kann das für einige Zuschauer wirklich verwirrend sein. Oberflächlich betrachtet ist der Schock ein ästhetischer, doch das Tabu geht tiefer. Hier geht es um soziale Unterschiede. Wäre der Mann ein reicher Drogendealer, wäre niemand geschockt, alle würden denken, das Mädchen ist eine Prostituierte. Provokation ist für mich kein Selbstzweck, aber sie setzt starke Gefühle beim Zuschauer frei […] Mein Ziel ist es nicht, die Zuschauer zu erregen oder zu schockieren […] Ich will Sex so filmen, wie er im wirklichen Leben stattfindet […] Die Sexualität ist immer beides: fleischlich und metaphysisch, profan und heilig, oberflächlich und tiefgründig. (Carlos Reygadas)

Auch die Hauptrollen hat Carlos Reygadas mit Laiendarstellern besetzt. Marcos Hernández arbeitete beispielsweise tatsächlich als Chauffeur.

Filme von Carlos Reygadas: Japón (2002), Battle in Heaven (2005), Stellet Licht (2007).

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2008

Karin Deckenbach - Jutta Limbach
Karin Deckenbach versucht in dieser Biografie nicht, ein Porträt oder gar eine Charakterstudie der Person Jutta Limbach zu vermitteln, sondern sie beschäftigt sich fast ausschließlich mit der außergewöhnlichen Karriere dieser Frau und skizziert dazu auch die zeitgeschichtlichen Schlüsselereignisse.
Jutta Limbach

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