To the Wonder

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To the Wonder

To the Wonder – Originaltitel: To the Wonder – Regie: Terrence Malick – Drehbuch: Terrence Malick – Kamera: Emmanuel Lubezki – Schnitt: A. J. Edwards, Keith Fraase, Shane Hazen, Christopher Roldan, Mark Yoshikawa – Musik: Hanan Townshend – Darsteller: Ben Affleck, Olga Kurylenko, Rachel McAdams, Javier Bardem, Tatiana Chiline, Romina Mondello, Tony O'Gans u.a. – 2012; 110 Minuten

Inhaltsangabe

Von einem Paris-Aufenthalt kommt der Amerikaner Neil mit der aus der Ukraine stammenden Französin Marina und ihrer 10-jährigen Tochter nach Oklahoma zurück. Nach anfänglicher Begeisterung für die Neue Welt fühlt Marina sich einsam. Sie sucht deshalb Rat bei dem grüblerischen Priester Quintana. Der Latino hadert angesichts des menschlichen Leides mit Gott, zweifelt am Sinn das Daseins und ist ebenso heimatlos wie Marina. Er kann ihr nicht helfen ...
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Kritik

Die Handlung in dem impressio­nistischen Filmpoem "To the Wonder" von Terrence Malick bleibt rudimentär. Ebenso fragmentiert wie die ruhelosen Bilder sind die aus dem Off zu hörenden Worte, Klänge und Geräusche.
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Während eines Aufenthalts in Paris verliebt sich der Amerikaner Neil (Ben Affleck) in Marina (Olga Kurylenko), eine aus der Ukraine stammende Französin, die eine zehnjährige Tochter namens Tatiana (Tatiana Chiline) hat. Marina hatte im Alter von 17 Jahren geheiratet, aber ihr französischer Ehemann verließ die Familie zwei Jahre nach Tatianas Geburt und zog auf die Kanarischen Inseln.

Tatiana ist von dem neuen Freund ihrer Mutter begeistert. Der fragt Marina während eines Ausflugs zum Mont St. Michel, ob sie seine Frau werden wolle. Sie heiraten und ziehen mit Tatiana nach Bartlesville/Oklahoma, wo Neil aufwuchs. Beim Einkaufen staunt Tatiana über die Fülle von Waren, die Geräumigkeit und Sauberkeit des Supermarkts. Von einem hohen Zaun geschützt, wohnen sie in einem Bungalow. Was sie mitgebracht haben, ist zum großen Teil noch in Umzugskisten verpackt. Die Holzhäuser in der Nachbarschaft sehen verwahrlost aus. Die Bewohner renovieren nicht mehr, denn sie befürchten, dass sie einer Großbaustelle weichen und wegziehen müssen. Neil arbeitet als Umwelttechniker und stellt fest, dass der Boden durch Schadstoffe schwer belastet ist.

Bald vermisst Tatiana ihre Freunde in Paris und fühlt sich einsam. Ihrer Mutter geht es ebenso. Rat sucht Marina bei dem grüblerischen Priester Quintana (Javier Bardem). Der befindet sich in einer Glaubenskrise und hadert angesichts des menschlichen Leides mit Gott. Der Latino ist ebenso heimatlos wie Marina. Er kann ihr nicht helfen.

Neil sucht vorübergehend die Nähe der jungen, unkomplizierten Amerikanern Jane (Rachel McAdams), die er seit der Kindheit kennt und die seine Naturverbundenheit teilt.

Marina und Tatiana kehren enttäuscht nach Paris zurück. „Wenn er mich gebeten hätte, zu bleiben, wäre ich geblieben“, denkt Marina. Beim Abschied auf dem Flughafen sagt sie, dass sie seinen Namen trotz der bevorstehenden Scheidung behalten wolle.

Anna (Romina Mondello), eine Zufallsbekannte Marinas, will Ketten sprengen, frei sein und überrascht werden. Diese Freiheit sucht Marina, indem sie sich auf einen One-Night-Stand in einem Stundenhotel einlässt.

Tatiana zieht zu ihrem Vater. Marina ist arbeitslos. In ihrer Verzweiflung denkt sie daran, es noch einmal in den USA zu versuchen. Sie kennt einen Mann, der sie zum Schein heiraten würde, damit sie eine Green Card bekommen kann.

[Geplante Filmtipps]

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Thema des melancholisch-meditativen Kinofilms „To the Wonder“ von Terrence Malick ist die Unbehaustheit des Menschen. Unsere Existenz ist vergänglich, und ob sie einen Sinn hat, wissen wir nicht. Nicht nur der mit Gott hadernde Priester Quintana ist ein verzweifelt Suchender.

Die Handlung bleibt rudimentär. Terrence Malick interessiert sich auch nicht weiter für die Charaktere der Filmfiguren – und dementsprechend kommt es nicht auf schauspielerische Leistungen an. Bis auf Tatiana bleiben die Figuren in „To the Wonder“ namenlos; erst aus der Besetzungsliste erfahren wir, wie sie heißen. Dialoge gibt es so gut wie keine in „To the Wonder“. Stattdessen sind Marina und Quintana aus dem Off zu hören. In der englischsprachigen Originalversion raunen sie französisch bzw. spanisch; in der deutschen Fassung sind alle Texte synchronisiert. Sie sind ebenso fragmentiert wie die Handlung.

Statt einer stringenten Erzählung bietet Terrence Malick einen stream of consciousness, statt einer linearen Handlung ein impressionistisches Filmpoem. Kaum eine Einstellung dauert länger als ein paar Sekunden. Auch die Kamera kommt nicht zur Ruhe; sie ist ständig in Bewegung und fährt häufig nach vorne, ins Bild hinein. Chronologisch einordnen kann der Zuschauer die Szenen nur zum Teil.

Dominant eingesetzte Geräusche und orchestrale Klänge – u. a. von Johann Sebastian Bach (Weihnachtskantate „Uns ist ein Kind geboren, BWV 142), Joseph Haydn („Die Jahreszeiten“), Hector Berlioz („Harold en Italie“), Richard Wagner („Parsifal“), Peter Tschaikowski („Die Jahreszeiten“: „Juni“), Antonin Dvořák (Sinfonie Nr. 9, e-Moll, „Aus der Neuen Welt“), Sergei Wassiljewitsch Rachmaninow („Die Toteninsel“, Tondichtung für großes Orchester), Ottorino Respighi („Antiche danze ed arie per liuto“, Suite Nr. 2), Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch (Klavierkonzert Nr. 2 in F-Dur), Henryk Mikolaj Górecki (Sinfonie Nr. 3, „Sinfonie der Klagelieder“) – übertönen hin und wieder sogar die aus dem Off gesprochenen Worte.

Es heißt, Terrence Malick habe auch Szenen mit Jessica Chastain, Amanda Peet, Barry Pepper, Michael Sheen und Rachel Weisz gedreht, die allerdings nicht in die fertige Fassung aufgenommen worden seien.

Der Titel „To the Wonder“ bezieht sich auf eine Äußerung Marinas: „Wir erklommen die Stufen hinauf zum Wunder.“ Damit meint sie die gewaltige Abtei auf dem Mont St. Michel, die im Mittelalter als Wunder (merveille) bestaunt wurde.

Deutsche Synchronstimmen in „To the Wonder“: Peter Flechter (Neil), Sophie Ostria (Marina), Ranja Bonalana (Jane), Carlos Lobo (Pater Quintana), Lorella Borelli (Anna) u.a.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2013

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Thomas Rosenboom - Neue Zeiten
Thomas Rosenboom ist ein fulminanter Erzähler: In farbigen und lebendigen, ausdrucksstarken und vielfach symbolischen Bildern entwickelt er eine komplexe, spannende Handlung vor dem Hintergrund des Umbruchs am Ende des 19. Jahrhunderts: "Neue Zeiten".
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