Lisa Nowak


Lisa wurde am 10. Mai 1963 in Washington, D. C., als Tochter des Ehepaars Alfredo and Jane Caputo geboren und wuchs in Rockville, Maryland, auf. Bereits mit sechs und sieben Jahren begeisterte sie sich für die »Apollo«-Flüge zum Mond. Nach dem Abschluss der Charles W. Woodward High School in Rockville studierte Lisa Caputo von 1981 bis 1985 Luft- und Raumfahrttechnik an der US-Marineakademie in Annapolis, Maryland. Bevor sie ihr Studium 1990 an der U. S. Naval Postgraduate School in Monterey, Kalifornien, fortsetzte und nach zwei Jahren mit einem Master-Diplom in Raumfahrttechnik abschloss, ließ sie sich zur Marineflieger-Offizierin ausbilden und in elektronischer Kriegsführung schulen.

Richard T. Nowak, der mit ihr zusammen sowohl die Marine Akademie als auch die Flugschule besucht hatte und inzwischen am Johnson Space Center in Houston, Texas, arbeitete, wurde 1988 ihr Ehemann. Lisa Nowak gebar 1992 ihren Sohn Alexander und 2001 die Zwillinge Katrina und Alyssa.

Seit ihrem Studienabschluss arbeitete sie in der Raumfahrttechnik. Ihrem eigentlichen Ziel kam sie ein gutes Stück näher, als sie 1995 zusammen mit 122 anderen Männern und Frauen aus einer Gruppe von 2432 Bewerbern für das Astronautenteam der NASA ausgewählt wurde und im August 1996 mit der zweijährigen Grundausbildung am Johnson Space Center anfing.

2002 teilte man Lisa Nowak für eine Weltraummission im November des folgenden Jahres ein. Als jedoch beim Abheben der »Columbia« am 16. Januar 2003 der Hitzeschild durch abgebrochene Teile der Außentank-Isolierung beschädigt wurde und das Space Shuttle deshalb beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre am 1. Februar mit zwei Frauen und fünf Männern an Bord verglühte, verschob die NASA erst einmal alle weiteren Einsätze.

Zehn Jahre nach ihrer Aufnahme ins Astronautenteam war es endlich so weit: Lisa Nowak gehörte zur Besatzung der »Discovery«, die am 4. Juli 2006 vom Kennedy Space Center am Cape Canaveral auf Merritt Island in Florida zur Internationalen Raumstation (ISS) startete und am 17. Juli – bis auf den Deutschen Thomas Reiter, der für 142 Tage auf der ISS blieb – wieder aus dem All zurückkehrte.

Im Winter 2006/2007 trennten Lisa und Richard Nowak sich. Zur gleichen Zeit wollte auch der Space-Shuttle-Kommandeur William Oefelein – der Thomas Reiter am 22. Dezember von der ISS zurückholte – seine 2004 begonnene Affäre mit der zwei Jahre älteren Lisa Nowak beenden, weil der seit 2005 von Michaella Davis geschiedene zweifache Vater inzwischen mit Captain Colleen Shipman zusammen war, einer dreißigjährigen Luftfahrtingenieurin und Offizierin der Patrick Air Force Base in Florida.

Das warf Lisa Nowak offenbar aus der Bahn.

Die dreifache Mutter fuhr am 4./5. Februar 2007 mit dem Auto von ihrem Wohnort Houston nach Orlando, Florida. Die Medien kolportierten, sie habe dabei eine Astronautenwindel getragen, um die 1450 Kilometer lange Strecke ohne Zwischenstopp zurücklegen zu können. (Abgesehen davon, dass sie zumindest einmal hatte tanken müssen, wird Lisa Nowak später ihre erste Aussage korrigieren und einräumen, unterwegs in einem Motel gewesen zu sein.)

Jedenfalls setzte sie nach ihrer Ankunft im International Airport am 5. Februar eine schwarze Perücke auf, zog einen braunen Trenchcoat an und wartete eine Stunde in der Ankunftshalle, bis Colleen Shipman eintraf. Dann stieg sie mit ihrer Rivalin in den Shuttle Bus, der zum Parkhaus fuhr. Colleen Shipman sagte aus, sie habe Schritte hinter sich gehört, sei deshalb so schnell wie möglich zu ihrem Auto gegangen und habe die Türen verriegelt. Ihrer Darstellung zufolge schlug Lisa Nowak schluchzend gegen das Seitenfenster und wollte mitgenommen werden. Als Colleen Shipman die Scheibe ein Stück öffnete, attackierte Lisa Nowak sie mit einem Pfefferspray. Daraufhin hielt sie den Atem an, gab Gas, öffnete während der Fahrt alle Seitenfenster und ließ an der Ausfahrt des Parkhauses die Polizei rufen.

Mit brennenden Augen lotste Colleen Shipman die nach wenigen Minuten eingetroffenen Beamten zum Tatort, wo sie beobachteten, wie Lisa Nowak eine Tasche in den Abfallbehälter warf. Sie enthielt die Perücke, den Trenchcoat und eine Luftdruckpistole. In Lisa Nowaks Auto fand die Polizei einen Pfefferspray, ein Klappmesser, einen Hammer, einen Bohrer, ein Stück Schlauch, Gummihandschuhe, Plastikbeutel, 69 Tabletten, 585 Dollar und 41 Pfund Sterling in bar, Aufzeichnungen über die Lage des Wohnhauses von Colleen Shipman, E-Mails von Colleen Shipman und William Oefelein, zwei USB-Speichersticks sowie eine Diskette mit zwei Schnappschüssen von Lisa Nowak und fünfzehn Fotos einer nackten, zumeist gefesselten Frau, über deren Identität die Presse nichts erfuhr.

Lisa Nowak wurde verhaftet. Die Polizei bezichtigte die Astronautin zunächst eines Mordversuchs, aber die Staatsanwaltschaft klagte sie am 2. März wegen versuchter Entführung und Körperverletzung, Bedrohung mit einer Waffe und beleidigenden Äußerungen an. Lisa Nowak beteuerte, sie habe ihre Rivalin nur einschüchtern und zur Rede stellen wollen. Gegen eine Kaution in Höhe von 25 000 Dollar und die Auflage, eine elektronische Fußfessel zu tragen, kam sie frei. Als sie das von Reportern umlagerte Gefängnis in Orlando verließ, verhüllte sie ihren Kopf mit einer Jacke und hastete zu einem bereitstehenden Auto. Neun Monate zuvor war sie noch als Heldin der Raumfahrt gefeiert worden! Wie konnte eine Astronautin, die ihre hohe Intelligenz und ihre psychische Belastbarkeit in kritischen Situationen mehrmals unter Beweis gestelt hatte, so den Kopf verlieren?

Für den Augenblick entkam Lisa Nowak den Paparazzi und kehrte nach Houston zurück, aber die belauerten von da an jeden ihrer Schritte – in der Hoffnung, sie in einer peinlichen oder kompromittierenden Situation fotografieren zu können. Lisa Nowak verbarg sich so gut wie möglich und ließ sich bei einer Anhörung am 22. März in Orlando von ihrem Anwalt Donald Lykkebak vertreten.

Die NASA beurlaubte Captain Lisa Nowak zunächst für dreißig Tage und entließ sie dann nach Absprache mit der US-Marine am 8. März.

Das Hauptverfahren gegen Lisa Nowak sollte ursprünglich am 30. Juli 2007 stattfinden, wurde dann jedoch auf den 24. September verschoben. Als ihr Anwalt Ende August ankündigte, psychische Störungen seiner Mandantin geltend machen zu wollen, ließ das Gericht auch den September-Termin fallen und setzte den 7. April 2008 als neuen Prozesstermin fest.

Ihre Fußfessel braucht Lisa Nowak seit 30. August 2007 nicht mehr zu tragen.

© Dieter Wunderlich 2007

Thomas Reiter

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H. Dieter Neumann müht sich nicht mit formalen Experimenten ab und überfrachtet "Mord an der Förde" auch nicht inhaltlich. Statt auf effektvolle Action-Szenen setzt er auf einen gut durchdachten präzisen Aufbau des Kriminalromans.
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