Vera Drake

Vera Drake

Vera Drake

Vera Drake – Originaltitel: Vera Drake – Regie: Mike Leigh – Drehbuch: Mike Leigh – Kamera: Dick Pope – Schnitt: Jim Clark – Musik: Andrew Dickson – Darsteller: Imelda Staunton, Richard Graham, Eddie Marsan, Anna Keaveney, Alex Kelly, Daniel Mays, Philip Davis, Lesley Manville, Sally Hawkins, Simon Chandler, Sam Troughton, Marion Bailey, Sandra Voe, Adrian Scarborough, Heather Craney, Peter Wight, Chris O'Dowd u.a. – 2004; 120 Minuten

Inhaltsangabe

1950. Vera Drake lebt mit ihren Mann Stan und den beiden erwachsenen Kindern Sid und Ethel in einer engen Arbeiterwohnung in London. Sie führt den Haushalt, versorgt ihre alte kranke Mutter und putzt in Villen reicher Leute, aber sie ist trotz des Mangels zufrieden. Die Verlobungsfeier für Ethel und den Nachbarn Reg wird durch die Verhaftung Veras abgebrochen. Niemand in der Familie ahnte, dass sie heimlich als Engelmacherin tätig war ...
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Kritik

Mike Leigh entwickelt die Geschichte bedächtig und mit Liebe zum Detail. Die Inszenierung ist realistisch und betont altmodisch. Sehenswert ist "Vera Drake" v.a. wegen Imelda Staunton.
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London, 1950. Stanley („Stan“) und Vera Drake (Philip Davis, Imelda Staunton) leben mit ihren erwachsenen Kindern Sid und Ethel (Daniel Mays, Alex Kelly) in einer engen Arbeiterwohnung. Stan arbeitet als Mechaniker in der Autowerkstatt seines jüngeren Bruders Frank (Adrian Scarborough). Vera führt den Haushalt, versorgt ihre alte kranke Mutter (Sandra Voe) und putzt in Villen reicher Leute; sie hat sich mit dem Mangel abgefunden und immer ein kleines Lied auf den Lippen. Sid ist Schneider, und die extrem schüchterne Ethel arbeitet am Fließband einer Glühlampenfabrik. Obwohl das Geld knapp ist, lädt Vera auch den noch ärmeren Nachbarn Reg (Eddie Marsan) zum Essen ein. Auf diese Weise verschafft sie Ethel endlich einen Bräutigam: Reg macht der verklemmten Frau einen Heiratsantrag.

Die Verlobungsfeier im Familienkreis, an der auch Frank und seine schwangere Frau Joyce (Heather Craney) teilnehmen, wird von Detective Inspector Ernest Webster (Peter Wight), Sergeant Vickers (Martin Savage) und Constable Best (Helen Coker) gestört: Sie verhaften Vera Drake. Niemand in der Familie kann sich vorstellen, was die herzensgute Frau getan haben soll.

Stan folgt dem Polizeiauto zum Revier und wartet, bis ihn Inspector Webster nach langer Zeit mit Vera reden lässt. Sie gesteht ihm, jahrelang ungewollt schwangeren Frauen geholfen zu haben. Weder Stan noch die Kinder ahnten etwas davon, dass sie gelegentlich mit einem Stück Kernseife, einer Käseraspel, einem Gummischlauch und einer Pumpe zu Frauen ging, um einen Abortus einzuleiten. So war sie kürzlich auch bei Jessie Barnes (Lesley Sharp) und ihrer schwangeren Tochter Pamela (Liz White). Nach dem Eingriff bekam Pamela Fieber und musste im Krankenhaus operiert werden. Der Arzt, Dr. Walsh (Anthony O’Donnell), hielt es für seine Pflicht, die Polizei einzuschalten.

Abtreibungen sind verboten. Nur für Frauen, die es sich leisten können, gibt es eine Möglichkeit, die nicht geahndet wird: Als zum Beispiel Susan Wells (Sally Hawkins), die Tochter eines Beamten aus dem Verteidigungsministerium, von ihrem Freund vergewaltigt und geschwängert wird, schreibt ihr eine Vertraute (Fenella Woolgar) die Adresse eines Arztes (Nicky Henson) auf, der sie zunächst zu einem Psychiater (Allan Corduner) überweist, der wiederum attestiert, dass sie aufgrund der psychischen Belastung selbstmordgefährdet sei. Daraufhin wird in einer Privatklinik die Abtreibung legal durchgeführt, und zwar übers Wochenende, sodass nicht einmal Susans Eltern (Lesley Manville, Simon Chandler) etwas davon merken.

Vera Drake, die Frauen, die sich keinen Aufenthalt in einer Privatklinik leisten können, selbstlos und ohne Bezahlung half, erfährt im Verlauf der Vernehmungen, dass die Schwangeren für den Eingriff Geld bezahlten, und zwar an Lilian („Lily“) Clark (Ruth Sheen), die ihr die Termine für die Abtreibungen gab. Obwohl sie seit der Kindheit befreundet waren, behielt Lily das Geld für sich.

Stan und Frank beauftragen den Anwalt Lewis (Vincent Franklin), Vera zu vertreten. Er erreicht, dass der Untersuchungsrichter sie gegen eine Kaution bis zur Gerichtsverhandlung freilässt.

Sid ist entsetzt über die Schande, die seine Mutter über die Familie gebracht hat und redet zunächst nicht mehr mit ihr. Aber seinem Vater gelingt es, ihn davon zu überzeugen, dass Vera zwar gegen Gesetze verstoßen, aber nicht unmoralisch gehandelt habe. Joyce lässt sich von ihrem Mann nicht umstimmen. Nur widerwillig begleitet sie ihn zur Weihnachtsfeier bei Vera Drake und ihrer Familie. Anders Reg: Er hält zu seiner zukünftigen Schwiegermutter.

Die wohlhabenden Damen, für die Vera Drake putzte, sind nicht bereit, zu ihren Gunsten auszusagen.

Bei der Gerichtsverhandlung weist der Staatsanwalt (Jeffrey Wickham) darauf hin, dass Abtreibung ein schweres Verbrechen sei. Der Verteidiger (Nicholas Jones) gibt zu Bedenken, dass seine Mandantin nur helfen wollte und daraus keinen eigenen Vorteil zog. Am Ende verurteilt der Richter (Jim Broadbent) Vera Drake zu zweieinhalb Jahren Gefängnis.

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In dem Drama „Vera Drake“ veranschaulicht Mike Leigh das Dilemma einer einfachen Frau in den Fünfzigerjahren, die aus Mitleid mit ungewollt Schwangeren Abtreibungen durchführt, obwohl sie weiß, dass sie damit gegen geltende Gesetze verstößt und es deshalb auch vor ihrer eigenen Familie verheimlicht. Während schwangere Frauen aus besseren Kreisen sich von einem Psychiater Suizidgefährdung attestieren und mit dieser Bescheinigung in einer Privatklinik legal abtreiben lassen können, bleibt mittellosen Frauen nur der Weg zur Engelmacherin. Vera Drake nimmt die Abtreibungen vor, ohne die Motive der Schwangeren zu hinterfragen oder leichtsinnigen Mädchen ins Gewissen zu reden. Mike Leigh kritisiert zwar die Doppelmoral der Gesellschaft, setzt sich jedoch nicht mit dem Für und Wider von Abtreibungen auseinander. „Vera Drake“ ist vielmehr eine Milieu- und Charakterstudie.

Als Zuschauer braucht man Geduld, denn Mike Leigh lässt sich sehr viel Zeit, die Geschichte mit großer Liebe zum Detail zu entwickeln. Die Inszenierung ist realistisch und betont altmodisch. Sehenswert ist „Vera Drake“ vor allem wegen der schauspielerischen Leistung der Hauptdarstellerin Imelda Staunton, die für einen „Oscar“ nominiert wurde, ebenso wie Mike Leigh für das Drehbuch und die Regie.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2009

Mike Leigh: All or Nothing

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