Das Leben ist ein Wunder

Das Leben ist ein Wunder

Das Leben ist ein Wunder

Das Leben ist ein Wunder – Originaltitel: Zivot je cudo – Regie: Emir Kusturica – Drehbuch: Ranko Bozic, Emir Kusturica – Kamera: Michel Amathieu – Schnitt: Svetolik Mika Zajc – Musik: Emir Kusturica, Dejan Sparavalo – Darsteller: Slavko Stimac, Natasa Solak (Natasa Tapuskovic), Vesna Trivalic, Vuk Kostic, Aleksandar Berceku.a. – 2004; 150 Minuten

Inhaltsangabe

Der serbische Ingenieur Luka will zu Beginn der 90er-Jahre in den bosnischen Bergen eine stillgelegte Schmalspurbahn erneuern. Als ihm seine Frau davonläuft und der Sohn Milos vom Militär eingezogen wird, bleibt er allein zurück. Im Bosnienkrieg gerät Milos in Gefangenschaft. Als Pfand für einen Gefangenenaustausch wird die junge muslimische Krankenschwester Sabaha zu Luka gebracht. Der verliebt sich in sie und will nicht wahrhaben, dass er sich zwischen ihr und seinem Sohn entscheiden muss ...
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Kritik

Emir Kusturica zeigt in "Das Leben ist ein Wunder" die Absurdität des Krieges, ohne sich damit näher auseinanderzusetzen. Die burleske Geschichte setzt sich aus aneinandergereihten skurrilen Episoden zusammen.
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Der serbische Ingenieur Luka (Slavko Stimac) zieht zu Beginn der Neunzigerjahre mit seiner Ehefrau Jadranka (Vesna Trivalic) und dem gemeinsamen Sohn Milos (Vuk Kostic) in ein bosnisches Bergdorf. Dort will er eine vor dem Ersten Weltkrieg von der österreichischen Militärverwaltung eingerichtete, aber inzwischen längst stillgelegte Eisenbahnstrecke erneuern, mit der Touristen angelockt werden sollen. Jadranka träumt vergeblich von einer Karriere als Opernsängerin. Und Milos möchte professioneller Fußballspieler werden.

Bevor Milos seinen Plan verwirklichen kann, wird er 1992 zum Militärdienst eingezogen. Nach dem Abschiedsfest für ihn brennt Jadranka mit einem ungarischen Musiker aus der Kapelle durch. Luka bleibt allein zurück.

Die Spannungen zwischen den christlichen und muslimischen, serbischen und kroatischen Bevölkerungsgruppen in Bosnien und Herzegowina entladen sich kurz darauf im Krieg. Obwohl dadurch bis auf Weiteres keine Aussicht besteht, dass Touristen ins Land kommen, arbeitet Luka unbeirrt weiter.

Schließlich gerät Milos in Kriegsgefangenschaft. Als Pfand für einen Gefangenenaustausch nimmt der serbische Offizier Aleksic (Stribor Kusturica) eine junge muslimische Krankenschwester fest und bringt sie zu Luka, der sie in seinem Haus bewachen soll. Sie heißt Sabaha (Natasa Solak bzw. Natasa Tapuskovic) und gehört angeblich einer bedeutenden Familie an.

Während nachts das Geschützfeuer aufblitzt und die Einschläge der Granaten das Haus erzittern lassen, kommen Luka und Sabaha sich näher. Sie verlieben sich.

Als Sabaha gesteht, sie sei die Tochter eines einfachen Mannes, schwindet Lukas Hoffnung, dass sein Sohn gegen sie ausgetauscht werden kann. Wütend zieht er sich in eine Sommerhütte zurück. Sabaha folgt ihm, und sie versöhnen sich nicht nur, sondern werden ein ausgelassenes Liebespaar.

Jadranka durchschaut bald, dass es sich bei dem ungarischen Musiker um einen Windbeutel handelt. Sie verlässt ihn und kehrt nach Hause zurück. Eifersüchtig beschimpft sie Sabaha als Flittchen und prügelt sich mit ihr. Luka hält zu seiner Geliebten.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Endlich einigen sich die Kriegsparteien auf den von Aleksic angestrebten Gefangenenaustausch. Luka weigert sich jedoch, Sabaha ins Zelt des Roten Kreuzes zu bringen. Stattdessen läuft er mit ihr davon. Dabei geraten sie zwei feindlichen Soldaten vor die Gewehre. Sabaha wird von einem Schuss ins Bein getroffen. Luka bindet die stark blutende Wunde ab und trägt die Verletzte zum Lazarett der eigenen Truppen. Dort spendet er Blut für sie und versucht sie durch die Schwärmerei von einer gemeinsamen Zukunft in Australien wach zu halten. Wie durch ein Wunder überlebt Sabaha den starken Blutverlust.

Sobald sie transportfähig ist, tragen serbische Soldaten sie auf eine Brücke, wo sie gegen Milos ausgetauscht werden soll. Luka läuft ihr nach, aber er kann sie nicht einholen, und in der Mitte der Brücke fällt ihm sein Sohn um den Hals. Traurig sieht Luka zu, wie Sabaha in einem Krankenwagen weggebracht wird.

Mit Jadranka hält Luka es nicht lange aus. Er verlässt sie, und als sich ein Zug nähert, legt er sich aufs Gleis. Zu seiner Verwunderung hört das Kreischen der Räder wenige Meter von ihm entfernt auf. Der Zug hält an. Wieder einmal steht nämlich eine liebeskranke Eselin auf den Schienen. Das Tier hat ihm das Leben gerettet. Während Luka es liebkost, stellt er sich vor, wie er mit Sabaha zusammen auf dem Esel wegreitet.

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In „Das Leben ist ein Wunder“ erzählt Emir Kusturica die tragikomische Geschichte einer Liebe zwischen einem christlich-orthodoxen Serben und einer muslimischen Bosniakin vor dem Hintergrund des Bosnienkrieges (1992 – 1995). Aber er setzt sich mit dem Auseinanderbrechen Jugoslawiens nicht ernsthaft auseinander, sondern zeigt nur die Absurdität des Krieges.

Die burleske Geschichte setzt sich aus aneinandergereihten Episoden zusammen. Auf Realismus, Logik und Stringenz legt Emir Kusturica dabei keinen Wert. Wichtiger sind im skurrile Figuren und aberwitzige Szenen. Vieles davon ist Klamauk bzw. Slapstick, etwa wenn ein Offizier mitten im Krieg mit dem Satellitentelefon eine Sex-Hotline in Deutschland anruft, während einer seiner Männer sich darauf vorbereitet, eine Panzerfaust abzufeuern. Weil der Trottel die Waffe versehentlich verkehrt herum hält, schießt er statt auf den Feind in den Tunnel, in dem sein Vorgesetzter masturbiert. Immer wieder setzt Emir Kusturica in „Das Leben ist ein Wunder“ auf Tiere: Zu Beginn trifft der Briefträger auf einen Bären, der einen Mann in eine Baumkrone geschleudert und sich in dessen Haus eingerichtet hat. Lukas Katze blickt eine auf dem Dach sitzende Taube so lange hypnotisierend an, bis diese ihr vor die Schnauze fällt. Mehrmals jagen sich die Katze und Lukas Hund. Eine entscheidende Rolle spielt auch ein Esel, der sich aus Liebeskummer in selbstmörderischer Absicht aufs Bahngleis stellt.

Der ausufernde und zu lange Film zerfällt in zwei verschiedene Teile: In der ersten Hälfte dominiert der Klamauk auf Kosten der Handlung, in der zweiten steht dagegen die Romeo-und-Julia-Geschichte im Vordergrund.

„Das Leben ist ein Wunder“ wird nicht zuletzt von der Musik geprägt, die Emir Kusturica und Dejan Sparavalo für das No Smoking Orchestra komponiert haben. Es handelt sich um eine Art verjazzter Volksmusik vom Balkan.

Das für die Komödie errichtete Dorf wurde nach den Dreharbeiten erweitert. Die in „Das Leben ist ein Wunder“ zu sehende Schmalspurbahn Sarganska osmica wurde ab 1999 mit staatlichen Mitteln als Museumsbahn und Touristenattraktion wieder aufgebaut. Der Zug hält auch an dem als Filmkulisse gebauten Bahnhof Golubici.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2010

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