Familienfest

Familienfest

Familienfest

Originaltitel: Familienfest – Regie: Lars Kraume – Drehbuch: Martin Rauhaus, Andrea Stoll – Kamera: Jens Harant – Schnitt: Barbara Gies – Musik: Christoph Kaiser, Julian Maas – Darsteller: Günther Maria Halmer, Hannelore Elsner, Michaela May, Lars Eidinger, Jördis Triebel, Barnaby Metschurat, Marc Hosemann, Nele Mueller-Stöfen, Daniel Krauss u.a. – 2015; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Einen Tag bevor der berühmte Pianist Hannes Westhoff seinen 70. Geburtstag feiert, reisen seine erste Frau und die drei Söhne an. Als der misanthropische Ego­mane, der als bewunderter Erfolgsmensch in Selbstgewissheit und -gerechtigkeit erstarrt ist, den schwulen Lebensgefährten seines jüngsten Sohnes Frederik lächerlich macht, kommt es zu einem ersten Eklat. Dass Max, der älteste Sohn, an Krebs erkrankt ist und nur noch wenige Tage zu leben hat, ahnt zunächst niemand ...
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Kritik

"Familienfest" ist eine unterhaltsame Tragikomödie von Lars Kraume. Obwohl die Charaktere nicht ausgeleuchtet werden, gelingt es den durchwegs guten Schauspielern, die Figuren nicht nur wie pointierte Klischees wirken zu lassen.
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Am Tag bevor der berühmte Pianist Hannes Westhoff (Günther Maria Halmer) in seiner Villa an einem See in Berlin seinen 70. Geburtstag feiert, reisen die Familienangehörigen an.

Anne (Michaela May), seine zweite Ehefrau, die alles tut, um die dysfunktionale Familie zusammenzuhalten und deshalb jeweils schon im Frühjahr zum Weihnachtsfest einlädt, hat auch ihre Vorgängerin Renate (Hannelore Elsner) überredet, aus Paris zu kommen. Hannes holt Renate vom Flughafen ab. Weil die sarkastische Schriftstellerin schon während der Ehe alkoholkrank war, erhielt er nach der Scheidung das alleinige Sorgerecht für die drei Söhne Max, Gregor und Frederik zugesprochen.

Frederik (Barnaby Metschurat), der Jüngste der drei Brüder, bringt erstmals seinen Lebensgefährten Vincent (Daniel Krauss) mit, und die beiden Lehrer eröffnen Frederiks Eltern, dass sie vorhaben, ein Kind zu adoptieren.

Gregor (Marc Hosemann) wird von seiner Ehefrau Charly (Nele Mueller-Stöfen) begleitet. Ihr Auto ist von Rost zerfressen. Der erfolglose Unternehmer ist hochverschuldet und hofft, vom Vater oder einem anderen Familienangehörigen 50 000 Euro zu bekommen. Den Betrag benötigt er dringend, denn in seiner Verzweiflung löste er bestehende Schulden durch einen Kredit bei Kriminellen ab, die ihm bereits einen Finger brachen, weil er das Geld nicht fristgemäß zurückzahlen konnte.

Max (Lars Eidinger), der in München als Journalist arbeitet, verliert kurz vor dem Ziel vor Erschöpfung die Kontrolle über seinen Wagen, landet im Straßengraben und wird in ein Berliner Krankenhaus gebracht. Dort gibt er einen USB-Stick ab, dem der Arzt entnimmt, dass Max am CAP-Syndrom leidet, also Krebs ohne erkennbaren Primärtumor, und sich in den letzten beiden Jahren bereits mehreren Chemotherapien unterzog. Bevor Max das Krankenhaus auf eigenes Risiko verlässt, überredet er die Krankenschwester Jennifer („Jenny“) Mühlenkamp (Jördis Triebel), ihn zur Geburtstagsfeier seines Vaters zu begleiten. Sie soll sich als seine Freundin und Molekularbiologie-Studentin ausgeben.

Als sich Hannes beim Abendessen über Schwule im Allgemeinen und Vincent im Besonderen lustig macht, kommt es zum Eklat. Hannes verschwindet mit seinem Teller in einem Nebenraum. Gregor will die Chance nutzen, geht zu ihm und heuchelt Verständnis. Aber der Vater fragt nur: „Wie viel brauchst du?“ Ernüchtert verlässt Gregor das Zimmer.

In der Nacht erbricht Max einen Schwall Blut. Jenny kümmert sich um ihn. Die anderen ahnen nicht, dass Max todkrank ist. Seit seiner Ankunft versuchte er mehrmals, das Gespräch darauf zu bringen, aber niemand ging darauf ein.

Am nächsten Morgen erhält Hannes die ersten Geburtstagsgeschenke. Frederik und Vincent gaben viel Geld für eine Originalpartitur von Claude Debussy aus, doch obwohl Hannes damit seine Sammlung ergänzen kann, bemüht er sich nicht einmal, Freude oder Dankbarkeit zu zeigen.

Anne zeigt Hannes einen Zeitungsartikel zu seinem Geburtstag mit der Schlagzeile „Der Unnahbare“.

Während eine Heerschar von Geburtstagsgästen eintrifft, verbrennt Frederik frustriert die wertvolle Partituren-Sammlung seines Vaters im Garten.

Max erzählt in seiner kurzen Geburtstagsrede die Fabel von einem Frosch, der bereit ist, einen Skorpion über den Fluss zu tragen. Er geht davon aus, dass ihn der Skorpion nicht stechen wird, weil er dann selbst ertrinken müsste. Weit ab von beiden Ufern trifft ihn der giftige Stachel, und der Skorpion erklärt, er habe nicht anders gekonnt, es gehöre zu seiner Natur. Mit dem Skorpion vergleicht Max seinen Vater und versichert, ihn trotz allem zu lieben. Als er ihn umarmt, bricht er zusammen.

Sanitäter bringen ihn in eine Klinik. Erst dort erfahren Hannes, Renate und Anne, wie krank Max ist. Der Arzt erklärt ihnen, der Patient sei austherapiert und habe nur noch wenige Tage zu leben. Max äußert den Wunsch, zu Hause zu sterben. Widerstrebend erklärt Hannes sich bereit, den Todkranken aufzunehmen.

Am nächsten Morgen kommt Hannes allein ins Zimmer des Sterbenden und zeigt ihm eine Schachtel, in der er dessen Zeitungsartikel aufgehoben hat. Er sei stolz auf ihn gewesen, sagt er, aber das hätte er unter anderen Umständen nie zugegeben.

Der misanthropische Egomane begreift endlich, dass er als bewunderter Erfolgsmensch in Selbstgewissheit und -gerechtigkeit erstarrt ist und nicht nur als Vater, sondern auch als Ehemann versagt hat.

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Wie in den Familiendramen „Das Fest“ und „Was bleibt“ werden auch in „Familienfest“ Fassaden eingerissen und Lebenslügen aufgedeckt. Lars Kraume (Regie), Martin Rauhaus und Andrea Stoll (Drehbuch) setzen allerdings im Gegensatz zu Thomas Vinterberg und Mogens Rukov, Hans-Christian Schmid und Bernd Lange vor allem auf Unterhaltung und weniger auf Tiefgang. „Familienfest“ ist eine Tragikomödie, die auch auf einer Theaterbühne gespielt werden könnte. Obwohl es an Zwischentönen fehlt und die Charaktere nicht ausgeleuchtet werden, gelingt es den durchwegs guten Schauspielern, die Filmfiguren in „Familienfest“ nicht nur wie pointierte Klischees wirken zu lassen.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2016

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