Sue. Eine Frau in New York

Sue. Eine Frau in New York

Sue. Eine Frau in New York

Sue. Eine Frau in New York – Originaltitel: Sue – Regie: Amos Kollek – Drehbuch: Amos Kollek – Kamera: Ed Talavera – Schnitt: Liz Gazzara – Musik: Chico Freeman – Darsteller: Anna Thomson (Anna Levine), Matthew Powers, Tahnee Welch, Tracee Ellis Ross, John Ventimiglia, Edoardo Ballerini, Matthew Faber, Robert Kya-Hill, Austin Pendleton, Michael Worth, Alice Liu, Susan Huffaker, Tom Cappadona, Lázaro Pérez, Joshua Kaplan, James Mulholland, Dechen Thurman, Semadar Levi, Joan Price Rahav u.a. – 1997; 85 Minuten

Inhaltsangabe

Sue zog vor zwölf Jahren aus der Provinz nach New York. Sie ist jetzt Ende dreißig. Vergeblich sucht sie einen Job. Ihre Miete kann die Arbeitslose nicht mehr bezahlen. Unter ihrer Erfolglosigkeit und Einsamkeit leidend, nutzt Sue jede Gelegenheit, mit fremden Menschen flüchtig ins Gespräch zu kommen und lässt sich auch auf One-Night-Stands ein. Als ein gut aussehender Mann sich wieder meldet, nachdem er mit ihr geschlafen hat, kann sie es aufgrund ihrer schlechten Erfahrungen kaum glauben ...
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Kritik

"Sue. Eine Frau in New York" ist eine urbane Tragödie. Amos Kollek zeigt das erschütternde Porträt einer jungen Frau, die in der atomisierten Gesellschaft der modernen Großstadt an Geldnot und Einsamkeit zugrunde geht.

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Sue (Anna Levine alias Anna Thomson) studierte Psychologie und nebenbei ein wenig Tanz. Vor zwölf Jahren zog sie aus der Provinz nach New York. Seit drei Monaten ist sie nun mit den Mietzahlungen für ihr Apartment in Manhattan im Rückstand. Der Hausverwalter Stanley (Tom Cappadona) gibt der arbeitslosen Enddreißigerin noch bis zum Monatsende Zeit, um die Schulden zu begleichen.

Verzweifelt bewirbt sie sich auf Stellenangebote von Rechtsanwaltskanzleien.

Um Einsamkeit und Misserfolge zu vergessen, trinkt Sue [Alkoholkrankheit]. Aber sie nutzt auch jede Gelegenheit, mit fremden Menschen ins Gespräch zu kommen und lässt sich auf One-Night-Stands ein.

Ein weißhaariger Afroamerikaner namens Willie (Robert Kya-Hill), der auf einer Bank im Park neben ihr sitzt, fragt sie unverblümt, ob er ihre Brüste sehen dürfe. Sue antwortet freundlich, das koste 10 Dollar. So viel habe er nicht, sagt Willie. Nachdem er ihr etwas zu trinken gebracht hat, öffnet sie ihren Mantel, hebt den Pullover bis zum Hals hoch und zeigt ihm ein paar Sekunden lang lächelnd ihre Brüste. Dann verabschiedet sie sich von Willie, der zufrieden sitzen bleibt.

In einem Diner spricht Sue einen etwa gleichaltrigen, gut aussehenden Mann an. Ben (Matthew Powers) lebt in Minnesota und arbeitet als Reisejournalist. Deshalb hat er hin und wieder in New York zu tun. Er hält Sue auf Distanz, aber zum Abschied gibt sie ihm ihre Telefonnummer.

Eine junge Mutter (Susan Huffaker) mit Kinderwagen geht verärgert weiter, als Sue vortäuscht, sich für das Baby zu interessieren.

In einer Kunstausstellung verwickelt Sue einen anderen Besucher (Michael Worth) in ein Gespräch, das er allerdings jäh beendet, als seine Begleiterin von der Toilette zurückkommt.

An einer Theke lernt Sue Lola (Tahnee Welch) kennen, eine selbstbewusste, etwa gleichaltrige Frau, die behauptet, von Raubüberfällen auf Banken und Videotheken zu leben. Sue glaubt es nicht – bis Lola eine Pistole auf den Tresen legt, statt zu bezahlen, und von dem Besitzer der Gaststätte auch noch 50 Dollar verlangt.

Sue nimmt die kriminelle Obdachlose bei sich auf. Sie ist froh über die Gesellschaft und hofft, dass Lola sich an der Miete beteiligt. Als Lola aber einen Freier mitbringt, der sich auf einen flotten Dreier freut, verlässt Sue die Wohnung, und Lola zieht aus.

Zufällig sieht Sue Ben in einer U-Bahn wieder. Diesmal nimmt er sich Zeit für sie. Seine Frau habe sich wegen eines anderen Mannes von ihm getrennt, sagt er, und Kinder habe er keine. Sue und Ben schlafen miteinander. Am anderen Morgen verspricht er, sich wieder zu melden, aber Sue glaubt ihm das aufgrund ihrer schlechten Erfahrungen nicht.

Umso erstaunter ist sie, als er sein Versprechen einhält. Sie gehen zusammen aus. Mit ihrer Euphorie überfordert Sue ihn jedoch, und er lässt sie stehen.

In ihrer Verzweiflung will Sue sich mit ihrer an Alzheimer erkrankten Mutter (Dale Lawyer) telefonisch verbinden lassen, aber sie hat vergessen, wie das Pflegeheim heißt. Um wenigstens mit irgendeinem Menschen reden zu können, hält Sue die Angestellte der Telefonvermittlung auf.

Im Kino bringt sie einen Fremden (James Mulholland) dazu, sie während der Vorstellung oral zu befriedigen. Aber als er ihr danach erwartungsvoll auf der Straße folgt, schickt sie ihn weg.

Die aus Kalifornien stammende Bardame (Tracee Ellis Ross) Linda erzählt ihr, dass sie ihre Dissertation schreibe, und als sie von Sues finanziellen Schwierigkeiten hört, bietet sie ihr 1200 Dollar für die Miete an. Sue kann sich jedoch nicht dazu durchringen, das Geld anzunehmen.

Ben kommt zurück und versöhnt sich mit Sue. Sie setzen ihre Liebesbeziehung fort.

Es scheint der Beginn einer Glückssträhne zu sein, denn kurz darauf gibt ihr ein Anwalt einen Job. Aber der Kerl entlässt sie nach kurzer Zeit wieder.

Ben ruft vom Flughafen aus an. Er müsse für einen Kollegen einspringen und sofort für einen Monat nach Indien, sagt er. Sue legt wortlos auf.

Ein Mann hält sie auf der Straße für eine Prostituierte und ist bereit, 20 Dollar für einen Koitus zu bezahlen. Sue verlangt spaßeshalber 1200 Dollar für die Nacht, treibt es dann aber ohne Bezahlung mit ihm.

Der gerade aus dem Gefängnis entlassene Ganove Eddie (Edoardo Ballerini) sucht seine Ex-Freundin Lola bei Sue. Obwohl er ein Messer bei sich hat und offen zugibt, dass er Lola töten wolle, schläft Sue mit ihm.

In einem Diner, in dem sie bereits 21 Dollar anschreiben ließ, bekommt sie nichts mehr.

Sue fängt als Kellnerin zu arbeiten an. Der Verdienst reicht jedoch nicht, um die Schulden abzutragen.

Ein Bekannter namens Sven (Matthew Faber) schenkt ihr ein Fernsehgerät, aber nachdem sie am Monatsende wieder keine Miete bezahlt hat, findet sie ihren Hausrat im Treppenhaus vor, und das Türschloss ist ausgewechselt.

Es bleibt ihr nichts anderes übrig, als sich in einem schäbigen Stundenhotel ein Zimmer zu nehmen. Es kostet 50 Dollar pro Nacht. Sue erhält es für drei Dollar weniger, weil sie nur noch 47 Dollar hat.

Auf der Straße sieht Sue Lola wieder. Die Obdachlose bettelt sie an, ohne sie zu erkennen. Wenige Minuten später taumelt sie vor ein Auto und wird totgefahren.

Ben kommt aus Indien zurück. Ohne zu zögern leiht er Sue 100 Dollar. Und er verabredet sich mit ihr in einem Restaurant.

Sue ruft Linda an, die inzwischen nach Kalifornien zurückgekehrt ist, und schildert ihr die Lage. Linda verspricht, ihr sofort telegrafisch Geld anzuweisen und kündigt an, in zwei Wochen wieder in New York zu sein.

Statt die Verabredung mit Ben einzuhalten, setzt Sue sich auf eine Bank im Park. Nachdem sie kurz mit einem Jungen namens Sydney (Joshua Kaplan) geredet hat, schläft sie ein – oder sie stirbt.

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„Sue. Eine Frau in New York“ ist eine urbane Tragödie, ein Gegenstück zu heiteren Großstadtkomödien wie zum Beispiel „Pretty Baby“. Amos Kollek zeigt das erschütternde Porträt einer jungen, von Anna Levine alias Anna Thomson eindringlich gespielten Frau, die in der atomisierten Gesellschaft der modernen Großstadt an Geldnot und Einsamkeit zugrunde geht.

Amos Kollek und Anna Levine Thomson begannen mit „Sue. Eine Frau in New York“ eine Filmreihe über Außenseiter in New York. Es folgten „Fiona“ (1998), „Fast Food, Fast Women“ (2000) und „Bridget“ (2002).

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2011

Amos Kollek: Fast Food, Fast Women

Andrzej Stasiuk - Die Welt hinter Dukla
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