Propaganda

Propaganda

Propaganda

Originaltitel: Propaganda - Regie: Horst Königstein - Drehbuch: Markus Busch und Horst Königstein - Kamera: Johannes Anders - Schnitt: Wiebke Koester - Musik: Hans P. Ströer- Darsteller: Dietrich Mattausch, Martin Lüttge, Guntram Brattia, Esther Hausmann, Melanie Blocksdorf, Martin Rentzsch, Buddy Elias u.a. - 2004; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Der 67-jährige Fernsehproduzent Harm Weber lädt am 1. Mai 1995 sechs unterschiedliche Menschen in eines seiner Studios ein, lässt sie erst einmal warten und über den Zweck des Treffens rätseln und gesteht ihnen dann, dass er am 30. April 1945 das Ehepaar Goebbels erschoss und seither versucht, das Erbe von Joseph Goebbels zu bewahren. Seinen Erfolg verdanke er den Ideen des Reichspropagandaministers ...
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Kritik

Bei der Auseinandersetzung mit den Tagebüchern Joseph Goebbels' kam Horst Königstein auf die verstörende Idee, am 50. Jahrestag des Todes der Familie Goebbels den Mann auftreten zu lassen, der das Ehepaar Goebbels auf eigenen Wunsch erschoss. "Propaganda" ist ein makabres Kammerspiel auf hohem Niveau.
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Harm Weber (Dietrich Mattausch) ist siebenundsechzig Jahre alt. In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg brachte er es zum bedeutendsten deutschen Fernsehproduzenten, aber seine Ehescheidung hätte ihn beinahe ruiniert. Am 1. Mai 1995 lädt er sechs unterschiedliche Menschen in eines seiner Studios ein: einen Mitarbeiter (Guntram Brattia), eine frühere Geliebte (Esther Hausmann), einen Freund (Buddy Elias), einen skrupellosen Konkurrenten (Martin Lüttge), einen jüngeren Mann (Martin Rentzsch) und eine Jungunternehmerin (Melanie Blocksdorf), deren Produktionsgesellschaft er kürzlich aufgekauft hat. Anlass sei das Geheimnis seines Erfolgs, steht in der Einladung. Während Harm Weber auf sich warten lässt, rätseln die Gäste, was er mit ihnen vorhat, und sie finden es beunruhigend, dass sie eingeschlossen sind.

Nachdem die Gäste sich bereits am Büffet verköstigt haben und erste Konflikte aufgebrochen sind, erscheint Harm Weber. Als Erstes liest er einen Text vor:

[…] Ich schreibe nicht zu meinem Vergnügen, sondern weil mir mein Denken eine Qual und eine Last ist. Früher wenn es Samstag war und der Nachmittag weiter ging, dann hatte ich keine Ruhe mehr. Dann lastete die ganze Woche mit ihrer kindlichen Qual auf meiner Seele. Ich half mir immer dann am besten dadurch, dass ich mein Gebetbuch nahm und zur Kirche ging […] Wenn ich jetzt schreibe, dann habe ich ein gleiches Gefühl […] Ich will mir das Letzte von meiner Seele herunterbeichten. (Joseph Goebbels: Aus meinem Tagebuch. 1923)

Dann erzählt Harm Weber Episoden aus seinem Leben und fragt die Gäste, was sie davon halten. Unvermittelt wirft er einen Schlüssel auf den Tisch. Seine frühere Geliebte probiert, ob der Schlüssel zu einer der Türen passt. Die jüngere Frau öffnet die entsprechende Tür und gelangt in einen mit Schriften von Joseph Goebbels vollgestellten Raum, in dem die Aufzeichnung einer Rede des früheren Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda zu hören ist. Allmählich folgen die übrigen Gäste und blättern in den Büchern und Kladden. Harm Weber erklärt ihnen, dass er in russischer Gefangenschaft ein Blatt Papier mit dem vorhin zitierten Text von Joseph Goebbels erworben hatte, um ständig etwas in deutscher Sprache lesen zu können. In den letzten fünfundvierzig Jahren baute er die Sammlung auf, die unter anderem die nahezu vollständigen Tagebuchaufzeichnungen von Joseph Goebbels enthalte. „Wie weit würdet ihr für eine Leidenschaft gehen?“, fragt er. Seine Leidenschaft sei es, das Vermächtnis Joseph Goebbels‘ zu bewahren, denn er verdanke dessen Ideen seinen beruflichen Erfolg. Zum Entsetzen der Gäste trinkt Harm Weber auf Joseph Goebbels.

Fünfzig Jahre nach dem Zusammenbruch des „Dritten Reichs“ stehe Deutschland erneut vor dem Vorfall, behauptet Harm Weber und lässt keinen Zweifel daran, dass ihm die demokratische Staatsform zuwider ist. Da ein kritischer Journalist kürzlich Einzelheiten über Webers Geheimnis herausgefunden hat und mit ihm darüber ein Interview führen möchte, sei ein Skandal kaum noch zu verhindern. Wer ihm einen überzeugenden Grund nennen könne, warum er weiterleben solle, statt sich das Leben zu nehmen, erhalte von ihm die Weber-Holding. Die Gäste sollen notieren, was sie zu tun bereit sind, um ihn vom Suizid abzuhalten. Da wetteifern die Damen und Herren um die Gunst des Medienmoguls.

Schließlich erzählt er, wie Magda Goebbels am 1. Mai 1945 im Bunker unter der zerbombten Reichskanzlei in Berlin zuerst ihre sechs Kinder vergiftete und sich dann zusammen mit ihrem Mann vor einem Bunkerausgang erschießen ließ. Harm Weber war einer der beiden Siebzehnjährigen, die den Schießbefehl ausführen sollten, und weil sein Kamerad es nicht fertigbrachte, auf das Ehepaar zu schießen, tat er es.

Von diesem Tag an fühlte er sich schuldig und bemühte sich, Joseph Goebbels‘ Vermächtnis zu retten, um ihn gewissermaßen wieder lebendig zu machen. Die von Joseph Goebbels erdachten Manipulationen und Propagandamethoden wandte er auf das triviale Fernsehen an und machte auf diese Weise seine Karriere.

Unvermittelt lacht Harm Weber die Anwesenden aus. Ob sie wirklich geglaubt hätten, er wolle sich das Leben nehmen? Er eröffnet ihnen, dass sie gefilmt werden, wirft wieder einen Schlüssel auf den Tisch, und die jüngere der beiden Frauen sperrt damit den Raum auf, in dem das Mischpult für die laufenden Fernsehkameras steht.

Webers stiller, älterer Freund bricht tot am Tisch zusammen und wird mit dem Tuch zugedeckt, das anfangs über dem Büffet ausgebreitet war.

Harm Weber kündigt seinen Rückzug aus allen Funktionen der Weber-Holding an. Er habe bereits einen Vertragsentwurf vorbereitet. Offenbar beabsichtigt er, die Jungunternehmerin als Nachfolgerin einzusetzen. Ihr verrät er beim Hinausgehen auch sein bisher sorgfältig verheimlichtes Geburtsdatum: 27. September 1928. Dann kehrt er in seinen privaten Bungalow zurück.

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Bei der Auseinandersetzung mit den Tagebüchern von Joseph Goebbels kam Horst Königstein auf die verstörende Idee, am 50. Jahrestag des Todes der Familie Goebbels den Mann auftreten zu lassen, der das Ehepaar Goebbels auf eigenen Wunsch erschoss. „Propaganda“ ist ein makabres Kammerspiel auf hohem Niveau.

In die gezeigte Gruppendynamik, die sich an einem einzigen Abend (1. Mai 1995) an einem bestimmten Ort (Fernsehstudio) entwickelt, werden pseudodokumentarische Schwarzweiß-Aufnahmen mit nachgespielten Szenen von der Ermordung der sechs Goebbels-Kinder und der Erschießung des Ehepaares Goebbels eingeblendet.

Die Dreharbeiten fanden vom 6. bis zum 23. September 2004 in Hamburg statt.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004

Joseph Goebbels (Kurzbiografie)

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