Gottes Werk und Teufels Beitrag

Gottes Werk und Teufels Beitrag

Gottes Werk und Teufels Beitrag

Gottes Werk und Teufels Beitrag - Originaltitel: The Cider House Rules - Regie: Lasse Hallström - Drehbuch: John Irving, nach seinem Roman "Gottes Werk und Teufels Beitrag" - Kamera: Oliver Stapleton - Schnitt: Lisa Zeno Churgin - Musik: Rachel Portman - Darsteller: Michael Caine, Tobey Maguire, Charlize Theron, Delroy Lindo, Paul Rudd, Erykah Badu, Kathy Baker, Jane Alexander, Kieran Culkin, Kate Nelligan u.a. - 1999; 130 Minuten

Inhaltsangabe

Dr. Wilbur Larch leitet ein einsam gelegenes Waisenhaus, in dem er auch illegale Abtreibungen vornimmt, wenn ihn verzweifelte junge Frauen um Hilfe bitten. Einen von einer ledigen Mutter im Waisenhaus geborenen und zurückgelassenen Knaben zieht er wie seinen eigenen Sohn auf. Eines Tages will Homer "die Welt da draußen" kennen lernen und erwachsen werden.
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Kritik

Dieser bewusst altmodisch wirkende Film ist ein behäbig inszeniertes Drama mit tragikomischen Zügen über die enge Verbindung des Guten mit dem Bösen, das Erwachsenwerden und die damit verbundene moralische Verantwortung.
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Maine in den Dreißigerjahren. Eigentlich gibt es nur zwei Gründe, an der Bahnstation des einsamen Waisenhauses von Saint Cloud auszusteigen oder mit dem Auto hinzufahren: Entweder eine Frau bringt dort ein ungewolltes Kind zur Welt und lässt es zurück oder ein Ehepaar adoptiert eines der verwaisten Kinder. Dr. Wilbur Larch (Michael Caine), der Leiter des Waisenhauses, führt auch Abtreibungen durch, wenn ihn verzweifelte junge Frauen darum bitten. Das ist illegal, aber Larch hält eine Abtreibung im Zweifel für besser als ein ungewolltes Kind. Eine Frau, die an den Folgen einer unsachgemäß durchgeführten Abtreibung stirbt, bestärkt Larch in der Überzeugung, dass er die Hilfe suchenden Frauen keinen Scharlatanen überlassen darf.

Auch Homer Wells (Tobey Maguire) wurde in dem Waisenhaus geboren. Nach zwei gescheiterten Adoptionen zieht Larch ihn wie einen Sohn auf und vermittelt ihm sein gynäkologisches Wissen und Können.

Eines Tages fragt Homer den jungen unverheirateten Fliegeroffizier Wally Worthington (Paul Rudd), der seine schwangere Freundin Candy Kendall (Charlize Theron) zu einer ambulanten Abtreibung vorbeibringt, ob sie ihn auf dem Rückweg im Auto mitnehmen. Vor Zorn und Trauer ist Larch nicht in der Lage, sich von seinem Schützling zu verabschieden und versteckt sich hinter einer Gardine. „Ich glaube, wir haben ihn an die Welt da draußen verloren“, sagt er zu einer der Schwestern.

Als Wally und Candy erfahren, dass Homer noch nie das Meer gesehen hat, machen sie einen Umweg und zeigen es ihm.

Auf der Plantage von Wallys Mutter kommt er als Apfelpflücker unter. Candy lebt in der Nähe bei ihrem Vater, einem Hummerfischer, und als Wally jahrelang im Krieg ist, fühlt sie sich einsam und freundet sich mit Homer an, der sich in sie verliebt hat.

Wilbur Larch fälscht Universitätsdiplome und andere Urkunden. Damit überzeugt er die für das Waisenhaus zuständige Kommission davon, dass es sich bei Homer Wells um einen hoch qualifizierten Arzt handelt. Leider halte er sich zur Zeit in Indien auf, um den Menschen dort zu helfen, lügt Wilburg Larch. Er hofft, seinen Schützling auf diese Weise zurückgewinnen zu können.

Doch Homer Wells fühlt sich glücklich auf der Apfelfarm. Die schwarzen Pflücker, mit denen Homer zusammen lebt, werden von Mr. Rose (Delroy Lindo) angeführt. Als dessen Tochter Rose Rose (Erykah Badu) merkt, dass sie schwanger ist, versucht sie es zunächst zu verbergen. Homer, den hier alle bis auf Candy nur für einen Apfelpflücker halten, schließt von Roses allmorgendlicher Übelkeit auf ihren Zustand. Obwohl er sich im Waisenhaus immer strikt gegen Abtreibungen ausgesprochen hatte, bietet er ihr an, sie zu Dr. Larch zu bringen. Aber das Mädchen wagt nicht, die Plantage zu verlassen. Schließlich findet Candy heraus, dass Rose von ihrem eigenen Vater geschwängert wurde. Homer stellt ihn zur Rede und erklärt sich bereit, an Ort und Stelle eine Abtreibung vorzunehmen. In der Nacht nach dem Eingriff flieht Rose und ersticht ihren Vater, der sie zurückhalten will. Bevor er stirbt, nimmt er Homer das Versprechen ab, seinen Tod als Suizid darzustellen.

Wally Worthington wird abgeschossen, kann sich mit dem Fallschirm retten, erkrankt aber an Malaria. Ein Kamerad (gespielt von John Irvings Sohn Colin) überbringt der Mutter die schlimme Nachricht. Candy zögert nicht, ihr Verhältnis mit Homer zu beenden und sich um den von der Hüfte abwärts gelähmten Wally zu kümmern.

Fast zur gleichen Zeit stirbt Wilbur Larch, der nur noch mit einem leichten Ätherrausch einschlafen konnte, an einer Überdosis des Narkotikums. Da kehrt Homer nach Saint Cloud zurück, um die Nachfolge des Verstorbenen zu übernehmen. Ein verdrießlicher Bahnhofsvorsteher (John Irving) sieht ihn aussteigen. Freudig eilen ihm die Schwestern und die Kinder aus dem Waisenhaus entgegen. Eine junge Frau, Waise wie Homer, ist über seine Rückkehr besonders glücklich …

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Gleich nach der Veröffentlichung seines Romans „The Cider House Rules“ (1985; deutsch: „Gottes Werk und Teufels Beitrag“, 1988) schrieb John Irving das Drehbuch für die Verfilmung. Dreizehn Jahre dauerte die Realisierung seines Vorhabens. Philipp Borsos, Wayne Wang und Michael Winterbottom waren als Regisseure vorgesehen; am Ende arbeitete John Irving mit dem Schweden Lasse Hallström zusammen.

Lasse Hallström hat bessere Filme als diesen gedreht (siehe unten), aber sehenswert ist „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ allemal. Es handelt sich um einen bewusst altmodisch wirkenden Film, ein behäbig inszeniertes Drama mit tragikomischen Zügen über die enge Verbindung des Guten mit dem Bösen, das Erwachsenwerden und die damit verbundene moralische Verantwortung. Es geht auch um Inzest und Vatermord, Liebe und Mitgefühl, Verzicht, Trauer und Neuanfang.

Michael Caine und John Irving wurden dafür mit einem „Oscar“ ausgezeichnet. Nominiert hatte man auch den Film als solchen, Lasse Hallström (Regie), David Walker (Ausstattung), Lesa Zeno Churgin (Schnitt) und Rachel Portman (Musik).

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2003

Lasse Hallström (kurze Biografie / Filmografie)
Lasse Hallström: Der Gockel
Lasse Hallström: Gilbert Grape. Irgendwo in Iowa
Lasse Hallström: Chocolat
Lasse Hallström: Schiffsmeldungen
Lasse Hallström: Ein ungezähmtes Leben
Lasse Hallström: Casanova
Lasse Hallström: Der große Bluff
Lasse Hallström: Madame Mallory und der Duft von Curry

John Irving (Kurzbiografie)
John Irving: Garp und wie er die Welt sah (Verfilmung)
John Irving: Das Hotel New Hampshire (Verfilmung)
John Irving: Gottes Werk und Teufels Beitrag (Verfilmung 1999)
John Irving: Die vierte Hand
John Irving: Witwe für ein Jahr (Verfilmung 2004)
John Irving: Bis ich dich finde

Wolfgang Koeppen - Tauben im Gras

In mehr als 100 kurzen und längeren Abschnitten fängt Wolfgang Koeppen wie mit einer Kamera aus unterschiedlichen Perspektiven Szenen ein, die sich bald nach dem Zweiten Weltkrieg an einem einzigen Tag in einer deutschen Stadt abspielen: "Tauben im Gras".

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