Junimond

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Junimond

Originaltitel: Junimond - Regie: Hanno Hackfort - Drehbuch: Hanno Hackfort - Kamera: Frank Grunert - Schnitt: Achim Seidel - Musik: J. M. Paula, Marc Riedinger und Paul Wuthe - Darsteller: Oliver Mommsen, Laura Tonke, Stephan Kampwirth, Teresa Harder, Julia Kippes, Rainer Sellien, Daniel Schmidt, Arianne Senn, Willy Hagemeyer, Petra Coers-Schmitt u.a. - 2002; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Um über seine traumatischen Erlebnisse als Mitglied der internationalen Friedenstruppe im Kosovo hinwegzukommen, zieht Paul nach Paderborn, wo er niemanden kennt. In der Nachbarschaft des 30-Jährigen wohnt eine zwei Jahre jüngere Frau, Nele, die aufgrund des abschreckenden Beispiels ihrer Eltern nicht mehr an die Liebe glaubt. Die beiden einsamen Menschen werden aufeinander aufmerksam und entwickeln behutsam Vertrauen zueinander ...
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Kritik

Hanno Hackforts Kinodebüt "Junimond" ist ein besonders ruhiger, leiser und einfühlsamer Film. Die Geschichte wird vorwiegend aus Pauls Perspektive erzählt und von ihm aus dem Off kommentiert.
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Während seiner Bundeswehrzeit war Paul (Oliver Mommsen) zusammen mit seinem langjährigen Freund Stefan (Stephan Kampwirth) 1999 als Mitglied der internationalen Friedenstruppe KFOR im Kosovo (Balkankriege). Nachdem vor ihren Augen ein Kind von einem Heckschützen erschossen worden war, erhängte Stefan sich aus Verzweiflung über die Unmenschlichkeit. Um die traumatischen Erinnerungen zu verdrängen, zieht Paul nach seiner Entlassung aus der Bundeswehr von seiner Heimatstadt Berlin nach Paderborn um, wo er niemanden kennt. Sein Geld verdient er, indem er Sicherheitslücken in elektronischen Systemen ausfindig macht und sich seine Hinweise von den betroffenen Unternehmen honorieren lässt.

Beim Blick aus dem Fenster wird der Dreißigjährige auf eine Frau aufmerksam, die offenbar allein in einer Wohnung schräg gegenüber wohnt. Nele (Laura Tonke) ist zwei Jahre jünger und arbeitet als Ergotherapeutin in einem Therapiezentrum für verhaltensauffällige Kinder. Als sie und ihr Bruder zu Hause auszogen, gaben sich ihre Eltern keine Mühe mehr, ein intaktes Eheleben vorzutäuschen. Während der Vater sich regelmäßig mit einer Geliebten trifft, trinkt die Mutter, bis sie aufgrund ihrer Alkoholabhängigkeit zusammenbricht und in ein Krankenhaus eingeliefert werden muss. Statt der Patientin beizustehen, macht ihr Mann sie bei seinen Kindern schlecht. Dieses abschreckende Beispiel lässt Nele befürchten, dass jede Beziehung irgendwann so endet – und sie scheut deshalb vor persönlichen Bindungen zurück.

Nach einer Weile bemerkt Nele den Nachbarn, der zu ihr herüberschaut. Zaghaft nehmen die beiden einsamen Menschen Kontakt miteinander auf, zuerst mit einzelnen Wörtern, die sie groß auf Papier schreiben und ins Fenster halten, dann übers Telefon, und schließlich folgt Nele einer Einladung, mit Paul selbst gekochte Cannelloni zu essen. Behutsam entwickelt sich Vertrauen zwischen ihnen, etwas wie Freundschaft, aber von einer Liebesbeziehung wollen sie nichts wissen – was Neles Kollegin Rita (Teresa Harder) überhaupt nicht verstehen kann.

Rita ist es auch, die Nele darauf aufmerksam macht, dass Wolfgang Thormann (Rainer Sellien) sich um sie bemüht. Thormann ist der allein erziehende Vater der kleinen Lara (Julia Kippes), die bei Nele Therapiestunden hat. Seine schüchterne Art rührt Nele zwar, aber sie achtet darauf, dass ihre Kommunikation den geschäftlichen Rahmen nicht überschreitet.

Unvermittelt wird Paul nach einem Arztbesuch damit konfrontiert, dass er unheilbar an Leukämie erkrankt ist und nicht mehr lang leben wird. Bevor er ins Krankenhaus geht, vertraut er sich Nele an und gesteht ihr seine Angst vor dem Tod. Nun erst öffnen sich die beiden für ihre Liebe. Dabei machen sie sich keine Illusionen über das bevorstehende Ende.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Nele besucht Paul regelmäßig im Krankenhaus. Sie bittet den Arzt um Erlaubnis, mit Paul im Freien spazieren zu gehen, aber er meint, der Patient sei dazu bereits viel zu schwach. Da überredet Nele den kleinen Nachbarjungen Hans (Daniel Schmidt), mit ihr ins Krankenhaus zu gehen und dort durch eine vorgetäuschte Ohnmacht das Personal abzulenken, damit sie Paul in das Auto bringen kann, das sie eigens gekauft hat, um mit ihm nach Südfrankreich zu fahren. Paul und Stefan hatten nämlich davon geträumt, nach dem Wehrdienst in einer französischen Limousine nach Frankreich zu fahren und den Sonnenaufgang in den Vogesen zu erleben. Nele fährt, bis Paul im Morgenfrauen für immer eingeschlafen ist.

Nach seiner Beerdigung lässt Nele sich auf die Annäherungsversuche Wolfgang Thormanns ein: Die Liebe zu Paul hat ihr über ihr Trauma hinweggeholfen.

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In „Junimond“ erzählt Hanno Hackfort von zwei Menschen – Paul und Nele –, die aus unterschiedlichen Gründen vor einer Liebesbeziehung zurückschrecken. Erst als ihre Liebe keine Zukunft mehr zu haben scheint, weil Paul todkrank ist, lassen sie sich darauf ein. Durch diese Erfahrung befreit Nele sich von ihrem Zweifel an der Liebe und gewinnt ihr Vertrauen in andere Menschen zurück.

Die Geschichte wird vorwiegend aus Pauls Perspektive erzählt und von ihm aus dem Off kommentiert – auch noch, als er bereits im Jenseits ist. Während wir von Neles psychischen Verletzungen nur das erfahren, was sie Paul erzählt, erleben wir Pauls Traumatisierung in Rückblenden. Hin und wieder setzt Hanno Hackfort das Geschehen um ein paar Sekunden zurück, zeigt eine den Wunschvorstellungen von Paul bzw. Nele entsprechende Variante, spult erneut zurück und lässt den Film wieder wie vorher weiterlaufen.

„Junimond“ ist ein besonders ruhig erzählter, leiser und einfühlsamer Film.

Hanno Hackfort wurde 1970 in Paderborn (!) geboren. Sein Studium schloss er 1992 mit dem Kurzfilm „An die Parzen“ an der „Kaskeline Film Academy“ in Berlin ab. Bei „Junimond“ handelt es sich um seinen ersten Kinofilm.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

Jan Weiler - Kühn hat zu tun
"Kühn hat zu tun" ist Groteske, Krimi und Gesellschaftssatire. Eben­so wichtig wie der Whodunit-Plot ist das Familienleben des Kommissars Martin Kühn. Die Lektüre ist unter­halt­sam, aber Jan Weiler hat zu viel in das Buch hineingepackt, und die Handlung ist hanebüchen.
Kühn hat zu tun

Jan Weiler

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