Paula Fox : Was am Ende bleibt

Was am Ende bleibt

Paula Fox

Was am Ende bleibt

Originaltitel: Desperate Characters, 1970 Was am Ende bleibt Übersetzung: Sylvia Höfer Verlag C. H. Beck, München 2000 Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2002 ISBN 3-423-12971-9, 201 S., 9 € (D)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Vordergründig bringen zwei Ereignisse das bis dahin vermeintlich geordnete Leben eines Ehepaares durcheinander. Die berufliche Zukunft des Mannes ist in Frage gestellt, und seine Frau wird von einer streunenden Katze gebissen, von der man nicht weiß, ob sie Tollwut hat. Die Ungewissheiten führen zu einer Ehe- und Lebenskrise.
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Kritik

Die Geschichte, die sich auf drei Nerven anspannende Tage erstreckt, wird vornehmlich aus der Sicht der Protagonistin erzählt. Der Stil von "Was am Ende bleibt" ist meistenteils unaufgeregt, wobei aber eine untergründige Emotion durchaus zu spüren ist.
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Otto und Sophie Bentwood sind seit fünfzehn Jahren verheiratet und führen ein geordnetes Leben in gehobenen, intellektuellen Kreisen in New York. Ihr Haus ist mit erlesenem Mobiliar eingerichtet (selbst die streunende Katze, die von Sophie gefüttert wird, bekommt das Fressen auf einem Meißen-Tellerchen). Zu ihrem Leidwesen verwahrlost das von ihnen bewohnte Stadtviertel zunehmend, und es ziehen immer mehr Menschen in die benachbarten Häuser, die nicht ihrem gesellschaftlichen Status entsprechen.

Ihr geregelter Alltag wird durch verstörende Ereignisse überschattet: Charlie Russel, der langjährige Partner in Bentwoods Anwaltssozietät, will die Kanzlei verlassen, weil er mit den Ansichten und der Arbeitsweise Ottos nicht mehr einverstanden ist. Sophie nimmt die unangenehme Mitteilung gar nicht richtig wahr, weil sie nämlich gerade von der herrenlosen Katze gebissen wurde, der sie immer zu fressen gab. Da sie weiß, dass Otto das nicht gerne sah, wagt sie nicht, ihm das gleich zu sagen. Sie kann die Verletzung aber nicht lange verschweigen, denn ihre Hand schwillt an und schmerzt. Als Otto einen Arztbesuch vorschlägt, weil eventuell Tollwut zu befürchten ist, spielt sie die Angelegenheit herunter; außerdem ist Wochenende.

Die Ungewissheit über das Ausmaß ihrer Verletzung und die berufliche Zukunft Ottos zieht sich wie ein roter Faden durch die weitere Geschichte. Nichts bleibt so wie es ist; dem kinderlosen Ehepaar, beide sind sie vierzig Jahre alt, wird immer mehr der Verfall der kulturellen und gesellschaftlichen Verhältnisse bewusst.

Sophie hat sich dann doch noch im Krankenhaus untersuchen lassen und wartet nun auf das Laborergebnis. Um sich abzulenken, fahren sie in ihr Ferienhaus. Die Straße dorthin ist ihnen noch nie so ungepflegt und deprimierend vorgekommen. Als sie ihr Haus betreten, finden sie es von Vandalen verwüstet vor.

Während Sophie in ihrer New Yorker Wohnung auf eine telefonische Nachricht über das Test-Ergebnis wartet, wird sie von ihrer Freundin Tanya angerufen, die sie immer mit den Geschichten ihrer Liebesaffären belästigt. Die Unterhaltung der beiden nervlich angespannten Frauen wird immer gereizter, bis Sophie ausrastet und Tanya anschreit, woraufhin diese sie mit einer unflätigen Bezeichnung unsäglich beleidigt.

Dann ruft auch noch Charlie Russel an und will Otto sprechen. Der lässt sich verleugnen; er hört nur Charlies Stimme aus dem Hörer: „Ich bin verzweifelt!“

„Er ist verzweifelt!“ rief Otto. Sein verwirrter Blick fiel plötzlich auf das Tintenfass auf Sophie Schreibtisch. Blitzartig packte er es und warf es mit voller Wucht gegen die Wand […] Die Stimme drang immer weiter aus dem Telefon wie Gas aus einer lecken Leitung. Sophie und Otto hörten nicht mehr zu. (Seite 201)

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Das geregelte Leben des Ehepaares Otto und Sophie Brentwood kommt durch zwei Ereignisse durcheinander. Der Kompagnon in Ottos Anwaltssozietät will die Kanzlei verlassen. Und beim Füttern einer streunenden Katze wird Sophie in die Hand gebissen; man weiß nicht, ob das Tier tollwütig ist. Diese und andere Ungewissheiten werfen einen Schatten auf die bis dahin vermeintlich geordneten Verhältnisse. Eine Ehe- und Lebenskrise, die – wie sie sich eigentlich eingestehen müssten – schon länger besteht, ist permanent geworden. „Was am Ende bleibt“?: Tinte, aus einem an die Wand geworfenen Tintenfass, die „in schwarzen Linien zum Boden hinunterrinnt“ (Seite 201). Der Originaltitel „Desperate Characters“ (verzweifelte oder hoffnungslose Charaktere bzw. Wesen) ist zutreffender; für keine der Personen sieht die Zukunft vielversprechend aus.

Paula Fox wurde 1923 in New York City geboren (wo sie heute noch lebt). Ihr Roman „Was am Ende bleibt“ ist 1971 erschienen. Wie sie selbst sagt, könne sie nur erzählen, was sie erlebt habe. Und sie hat viel und oft Unerfreuliches erlebt: Von ihrer neunzehnjährigen Mutter, die aus Kuba stammt, wird sie gleich nach der Geburt in ein Waisenhaus gegeben. Von hier aus reicht man sie zu unterschiedlichen Pflegestellen an immer anderen Orten weiter. Bei einem Pastor findet sie dann einmal eine liebevolle Betreuung, die länger anhält; das war ihre schönste Zeit, sagt Paula Fox. Dort holt ihre Großmutter sie ab, die sich aber auch nur kurzfristig um sie kümmern kann. Als Paula fünf Jahre alt ist, besinnt sich ihr Vater, ein Drehbuchautor, auf sie, aber auch ihre Mutter beansprucht wieder Rechte auf das Mädchen. Hin- und hergeschoben, weiß es nicht, wo es hingehört. Die auf einer Zuckerplantage auf Kuba angestellte Großmutter nimmt die Kleine wieder zu sich, vernachlässigt sie aber. Das auf sich gestellte Kind sucht Zerstreuung durch Bücher.

Paula Fox war Lehrerin und Reporterin, hat mehrere Ehen hinter sich und drei Kinder von verschiedenen Vätern. Mit ihrem letzten Mann war sie über dreißig Jahre verheiratet. Vor etlichen Jahren wurde sie bei einem Attentat in Israel schwer verletzt, bei dem sie unter anderem die Sprache verlor. Sie kann immerhin wieder schreiben; sie arbeitet an einer Autobiografie.

Paula Fox schrieb sechs Romane und zahlreiche Kinderbücher. 1978 wurde sie mit dem Hans-Christian-Andersen-Preis ausgezeichnet.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Irene Wunderlich 2004
Textauszüge: © C. H. Beck

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