Elisabeth Florin : Commissario Pavarotti spielt mit dem Tod

Commissario Pavarotti spielt mit dem Tod

Elisabeth Florin

Commissario Pavarotti spielt mit dem Tod

Commissario Pavarotti spielt mit dem Tod Originalausgabe: Emons Verlag, Köln 2016 ISBN: 978-3-95451-808-1, 367 Seiten ISBN: 978-3-86358-985-1 (eBook)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Die Deutsche Lissie von Spiegel wird nach drei Monaten im Meraner Krankenhaus entlassen. Sie leidet unter einer Amnesie. Commissario Pavarotti, der sie abholt, soll mit ihr befreundet sein. Nachdem er sie zu einer Pension in Katharinaberg gebracht hat, fährt er zu einem Abbruchhaus, in dem Bauarbeiter Knochen eines vor 20 Jahren im Alter von drei Jahren spurlos verschwundenen Kindes fanden: Ein bisher unaufgeklärter Fall ...
Weiterlesen

Kritik

Elisabeth Florin entwickelt in "Commissario Pavarotti spielt mit dem Tod" eine komplexe Handlung, und weil sie den Vermutungen des Ermitt­lers folgt, lockt sie auch die Leser auf falsche Fährten. Dieses Spiel er­höht die Spannung und das Lese­ver­gnügen.
Weiterlesen

Als Liselotte („Lissie“) von Spiegel nach drei Monaten aus der neurologischen Abteilung des Meraner Krankenhauses entlassen wird, ist zwar ihre Schuss­verletzung am Kopf äußerlich verheilt, aber sie leidet unter einer Amnesie. Ihren Namen und das Geburtsdatum – 23. August 1973 – kennt sie aus dem Ausweis. Prof. Maximilian Walter erzählte ihr, man habe herausgefunden, dass sie seit mehr als zehn Jahren in einem Dorf im Hochtaunus wohnt. Ihr Vater sei im Sommer 1990 in Meran verschwunden, und ihre an Alzheimer erkrankte Mutter lebe in einem Heim. Commissario Luciano Pavarotti von der Quästur Meran, der Lissie von Spiegel abholt und nach Katharinaberg bringt, in eine Fraktion der Gemeinde Schnals am Meraner Höhenweg, soll seit einem dreiviertel Jahr mit ihr befreundet sein. Dass es ein Projektil aus seiner Dienstwaffe war, das sie in den Kopf traf, ahnt sie nicht, und Pavarotti konnte sich bei keinem seiner Besuche im Kranken­haus dazu überwinden, es ihr zu beichten. Er leidet so darunter, dass er sich vor ein paar Tagen das Leben nehmen wollte und sich weiter mit Selbstmord­gedanken quält.

Zu schaffen macht ihm auch, dass er vor rund 20 Jahren gleich bei seinem ersten Fall versagte: Am 7. September 1997 verschwand der dreijährige Johannes Zomba aus Katharinaberg. An diesem Tag fand ein Dorffest statt, und zwar anlässlich der Einweihung einer Kapelle durch Michael Sutter, den alten Pfarrer von Katharinaberg, der erst ein paar Monate zuvor, am 30. April, als Taufpate von Johannes Zomba eingetragen worden war.

Nachdem Commissario Pavarotti die Deutsche im Hotel Garni „Zum Rad“ in Katharinaberg untergebracht hat, werden er und sein kürzlich zum Vice Ispettore beförderter Assistent Emmenegger gerufen, denn beim Abriss des seit langem aufgegebenen Wirtshauses „Engelsburg“ in Katharinaberg und des dazu gehörenden Wohnhauses stießen Arbeiter auf einen zur Kirche führenden Tunnel, und der verantwortliche Bauingenieur Sergio Tutto fand darin Skelettteile eines Kindes. Bei der Untersuchung bestätigt sich der Verdacht, dass sie von Johannes Zomba stammen. Sara Landers, die Leiterin der Gerichtsmedizin in Bozen, teilt Commissario Pavarotti mit, dass das Kind über längere Zeit hinweg mit Arsen vergiftet und schließlich erdrosselt wurde.

Bei Erna Steinvatterer, der unfreundlichen Betreiberin der Pension, in der Lissie von Spiegel nun untergebracht ist, handelt es sich um die Tante des Kindes. Johannes‘ Mutter Katharina, die Wirtin der „Engelsburg“, war ihre Schwester. Ernas kleiner Neffe litt an Neuronaler Ceroid-Lipofuszinose. Er wäre zu einem Pflegefall geworden und ohnehin noch im Kindesalter gestorben. Seine Mutter war offenbar überzeugt, dass ihr Mann Alberto Zomba den Sohn getötet hatte. Am 23. September 1997 erstach sie ihn mit einem Küchenmesser, zerschnitt ihm das Gesicht und erhängte sich danach selbst im Kinderzimmer.

Erna Steinvatterers Sohn Lukas war der Letzte, der seinen 13 Jahre jüngeren Cousin am 7. September 1997 gesehen hatte. Kurz nach Lukas‘ Abitur meldete Erna Steinvatterer ihren Sohn als vermisst. Er sei nicht von einer Klettertour in der Wand der Hohen Weißen zurückgekommen, gab sie zu Protokoll. Seine Leiche wurde nicht gefunden, aber die Mutter ließ ihn schließlich für tot erklären.

Alberto Zomba hatte Sport und Italienisch unterrichtet, und zwar an einer Mädchenschule in Meran, die dann Ende September 1997 geschlossen wurde. Commissario Pavarotti stellt verwundert fest, dass der damalige Schulleiter Guido Sandler inzwischen als Hausmeister mit seiner 33 Jahre alten Tochter Maria in dem ehemaligen Schulgebäude wohnt. Der 59-Jährige ist geschieden. Maria sah als Schülerin attraktiv aus und hatte damals eine Affäre mit ihrem Lehrer Alberto Zomba. Als Pavarotti die unverheiratete Frau nun im früheren Schulhaus sieht, ist sie dick und wirkt geistesgestört.

Plötzlich verspürt der Commissario einen heftigen Schmerz und verliert das Bewusstsein. Als er zu sich kommt, liegt er gefesselt auf einer Pritsche und Guido Sandler kommt mit einer gefüllten Spritze auf ihn zu. Er könne nicht zulassen, dass die Polizei ihm seine Tochter wegnehme, erklärt er. Deshalb setzte er Pavarotti mit einer Elektroschockpistole außer Gefecht. Mit einem Trick bringt dieser ihn dazu, die Fesseln zu lockern. Dadurch erhält er die Gelegenheit, dem ehemaligen Schulleiter ein Messer in den Körper zu rammen. Der Verletzte wird ins Gefängniskrankenhaus in Bozen gebracht, und Maria, die von ihrem geisteskranken Vater mit Psychopharmaka ruhiggestellt worden war und das Haus zehn Jahre lang nicht hatte verlassen dürfen, kommt zur Behandlung in die „Villa Speranza“, ein psychiatrisches Sanatorium in Meran.

Während Pavarotti auf dem Weg zum Seniorenheim am Hang des Meraner Küchelbergs ist, um den greisen Pfarrer Michael Sutter nach 20 Jahren noch einmal über die Ereignisse im Jahr 1997 zu befragen, wird dieser ermordet.

Pfarrer Michael Sutter saß auf der Bank mit der besten Aussicht, die das Altenheim am Hang des Küchelbergs zu bieten hatte.
[…] Seufzend schaute Sutter auf seine Uhr. Zeit fürs Abendessen. […]
Sutter wollte sich gerade hochstemmen, als er das Kollern von Steinen auf dem Kiesweg hörte.
Der Pfarrer reckte den Hals. Als er das Gesicht im Licht der kleinen Laterne erkannte, erschrak er.
„Du? Ich dachte –“
Weiter kam er nicht. Eine Hand presste ihn zurück auf die Bank, dann wurde ihm eine Plastiktüte über den Kopf gezogen.
Sutter ruderte mit den Händen. Er zerrte an der Tüte, die ihm den Hals zuschnürte, doch es war ein ungleicher Kampf.

Lissie von Spiegel läuft es kalt über den Rücken, als sich herausstellt, dass der Mörder von dem beabsichtigten Besuch des Commissario bei dem Geistlichen durch ein Telefonat erfahren haben muss, das Pavarotti mit ihr führte, während sie mit dem Bus vom Stausee nach Katharinaberg fuhr. Der Mörder muss hinter ihr gesessen haben.

Florian Perlkofer, ein Mann Mitte 60 aus Katharinaberg, versucht sich über die Grenze nach Österreich abzusetzen, wird jedoch festgenommen. Durch ein Kindheitserlebnis ist Florian Perlkofer traumatisiert, und nachdem er sich durch den Fluchtversuch verdächtig gemacht hat, hält es Commissario Pavarotti für möglich, dass er Johannes Zomba 1997 ermordete.

Als Fünfjähriger war Florian Perlkofer von LKW-Fahrern, die im Sommer 1957 den Zement für den Bau des Vernagt-Staudamms aus Naturns brachten, mit­genom­men worden, bis einer von ihnen tödlich verunglückte. Weil Florians Eltern bei einer Wanderung im Pfossental von einer Mure mitgerissen worden und ums Leben gekommen waren, wuchs er bei seinem Großvater Rudolf Perlkofer auf, dem Bäcker in Vernagt (Backhaus Oberleit). Der rief vergeblich zum Widerstand gegen die Etschwerke auf, die den Stausee anlegen ließen. Dass sein Protest wirkungslos blieb, lag vor allem an dem jungen Pfarrer Jakob Steinvatterer, der die Gemeinde gegen ihn aufbrachte.

Als der Stausee dann geflutet wurde und das Wasser am 23. Juli 1957 in dem aufgegebenen Ort Vernagt stieg, weigerte sich Rudolf Perlkofer, sein Haus zu verlassen und hielt angesichts der Polizei seinem Enkel eine Armeepistole an den Kopf. Ein Polizist erschoss ihn vor den Augen des fünfjährigen Waisen.

Der als „Prügel-Pfarrer“ verschriene Jakob Steinvatterer ohrfeigte im August 1965 einen Jungen, der während der Messe in Katharinaberg gelacht hatte, und schleuderte ihn so heftig gegen eine Wand, dass der Fünfjährige an einem Genickbruch starb. Die Kirche vertuschte zwar das Gewaltverbrechen, warf den Täter aber aus dem Amt. Einige Zeit später ehelichte Jakob Steinvatterer die wohlhabende Bäuerin Anna Mayr aus Katharinaberg und bekam mit ihr zwei Töchter: Erna und Katharina.

Katharina Steinvatterer heiratete am 16. Mai 1993 gegen den Willen ihres Vaters auf dem Standesamt in Naturns den Lehrer Alberto Zomba und bekam im Jahr darauf einen Sohn.

Am 23. Juli 1997 wollte sie sich im Vernagt-Stausee ertränken. Florian Perlkofer vereitelte ihren Suizidversuch und zog sie aus dem Wasser.

Dass er ihrem Sohn Johannes etwas angetan haben könnte, weist Florian Perlkofer bei den polizeilichen Vernehmungen weit von sich.

Hannes Martin, ein Fotograf aus Meran, der bei dem Dorffest am 7. September 1997 in Katharinaberg Bilder gemacht hatte, sich seither jedoch nicht mehr dort sehen ließ, taucht unerwartet wieder in dem Ort auf. Aber nach wenigen Tagen wird auf dem ehemaligen Friedhof des Kartäuserklosters seine Leiche gefunden.

Jemand hat ihm den Hals durchgeschnitten, beide Augen ausgestochen und die Zunge rückwärts in die Kehle gestopft.

Bereits vor dem Mord brach jemand in seinem Laden in Meran ein, raubte die Festplatte seines Computers und das gesamte Fotoarchiv.

Mit Florian Perlkofer verdächtigte Luciano Pavarotti wohl den Falschen. Der Häftling wird noch am selben Tag freigelassen.

Die Bewohner von Katharinaberg sind nicht gut auf den erfolglosen italienischen Commissario zu sprechen, und weil Lissie von Spiegel für seine Geliebte gehalten wird, duldet Erna Steinvatterer sie nicht länger in ihrer Pension. Für die letzten Tage vor ihrer geplanten Abreise stellt der Dorfpfarrer Lukas der Deutschen das Gästezimmer im Pfarrhaus zur Verfügung.

Als sie mit dem Briefträger spricht, behauptet er, noch nie Post fürs Pfarrhaus gehabt zu haben. Wie ist das möglich? Bevor Lissie sich einen Reim darauf machen kann, wird sie durch eine SMS aufgefordert, das Fernsehgerät einzuschalten.

Im Bild war jetzt ein Reporter, der mit einem Mikrofon vor dem Kommissariat stand und die Zuschauer direkt anblickte. „Wird diese Frau ihn verklagen? Diese deutsche Touristin könnte der letzte Nagel im Sarg des glücklosen Meraner Kommissars Pavarotti sein, der im Fall der Kinderleiche von Katharinaberg so schmählich versagt hat.“
Er zeigte mit dem Daumen auf das Gebäude in seinem Rücken. „Erst gestern Abend hat uns der Commissario hier den angeblichen Täter präsentiert – wie sich jetzt herausstellt, einen unschuldigen und vom Schicksal schwer gebeutelten Mann. Doch das war nur der letzte von vielen Misserfolgen und Fehlern, mit denen sein sogenannter Karriereweg gepflastert ist. Im vergangenen Sommer“, er pausierte kurz, um die Wirkung zu erhöhen, „schoss er bei einer Mörderhatz einer unbeteiligten Frau in den Kopf, die das Pech hatte, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Unglaublich, dass dieser Mann noch in Amt und Würden ist, doch wenn diese Frau“ – Lissies Foto wurde eingeblendet – „die Behörde verklagt, dann ist er die längste Zeit Kommissar gewesen. Man nimmt an, dass sie es tun wird. Teile ihres Gehirns sind dem Vernehmen nach dauerhaft geschädigt …“
[…] Lissie merkte, dass sie auf dem Küchenboden saß und weinte. Schwindelgefühl packte sie. Der Raum kippte um neunzig Grad.
Keuchend und würgend robbte sie zur Toilette und erbrach sich, bis ihr Magen leer war und sie nur noch grünliches Gallert zutage förderte.

Gleich darauf wird sie im Pfarrhaus niedergeschlagen. Als sie zu sich kommt, liegt sie in einem Kellergewölbe. Ihr Handy fehlt. Im Licht ihrer kleinen LED-Taschenlampe sieht sie Unmengen von Papier, darunter an Lukas Steinvatterer adressierte Briefe. Sie gingen an ein Postfach in Meran.

Hatte Lukas Steinvatterer seinen Cousin Johannes Zomba ermordet und dann mit Hilfe seiner Mutter Erna seinen eigenen Tod vorgetäuscht? Befindet Lissie sich mit einem Mörder im Haus?

Ohne Leiter hat Lissie keine Chance, durch die geschlossene Falltür zu fliehen. Sie findet einen Tunnel und robbt hindurch, bis sie im Dunkeln an eine Mauer stößt. In der Hoffnung, sie durchbrechen zu können, schlägt Lissie mit aller Kraft dagegen. Aber dadurch stürzt das Tunnelende ein, und sie wird von Geröll verschüttet.

Nach der Fernsehsendung drängte Emmenegger seinen Chef, Lissie von Spiegel endlich die Wahrheit zu gestehen. Luciano Pavarotti fährt zum Pfarrhaus und klingelt. Niemand öffnet, aber er empfängt eine SMS von Lissies Handy: „Hau ab!“ Dass sie nichts mehr mit ihm zu tun haben will, kann er ihr nicht verdenken.

Fast zur gleichen Zeit erhält Emmenegger einen Hinweis, dass es sich bei Pfarrer Lukas um den angeblich beim Klettern in der Hohen Weißen umgekommenen Abiturienten handele. Von Commissario Pavarotti zur Rede gestellt, schwört Erna Steinvatterer, Lukas habe seinem Cousin nichts getan. Sie berichtet, dass ihr Vater Jakob nach dem Tod seiner Frau wieder seine abgelegte Priesterkleidung getragen und seinen Enkel bei jeder Gelegenheit grundlos verprügelt habe. Es wurde immer schlimmer. Um das alles zu beenden und einen Racheakt des Heranwachsenden zu verhindern, überredete Erna ihren Sohn, einen tödlichen Unfall vorzutäuschen.

Pavarotti verdächtigt Erna Steinvatterer, in Hannes Martins Fotogeschäft in Meran eingebrochen zu sein.

„Er hätte alles auffliegen lassen“, sagte Erna Steinvatterer ernst. „Was denken Sie wohl, welches Ansehen meinem Sohn im Tal geblieben wäre, wenn jeder gewusst hätte, dass er der Sohn des Prügel-Pfarrers ist? Ich bin froh, dass er tot ist.“

Der Commissario erhält erneut eine SMS von Lissies Handy:

Es ist der Pfarrer komm zum Stausee altes Turbinenhaus


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Pavarotti fährt sofort los. Die Strömungsmaschinen befinden sich selbst­verständ­lich im Kraftwerk von Naturns, 1150 Meter unterhalb des Stausees, aber das Gebäude am Südufer, in dem die Etschwerke Mitte der Fünfzigerjahre Baumaterial vor Diebstahl schützten, heißt im Volksmund „Turbinenhaus“. Davor steht Florian Perlkofers Kleintransporter. Der Commissario nähert sich, bis er mit einem kräftigen Hieb auf den Hinterkopf niedergeschlagen wird.

Mit einer Hundekette um den Hals an einen Stahl­träger gefesselt kommt er zu sich. Ein Mann sitzt in der Nähe, bei dem es sich jedoch nicht um Florian Perlkofer handelt. Das Fahrzeug muss er gestohlen haben. In einem auf dem Boden liegenden zugebundenen Sack bewegt sich jemand. Zunächst befürchtet Pavarotti, dass Lissie sich in dem Sack befindet, aber die Person ist augenscheinlich größer als sie. Der Commissario errät, dass es sich um Paul Tschugg handelt, einen 19-jährigen Teilnehmer eines Anfängerkurses für Regisseure an der Urania Merano Universita‘ Popolare in Meran, der aus Lissie von Spiegels Notizen über die Ereignisse einen Film machen wollte. Der Bewacher macht sich einen Spaß daraus, vor den Augen des Kommissars auf Paul Tschugg zu schießen. Blut sickert aus dem Sack.

Pavarotti ahnt, dass er Alberto Zomba vor sich hat, Johannes‘ Mörder. Der gibt freimütig alles zu:

„Das Krüppelkind war zäh, das hätte uns noch jahrelang auf der Tasche gelegen. Mit dem bisschen Arsen war es nicht kleinzukriegen.“

Um seinen eigenen Tod vortäuschen zu können, brachte Alberto Zomba einen ihm ähnlich sehenden Saisonarbeiter aus der Maremma um und zerschnitt ihm das Gesicht. Zomba gesteht außerdem, den Fotografen Hannes Martin ermordet zu haben.

„Er hat beobachtet, wie ich damals im Garten dem kleinen Schwachsinnigen den Hals umgedreht hab. An Ort und Stelle hat er angefangen, mich zu erpressen. Was sollte ich machen? Ich war völlig blank, nachdem mir das Krüppelkind meine ganzen Ersparnisse weggenommen hatte. Wie hätte ich ihn bezahlen sollen? Ich bitte Sie. Ich hätte den Kerl auch gleich umbringen können. Ich hatte aber nicht die Zeit, weil ich den Kleinen wegschaffen musste. Deshalb musste ich verschwinden. Und zwar endgültig.
[…] Und jetzt, nach zwanzig Jahren, kam dieser dumme Mensch hierher zurück. Er hat mich erkannt, der Idiot. Tja, anders als der Rest hatte er anscheinend ein famoses Gedächtnis für Gesichter. Selber schuld. Natürlich musste ich ihn diesmal zum Schweigen bringen.“

Michael Sutter erstickte er mit einer Plastiktüte, weil er befürchtete, dass Katharina damals in der Beichte etwas über ihn gesagt haben könnte und im Bus das Telefongespräch belauschte, in dem der Commissario Lissie mitteilte, dass er auf dem Weg zu einer Befragung des greisen Pfarrers sei.

Alberto Zomba fühlt sich sicher:

„Sie sind ein Idiot, Commissario […]. In einer halben Stunde liegen Sie auf dem Grund des Stausees, und mein Cousin, der Pfarrer von Katharinaberg, geht als Kindermörder in die Geschichte ein. Er ist übrigens bereits tot. Selbstmord, natürlich.“

Weil Pavarotti den Mörder für eine Spielernatur hält, schlägt er ihm russisches Roulette vor, ein Spiel mit dem Tod. Tatsächlich geht Zomba darauf ein, entlädt seinen Revolver und legt anschließend eine einzige Patrone wieder in die Trommel. Ohne zu zögern, hält er sich die Waffe an den Kopf und drückt ab. Dann schubst er den Revolver über den Betonfußboden zu Pavarotti. Wieder klickt es nur. So geschieht es auch beim nächsten Mal. Bevor Pavarotti zum zweiten Mal abdrückt, richtet er die Waffe plötzlich auf Zomba und schießt. Mit einem überraschten Gesichtsausdruck kippt der Mörder um.

Im nächsten Augenblick wird die Tür des Turbinenhauses aufgebrochen. Emmenegger kann es kaum glauben, als Pavarotti ihm berichtet, dass er dem Mörder ein Spiel mit dem Tod vorgeschlagen habe. Aber der Commissario sah darin die einzige Überlebenschance.

Pavarotti erntete fassungslose Mienen und grinste. „Ich wusste gleich, dass er mich austricksen will. Er hat alle Patronen herausgenommen und eine Kammer mit einer Patrone aus seiner Tasche neu bestückt. Ich habe darauf spekuliert, dass er eine schwere Munition wählt, vermutlich ein Stahlmantelgeschoss oder etwas Ähnliches. Wohlweislich habe ich darauf verzichtet, genauer nachzufragen. Die Wahrscheinlichkeit, dass so ein schweres Kaliber nach der Drehung der Trommel unten zu liegen kommt, ist recht hoch. Als er dann gesagt hat, er wolle anfangen, wusste ich Bescheid. Beim vierten Schuss hätte es mich erwischt. Den hab ich auf ihn abgegeben.“

Paul Tschugg wird schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht.

Alberto Zomba ist tot, ebenso wie Lukas Steinvatterer, den der Verbrecher im Pfarrhaus umgebracht hatte, bevor er den Commissario mit Lissies Handy täuschte und schließlich zum Stausee lockte.

Auf der hastigen Suche nach Lissie stößt Pavarotti unter der Kanzel in der Kirche auf eine Falltür. Der kürzlich entdeckte Tunnel! Am Ausgang im ehemaligen Wirtshaus „Engelsburg“ finden er und Emmenegger die Verschüttete. Sie atmet noch.

Anhand eines Fotos von Alberto Zomba erkennt Lissie später, dass es sich um den Koch im Hotel Garni „Zum Rad“ handelte. Alberto Rossi nannte er sich. Erna Steinvatterer hatte ihn ahnungslos eingestellt, obwohl er keine Papiere vorweisen konnte.

nach oben

Mit „Commissario Pavarotti spielt mit dem Tod“ setzt Elisabeth Florin ihre 2013/14 mit „Commissario Pavarotti trifft keinen Ton“ und „Commissario Pavarotti küsst im Schlaf“ begonnene Romanreihe fort.

Die vor allem in Katharinaberg, einer Fraktion der Gemeinde Schnals am Meraner Höhenweg spielende Geschichte, die Elisabeth Florin in ihrem Kriminalroman „Commissario Pavarotti spielt mit dem Tod“ erzählt, ist zwar fiktiv, aber die genannten Orte existieren, und das Lokalkolorit prägt den Roman. Zu hoffen ist, dass das Leben in Katharinaberg in Wirklichkeit nicht so düster ist, wie im Buch, bei dessen Lektüre wir in menschliche Abgründe blicken und mit einer ganzen Reihe von psychisch Kranken konfrontiert werden.

Mit Fabulierlaune und ebenso großer Disziplin entwickelt Elisabeth Florin in „Commissario Pavarotti spielt mit dem Tod“ eine komplexe Handlung mit einigen Nebensträngen, zahlreichen Figuren und einer Reihe überraschender Wendungen. Wir bewegen uns in der Gegenwart (2016), aber die bis 1957 zurückreichende Vorgeschichte wird Stück für Stück in Rückblenden bzw. kursiv gedruckten Passagen nachgeholt. Erzählt wird in der dritten Person, aber hin und wieder versetzt sich die Autorin in eine der Figuren, darunter auch in die des Mörders, den wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht kennen. Elisabeth Florin folgt den Vermutungen des Commissario Luciano Pavarotti, und weil der lange Zeit falschen Fährten folgt, schickt die Autorin uns Leser ebenso in die Irre, auch wenn wir oft schon vor dem Ermittler wissen, dass er sich täuscht. Dieses Spiel erhöht die Spannung und das Lesevergnügen.

nach oben

Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2016
Textauszüge: © Emons Verlag

Elisabeth Florin: Commissario Pavarotti trifft keinen Ton
Elisabeth Florin: Commissario Pavarotti kam nie nach Rom

Bruno Ernst - Der Zauberspiegel des M. C. Escher
"Escher ist kein Surrealist, der uns in Traumwelten entführt. Er ist ein Konstrukteur unmöglicher Welten, der das real Unmögliche in seinen Bildern streng und gesetzmäßig darstellt."
Der Zauberspiegel des M. C. Escher

Bruno Ernst

Der Zauberspiegel des M. C. Escher

Meine vor 18 Jahren selbstgestrickte Website wurde im Juli durch einen professionellen Neubau ersetzt. Aber das Informationsangebot bleibt kostenlos und werbefrei.

Alte Homepage: