Franco Ferrucci : Die Schöpfung. Das Leben Gottes, von ihm selbst erzählt

Die Schöpfung. Das Leben Gottes, von ihm selbst erzählt

Franco Ferrucci

Die Schöpfung. Das Leben Gottes, von ihm selbst erzählt

Die Schöpfung. Das Leben Gottes, von ihm selbst erzählt Originalausgabe: Il mondo creato, Mailand 1986 Übersetzung: Herbert Schlüter und Stefan Richter Carl Hanser Verlag, München 1988
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Auf Gemälden wird Gott häufig als weißbärtiger Mann dargestellt. Doch von ihm selbst erfahren wir in diesem Buch, dass er noch ein Kind war, als er die Welt erschuf, ein einsam durchs All irrendes Kind. Nachdem es die Erde einen Monat lang auf dem Mond umrundet hatte, reiste es zu dem Planeten und schuf dort das Leben, um seine grenzenlose Einsamkeit zu beenden ...

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Kritik

Respektlos und mit überbordender Fantasie schuf der italienische Autor Franco Ferrucci diesen originellen, aberwitzigen Erlebnisbericht über die letzten 3000 Jahre Kulturgeschichte: "Die Schöpfung. Das Leben Gottes, von ihm selbst erzählt".
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Auf Gemälden wird Gott häufig als weißbärtiger Mann dargestellt. Doch von ihm selbst erfahren wir in diesem Buch, dass er noch ein Kind war, als er die Welt erschuf, ein einsam durchs All irrendes Kind. Nachdem es die Erde einen Monat lang auf dem Mond umrundet hatte, reiste es zu dem Planeten und schuf dort das Leben, um seine grenzenlose Einsamkeit zu beenden. Gott merkte, dass es ihm nicht möglich war, einmal Geschaffenes wieder ungeschaffen zu machen. Entsetzt stellt er fest, dass mit Zeit und Bewegung auch Krankheit, Verfall und Tod entstanden waren. Und was konnte er dagegen tun, dass sich die Lebewesen gegenseitig auffraßen? Dann begegnete er einem Affen. Er hatte vergessen, dass er ihn gemacht hatte und war gerührt, weil dieser sich als einziges der Geschöpfe an ihn erinnerte. Als Gott von einer langen Reise durch den Weltraum zu seinem Lieblingsplaneten zurückkehrte, entdeckte er ein Tier, das er noch nicht kannte. Es sah dem Affen ähnlich. Aber warum erschrak es beim Anblick Gottes?

Es handelte sich um den Menschen. Der weckte Gottes Interesse. Er schloss einen Freundschaftsbund mit Mose, besuchte mit ihm eine kultische Feier des Echnaton zum Lobpreis der Sonne und besprach sich mit ihm auf dem Gipfel des Berges Sinai. Als Mose eine Orgie um ein goldenes Kalb beendete und in seinem Zorn zwei Steintafeln zerbrach, befürchtete Gott schon, es seien die beiden von ihm beschriebenen, die er noch vor Mose versteckt hielt. Aber es handelte sich glücklicherweise nur um leere Tafeln.

Als der Fortpflanzungstrieb der Menschen nachließ, erfand Gott Kleidung und Erotik. Er hatte sich selbst in eine Frau namens Acsa verliebt, die einen kleinen Sohn hatte. Über dem Glück der Liebe hätte er beinahe vergessen, dass er Gott war und weiterziehen musste, um seine Schöpfung zu verbessern.

Als ein junger Mann aus reichem Haus stellte er sich Buddha vor und wurde dessen Schüler und Freund. Gott begegnete dem sterbenden Herkalit und Sokrates, kurz bevor dieser den Schierlingsbecher leerte. Beinahe zufällig geriet er wieder nach Palästina. Da erinnerte er sich an Acsa und lief auf der Suche nach ihr die ganze Nacht in Jerusalem herum.

Im Morgengrauen glaubte er sie wiederzuerkennen. Auf einer Wiese vor der Stadt liebte er das Mädchen. Es war nicht Acsa, sondern eine Prostituierte, aber er bewahrte eine zärtliche Erinnerung an sie. Als er sich später nach ihr erkundigte, erfuhr er, dass sie einen alten Zimmermann geheiratet hatte und jetzt mit ihm in Nazareth lebte. Einige Monate später gebar sie in einem Stall in Bethlehem einen Sohn. Dieser Jesus machte als junger Mann einen starken Eindruck auf ihn. „Ich hatte nur etwas gegen seine übertrieben langen Haare.“ Im Gespräch mit Gott beteuerte Jesus, seine Mutter sei eine Heilige, die kein Mann je berührt habe. Gott sah zu, wie Judas und Petrus ihren Anführer verrrieten und stand dabei, als dieser gekreuzigt wurde. Kurz vor dem Tod sah Jesus ihn an und schrie: „Vater, warum hast du mich verlassen?“ Neugierig folgte einer der Zenturionen dem Blick und musterte Gott.

Um die Menschen besser zu verstehen, mischte sich Gott unter sie. „Ich war der Gott, unterwegs zwischen den gleichgültig schauenden Tieren; aber die Menschen sind keine Tiere, und meine nackte Erscheinung ist für sie unerträglich. Und so sprach man von Kometen, von Hexerei und Zaubertränken, nur um den Wahnsinn zu erklären, der sich eines Dorfes bei meinem Durchzug bemächtigte. Das Schlimmste war, dass es mir nicht gelang, mit irgend jemandem ins Gespräch zu kommen; es war, als ob ich die Pest hätte. Ich musste mir also ein Gewand suchen, eine Haut, um darin zu wohnen.“ Deshalb verwandelte sich Gott in einen Menschen.

Als spanischer Student verkleidet wurde er Zeuge, wie Seneca sich den Dolch in den Bauch stieß. In Gestalt eines arabischen Aristoteles-Fans diskutierte er nächtelang mit Thomas von Aquin über die Beweise dafür, dass er existierte. Es gelang ihm, Dante als Uhrmacher vorgestellt zu werden. Als Kolumbus zum ersten Mal nach Westen segelte, um zu beweisen, das die Erde keine Scheibe, sondern eine Kugel war, befand sich Gott als Matrose mit an Bord.

Gott besteht aus Gegensätzen, aus hellen und dunklen Seiten; er ist sehr vergesslich, weder allwissend, noch unfehlbar oder allmächtig. Durch das Gespräch mit den Menschen, so hatte er gehofft, würde er seine komplexe Natur besser verstehen. Aber die Menschen hielten ihn für eine reine Lichtgestalt und erfanden den Teufel, um sich das Böse und die missratenen Teile der Schöpfung zu erklären. Und Gott fühlte sich vernachlässigt. „Nicht, als ob man nicht von mir gesprochen hätte, aber es schien ständig von einer anderen Person die Rede zu sein. Ich war den Theologen in die Hände gefallen.“ Gott konnte nicht verhindern, dass man Menschen, die an Einzelheiten der Kirchenlehre zweifelten, als Ketzer verbrannte.

In den Weinbergen am Neckar begegnete er dem Knaben Johann Christian Friedrich Hölderlin und beauftragte ihn, die Rückkehr der Gottheit in die Schöpfung zu besingen.

Dann stürzte er sich ins Großstadtleben. In München saß er nachmittags gern im Biergarten. In Wien aß er so viel Schokoladentorte, dass ihm übel wurde und ein Arzt gerufen werden musste. Nachdem er wegen des verdorbenen Magens schlecht geträumt hatte, erschrak er, schloss sich tagelang ein und erforschte sein Unterbewusstes. (Später erfuhr er, dass der Arzt, der ihn damals behandelt hatte, Sigmund Freud hieß und inzwischen berühmt geworden war, weil er behauptete, die Psychoanalyse erfunden zu haben.)

Monatelang half er als Handlanger zwei amerikanischen Brüdern namens Wright, einen Doppeldecker zu bauen. Er wäre gern selbst geflogen, aber das wurde ihm nicht erlaubt.

Als er Einstein besuchte und sich mit ihm angeregt unterhielt, hörte er plötzlich Lärm auf der Straße. Er musste schnell hinunterlaufen, weil er sein Auto falsch geparkt hatte, das nun abgeschleppt werden sollte. Das konnte er gerade noch verhindern, aber das Strafmandat musste er bezahlen. Dann setzte er sein Gespräch mit Einstein fort. „Albert war von meiner Ehrlichkeit und meiner Unfähigkeit, falsch zu spielen, fest überzeugt.“

Nach seinem Treffen mit Mussolini kurz vor dessen Erschießung fragte er sich, „warum ich diesen armen Kerl aufgesucht hatte, der eine zu schwierige Rolle gespielt hatte – ein Schmierenkomödiant, den das Schicksal gezwungen hatte, den Helden zu spielen –, bis er vom eigenen Publikum demaskiert und verhöhnt und schließlich von der Bühne verjagt wurde.“

Als Gott in einer Eidechse schlief, wurde er von einem Jungen mit einem scharfen Messer in Streifen geschnitten.

Gott wusste, dass seine Welt unvollständig war, „eine Art Entwurf, der verbessert werden musste“. Immer fremder fühlte er sich unter den Menschen und in seiner eigenen Schöpfung. Eine Neugestaltung war auf diesem Planeten war jedoch unmöglich. Deshalb beschloss er enttäuscht, die Erde zu verlassen und begann zu packen.

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Respektlos und mit überbordender Fantasie schuf der italienische Autor Franco Ferrucci diesen originellen, aberwitzigen „Erlebnisbericht“ über die letzten 3000 Jahre Kulturgeschichte: „Die Schöpfung. Das Leben Gottes, von ihm selbst erzählt“.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002

Günther Bach - Das Horn des Hasen
Äußerlich geschieht in "Das Horn des Hasen" nicht viel; in der ernsthaften, nachdenklichen Parabel kommt es auf die Dialoge und Reflexionen an. Günther Bach erzählt ruhig und gelassen in einer schlichten, schnörkellosen Sprache.

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