Götter der Pest

Götter der Pest

Götter der Pest

Originaltitel: Götter der Pest - Regie: Rainer Werner Fassbinder - Drehbuch: Rainer Werner Fassbinder und Michael Fengler - Kamera: Dietrich Lohmann - Schnitt: Rainer Werner Fassbinder alias Franz Walsch und Thea Eymèsz - Musik: Peer Raben - Darsteller: Harry Baer, Hanna Schygulla, Margarethe von Trotta, Günther Kaufmann, Ingrid Caven, Carla Egerer alias Carla Aulaulu, Yaak Karsunke, Katrin Schaake, Kurt Raab, Hannes Gromball, Marian Seidowski, Lilo Pempeit, Rainer Werner Fassbinder u.a. - 1969; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Als Franz Walsch aus dem Gefängnis entlassen wird, wendet er sich an seine frühere Freundin Joanna Reiher, die in einem Nachtclub singt. Sie liebt ihn und will ihm helfen, aber für Franz ist es unerträglich, von ihr ausgehalten zu werden, zumal er befürchtet, durch ihren Anspruch auf ihn seinen letzten Rest Freiheit zu verlieren ...

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Kritik

"Götter der Pest" ist eine artifizielle, minimalistische, das Genre des amerikanischen Gangsterfims parodierende Tragödie über Menschen, die nicht miteinander reden wollen oder können und deshalb unfähig sind, Beziehungen länger aufrechtzuerhalten.
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Franz Walsch (Harry Baer) wird aus dem Gefängnis München-Stadelheim entlassen. In einer Kneipe erkundigt er sich telefonisch nach seiner früheren Freundin, der Nachtclubsängerin Joanna Reiher (Hanna Schygulla). Er findet sie im „Lola Montez“. Nach ihrem Auftritt geht sie mit ihm in eine Gaststätte, um etwas zu essen. „War’s schlimm?“, fragt Joanna. „Auch nicht anders als draußen“, antwortet Franz. Sie steckt ihm ein paar Geldscheine zu, damit er die Rechnung bezahlen kann. Als er Leberkäse mit Ei bestellt, meint sie, er hätte ruhig etwas Besseres wählen können. Sie liebt ihn und will ihm helfen, aber für Franz ist es unerträglich, von ihr ausgehalten zu werden, zumal er befürchtet, durch ihren Anspruch auf ihn seinen letzten Rest Freiheit zu verlieren.

Ohne ein Wort zu sagen, verlässt er sie und sucht seinen Bruder Marian (Marian Seidowski). Carla (Carla Egerer), die herumläuft und Pornoheftchen verkauft, verrät ihm für 100 D-Mark, wo er zu finden sei. An der Tür steht der Name „Schlöndorff“, aber der ist nicht da. In der Wohnung liegt ein Toter auf dem Fußboden: Marian. Er wurde erschossen.

Auch Joanna wendet sich an Carla und gibt ihr 300 D-Mark für den Hinweis, dass Franz bei Magdalena Fuller (Ingrid Caven) sei. Aber die hat er auch bereits wieder verlassen. Jetzt ist er mit Margarethe (Margarethe von Trotta) zusammen.

Eines Tages trifft Franz zufällig auf der Straße seinen Freund Günter (Günther Kaufmann), einen König der Unterwelt, der wegen seiner Stärke „Gorilla“ genannt wird. Obwohl Günter zugibt, dass er Marian erschoss – auf Befehl „von oben“, weil er „gesungen“ hatte –, freuen die beiden sich über ihr Wiedersehen. Günter fährt mit Franz und Margarethe in seinem Cabrio in die Berge, um den Gangster Joe (Micha Cochina) zu besuchen, der dort mit seiner schwangeren Frau auf einem Bauernhof lebt.

Während die Polizei bei den Ermittlungen in dem Mordfall nach Carla, Franz und Joanna als Zeugen fahndet, planen Joe, Günter und Franz einen Überfall auf einen Supermarkt. Mit dem Geld möchte Franz zusammen mit Margarethe in Griechenland ein neues Leben anfangen. Margarethe wäre bereit gewesen, sich zu prostituieren, um Geld zu beschaffen, aber Franz verfällt wieder in seine alten kriminellen Verhaltensweisen.

Aus Liebe informiert Margarethe die Polizei: Sie will Franz aufhalten, bevor es zu spät ist. Parallel dazu erfährt Joanna durch Carla von dem Vorhaben und verrät Franz aus Eifersucht. Kommissar (Yaak Karsunke) erschießt Franz im Supermarkt. Dann nimmt er eine zweite Pistole heraus, tötet damit den Filialleiter (Hannes Gromball) und drückt sie Franz in die Hand. Günter ist zwar durch einen Schuss an der Schulter verletzt, entkommt jedoch und erschießt Carla, bevor er selbst zusammenbricht.

Als Franz beerdigt wird, stehen Joanna und Margarethe mit seiner Mutter (Lilo Pempeit) trauernd am Grab.

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„Götter der Pest“, Rainer Maria Fassbinders dritter Kinofilm (nach „Liebe ist kälter als der Tod“ und „Katzelmacher“) handelt von Menschen, die nicht miteinander reden wollen oder können und deshalb unfähig sind, Beziehungen länger aufrechtzuerhalten. Wieder einmal veranschaulicht Rainer Werner Fassbinder seine These, dass es eine von Zwängen freie Liebe nicht gebe. Die Männer wirken emotionslos; Gefühle bleiben den Frauen vorbehalten, die wegen ihrer Empfindungen in das Geschehen eingreifen. „Götter der Pest“ ist eine artifizielle, minimalistische, das Genre des amerikanischen Gangsterfims parodierende Tragödie, in der Rainer Werner Fassbinder auf jeden Schnörkel, jede Verzierung und jedes überflüssige Wort verzichtet hat.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004

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