Das Auge

Das Auge

Das Auge

Das Auge - Originaltitel: Eye of the Beholder - Regie: Stephan Elliott - Drehbuch: Stephan Elliott, nach dem Roman "Das Auge" von Marc Behm - Kamera: Guy Defaux - Schnitt: Sue Blaney - Musik: Marius De Vries - Darsteller: Ewan McGregor, Ashley Judd, Jason Priestley, Geneviève Bujold, K. D. Lang, Patrick Bergin u.a. - 1999; 110 Minuten

Inhaltsangabe

"Das Auge", ein Spezialagent, der die Welt vorwiegend auf dem Bildschirm seiner Überwachungsgeräte wahrnimmt und beinahe nur noch in Tagträumen oder über sein Bildtelefon kommuniziert, wird bei einer Observation auf eine attraktive Serienmörderin aufmerksam. Statt sie zu überführen und weitere Morde zu verhindern, folgt er ihr wie ein Schutzengel ...
Weiterlesen

Kritik

"Das Auge" – eine Mischung aus Psychothriller, Roadmovie und Liebestragödie – besticht durch die groteske Handlung, die elegant gestylten Bilder, die passende Musik und die schauspielerische Leistung vor allem der beiden Hauptdarsteller Ashley Judd und Ewan McGregor.
Weiterlesen

Ein hochrangiger Angehöriger der britischen Botschaft in Washington verdächtigt seinen Sohn, Geld von einem Treuhandkonto unterschlagen zu haben. Möglicherweise wird er von seiner neuen Geliebten erpresst. Ein Mitarbeiter der Abteilung für Interne Ermittlungen, Stephen Wilson (Ewan McGregor), den alle nur „das Auge“ nennen, soll den jungen Mann observieren.

Bei dem Spezialagenten handelt sich um einen frustrierten Mann, der vor sieben Jahren von seiner Frau Margret verlassen wurde. Von seiner Tochter Lucy hat sie ihm nur ein Klassenfoto mit einem handschriftlichen Kommentar auf der Rückseite dagelassen: „Rate mal, welche deine Tocher ist, du Arschloch!“ Schuldgefühle plagen ihn, weil er tatsächlich nicht weiß, welches der Mädchen seine Tochter ist. Doch in seinen Tagträumen glaubt er immer wieder, Lucy (Anne-Marie Brown, Kaitlin Brown) bei sich zu haben und spricht mit ihr.

Mit ultramodernen elektronischen Überwachungsgeräten beobachtet „das Auge“, wie der Verdächtigte sich in einer Villa erwartungsvoll vor seiner halb nackten Geliebten (Ashley Judd) auf eine eigens ausgebreitete Plastikplane kniet und sich die Augen verbinden lässt. Statt ein Sexspiel mit ihm zu beginnen, ergreift die Frau ein Küchenmesser und sticht so lange auf ihn ein, bis er tot ist. Dann kauert sie weinend am Boden und jammert, ihr Vater habe sie verlassen. Bald darauf schleift sie die Leiche zum nahen See und kippt sie ins Wasser.

Die Mörderin verändert jeden Tag ihr Aussehen, wechselt die Perücken und trägt ganz verschiedene Kleider und Namen: Deborah Yates, Charlotte Vincent usw. In Wirklichkeit heißt sie Joanna Eris. „Das Auge“ folgt ihr und wird Zeuge, wie sie einen Edelsteinhändler umbringt. Kurze Zeit später taucht ein Detective der New Yorker Polizei bei ihr auf. Er ist bereit, auf das Angebot der attraktiven Frau einzugehen, seine Ermittlungen gegen sie einzustellen, wenn sie mit ihm schläft, doch als er sie zu küssen versucht, packt sie seinen Revolver und erschießt ihn.

Ohne seine Abteilung zu informieren, observiert „das Auge“ die geheimnisvolle Serienmörderin weiter. Er kann nicht anders, fühlt sich magisch von ihr angezogen und erklärt seiner Tochter im Tagtraum die Obsession: „Ich darf sie nicht verlieren, denn sie ist alles, was ich noch habe.“

Als nächstes Opfer sucht Joanna sich in der Abflughalle eines Flughafens den blinden Weingutbesitzer Alexander Leonard (Patrick Bergin) aus. Dem reichen älteren Kalifornier erzählt sie, sie sei im Alter von neun Jahren von ihren Eltern im Stich gelassen worden und in einem Heim aufgewachsen. Alex macht ihr nach einiger Zeit einen Heiratsantrag. Als er sie zur Trauung abholt, schießt „das Auge“ eifersüchtig vom Kirchturm auf den Wagen. Der gerät daraufhin ins Schleudern und stößt frontal mit einem Lastwagen zusammen. Alex kommt dabei ums Leben. Joanna bleibt unverletzt.

Wie ein Schatten folgt „das Auge“ der Frau. Als Joanna während einer Autofahrt durch Utah das Benzin ausgeht, nimmt ein Drogensüchtiger namens Gary (Jason Priestley) sie mit. In seiner Wohnung schlägt er sie zu Boden und injiziert der Bewusstlosen Heroin. „Das Auge“ überwältigt den Junkie und rettet Joanna – aber statt ihm dankbar zu sein, flieht sie trotz ihres Zustands mit seinem Wagen.

Mit Hilfe seiner in ihn verliebten Kollegin Hilary (K. D. Lang) findet „das Auge“ sie in einem Krankenhaus in Chicago wieder: Sie war schwanger und musste wegen einer Fehlgeburt behandelt werden. „Das Auge“ steckt der Schlafenden den Ehering, den seine Frau ihm damals zurückgelassen hatte, an den Finger.

Nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus versucht sie herauszufinden, wer ihr „Schutzengel“ ist. Kurz bevor sie ihn entdeckt, wird sie auf der Straße von drei Streifenwagen eingekreist. Um ihre Verhaftung zu verhindern, schießt „das Auge“ auf die Beamten und riskiert dabei sein Leben. Beiden gelingt, getrennt von einander, die Flucht.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

In einem billigen Restaurant in Alaska findet „das Auge“ Joanna wieder: Sie arbeitet dort als Serviererin. Als er zwei Kriminalbeamte bemerkt, die offenbar hinter der Serienmörderin her sind, spricht er Joanna an und warnt sie, aber sie tut so, als verstehe sie ihn nicht. Einige Zeit später tauchen die beiden Beamten erneut auf, diesmal mit der Psychiaterin Dr. Jeanne Brault (Genevieve Bujold), die Joanna während eines früheren Gefängnisaufenthaltes betreut hatte und sie offenbar identifizieren soll. Erneut verhilft „das Auge“ ihr zur Flucht. Er bringt sie in sein Zelt. „Ich bin nur ein Vater, der seine kleine Tochter verloren hat“, sagt er zu ihr, „und ich glaube, Sie sind ein kleines Mädchen, das seinen Vater verloren hat.“ Ostentativ legt er seine Autoschlüssel auf den Tisch. Wie befürchtet, schießt sie mit seiner Pistole auf ihn; er bricht zusammen, und sie rast mit seinem Wagen auf der tief verschneiten Straße los. „Das Auge“ hatte die Waffe mit Platzpatronen geladen und die Verletzung markiert. Er folgt ihr auf einem Motorrad. Als er sie einholt, neben ihr herfährt und ihr die Hand reicht, streckt sie den Arm aus dem Fenster, wird dadurch jedoch abgelenkt und rast einen Abhang hinunter. Sie stirbt in seinen Armen.

nach oben

„Das Auge“ ist eine facettenreiche Mischung aus abgründigem Psychothriller, Roadmovie und grotesker Liebestragödie. Es ist die albtraumhafte Geschichte einer Obsession und eines Mannes, der die Welt vorwiegend auf dem Bildschirm seiner Überwachungsgeräte erlebt und beinahe nur noch in Tagträumen oder über sein Bildtelefon kommuniziert: Ein Geheimdienstagent, der das Scheitern seiner Ehe und den Verlust seiner Tochter nicht verkraftet, wird bei einer Observation auf eine attraktive Serienmörderin aufmerksam. Statt sie zu überführen und weitere Morde zu verhindern, folgt er ihr wie ein Schutzengel. In jeder Stadt kauft er eine Schneekugel für seine Tochter.

„Das Auge“ besticht durch die surreale Handlung, die elegant gestylten Bilder, die passende Musik und die schauspielerische Leistung vor allem von Ashley Judd und Ewan McGregor.

Bei „Das Auge“ von Stephan Elliott handelt es sich um eine Neuverfilmung des gleichnamigen Romans von Marc Behm (Übersetzung: Stephan Steeger, Piper Verlag, München / Zürich 1993, 218 Seiten, ISBN: 3-492-11732-5). Die erste Adaptation fürs Kino stammt von Claude Miller aus dem Jahr 1983: „Das Auge“ mit Michel Serrault, Isabelle Adjani.

Die Dreharbeiten für das Remake fanden vom 24. März bis 28. Mai 1998 in Montreal und Umgebung statt. Für die Kostüme war die „Oscar“-Preisträgerin Lizzie Gardiner zuständig. Die sechsundvierzig Kleider, in denen Ashley Judd nacheinander zu sehen ist, stammten von Valentino.

nach oben

Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004

Claude Miller: Das Auge

Stephan Elliott: Easy Virtue. Eine unmoralische Ehefrau

Andy Goldsworthy - Andy Goldsworthy
In acht (zum Teil leider nicht mehr lieferbaren) sehr schönen Fotobänden stellte Zweitausendeins Arbeiten des britischen Künstlers Andy Goldsworthy vor.


Andy Goldsworthy

Andy Goldsworthy

Andy Goldsworthy

Meine vor 18 Jahren selbstgestrickte Website wurde im Juli durch einen professionellen Neubau ersetzt. Aber das Informationsangebot bleibt kostenlos und werbefrei.

Alte Homepage: