Ladykillers

Ladykillers

Ladykillers

Ladykillers – Originaltitel: The Ladykillers – Regie: Ethan und Joel Coen – Drehbuch: Ethan und Joel Coen nach dem Drehbuch "Ladykillers" von William Rose – Kamera: Roger Deakins – Schnitt: Ethan und Joel Coen alias Roderick Jaynes – Darsteller: Tom Hanks, Irma P. Hall, Marlon Wayans, J. K. Simmons, Tzi Ma, Ryan Hurst, Diane Delano, George Wallace, John McConnell, Jason Weaver, Stephen Root u.a. – 2004; 105 Minuten

Inhaltsangabe

Bei der frommen afroamerikanischen Witwe Marva Munson mietet sich ein Fremder ein, der sich als Philologie-Professor und Renaissance-Musikliebhaber ausgibt, damit sie ihm und seinen Freunden den Keller als Übungsraum zur Verfügung stellt. Bei den angeblichen Musikern handelt es sich jedoch um Ganoven, die einen Tunnel graben und das nahe Casino ausrauben wollen. Der Coup gelingt. Aber Mrs Munson ertappt die Verbrecher mit der Beute und droht, sie dem Sheriff zu melden ...
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Kritik

Bei dieser Komödie von Ethan und Joel Coen handelt es sich um ein nostalgisches Remake des Klassikers "Ladykillers" aus dem Jahr 1955. Die skurrilen Figuren sind Karikaturen, und die Handlung besteht aus Klamauk. Darin funkeln allerdings einige originelle Gags.
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Sheriff Wyner (George Wallace) und sein Deputy (John McConnell) sind für die Ordnung in einer Kleinstadt in Mississippi zuständig. Die meiste Zeit hängen sie in ihrem Büro herum, und Spinnweben an der Gefängniszelle lassen vermuten, dass sie schon lange keinen Delinquenten mehr eingesperrt haben. Vor dem Eingang hängt ein Plakat mit dem Aufruf: „Re-elect Sheriff Wyner, because he is too old to go to work.“

Die afroamerikanische Witwe Marva Munson (Irma P. Hall) stört die Ruhe der beiden Gesetzeshüter und beschwert sich über die zu laute „Hippity-Hop-Musik“ eines jungen Nachbarn.

Kurz darauf meldet sich ein Fremder (Tom Hanks) bei der Lady und mietet das in ihrem Haus angebotene Zimmer. „Professor Dr. phil. Goldthwait Higginson Dorr“, stellt er sich vor. Er sei Altphilologe, sagt er, und habe an der Sorbonne in Paris studiert. Das beeindruckt Mrs Munson nicht; sie kennt nur die Bibelschule der Bob Jones University in Greenville/South Carolina, der sie jeden Monat fünf Dollar spendet. Die fromme alte Dame, deren Ehemann vor 20 Jahren starb, nimmt regelmäßig an den Gospel-Messen in der Kirche teil. Dort ruft der Prediger (George Anthony Bell) dazu auf, Abtrünnige zu zerschmettern. Mrs Munson wundert sich darüber, dass ihr neuer Mieter andere Bücher als die Bibel liest, und als er das Gedicht „To Helen“ von Edgar Allan Poe rezitiert, fragt sie misstrauisch, ob mit Helen etwa die Hure von Babylon gemeint sei.

Der selbst ernannte Professor toter Sprachen gibt vor, sich mit ein paar Freunden der Renaissance– und Rokoko-Musik verschrieben zu haben und erreicht, dass ihm die Hausherrin den Keller als Übungsraum zur Verfügung stellt. Die angeblichen Musiker fahren mit einem Leichenwagen vor und packen ihre Instrumente aus. Bald darauf hört Mrs Munson Musik aus dem Keller. Dass sie von einem Kassettenrekorder abgespielt wird, ahnt sie nicht, obwohl es ein Streichquintett von Luigi Boccherini ist und die Herren mit Ausnahme einer Violine nur über Blas- und Zupfinstrumente verfügen. Bei dem falschen Professor und seinen Freunden handelt es sich in Wirklichkeit nicht um eine Gruppe von Musikern, sondern um eine kriminelle Bande, die beabsichtigt, das nahe New Orleans Riverboat Casino auszurauben.

Zu diesem Zweck graben Garth Pancake (J. K. Simmons), Lump Hudson (Ryan Hurst) und der nur mit „General“ angesprochene indochinesische Besitzer eines Donut-Ladens (Tzi Ma) einen Tunnel von Mrs Munsons Keller zum Tresorraum des Kasinos, in dem der ebenfalls zur Bande gehörende junge Schwarze Gawain MacSam (Marlon Wayans) als Reinigungskraft jobbt.

Der Tunnelbau geht rasch voran, denn das Schwemmland ist weich. Als die Männer auf einen Felsen stoßen, schenkt der Professor der Hausherrin und ihrer Freundin Rosalie Funthes (Baadja-Lyne Odums) Karten für ein Gospel-Konzert. Während Mrs Munsons Abwesenheit soll der Fels gesprengt werden. Garth Pancake will seinen Kumpanen im Keller demonstrieren, dass die einzelnen Komponenten des von seiner Freundin Mountain Girl (Diane Delano) beschafften Sprengstoffs ungefährlich seien. Dabei löst er jedoch eine Detonation aus und verliert den Zeigefinger seiner rechten Hand, den Mrs Munsons Kater Pickles sogleich versteckt.

Tatsächlich gelangen die Räuber unbemerkt in den Tresorraum. Nachdem sie 1,6 Millionen Dollar in Müllsäcken durch den Tunnel in Mrs Munsons Keller getragen haben, mauert Gawain die aufgebrochene Wand des Tresorraums wieder zu. Auf die vorgesehene Sprengung des Tunnels warten die Gangster allerdings vergeblich. Garth krabbelt noch einmal hinein und repariert den bei 14 Sekunden blockierten Zeitzünder.

Nach dem Knall schaut Mrs Munson in den Keller und sieht dort Banknoten durch die Luft wirbeln. Der Professor erzählt ihr zunächst, das Geld gehöre Garth Pancake, der keiner Bank vertraue, aber die alte Dame glaubt ihm nicht, und es bleibt ihm nichts anderes übrig, als ihr die Wahrheit anzuvertrauen, allerdings mit dem Angebot eines Anteils an der Beute und der Zusage, die Hälfte davon der Bob Jones University zu spenden. Die Baptistin will den Pfad der Tugend nicht verlassen. Statt das Angebot anzunehmen, fordert sie den falschen Professor auf, das Geld zurückzugeben und sie am Sonntag in die Kirche zu begleiten. Andernfalls, droht sie, werde sie alles dem Sheriff berichten.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Daraufhin beschließt die Bande, die Lady zu ermorden.

Wer soll der Killer sein? Das Los fällt auf Gawain MacSam. Der schleicht sich mit einem Revolver nach oben, doch als er Mrs Munson im Schaukelstuhl sitzen sieht, erinnert ihn der Anblick an seine Mutter (Paula Martin), und er bringt es nicht fertig, sie zu erschießen. Zurück im Keller, gerät er zum wiederholten Mal mit Garth Pancake in Streit. Bei dem Gerangel der beiden löst sich ungewollt ein Schuss – und tötet Gawain. Während Dorr die Lady ablenkt, schaffen die anderen den Müllsack mit der Leiche ins Auto. Sie fahren damit zu einer Brücke und werfen den Sack unbemerkt auf einen der Lastkähne, die Müll zu einer der Flussmündung vorgelagerten Insel transportieren.

Im letzten Augenblick entdeckt Dorr, dass Garth Pancake das Haus mit der gesamten Beute verlassen hat. Der General läuft dem Verräter nach und erdrosselt ihn ebenso wie Mountain Girl, die hinter dem Lenkrad des Fluchtautos auf ihren Freund wartete. Die beiden Leichen werden ebenfalls von der Brücke auf den Müll geworfen.

In der Nacht schleicht sich der General zu Mrs Munsons Bett, um sie im Schlaf zu ermorden. In dem Augenblick, in dem er ihr die Drahtschlinge um den Hals legen will, springt die Kuckucksuhr auf. Der General erschrickt, flüchtet aus dem Zimmer, stolpert über den Kater Pickles und bricht sich auf der Treppe das Genick.

Nachdem die beiden letzten noch lebenden Gauner den toten General von der Brücke geworfen haben, fordert Dorr seinen Komplizen Lump Hudson auf, Mrs Munson zu töten. Der debile Football-Spieler ist allerdings nicht bereit, der alten Dame etwas anzutun, und als der Professor deshalb ankündigt, den Mord selbst zu übernehmen, will Lump ihn daran hindern und ihn erschießen. Aber der Mechanismus des Revolvers versagt. Lump schaut in den Lauf. Da löst sich ein Schuss, trifft ihn zwischen den Augen und schleudert ihn über das Brückengeländer.

Dorr freut sich darüber, dass er nun allein über die gesamte Beute verfügt. In diesem Augenblick fliegt ein auf der gotischen Brückenverzierung sitzender Rabe auf. Dadurch löst sich der Kopf des Wasserspeiers, und die Steinfigur erschlägt Dorr. Er kippt über das Geländer, bleibt noch eine Weile mit dem Mantel an einem Vorsprung hängen und fällt dann ebenso wie die anderen Toten vor ihm in den von einem Lastkahn transportierten Müll.

Am nächsten Morgen stellt Mrs Munson fest, dass sie allein im Haus ist und Banknotenbündel auf einem Tisch im Keller aufgeschichtet sind. Sie geht zu Sheriff Wyner und seinem Deputy. Die beiden Gesetzeshüter, die den spektakulären Raub im New Orleans Riverboat Casino aufklären sollen, haben keine Zeit, sich auf die alte Lady einzulassen, die sie für verrückt halten, als sie behauptet, die gesamte Beute könne bei ihr im Keller abgeholt werden. Um sie loszuwerden, raten sie ihr, das Geld zu behalten, und Marva Munson beschließt, es der Bob Jones University zu spenden.

Als die ihre Haustüre öffnet, entweicht wieder einmal der Kater Pickles. Mit Garth Pancakes Finger im Maul rennt er zur Brücke und lässt ihn dort durchs Geländer auf ein Müllschiff fallen.

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Beim nostalgischen Remake des Klassikers „Ladykillers“ von Alexander Mackendrick aus dem Jahr 1955 verlegen Ethan und Joel Coen die Handlung vom Nachkriegs-London in eine Kleinstadt in Mississippi und machen aus der schüchternen Engländerin Mrs Wilberforce die resolute afroamerikanische Matrone Marva Munson.

Ladykillers – Originaltitel: The Ladykillers – Regie: Alexander Mackendrick – Drehbuch: William Rose, Jimmy O’Connor – Kamera: Otto Heller – Schnitt: Jack Harris – Musik: Tristram Cary – Darsteller: Katie Johnson, Alec Guinness, Cecil Parker, Herbert Lom, Peter Sellers, Danny Green, Jack Warner, Philip Stainton, Frankie Howerd u.a. – 1955; 95 Minuten

Hätte „Ladykillers“ eine Botschaft, dann wäre es die, dass Sünder auf den Müll gehören. Aber den Coen-Brüdern geht es in „Ladykillers“ wohl nur um Spaß. Bei den skurrilen Figuren handelt es sich nicht um Charaktere, sondern um Karikaturen, und die alberne Handlung ist weniger wichtig als der Klamauk. Allerdings funkeln darin einige originelle Gags.

Beispielsweise hängt bei Marva Munson ein Porträt ihres verstorbenen Ehemanns an der Wand. Das Gemälde ist des Öfteren zu sehen, und von Mal zu Mal hat sich die Mimik des Porträtierten verändert. Umwerfend ist eine nur lose mit der Handlung verknüpfte Episode, in der ein Werbespot mit einem Hund gedreht wird, der unter einer alten Gasmaske zu ersticken droht.

Zu den gelungenen Gags in „Ladykillers“ von Ethan und Joel Coen zählen auch zwei Szenen mit dem jungen Afroamerikaner Gawain MacSam. Einmal versucht Garth Pancake ihn zu beeindrucken, indem er von seinem Engagement in der Bürgerrechtsbewegung berichtet. Der Schwarze tut das mit dem Hinweis ab, dass er ohnehin nicht wählen gehe. Als Gawain von seinem weißen Boss Fernand Gudge (Stephen Root) im Casino entlassen wird, droht er mit einer Klage wegen Diskriminierung. Gudge sieht das gelassen, denn er hat nicht vor, einen Weißen als Ersatz einzustellen: die Drecksarbeit haben immer schon Schwarze erledigt.

Durchdacht ist auch das Bild der Brücke über den Fluss, vor dessen Mündung eine aus Müll bestehende Insel liegt. Wir sehen immer nur die Mitte der Brücke, nicht aber, von wo nach wo sie führt.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2015

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