Silvio Blatter : Die Schneefalle

Die Schneefalle

Silvio Blatter

Die Schneefalle

Die Schneefalle Originalausgabe: Benziger Verlag, Zürich / Köln 1981
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Nach einem Banküberfall in Zürich fahndet die Schweizer Polizei, unterstützt von Spezialisten des Bundeskriminalamts aus Wiesbaden, nach einer deutschen Terroristin und ihrem Begleiter. Ein unbeteiligtes Paar in einer einsamen Berghütte gerät unversehens ins Visier der Fahnder.
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Kritik

Nüchtern, sachlich und emotionslos schildert Silvio Blatter in "Die Schneefalle", wie Unbeteiligte durch den Terrorismus der RAF und die Reaktion aufgeschreckter Bürger bzw. gestresster Polizeibeamter in tödliche Gefahr geraten konnten.
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Der Schweizer Kantonspolizist Paul Walker angelt gern und träumt von Kanada. Schreibtischtätigkeiten liegen ihm nicht; er bevorzugt Einsätze im Freien. Seine auf dem Land aufgewachsene Frau Regula fühlt sich in Zürich nicht wohl, doch Walker sieht sich durch seinen Beruf gezwungen, in der Stadt zu wohnen. Ihre Tochter Vreni ist elf Jahre alt.

Jansen arbeitet für das Bundeskriminalamt in Wiesbaden. Seit seiner Scheidung lebt er allein in der hessischen Hauptstadt, aber er nutzt jede Gelegenheit, an die Nordsee zu fahren, übers Watt zu wanden und Vögel zu beobachten.

Kurz vor Weihnachten überfallen drei deutsche Terroristen eine Bank in Zürich. Der Polizeibeamte Amberg und einer der Täter, der als „Rotschopf“ bekannt ist, verlieren bei dem Schusswechsel ihr Leben. Die Terroristin Anna Schnell entkommt mit einem Komplizen, bei dem es sich vermutlich um Enzo Covi handelt.

Gleich darauf wird vor dem Café Schober in Zürich eine Frau erschossen. Ihr Begleiter sagt aus, ein Fremder sei auf sie zugekommen und habe um Feuer gebeten. Aus der Nähe identifizierte er ihn als den gesuchten Terroristen. Der merkte sofort, dass er erkannt worden war und zog einen Revolver aus der Tasche. Der Zeuge warf sich auf ihn, und bei dem Handgemenge löste sich der Schuss, der seine Begleiterin ins Herz traf. Der Täter flüchtete. Eine Bedienung des Cafés bestätigt, dass eine junge Frau unter den Gästen gewesen war, bei der es sich dem Foto nach um Anna Schnell gehandelt haben könnte. Möglicherweise wollte sie sich dort mit ihrem Komplizen treffen.

Walker wird bei seinen Ermittlungen von drei deutschen Spezialisten unterstützt: Jansen, Becker und Hoffmann.

Um 4 Uhr morgens winkt ein übermüdeter Polizeibeamter einen Golf zu einer Verkehrskontrolle heraus, aber der Fahrer bremst nicht ab und rast an ihm vorbei. Ein Nagelband zerfetzt seine Reifen. Der Kollege beschießt das Auto mit einer Maschinenpistole. Ein Mieter in einem benachbarten Wohnblock schreckt aus dem Schlaf, als sein Panoramafenster durch Schüsse zersplittert. Der Golf kommt quietschend zum Stehen. Am Steuer sitzt unverletzt ein Auszubildender, der den Wagen am Abend seinem Vater aus der Garage geklaut hatte und ihn jetzt unbemerkt zurückbringen wollte. Durch die Verkehrskontrolle war er in Panik geraten.

Dem Nachtportier eines Hotels kommen drei deutsche Gäste verdächtig vor, die um Mitternacht von einem Wagen abgeholt wurden und bei ihrer Rückkehr um 3 Uhr weder nach Rauch noch nach Alkohol rochen. Frühmorgens werden die Männer von Schweizer Polizisten aus dem Schlaf gerissen, aber es stellt sich rasch heraus, dass es sich um Kollegen handelt, die hinter den entkommenen Terroristen herjagen.

Zwei deutsche Studenten, beide Mitte zwanzig, quartieren sich in einem billigen Hotel in Zürich ein. Dem Inhaber fällt auf, dass sie einen teuren Mercedes fahren. Als seine Frau beim Aufräumen des Zimmers im Papierkorb einen deutschen Reisepass findet, verständigt er die Polizei. Der Wagen ist auf eine Frau mit anderem Namen zugelassen, also vermutlich gestohlen. Die beiden jungen Männer essen gerade im „Grütli“ Rindsleber mit Rösti, als die Polizei das Restaurant stürmt. Sie werden in Handschellen abgeführt. Einer der Studenten hat im Hotelzimmer Ansichtskarten geschrieben und deshalb Zeitungen und Bücher auf die Seite geschoben. Da müsse der fremde Pass unbemerkt in den Papierkorb gefallen sein, meint er. Der Mercedes gehört seiner Mutter, die seit ihrer Scheidung wieder ihren Mädchennamen trägt. Was wäre gewesen, fragt sich ein Gast, der bei dem Polizeieinsatz im „Grütli“ saß, wenn es sich bei den Gesuchten tatsächlich um Terroristen gehandelt hätte und es zu einem Schusswechsel gekommen wäre.

Der fünfundzwanzigjährige deutsche Medizinstudent Ralf fährt in die Schweiz, um mit seiner Freundin, der zwei Jahre jüngeren Lehrerin Priska, Weihnachten in den Bergen zu verbringen. Als er das Fahndungsfoto von Anna Schnell in der Zeitung sieht, fällt ihm auf, dass sie Priska ähnlich sieht. Um 5 Uhr morgens fahren Ralf und Priska los, denn sie wollen um 7 Uhr von Rinoll aus zur Rosana-Hütte aufsteigen. Das Auto parken sie ein Stück vor dem Dorf und nehmen für das letzte Stück den Postbus, damit der Besitzer der Hütte nicht aufgrund des deutschen Nummernschilds Verdacht schöpft und nachsieht, ob jemand in der Hütte übernachtet. Das Paar möchte nämlich ungestört sein.

In einem im Bahnhof unterhalb von Rinoll abgestellten Waggon des Frühzugs aus Zürich findet ein Mann eine leere Kuchenschachtel aus dem Café Schober. Er hat natürlich von der Schießerei vor dem Café erfahren und geht mit dem Beweisstück zur Zeitung. Die Polizei weiß, dass Anna Schnell Kuchen und andere Süßigkeiten schätzt und vor allem in depressiven Phasen viel davon isst. Walker nimmt an, dass sie von Rinoll aus über den Piz Rosei nach Italien will. Da sie früher viel in den Alpen gewesen war, könnte sie es schaffen. Ein Busfahrer sagt aus, er habe am frühen Morgen eine junge Frau in Begleitung eines Manns unter den Fahrgästen bemerkt, die so aussah wie die gesuchte Terroristin.

Starker Schneefall setzt ein. Wenn das Paar zur Rosana-Hütte aufgestiegen ist, kommt es jetzt nicht mehr weiter. Eine Hundertschaft Polizeibeamter wird in Rinoll zusammengezogen. Jansen und Walker machen sich mit einem Bergführer auf den Weg zur Hütte, um nachzusehen. Einen Hubschrauber wollen sie nicht einsetzen, denn die Terroristen sollen sich bis zur letzten Sekunde in Sicherheit wähnen und überrascht werden.

Tatsächlich brennt Licht in der Hütte. In sicherer Entfernung bauen die drei Männer ein Zelt auf. Während Jansen und Walker dort bleiben, fährt der Bergführer auf seinen Skiern trotz der Dunkelheit ins Dorf hinunter, um die Hundertschaft zu alarmieren, die noch in der Nacht mit einem zweiten Bergführer heraufkommt.

Im Morgengrauen hat die Polizei die Hütte umstellt. MG-Nester sind eingerichtet. Über ein Megaphon fordert Walker das Paar in der Hütte auf, in Unterwäsche und mit erhobenen Händen herauszukommen. Die beiden leisten keinen Widerstand, als man ihnen Handschellen anlegt. Mit einem angeforderten Hubschrauber werden sie ins Tal geflogen.

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Silvio Blatter hat den Roman Heinrich Böll gewidmet, und beim Lesen denkt man sofort an „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“.

Nüchtern, sachlich und emotionslos schildert Silvio Blatter, wie ein ahnungsloser Polizist und eine Passantin, die in Zürich zufällig auf einen deutschen Terroristen [RAF] treffen, ums Leben kommen. Genauso unpolemisch zeigt er aber auch, dass Unbeteiligte durch Hinweise aufgeschreckter Bürger oder gestresste Polizeibeamte in tödliche Gefahr geraten können. Lösungen hat Silvio Blatter nicht anzubieten, aber sein Roman macht nachdenklich.

Obwohl er viele Figuren in die Handlung einbezieht und häufig zwischen den Erzählsträngen wechselt, bleibt der Ablauf leicht überschaubar.

An dieser Stelle […] wäre es möglich, dass jemand sich fragte, wer denn eigentlich erzählt, und ob derjenige, der so redet, als sei er überall und immer dabei gewesen, als wisse und vernehme er alles, nicht einmal seinen Namen nennen sollte. Man muss sich vertrösten lassen. Der hier als Erzähler agiert, möchte unauffindbar bleiben, anonym. (Seite 77)

Silvio Blatter wurde 1946 in Bremgarten in der Schweiz geboren. Nachdem er sechs Jahre lang Grundschullehrer gewesen war, arbeitete er einige Monate als Arbeiter in einer Maschinenfabrik. Ein Germanistikstudium, das er mit sechsundzwanzig begonnen hatte, brach er vorzeitig ab, um bei Radio Zürich Regisseur zu werden. Seit 1976 lebt er als freier Schriftsteller in Zürich.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004
Textauszüge: © Benziger Verlag

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