Kontroll

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Kontroll

Originaltitel: Kontroll - Regie: Nimród Antal - Drehbuch: Jim Adler, Nimród Antal - Kamera: Gyula Pados - Schnitt: István Király - Musik: Neo - Darsteller: Sándor Csányi, Zoltán Mucsi, Csaba Pindroch, Sándor Badár, Zsolt Nagy, Bence Mátyási, Gyözö Szabó, Eszter Balla u.a. - 2003; 105 Minuten

Inhaltsangabe

Bulcsú war früher Architekt, aber er hielt den Leistungsdruck nicht aus und zog sich in die unterirdische Welt der U-Bahn zurück, wo er die Sisyphus-Arbeit eines Kontrolleurs verrichtet und auch schläft. Tageslicht sah er schon lange nicht mehr. Nicht nur renitente Schwarzfahrer, sondern auch ehrgeizige, konkurrierende Kontrolleure machen ihm und seinem Team zu schaffen. Doch als er einem im Bärenkostüm schwarzfahrenden Mädchen begegnet, kommt in seinem perspektivlosen Dasein wieder Hoffnung auf ...
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Kritik

"Kontroll" ist eine individuelle, skurrile, einfallsreiche Mischung aus Groteske, Komödie, Drama, Thriller, Action, Melodram, Horror und Fantasy. Aus kontrastreichen Sequenzen hat Nimród Antal eine Einheit in einem ganz neuen Stil zusammengefügt.
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Bulcsú (Sándor Csány) ist der Chef eines Teams von U-Bahn-Kontrolleuren, zu dem außer ihm noch vier Männer gehören: der erfahrene „Professor“ (Zoltán Mucsi), das Großmaul Lecsó (Sándor Badár), der unbedarfte Neuling Tibi (Zsolt Nagy) und Muki (Csaba Pindroch), der an Narkolepsie leidet und schlagartig einschläft, wenn er sich aufregt. Seit langer Zeit hat Bulcsú kein Tageslicht mehr gesehen, denn er ist obdachlos und schläft nachts auf U-Bahnhöfen. Einmal trifft Bulcsú bei der Arbeit zufällig einen früheren Kollegen. Aus dem Gespräch erfahren wir, dass er Architekt war und eine viel versprechende Karriere vor sich hatte, aber den Leistungsdruck nicht aushielt und deshalb kündigte. Die „Unterwelt“ des U-Bahn-Netzes wählte er als Exil. Offenbar ist seine Ruhe weniger ein Zeichen von Selbstsicherheit, als von Rückzug und Selbstaufgabe.

Mit roten Armbinden an ihren schmuddeligen Klamotten weisen die Kontrolleure sich bei ihrer Sisyphusarbeit im Nahkampf gegen die Schwarzfahrer aus, die keinen Respekt vor ihnen haben, sondern sie verspotten, arrogant zur Seite stoßen, mit einem Hund erschrecken, sich mit ihnen prügeln. Ein junger, notorischer Schwarzfahrer namens Bootsie (Bence Mátyási) sprüht dem Kontrolleur Rasierschaum ins Gesicht, um zu entkommen. Und ein selbstherrlicher Zuhälter ohne Fahrschein bietet dem Kontrolleur eine schnelle Nummer mit einem der Mädchen an, die er bei sich hat.

Nicht nur renitente Schwarzfahrer aus allen Gesellschaftsschichten haben Bulcsú, der „Professor“, Muki, Lecsó und Tibi gegen sich, sondern auch eine andere, ehrgeizige Gruppe von Kontrolleuren, die sich als Konkurrenten verstehen. Deren Chef Gonzo (Balázs Lázár) fordert Bulcsú zum „Schienenlaufen“ heraus, aber als dieser sich ungerührt darauf einlässt, bekommt er es mit der Angst zu tun. Die beiden Männer warten, bis ein U-Bahn-Zug den Bahnhof verlassen hat und rennen dann hinterher. Es gibt kein Entkommen: Wer den nächsten Bahnhof nicht vor dem nächsten Zug erreicht, ist tot. Bulcsú schafft es, aber der einfahrende Zug droht Gonzo an der Bahnsteigkante zu zerquetschen. Im letzten Augenblick reißt der Sieger ihn herauf.

Bulcsú, dessen Gesicht immer stärker blutverschmiert ist, unterhält nur eine einzige lockere persönliche Beziehung, und zwar mit „Onkel“ Béla (Lajos Kovács), der früher als Lokführer arbeitete, aber einen Unfall verursachte und seither als U-Bahn-Fahrer unter der Erde haust wie Bulcsú. Im Führerstand seiner Bahn brennen zwei Grablichter. Seine Tochter Szofi (Eszter Balla) bringt ihm regelmäßig belegte Brote. Als sie ihn fragt, ob sie verrückt sei, meint er: „Gott sei Dank.“ Szofi trägt ein rosafarbenes Bärenkostüm und verbringt ihre Tage damit, schwarz mit der U-Bahn herumzufahren.

Eines Tages fällt sie Bulcsú bei einer Kontrolle auf, aber er unternimmt nichts gegen sie. Sie begegnen sich wieder und verlieben sich zaghaft. Einmal lädt Szofi den Kontrolleur in ein Café ein, aber er wagt sich nicht aus dem Tunnel und spendiert ihr deshalb stattdessen einen Becher Kaffee von einem Automaten im U-Bahnhof. Durch die sich anbahnende Liebe kommt in seinem freud- und perspektivlosen Dasein wieder Hoffnung auf.

Da schlägt direkt neben ihm ein seit Wochen gesuchter Serienkiller zu, der wartende Fahrgäste vor einfahrende U-Bahn-Züge stößt. Bulcsú ist wie gelähmt. Statt den Mörder zu verfolgen, bleibt er mit geschlossenen Augen stehen, bis dieser fort ist. Weil die Aufnahme einer Überwachungskamera zeigt, dass Bulcsú am Tatort war und nichts unternahm, wird er selbst als Mörder verdächtigt. Schließlich kommt es zum Showdown zwischen dem Kontrolleur und dem Bösen: Bulcsú bringt den Mörder dazu, ihm über die Schienen in einem Tunnel nachzurennen. Während er sich im nächsten Bahnhof vor dem einfahrenden Zug auf den Bahnsteig retten kann, taucht sein Verfolger nicht mehr auf.

Danach fährt Bulcsú mit Szofi, die ihr Bären- mit einem Engelskostüm vertauscht hat, über die lange Rolltreppe hinauf zum Licht.

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Zu Beginn folgen wir einer betrunkenen Frau (Enikö Eszenyi), die auf der Rolltreppe zur U-Bahn hinunterfährt, dabei eine Flasche Sekt öffnet und daraus trinkt. Allein wartet sie auf die nächste U-Bahn. Als der Zug einfährt, stößt jemand sie von hinten. Danach steht nur noch einer ihrer roten Schuhe auf dem Bahnsteig.

Der in den USA aufgewachsene, in Ungarn ausgebildete Regisseur Nimród Antal nimmt uns in seinem Debütfilm „Kontroll“ mit in den bizarren, albtraumhaften Mikrokosmos eines U-Bahn-Netzes. (Es handelt sich um die Metro in Budapest, aber der Film könnte auch in jedem anderen U-Bahn-Netz der Welt spielen.)

„Kontroll“ ist eine individuelle, skurrile, einfallsreiche Mischung aus Groteske, Komödie, Drama, Thriller, Action, Melodram, Horror und Fantasy. Der lässig-zynische Umgang mit Gewalt erinnert an Quentin Tarantino (z. B.: „Pulp Fiction“), die Parallelwelten-Mystik an David Lynch (z. B.: „Mulholland Drive“). Einige Szenen wirken, als stammten sie aus einer Dokumentation (wie z. B. „Metro Paris“ von Hanno Brühl). Damit kontrastieren einfühlsame Passagen, die wiederum von makabren abgelöst werden, etwa wenn sich die Sanitäter, die an der Unterseite eines U-Bahn-Zuges nach den Überresten eines zerfetzten Opfers suchen, über ein Gulasch-Rezept unterhalten („die Zwiebeln klein hacken“). Realistische wechseln sich mit surrealen Momenten ab, lakonische mit irrwitzigen. Was als Nächstes kommt, ist kaum vorherzusehen. Aber aus den kontrastreichen Sequenzen hat Nimród Antal ein sehenswertes Gesamtbild zusammengefügt. Sein Film verfügt nicht nur über eine besondere Atmosphäre, sondern zeichnet sich auch durch einen ganz neuen Stil aus.

Eine Hochglanz-Ästhetik hätte nicht zu den authentischen Kulissen gepasst; die Filmemacher wählten denn auch für „Kontroll“ einen eher schlampigen, schmutzigen Look. Aber die Kamerafahrten und -perspektiven sind präzise und kunstvoll. Atempausen gibt es in dem rasanten, hastigen Film nur hin und wieder. Der Soundtrack, der sich nicht in den Vordergrund drängt, passt perfekt dazu. Last but not least überzeugt die Leistung der Schauspieler, von denen einige so echt wie Laiendarsteller wirken.

Gedreht wurde in der U-Bahn von Budapest, und zwar jeweils in der von Mitternacht bis 4.30 Uhr dauernden Betriebspause. Aba Botond, der Generaldirektor der Budapester Verkehrsbetriebe, der dazu die Drehgenehmigung erteilt hatte, verliest im Vorspann eine Erklärung, in der er darauf hinweist, dass der Film nicht dokumentarisch, sondern symbolisch zu verstehen ist.

Bei den Filmfestspielen in Cannes wurde „Kontroll“ mit dem Jugendpreis ausgezeichnet.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2006

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