Morten Tyldum: Jo Nesbøs Headhunters
mit Aksel Hennie, Synnøve Macody Lund, Nikolaj Coster-Waldau u. a.
      Kritik:
Bei der Verfilmung von Jo Nesbøs Romans "Headhunter" konnte Morten Tyldum sich stilistisch nicht entscheiden. Was sich wie eine Gauner­komödie anlässt, mutiert zum grotesken Action-Kino mit Splat­ter-Elementen, und die Wen­dun­gen werden immer abstruser. Kritik, Filmkritik, Rezension, Filmbesprechung
 

Headhunters

 
  Inhalt:
Der erfolgreiche, aber von Minder­wertig­keits­komplexen geplagte norwegische Headhunter Roger Brown versucht, seine attraktive, einen halben Kopf größere Ehefrau Diana durch viel Luxus an sich zu binden. Dazu muss er allerdings sein Einkommen durch den einen oder anderen Kunstraub aufbessern. Als er hört, dass ein niederländischer Bewerber einen echten Rubens besitze, glaubt er, seine finanzielle Situation schlagartig verbessern zu können. Doch er ahnt nicht, worauf er sich da einlässt ... Handlung, Inhalt, Inhaltsangabe, Zusammenfassung

Jo Nesbøs Headhunters – Originaltitel: Hodejegerne – Regie: Morten Tyldum – Drehbuch: Ulf Ryberg, Lars Gudmestad, nach dem Roman "Headhunter" von Jo Nesbø – Kamera: John Andreas Andersen – Schnitt: Vidar Flataukan – Musik: Trond Bjerknæs, Jeppe Kaas – Darsteller: Aksel Hennie, Synnøve Macody Lund, Nikolaj Coster-Waldau, Eivind Sander, Julie R. Ølgaard, Kyrre Haugen Sydness, Reidar Sørensen u.a. – 2011; 100 Minuten

   


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Morten Tyldum: Jo Nesbøs Headhunters

Inhaltsangabe:

Der erfolgreiche norwegische Headhunter Roger Brown (Aksel Hennie) bewohnt mit seiner Ehefrau Diana (Synnøve Macody Lund) eine architektonisch anspruchsvolle und Millionen teure Villa außerhalb von Oslo. Weil der 35-Jährige einen halben Kopf kleiner als seine attraktive Frau ist, leidet er unter der ständigen Angst, sie könne sich von ihm trennen. Indem er ihr ein luxuriöses Leben ermöglicht, versucht er, sie an sich zu binden. Diana ahnt nicht, dass er das alles nicht von seinen Einnahmen als Headhunter bezahlen könnte. Um nicht von seinen Schulden erdrückt zu werden, raubt Roger Kunstwerke. Dabei arbeitet er mit Ove Kjikerud (Eivind Sander) zusammen, den er bei einem Sicherheitsunternehmen in Oslo eingeschleust hat. Ove schaltet nicht nur während der Einbrüche die Alarmanlagen ab, sondern verhökert auch die Beute an einen Hehler.

Als der Bewerber Jeremias Lander (Kyrre Haugen Sydness) während des Vorstellungsgesprächs von einer echten Munch-Lithografie erzählt, die er besitzt, arrangiert Roger einen Gesprächstermin für ihn bei seinem Auftraggeber und nutzt diese Zeit, um mit Hilfe Oves in Landers Haus einzubrechen und die echte Lithografie gegen eine Kopie zu vertauschen. Allerdings reicht das von Ove dafür erzielte Geld nicht aus, um Rogers Schulden auf ein erträgliches Maß zu reduzieren.

Obwohl Roger es sich eigentlich nicht leisten könnte, erfüllt er Diana einen Wunsch und finanziert ihr die Einrichtung einer Kunstgalerie. Bei der Eröffnung stellt sie ihm den gut aussehenden Niederländer Clas Greve (Nikolaj Coster-Waldau) vor. Er war CEO des Unternehmens HOTE in Amsterdam, das innovative Ortungsgeräte entwickelt und inzwischen von einem US-Konzern übernommen wurde. Clas erzählt, er habe seine Stellung aufgegeben, und als Roger ihm seine Vermittlung einer leitenden Position beim norwegischen Konkurrenten Pathfinder anbietet, zeigt er zunächst kein Interesse, verabredet sich jedoch mit ihm zum Essen in einem Restaurant und lässt sich dann doch zu einem Vorstellungsgespräch bei Pathfinder einladen.

Inzwischen hat Diana ihrem Mann erzählt, Clas Greve besitze einen echten Rubens im Wert von 100 Millionen Kronen. Das wertvolle Gemälde gilt als verschollen, seit es von den Nationalsozialisten geraubt worden war, aber Clas fand es im Nachlass seiner verstorbenen Großmutter und bat die Kunstexpertin Diana Brown, die Echtheit zu prüfen.

Als Clas dann ankündigt, er werde am nächsten Tag nach Amsterdam fliegen, will Roger die Gelegenheit für den Raub des Kunstwerks nutzen. Sein Komplize soll eine möglichst gute Kopie des Gemäldes besorgen. Das passt Ove Kjikerud gar nicht, denn er vergnügt sich gerade mit der russischen Prostituierten Natasja (Valentina Alexeeva). Dabei filmt er die nackte Frau heimlich mit einer Überwachungskamera, die er so eingebaut hat, dass sie nur einen bestimmten Bereich des Schlafzimmers aufnimmt, den er selbst meidet.

Wie geplant, vertauscht Roger den Rubens gegen die von Ove besorgte Kopie. Bevor er Clas Greves Wohnung verlässt, sieht er kleine Kinder auf der Straße spielen. Das bringt ihn auf die Idee, kurz seine Frau anzurufen. Nachdem er ihre Nummer gewählt hat, hört er ihr Handy klingeln – und findet es im zerwühlten Bett des Niederländers. Dass Diana ihn betrügt, ist ein schwerer Schlag für Roger.

Dabei hatte er selbst gerade erst eine Affäre. Als Lotte (Julie R. Ølgaard) jedoch mit ihm zusammen ausgehen wollte, statt ihn nur heimlich in ihrer Wohnung zu empfangen, wurde es ihm zu riskant, und er trennte sich von ihr. In einem Parkhaus lauert sie ihm auf, steigt zu ihm ins Auto und fleht ihn an, die Beziehung fortzusetzen. Roger fordert sie jedoch auf, den Wagen zu verlassen und lässt sie stehen.


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überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Als er am nächsten Morgen seine eigene Garage betritt, sitzt Ove Kjikerud leblos in Rogers Wagen. Eigentlich sollte der Komplize das gestohlene Gemälde wegbringen, aber das befindet sich auch noch im Fahrzeug. Augenscheinlich wurde er ermordet, als er ins Auto stieg. Nachdem Roger den Körper in den Kofferraum gehoben hat, findet er auf dem Fahrersitz eine Vorrichtung, mit der Ove offenbar Gift injiziert wurde, als er sich darauf setzte. Roger fährt zu einem Waldsee und wirft Ove hinein. Aber der ist nicht tot, sondern kommt im kalten Wasser wieder zu sich. Roger springt ihm nach, zieht ihn heraus und fährt mit ihm zu Oves Haus, wo er den noch immer Benommenen aufs Bett legt. Weil Ove annimmt, dass Roger ihn ermorden wollte, bedroht er ihn plötzlich mit einer automatischen Waffe. Roger erschießt ihn in Notwehr mit einer im Kühlschrank gefundenen Pistole.

Er lässt den Toten liegen. Als er das Haus verlässt, kommt Clas Greve auf ihn zu. Roger springt in Oves Auto und rast davon. Weil Clas ihn offenbar ortete, zieht Roger sich an einem Seeufer nackt aus und wirft alles weg, was er bei sich hat. Bücher von Dieter Wunderlich Dann zieht er frische Sachen an und fährt zu einer einsamen Hütte, die Ove gehörte. Den Schlüssel holt er sich von dem geldgierigen Bauern Sindre Aa (Baard Owe) auf einem Hof unterhalb der Hütte, in dessen Scheune er auch den Wagen gegen Bezahlung unterstellt. Während er gerade das geraubte Gemälde im Klohäuschen versteckt, sieht er Clas mit einem Pitbull kommen. Gerade noch rechtzeitig taucht er in der Sickergrube des Plumpsklos unter und atmet durch den Kartonkern einer leeren Toilettenpapierrolle. Dann rennt er durch den Wald zum Hof des Bauern. Der liegt tot auf dem Fußboden. In der Scheune wird Roger von dem Kampfhund angefallen und mehrmals gebissen, aber er überwältigt das Tier. Weil sein Auto nicht anspringt, flüchtet er mit dem Traktor des von Clas ermordeten Bauern.

Auf der Straße wird er von einem Auto eingeholt. Roger verliert die Kontrolle über sein Fahrzeug, gerät über den Straßenrand und stürzt aus dem Traktor.

Am nächsten Morgen kommt er in einem Krankenhaus zu sich. Vor seiner Tür sitzen zwei Polizisten. Roger versucht zu fliehen, wird jedoch festgenommen. Weil man das Auto in der Scheune des getöteten Bauern fand, hält man ihn für Ove Kjikerud und verdächtigt ihn, Sindre Aa ermordet zu haben. Auf dem Weg nach Oslo wird der Streifenwagen von einem gestohlenen Sattelschlepper gerammt. Die Polizisten kommen alle um. Roger überlebt, stellt sich jedoch tot, als Clas aus dem Lastwagen steigt und in das Wrack des Streifenwagens schaut.

Erst als Clas fort ist, klettert Roger ins Freie. Inzwischen erinnert er sich daran, dass HOTE ein Gel mit Nano-Peilsendern entwickelte, und er nimmt an, dass Diana ihm etwas davon ins Haar rieb, als sie sich am Morgen von ihm verabschiedete. Noch an der Unfallstelle rasiert Roger sich eine Glatze. Dann zieht er die Sachen eines toten Polizisten an, dessen Kopf zerquetscht ist, streift diesem seine Sachen über und hinterlässt bei ihm seine in einer leeren Erdnusstüte verpackten Haare.

Zuflucht sucht er bei Lotte. Aber in ihrer Wohnung entdeckt er einen HOTE-Kugelschreiber und er überrascht sie beim Schreiben einer SMS an Clas Greve. Zur Rede gestellt, gesteht sie, dass sie den Auftrag hatte, sich an ihn heranzumachen. Clas, der nach wie vor für HOTE arbeitet, wollte die norwegische Konkurrenzfirma ausspionieren. Um in Kontakt mit dem Headhunter zu kommen, begann er eine Affäre mit dessen Frau Diana. Als Roger dann jedoch trotz eines positiv verlaufenen Vorstellungsgespräches Clas' Anstellung bei Pathfinder vereitelte, verfolgte dieser ihn. Das angeblich echte Rubens-Gemälde war eine Falle. Lotte gibt auch zu, dass sie Roger das Ortungsgel ins Haar schmierte, als sie ihn im Parkhaus abpasste. Als sie ihn mit einem Küchenmesser von hinten angreift, erschießt Roger sie in Notwehr mit der Pistole, mit der er auch Ove tötete.

Am Abend, als Diana von der Galerie nach Hause kommt, steht Roger vor der Tür. Schulbewusst gesteht sie ihm die kurze und bereits beendete Affäre mit Clas Greve. Er berichtet ihr daraufhin, was passiert ist.

Am nächsten Morgen holt Roger die Erdnusstüte mit den abgeschnittenen Haaren aus der Leichenhalle des Krankenhauses und kehrt damit in das Haus seines Komplizen zurück, der noch immer tot auf dem Bett liegt. Nachdem Roger seine Spuren beseitigt hat, kommt Clas Greve mit einer Pistole in der Hand herein. Das Gel in den Haaren hat ihn angelockt. Ohne zu ahnen, dass er von Ove Kjikeruds Überwachungskamera gefilmt wird, schießt er auf Roger. Der bleibt jedoch unverletzt, weil Diana sich noch in der Nacht mit Clas traf und die Munition in dessen Waffe mit Platzpatronen vertauschte. Roger zieht Oves Maschinenpistole unter dem Laken hervor und tötet Clas.

Auf dem Video ist nur Clas Greve zu sehen. Bei der Untersuchung der Leichen stellt sich zwar heraus, dass Ove schon tagelang tot war, aber Kommissar Brede Sperre (Reidar Sørensen) unterschlägt die Information, um rasch wieder mit einem angeblich aufgeklärten Fall glänzen zu können. Auf einer Pressekonferenz behauptet er, bei Clas Greve und Ove Kjikerud habe es sich um Kunstdiebe gehandelt, die in Streit geraten seien und sich gegenseitig erschossen hätten.

Roger, der nun weiß, dass Diana ihn auch ohne Luxusleben liebt, gibt die kriminellen Machenschaften auf und erfüllt seiner Frau endlich den Kinderwunsch. Die freie Position bei Pathfinder vermittelt der Headhunter dem Bewerber Jeremias Lander.

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Filmkritik:

Morten Tyldum verfilmte Jo Nesbøs Roman "Headhunter" (Übersetzung: Günther Frauenlob, Ullstein Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-548-28045-5).

Der Film "Jo Nesbøs Headhunters" beginnt ruhig und unspektakulär. Es sieht so aus, als entwickele sich ein intelligentes Heist-Movie über einen raffinierten Kunstraub. Aber dann steigert sich das Tempo, und die vermeintliche Thriller-Komödie mutiert zum grotesken Actionkino mit Splatter-Elementen. Die Wendungen werden immer absurder.

Eiferte Morten Tyldum den Coen-Brüdern oder Quentin Tarantino ("Pulp Fiction") nach? Übertreibungen und unrealistische Szenen würden in einer Groteske nicht stören. Weil Morten Tyldum sich jedoch offenbar stilistisch nicht entscheiden konnte, handelt es sich bei "Jo Nesbøs Headhunters" um eine ungereimte Mischung aus Komödie, Psychothriller und Actionkino, in der man ständig über abstruse Zusammenhänge stolpert.

Inhaltsangabe

Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2015

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Morten Tyldum: Passengers



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