Nicolai Rohde: Zwischen Nacht und Tag
mit Richy Müller, Nicolette Krebitz, Sólveig Arnarsdóttir u. a.
     

Kritik:
"Zwischen Nacht und Tag" ist ein ambitionierter Experimentalfilm von Nicolai Rohde. Filmkritik


 

Zwischen Nacht und Tag

 
  Inhalt:
Ein U-Bahn-Fahrer wird durch den Suizid einer jungen Frau, die ihm vor den Zug springt, traumatisiert. Er verschließt sich und versucht, allein damit fertig zu werden, aber der Blick der Selbstmörderin geht ihm nicht mehr aus dem Sinn. Alles um ihn herum verliert seine Bedeutung. Was mit ihm geschieht, ist schwer nachzuvollziehen: Irgendwo zwischen Nacht und Tag glaubt er, der Toten zu begegnen ... Handlung, Inhaltsangabe

Originaltitel: Zwischen Nacht und Tag - Regie: Nicolai Rohde - Drehbuch: Hannes Klug und Nicolai Rohde - Kamera: Hannes Hubach - Schnitt: Bettina Böhler - Musik: Rainer Oleak - Darsteller: Richy Müller, Nicolette Krebitz, Sólveig Arnarsdóttir, Peter Kurth, Andreas Patton, Thomas Meinhardt, Lars Gärtner, Walter Gontermann, Ernst Stötzner, Ralf Müller u.a. - 2004; 90 Minuten

   


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Nicolai Rohde: Zwischen Nacht und Tag

Inhaltsangabe:

Achim Maerz (Richy Müller), ein fünfunddreißigjähriger U-Bahn-Fahrer, sucht mit seiner Freundin, der angehenden Bauingenieurin Katrin (Sólveig Arnarsdóttir), eine gemeinsame Wohnung, und sie besichtigen mit einem Makler (Ralf Müller) einige für sie in Frage kommende Objekte.

Doch bevor sie eine Auswahl getroffenen haben, springt in einer U-Bahn-Station eine Selbstmörderin (Nicolette Krebitz) vor Achims Zug. Kurz bevor sie vom Triebwagen erfasst wird, taucht ihr Kopf vor der Scheibe auf, und sie blickt Achim mit aufgerissenen Augen an. Für den Bruchteil einer Sekunde scheint die Zeit stehen zu bleiben.

Achim macht sich Vorwürfe und quält sich mit der Frage, ob er rechtzeitig hätte bremsen können, wenn er rascher auf ihren Anlauf reagiert hätte. Sein Chef (Thomas Meinhardt) ist sehr verständnisvoll und rät ihm, sich erst einmal für ein paar Tage krank schreiben zu lassen. Bei der ersten Fahrt nach dem Unfall zittert Achim so, dass er Hilfe benötigt. Um das Trauma überwinden zu können, soll er einige Zeit neben seinem Freund und Kollegen Klaus (Peter Kurth) im Führerstand sitzen.

Katrin fragt Achim, was mit ihm los sei, aber er sagt ihr nichts von dem Unfall und versucht, allein mit seinen Schuldgefühlen, seiner Angst und den Albträumen fertig zu werden. Den Blick der Selbstmörderin wird er jedoch nicht los.

Irgendwo zwischen Nacht und Tag begegnet er einer mysteriösen Herumtreiberin, die genauso aussieht wie die Selbstmörderin. Sie heißt Vera (Nicolette Krebitz). Er trifft sie auf der Straße, in einer Herrentoilette, an einem Flipper-Automaten, nachts in einem geschlossenen Bowling-Klub und liest sie mit seinem Auto an einer Bushaltestelle auf. Er bietet ihr an, sie nach Hause zu bringen, aber sie lotst ihn im Kreis herum und verschwindet, während er tankt.

Achim geht zu der Adresse der Selbstmörderin. Deren Nachbar hat die Schlüssel und sperrt ihm auf, damit er sich in der Wohnung umsehen kann.

Vera taucht wieder auf, schläft bei Achim auf der Couch und folgt ihm auf den Dachboden, wo er ihr die kopfstehende Projektion der umliegenden Häuser zeigt, die durch einen Effekt wie bei der Lochkamera entsteht. In seiner Wohnung hören sie Musik. Katrin klingelt. Achim öffnet die Tür nur so weit, wie es die vorgelegte Sperrkette zulässt, aber seine Freundin lässt sich nicht abweisen.

Später sucht er Vera und läuft in einen U-Bahn-Hof. Er entdeckt sie unter den Wartenden und ruft: "Vera!" Als sie ihn erkennt, nimmt sie Anlauf und springt vor die U-Bahn, die paradoxerweise von ihm gefahren wird.

Katrin kommt zu Achim in die Wohnung und sagt: "Komm mit."

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Filmkritik:

Ein U-Bahn-Fahrer wird durch den Suizid einer unbekannten jungen Frau traumatisiert, die sich in einer Station vor seinen Zug wirft. Er verschließt sich vor seiner Freundin und versucht, allein damit fertig zu werden, aber der Blick der Selbstmörderin geht ihm nicht mehr aus dem Sinn. Alles um ihn herum verliert seine Bedeutung. Was mit ihm geschieht, Bücher von Dieter Wunderlich ist schwer nachzuvollziehen: Irgendwo zwischen Nacht und Tag glaubt er, der Toten zu begegnen.

"Zwischen Nacht und Tag" ist ein ambitionierter Experimentalfilm von Nicolai Rohde mit einer auffallenden Farbregie: Kein Bild wirkt bunt; trübe, schmutzige Farbtöne herrschen vor, und während beispielsweise eine Geburtstagsparty in Sepia-Farben gezeigt wird, die an alte Schwarz-Weiß-Fotografien erinnern, überwiegen bei den U-Bahn-Szenen kalte Blautöne. Damit wird auch die Atmosphäre gesetzt, auf die es in "Zwischen Nacht und Tag" vor allem ankommt.

Nicolai Rohde (*1966) studierte 1995 bis 2002 an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam-Babelsberg Regie und inszenierte einige Kurzfilme, bevor er 2003 "Zwischen Nacht und Tag" drehte. Dieser abendfüllende Film wurde 2004 auf der Berlinale gezeigt. Ein breiteres Publikum konnte "Zwischen Nacht und Tag" erstmals am 29. Juli 2005 im ZDF sehen.

Inhaltsangabe

Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

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