Brian De Palma: Carrie. Des Satans jüngste Tochter
mit Sissy Spacek u. a.
      Kritik:
"Carrie" von Brian De Palma ist die filmische Adaptation des gleichnamigen Debütromans von Stephen King. Furiose Kamerafahrten, Splitscreens und minutenlange, nervenaufreibende Zeitlupen machen die kongeniale Literaturverfilmung "Carrie" auch zu einem Seherlebnis. Filmkritik
 

Carrie

 
  Inhalt:
Spätestens seit Margaret White von ihrem Mann verlassen wurde, sieht sie in allem, was mit Sexualität zu tun hat, das Böse. Als ihre unaufgeklärte 16-jährige Tochter Carrie von ihrer Menarche überrascht wird und aus Unwissenheit hysterisch reagiert, verspotten die Mitschülerinnen sie wieder einmal. Beim Abschlussball in der Turnhalle der High School hecken die Schülerinnen einen bösen Streich gegen Carrie aus. Sie rechnen nicht damit, dass das schüchterne Mädchen dadurch zur Furie wird ... Handlung, Inhaltsangabe

Carrie - Originaltitel: Carrie - Regie: Brian De Palma - Drehbuch: Lawrence D. Cohen, nach dem Roman "Carrie" von Stephen King - Kamera: Mario Tosi - Schnitt: Paul Hirsch - Musik: Pino Donaggio und Merrit Malloy (Songs) - Darsteller: Sissy Spacek, Piper Laurie, Amy Irving, John Travolta, William Katt, Betty Buckley, Nancy Allen, Priscilla Pointer u.a. - 1976; 100 Minuten

   


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Brian De Palma:
Carrie. Des Satans jüngste Tochter

Inhaltsangabe:

Die sechzehnjährige Carrie White (Sissy Spacek) gilt in der High School als Mauerblümchen und wird von ihren Mitschülerinnen gehänselt. Ihre Mutter Margaret (Piper Laurie) ist tief religiös, und spätestens seit ihr Mann sie wegen einer anderen Frau verlassen hat, sieht sie in allem, was mit Sexualität zu tun hat, das Böse. Dementsprechend klärt sie Carrie auch nicht auf. Das Mädchen erschrickt unter der Dusche nach dem Sportunterricht über die erste Monatsblutung. Bücher von Dieter Wunderlich Wegen ihrer Unwissenheit und hysterischen Reaktion wird Carrie von ihren Mitschülerinnen verspottet und mit Tampons beworfen. Nur die Sportlehrerin Miss Collins (Betty Buckley) reagiert verständnisvoll, erklärt Carrie die Zusammenhänge und sorgt dafür, dass der Schulleiter (Stefan Gierasch) Carrie für den Rest des Tages frei gibt. Aber Margaret White ist über die Menarche ihrer Tochter ebenfalls entsetzt, denn sie hält das Blut für ein Zeichen der Sünde und befürchtet, dass Carrie nun Männer anlocken wird.

Im Umkleideraum zerplatzte eine Glühbirne über Carrie, im Büro des Schulleiters ließ sie allein durch ihre gedankliche Konzentration einen Aschenbecher vom Schreibtisch fallen, und als sie auf dem Heimweg von einem Kind auf einem Fahrrad verspottet wurde, brachte sie es zum Stürzen. In der öffentlichen Bibliothek liest Carrie in einschlägigen Büchern nach, was es mit diesen telekinetischen Kräften auf sich hat.

Während Carrie vorübergehend vom Sportunterricht befreit ist, lässt Miss Collins die anderen Mädchen zur Strafe für ihr Verhalten gegenüber Carrie eine Woche lang täglich fünfzig Minuten Gymnastikübungen machen. Chris Hargensen (Nancy Allen) protestiert dagegen, bleibt aber mit ihrer Rebellion gegen Miss Collins allein.

Sue Snell (Amy Irving), die ihren Fehler einsieht, verzichtet auf ihre Teilnahme am Abschlussball in der Turnhalle der Schule und bittet ihren allgemein umschwärmten Freund Tommy Ross (William Katt), an ihrer Stelle Carrie mitzunehmen, die sonst bestimmt nicht zum Ball käme. Die introvertierte und und von ihren Klassenkameradinnen häufig gedemütigte Schülerin zögert zunächst, nimmt dann jedoch Tommys Einladung an und lässt es sich auch von ihrer Mutter nicht mehr verbieten.

Das seidene, rosafarbene Ballkleid, das Carrie sich selbst geschneidert hat, wird von den Mitschülerinnen bewundert. Tommy überredet Carrie, zum ersten Mal in ihrem Leben zu tanzen und gibt ihr auf der Tanzfläche den ersten Kuss. Carrie kommt sich wie im siebten Himmel vor und hofft, doch noch in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden.

Sie ahnt nicht, dass Chris sich aus Wut über die Bestrafung durch Miss Collins einen gemeinen Racheplan gegen Carrie ausgedacht hat. Zusammen mit ihrem Freund Billy Nolan (John Travolta) und ein paar anderen Jungen brach Chris in einen Schweinestall ein, wo Billy eines der Tiere erschlug und einen Kanister voll Blut mitnahm. Das füllten sie vor dem Abschlussball in einen Eimer, der jetzt auf dem Gestänge über der Bühne steht und an einer Schnur befestigt ist, deren anderes Ende Chris und Billy im Souffleurkasten in der Hand halten. Durch den Austausch eines Packens Stimmzettel sorgen ihre Mitverschworenen dafür, dass Tommy und Carrie zum Ballkönigspaar gewählt werden. Während die beiden auf der Bühne stehen und den Applaus entgegennehmen, zieht Chris an der Schnur. Carrie wird mit zehn Liter Schweineblut besudelt und Tommy von dem Eimer getroffen.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

So zerplatzt Carries kurzer glücklicher Traum. Das scheue blonde Mädchen wird darüber zur Furie und gebraucht seine telekinetischen Fähigkeiten, um sich grausam zu rächen: Mit der Kraft ihrer Gedanken verschließt Carrie die Türen und setzt das Schulgebäude in Brand. Die Ballbesucher – auch unschuldige wie Miss Collins und Tommy – kommen in den Flammen um. Chris und Billy, die vor dem Beginn der Panik aus dem Schulgebäude flüchten konnten, sehen auf der Straße im Scheinwerferlicht plötzlich die blutbesudelte Carrie vor sich. Vor Schreck verliert Chris die Kontrolle über den Wagen, der darauf ins Schleudern kommt und explodiert.

Nachdem Carrie zu Hause das besudelte Kleid ausgezogen und sich in der Badewanne das Blut abgewaschen hat, sucht sie Trost bei ihrer Mutter. Margaret hat überall im Haus Kerzen aufgestellt und ein großes Küchenmesser bereitgelegt, denn sie hält Carrie aufgrund der telekinetischen Fähigkeiten für eine Hexe und glaubt, sie deshalb töten zu müssen. Während Carrie sich weinend an sie drängt, sticht ihre Mutter mit dem Messer auf sie ein. Carrie stürzt die Treppe hinunter. Mehrere Messer und Küchengabeln sausen durch die Luft und durchbohren Margaret White. Eines der Messer nagelt sie mit dem rechten Arm an einen Balken. Als Carrie das Messer herauszieht, stürzt das Haus über ihr und der Toten zusammen und wird von den Kerzen in Brand gesteckt.

Sue Snell überlebt als Einzige das Inferno.

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Filmkritik:

"Carrie" war Stephen Kings erster Roman. Angeblich hatte Stephen King das Manuskript weggeworfen, aber seine Frau holte es aus dem Papierkorb, las es und brachte es einem Verleger, der es 1974 veröffentlichte (deutsche Übersetzung: 1977).

Bei der Verfilmung des Schockers hielten sich Brian De Palma und Lawrence D. Cohen eng an die literarische Vorlage. Während Carrie allerdings im Buch am Ende jedes Haus in der Stadt zerstört, beschränkt sich ihre Zerstörungswut im Film auf das Schulgebäude und ihr Elternhaus.

Für die differenzierte Darstellung der Mutter Margaret White und ihrer Tochter Carrie wurden Piper Laurie und Sissy Spacek für einen "Oscar" nominiert. Furiose Kamerafahrten, Splitscreens, nervenaufreibende Zeitlupenaufnahmen des blutgefüllten Eimers und in rotes Licht getauchte Szenen machen die kongeniale Literaturverfilmung "Carrie" auch zu einem Seherlebnis.

"Carrie" war für Brian De Palma, der sich übrigens nach den Dreharbeiten mit der Schauspielerin Nancy Allen vermählte, der erste kommerzielle Erfolg.

1999 kam das von Katt Shea gedrehte Sequel "Carrie 2. Die Rache" ins Kino.

Carrie 2. Die Rache - Originaltitel: The Rage: Carrie 2 - Regie: Katt Shea - Drehbuch: Rafael Moreu, nach Figuren von Stephen King - Kamera: Donald M. Morgan - Schnitt: Richard Nord - Musik: Danny B. Harvey - Darsteller: Emily Bergl, Jason London, Amy Irving, J. Smith-Cameron, Dylan Bruno, Zachery Ty Bryan, Charlotte Ayanna, Rachel Blanchard, Justin Urich, Eli Craig, Eddie Kaye Thomas, Mena Suvari u.a. - 1999; 105 Minunten

Sue Snell (Amy Irving) musste sich nach dem Massaker einer psychiatrischen Behandlung unterziehen. Zwanzig Jahre später arbeitet sie als Psychologin an der Bates High School und trifft dort auf eine sechzehnjährige Außenseiterin unter den Schülerinnen – Rachel Lang (Emily Bergl) –, die über telekinetische Kräfte verfügt. Wie in "Carrie", kommt es auch hier zu einem blutigen Racheakt.

Kimberly Peirce drehte ein Remake des Films "Carrie. Des Satans jüngste Tochter" von Brian De Palma:

Carrie – Originaltitel: Carrie – Regie: Kimberly Peirce – Drehbuch: Lawrence D. Cohen und Roberto Aguirre-Sacasa nach dem Roman "Carrie" von Stephen King – Kamera: Steve Yedlin – Schnitt: Lee Percy, Nancy Richardson – Musik: Marco Beltrami – Darsteller: Chloë Grace Moretz, Julianne Moore, Gabriella Wilde, Portia Doubleday u.a. – 2013; 100 Minuten

Inhaltsangabe

Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

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