François Ozon: 5x2. Fünf mal zwei
mit Valeria Bruni Tedeschi, Stéphane Freiss u. a.
      Kritik:
Ohne psychologische Analyse stellt François Ozon das Scheitern einer Beziehung unaufgeregt in fünf Episoden dar, allerdings nicht chronologisch, sondern in umgekehrter Reihenfolge: "5 x 2. Fünf mal zwei". Filmkritik
 

5 x 2. Fünf mal zwei

 
  Inhalt:
Unmittelbar nach der Ehescheidung nehmen Gilles und Marion sich ein Hotelzimmer. Als sie schon nackt im Bett liegen, überlegt Marion es sich anders, aber Gilles vergewaltigt sie, und sie wehrt sich nicht lang. Zu sagen haben sich die beiden nichts mehr. – In vier weiteren Episoden erzählt François Ozon, wie die Liebesbeziehung begann, von der Hochzeit, der Geburt des Kindes und der Ehekrise. Handlung, Inhaltsangabe

5 x 2. Fünf mal zwei - Originaltitel: 5x2. Cinq fois deux - Regie: François Ozon - Drehbuch: François Ozon und Emmanuèle Bernheim - Kamera: Yorick Le Saux - Schnitt: Monica Coleman - Musik: Philippe Rombi - Darsteller: Valeria Bruni-Tedeschi (Valéria Bruni Tedeschi), Stéphane Freiss, Géraldine Pailhas, Françoise Fabian, Michael Lonsdale, Antoine Chappey, Marc Ruchmann, Jason Tavassoli, Jean-Pol Brissart, Eliane Kherris, Yannis Belkacem, Sylvie Debrun, Jean Neisser, Ninon Brétécher, Marie-Madeleine Fouquet, Pierre Chollet, Carlo-Antonio Angloni, Domenico Sannino, Andrea Cesolari u.a. - 2004; 90 Minuten

   


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François Ozon: 5 x 2. Fünf mal zwei

Inhaltsangabe:

(5) Gilles (Stéphane Freiss) und Valérie (Géraldine Pailhas), die seit vier Jahren ein Paar sind, machen eine Woche Urlaub in einem Hotel in Italien.

Am Strand entdeckt Gilles zu seiner Überraschung eine Kollegin: Marion (Valeria Bruni Tedeschi) wollte eigentlich mit ihrer Freundin nach Senegal, um die Trennung von ihrem sizilianischen Freund vor vier Wochen zu vergessen. Weil diese jedoch absagen musste, buchte Marion um. Gilles schlägt ihr vor, den Abend zu dritt zu verbringen.

Am nächsten Morgen nimmt Valerie an einer Bergwanderung teil, doch Gilles hat es sich anders überlegt: Er geht zum Strand und trifft dort Marion. Als die Sonne untergeht, schwimmen sie ihr entgegen, obwohl ein Hotelangestellter Marion vor gefährlichen Strömungen in der Bucht warnte.

(4) Gilles und Marion werden getraut und feiern ausgelassen. Sie sind glücklich.

Spät nachts ziehen sie sich in ihr Hotelzimmer zurück. Als Marion endlich das weiße Brautkleid ausgezogen hat, ist Gilles betrunken eingeschlafen. Enttäuscht schlüpft sie in Jeans und Pullover und geht spazieren.

Im Dunkeln begegnet sie einem amerikanischen Hotelgast (Jason Tavassoli), der wegen des Jetlags nicht schlafen kann. Er fragt sie, ob sie zu der Hochzeitsgesellschaft gehöre, und Marion sagt ja, ohne zu verraten, dass sie die Braut ist. Nachdem sie eine Zigarette mit dem Fremden geraucht hat, will sich verabschieden, aber er reißt sie an sich und küsst sie. Zuerst wehrt sie sich ein wenig, dann lässt sie sich auf eine schnelle Nummer ein.

Nachdem sie sich wieder angezogen hat, kehrt sie zu ihrem Mann zurück und beteuert dem Schlafenden, der nichts mitbekommen hat, ihre Liebe.


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(3) Marion liegt hochschwanger bei einer gynäkologischen Untersuchung (Sylvie Debrun). Aufgrund von Komplikationen muss sofort ein Kaiserschnitt durchgeführt werden.

Gilles erfährt es durch einen Telefonanruf im Büro und verspricht, sofort ins Krankenhaus zu kommen. Aber zuerst arbeitet er noch eine Aktenmappe durch. Als er drei Stunden später ins Krankenhaus kommt, trifft er im Korridor auf seine Schwiegermutter Monique (Françoise Fabian). Das Kind ist bereits da. Monique zeigt es ihm im Brutkasten. Bevor Gilles zu seiner Frau geht, will er im Freien noch eine Zigarette rauchen. Vor dem Eingang wechselt er ein paar Worte mit seinem Schwiegervater Bernard (Michael Lonsdale), aber er geht nicht mit ihm hinein.

Am Bett der Wöchnerin schimpft Monique über Gilles, weil er nicht auftaucht und wirft ihrem Mann vor, sie vor dreißig Jahren bei ihrer Fehlgeburt ebenfalls im Stich gelassen zu haben. Es kommt zum Streit. Um ihn zu beenden, verabschiedet Marions Vater sich.

Gilles sitzt währenddessen wie von einer unerklärlichen Lähmung befallen im Auto und bringt es nicht fertig, zu seiner Frau zu gehen. Er ruft sie an und fragt, ob sie schon einen Namen für den Jungen habe. Sie will in Nicolas nennen, so wie Gilles es einmal vorschlug.

(2) Gilles und Marion bringen Nicolas (Yannis Belkacem) ins Bett und kleiden sich um, denn Gilles' Bruder Christophe (Antoine Chappey) kommt mit seinem jungen Geliebten Mathieu (Marc Ruchmann) zu Besuch.

Nachdem Mathieu unbefangen zugegeben hat, Christophe zwei, drei mal betrogen zu haben, quält Gilles seine Frau, indem er von seinem Ehebruch vor gut einem Jahr berichtet: Damals waren Marion und er zu einer Party eingeladen, die in eine Orgie ausartete, bei der sich alle auszogen und die Partner tauschten. Marion wollte zwar selbst nicht mitmachen, aber sie ermutigte Gilles dazu und sah zu, wie er es abwechselnd mit Frauen und Männern trieb. Christophe kann es nicht glauben; Marion bestätigt kurz, dass es so war; Zweifel bleiben trotzdem.

(1) Am 17. Februar 2003 sitzen Gilles und Marion gelangweilt vor dem Scheidungsrichter (Jean-Pol Brissart), der ihnen alle Einzelheiten der abgesprochenen Vereinbarungen vorliest, bevor sie unterschreiben.

Unmittelbar nach der Scheidung gehen Gilles und Marion, die sich offenbar seit einiger Zeit nicht gesehen haben, in ein Hotelzimmer. Marion erzählt, sie habe seit der Trennung nur ein paar belanglose Affären gehabt, und Gilles gibt zu, noch mit Christine zusammen zu sein. "Bist du dicker geworden", fragt Gilles, weil Marion sich nach dem Ausziehen in ein Badetuch hüllt. Sie fordert ihren Exmann auf, sie zu küssen. Während er gierig im Bett über sie herfällt, sträubt sie sich plötzlich, doch als er sie gewaltsam von hinten nimmt, gibt sie ihren Widerstand weinend auf.

Nachdem sie wieder angezogen sind, erklärt Gilles sich bereit, Nicolas während der Ferien zu sich zu nehmen. Marion hatte eigentlich eher daran gedacht, ihn zu ihrer Mutter zu bringen. Ein Gespräch kommt zwischen dem geschiedenen Paar nicht mehr zustande: Sie haben sich nichts mehr zu sagen. Traurig verlässt Marion das Hotelzimmer.

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Filmkritik:

"5 x 2. Fünf mal zwei" erinnert zwar an "Szenen einer Ehe", aber François Ozon und Emmanuèle Bernheim versuchen nicht, das Scheitern einer Ehe psychologisch zu analysieren, sondern sie stellen die Entwicklung ohne Erklärungen in fünf Episoden dar (daher: "5 x 2") – Beginn der Beziehung, Hochzeit, Geburt des Kindes, Ehekrise, Scheidung –, allerdings nicht chronologisch, sondern in umgekehrter Reihenfolge. So steht am Anfang das Ende der Beziehung, und das Schlussbild sieht wie ein Happyend aus.

Ich zeige im Grunde ein Kitschbild, denn die beiden gehen der Sonne entgegen – sie sind von der Sonne geblendet: "Liebe macht blind." (François Ozon)

Der Krebsgang ist klug gewählt, denn dadurch wird der vom unglücklichen Ausgang wissende Zuschauer veranlasst, in den glücklicheren Momenten dieser Beziehung nach den Ursachen des Scheiterns zu suchen. Wo wurden Fehler gemacht? Die Männer – Gilles und sein Schwiegervater – kommen dabei nicht gut weg: Sie versuchen, Konflikte mit ihren Frauen zu lösen, indem sie sich der Konfrontation entziehen.

François Ozon erzählt die traurige Geschichte ruhig, unaufgeregt und elegant. Valeria Bruni Tedeschi und Stéphane Freiss überzeugen durch ihre Rückwärtsverwandlung und faszinieren durch die zurückhaltende, von Gesten und Blickwechseln getragene Art ihrer Darstellung.

Außer der Filmmusik von Philippe Rombi sind folgende Songs und Schlager in
"5 x 2. Fünf mal zwei" zu hören:

  • Paolo Conte: "Sparring Partner"
  • Ennio Morricone: "Sapore di Sale"
  • Gino Paoli, Alec Wilder: "Senza fine"
  • Iller Pataccini: "Una lacrima sul viso"
  • Luigi Tenco: "Ho capito che ti amo", "Vedrai vedrai"

François Ozon wurde am 15. November 1967 in Paris als eines von drei Kindern des Biologen René Ozon und dessen Ehefrau Anne-Marie, einer Französisch-Lehrerin, geboren. 1990 bis 1993 studierte er an der École Nationale Supérieure des métiers de l'image et du son (La fémis). Nachdem sich François Ozon bereits mit einigen Kurzfilmen einen Namen gemacht hatte, drehte er 1998 seinen ersten abendfüllenden Kinofilm: "Sitcom".

Inhaltsangabe

Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2006

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