Chris Kraus: Scherbentanz – Mit Jürgen Vogel,
Margit Carstensen, Nadja Uhl, Peter Davor u. a.
      Kritik:
Chris Kraus hält sich bei der Verfilmung seines eigenen Romans "Scherbentanz" dicht an die literarische Vorlage. Aber die unterkühlte Inszenierung ist düsterer und schwerfälliger als das Buch. Filmkritik, Filmbesprechung
 

Scherbentanz

 
  Inhalt:
Jesko, ein erfolgloser Modedesigner Mitte 30, leidet an Leukämie. Weil sein Vater Gebhard und sein Bruder Ansgar als Knochenmarkspender ungeeignet sind, machen sie Jeskos alkoholkranke, verwahrloste Mutter in einem Obdachlosenasyl ausfindig und verschleppen sie in Gebhards Villa. Jesko und Ansgar haben ihre Mutter nicht mehr gesehen, seit sie vor 20 Jahren in eine psychiatrische Klinik eingeliefert worden war ... Handlung, Inhaltsangabe, Zusammenfassung

Originaltitel: Scherbentanz – Regie: Chris Kraus, nach seinem Roman "Scherbentanz" – Drehbuch: Chris Kraus – Kamera: Judith Kaufmann – Schnitt: Renate Merck – Musik: Jan Tilman Schade – Darsteller: Jürgen Vogel, Margit Carstensen, Nadja Uhl, Peter Davor, Dietrich Hollinderbäumer, Andrea Sawatzki, Roxanne Borski, Ronnie Janot, Christian Koerner u.a. – 2002; 95 Minuten

   


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Chris Kraus: Scherbentanz

Inhaltsangabe:

"Scherbentanz" beginnt mit einem sintflutartigem Wolkenbruch und der Heimkehr des verlorenen Sohnes Jesko (Jürgen Vogel).

Er ist Mitte dreißig und schlägt sich als Modedesigner mehr schlecht als recht durch. Weil er an Leukämie leidet, aber weder sein Vater Gebhard (Dietrich Hollinderbäumer) noch sein Bruder Ansgar (Peter Davor) als Knochenmark-spender geeignet sind, Bücher von Dieter Wunderlich beauftragten diese ohne sein Wissen eine Detektei, nach seiner Mutter Käthe zu suchen. In einem Obdachlosenasyl in Hamburg wurde sie aufgespürt. Man brachte die verwahrloste Alkoholkranke in die Villa in Henningen, in der Gebhard mit seiner zweiten Ehefrau und Ansgar mit seiner Verlobten Simone ("Zitrone" – Nadja Uhl) wohnen. Jesko glaubt, zu einem Fest anlässlich der Übernahme des väterlichen Zementwerks durch seinen älteren Bruder zu kommen. Ansgar und sein Chauffeur Bernie (Ronnie Janot) holen ihn mit einem "Jaguar" vom Bahnhof ab. Erst im Auto erfährt Jesko, dass man seine Mutter hergebracht und den zweihundert eingeladenen Gästen abgesagt hat.

Zwanzig Jahre lang haben Jesko und Ansgar ihre Mutter nicht gesehen.

Nach der Scheidung der Eltern lebten sie bei ihr. Als Gebhard seinem Sohn Jesko zum zehnten Geburtstag gratulieren wollte, stürmte Käthe (Andrea Sawatzki) ihm auf der Straße betrunken entgegen und schlug kreischend auf ihn und sein Auto ein. Als er fort war, verprügelte sie Jesko, bis dessen Bruder die Polizei rief. Die Kinder schlossen sich in einem ihrer Zimmer ein. Als Käthe merkte, dass die Jungen ihre Pralinen gestohlen hatten, trat sie die Tür ein und stürzte sich mit einem Beil in der Hand auf Ansgar. Er lag zwei Tage im Koma. Käthe wurde in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen.

Simone ist Krankenschwester und kümmert sich um Käthe (jetzt: Margit Carstensen), die nur noch ein Wrack ist. Nach Jeskos Ankunft nehmen die Ärzte bei Käthe in einer Klinik eine Punktion vor, damit sie untersuchen können, ob sie als Knochenmark-Spenderin in Frage kommt.

Ansgar verrät Jesko, dass er nicht mehr vorhat, Zitrone zu heiraten, weil er seit einiger Zeit wieder mit einer alten Freundin zusammen ist, mit der Fernsehmoderatorin Babs. Zitrone ahnt jedoch noch nichts davon, denn Ansgar will es ihr erst sagen, wenn sie nicht mehr als Krankenschwester für Käthe benötigt wird.

Käthe ist als Knochenmarkspenderin ungeignet.

Sie läuft in ein Maisfeld und bricht dort zusammen. Im Krankenwagen erzählt sie Jesko, Gebhard habe einen Tag vor der Hochzeit mit einer seiner Geliebten einen Sohn gezeugt. Der könnte als Knochenmarkspender in Betracht kommen. Sie weiß allerdings nichts weiter als den Vornamen der Frau: Renate.

In der Notaufnahme klärt Ansgar Zitrone darüber auf, dass er nicht sie, sondern Babs heiraten wird.

Gedemütigt packt sie ihre Sachen und lässt sich von Bernie abholen, der inzwischen von Ansgar entlassen wurde.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Als Jesko nach Renate fragt, behauptet sein Vater, nicht zu wissen, wer damit gemeint sei. Dass er einen unehelichen Sohn haben soll, tut er als Hirngespinst seiner verrückten Ex-Frau ab.

Um dem Tod durch Leukämie zuvorzukommen, löst Jesko eine Überdosis Tabletten in Wasser auf. Doch bevor er dazu kommt, sich damit das Leben zu nehmen [Suizid], taucht unerwartet seine Ex-Frau Mara mit seiner neunjährigen Tochter Charlotte (Roxanne Borski) auf, und weil das Mädchen statt einer Begrüßung über Durst klagt, schüttet Jesko den Inhalt der Flasche vorsichtshalber weg. Mara will gleich weiterfahren und erwartet von ihm, dass er während ihrer Abwesenheit auf Charlotte aufpasst.

Nachts durchsuchen Jesko und Käthe Gebhards Arbeitszimmer. Als sie von Ansgar und Gebhard ertappt werden, haben sie bereits Kontoauszüge gefunden, aus denen hervorgeht, dass Gebhard einer gewissen Renate jedes Jahr 12 000 D-Mark überweist. Trotzdem leugnet er, ein uneheliches Kind zu haben. Es kommt zum Streit. Ansgar schlägt seinen Bruder zusammen; Käthe rennt davon.

Jesko weckt Charlotte und flüchtet mit ihr zu Zitrone. Dort findet er Bernies Leiche. Er hat sich selbst umgebracht.

Um die von Jesko und Charlotte zurückgelassenen Sachen zu holen, kehren sie noch einmal zur Villa zurück. Dort feiert Ansgar gerade seine Verlobung mit Babs. Ein Auto fährt vor, aus aus dem Käthe betrunken herausfällt. Bei dem Unbekannten, der gleich darauf aussteigt, handelt es sich um Gebhards unehelichen und verleugneten Sohn Dirk (Christian Koerner). Käthe hat ihn offenbar ausfindig gemacht.

Sie stirbt in Jeskos Armen an Alkoholvergiftung.

Eine Untersuchung ergibt, dass Dirk als Knochenmarkspender für Jesko geeignet ist.

Am Ende sitzen die ungleichen Brüder unter einem Baum. Nach der Knochenmarkspende werde sich seine Überlebenschance auf 70 Prozent erhöhen, meint Jesko und fragt Ansgar, wie er die Erfolgsaussichten für seine Beziehung mit Babs einschätze. "80 Prozent", lautet die Antwort. Immerhin etwas Hoffnung.

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Filmkritik:

Chris Kraus erzählt in der Verfilmung seines Debütroman "Scherbentanz" eine tragikomische Familiengeschichte über Lebenslügen. Die Figuren in dieser kaputten Familie sind einsam und verbittert. Käthe wurde aufgrund der Lügen alkoholkrank und verrückt. Ansgar setzt die Lügen seines Vaters fort. Nur der ratlose Todkranke und die wie ein Objekt herumgestoßene Närrin wagen es, die Wahrheit zu sagen.

Der unterkühlt inszenierte Film "Scherbentanz" hält sich dicht an die literarische Vorlage, ist jedoch düsterer und schwerfälliger als der Roman.

Hervorzuheben sind die schauspielerischen Leistungen von Margit Carstensen und Jürgen Vogel. Margit Carstensen spielt ihre Rolle mit Furor und achtet darauf, dass das von ihr dargestellte menschliche Wrack seine Würde nicht verliert. Jürgen Vogel gibt sich resigniert, zynisch und unsentimental, lässt aber hinter der Fassade die Verzweiflung der Figur durchschimmern.

Inhaltsangabe

Inhaltsangabe und Filmkritik: © Dieter Wunderlich 2009

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