Matti Geschonneck: Der Mörder und sein Kind
mit Ulrich Tukur u. a.
      Kritik:
"Der Mörder und sein Kind" ist das Psychogramm eines Kinderschänders, der zu seinem eigenen Entsetzen Stiefvater einer kleinen Tochter wird. Ulrich Tukur veranschaulicht die Qualen und die Zerrissenheit des Täters. Filmkritik
 

Der Mörder und sein Kind

 
  Inhalt:
Martin Dreyer ist in einer Düsseldorfer Werbeagentur beschäftigt. Obwohl er seit dem Tod seiner geliebten Mutter unkonzentriert und gereizt ist, ahnen weder sein behinderter Bruder noch seine Kollegen, dass er sich dazu getrieben fühlt, kleine Mädchen zu missbrauchen und zu erwürgen. Als er eine kindlich wirkende Frau kennen lernt, drängt er auf eine rasche Heirat – und erfährt erst kurz vor der Hochzeit, dass Sonja eine kleine Tochter hat ... Handlung, Inhaltsangabe

Originaltitel: Der Mörder und sein Kind – Regie: Matti Geschonneck – Drehbuch: Sabine Thiesler – Kamera: Wolfram Beyer – Schnitt: Heidi Handorf – Musik: Irmin Schmidt – Darsteller: Ulrich Tukur, Ulrich Matthes, Bibiana Beglau, La Kahina Bahloul, Sissi Höfferer, Klaus Lehmann, Erika Skrotzki, Richard Hucke, Katinka Heise, Matthias Ruschke u.a. – 1995; 90 Minuten

   


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Matti Geschonneck: Der Mörder und sein Kind

Inhaltsangabe:

Martin Dreyer (Ulrich Tukur), ein unverheirateter Mitarbeiter einer Düsseldorfer Werbeagentur, verlässt nach dem Tod seiner geliebten Mutter – der Vater starb bereits, als Martin zwölf Jahre alt war – das Elternhaus und zieht in ein Loft, in dem er auch seinen seit einem Unfall querschnittsgelähmten jüngeren Bruder Rainer (Ulrich Matthes) aufnimmt.

Während eines Kurzurlaubs auf der Insel Amrum kommt er an einem Kinderheim vorbei. Da fällt ihm die sechsjährige Ina auf, die allein in den Dünen spielt.

Bald darauf wird das Kind vermisst. Die Kindergärtnerinnen finden die Leiche des Mädchens am Strand.

Aus Abscheu vor sich selbst versucht Martin sich während der Rückfahrt im Auto umzubringen: Er schließt bei voller Fahrt die Augen und reißt das Steuer herum. Doch er landet unverletzt neben der Straße.

Rainer wundert sich über Martin, der plötzlich unkonzentriert und gereizt ist. Bei einem Essen mit seinen Kollegen Bernhard (Klaus Lehmann) und Manuela (Sissy Höfferer) im Restaurant bricht Martin vorzeitig auf.

Am nächsten Tag entdeckt Manuela in der Zeitung das Foto der achtjährigen Britta, die wie Ina missbraucht und erwürgt wurde. Manuela erinnert sich, das Mädchen vor dem Restaurantbesuch im Aufzug und anschließend beim Spielen im Parkhaus gesehen zu haben und meldet dies der Polizei. Daraufhin befragen die Kommissarin (Erika Skrotzki), und ihr Assistent (Richerd Hucke) routinemäßig auch Martin, der jedoch behauptet, die Gesichter von Kindern nicht auseinanderhalten und sich an das Mädchen im Aufzug bzw. im Parkhaus nicht erinnern zu können.

Einige Zeit später wird die Leiche der achtjährigen Marion gefunden.

Bei Manuelas Geburtstagsfeier lernt Martin eine zierliche, kindlich wirkende Frau kennen. Sie heißt Sonja (Bibiana Beglau) und arbeitet als Krankenschwester. Martin macht ihr auf der Stelle einen Heiratsantrag. Alle wundern sich über die Eile, aber die Hochzeit wird vorbereitet.

Erst jetzt erfährt Martin zu seinem eigenen Entsetzen, dass Sonja eine kleine Tochter namens Stella (Hahloul La Kahina) hat.

Sonja versteht nicht, warum Martin nicht einmal in der Hochzeitsnacht mit ihr schläft. Eine Erklärung kann er ihr nicht dafür geben, aber er bittet sie um etwas Geduld und schlägt ein langes Wochenende auf Amrum vor. Weil Sonja noch zwei Tage Dienst hat, bevor sie mit einer Kollegin tauschen kann, fährt Martin mit Stella voraus.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Im Fernsehen werden Kettchen gezeigt, die der Mörder den toten Kindern abgenommen hatte. Als Rainer die Schmuckstücke zufällig in einer Schachtel in Martins Zimmer entdeckt, ahnt er den Zusammenhang, aber statt die Polizei anzurufen, alarmiert er Sonja – und erfährt, dass Martin mit seiner kleinen Stieftochter nach Amrum gefahren ist. Nachdem Sonja die Polizei verständigt hat, eilt sie nach Norden. Sie findet Stella unverletzt in den Dünen. Von Martin fehlt jede Spur. Ist er ins Wasser gegangen?

Nach Einbruch der Dunkelheit beobachtet Sonja einen Mann, der mit einem Kind im Arm zum Strand geht. Entsetzt schaut sie in Stellas Zimmer: Das Bett ist leer! Sie packt einen Spaten und rennt in die Dünen. Dort sitzt Martin neben dem zugedeckt im Sand liegenden Kind. Als sie mit der Schaufel ausholt, lächelt Martin sie an. Nachdem sie ihn totgeschlagen hat, bewegt Stella sich: Martin hat dem Kind nichts getan, sondern es nur schlafen gelegt und zugedeckt.

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Filmkritik:

In dem Psychothriller "Der Mörder und sein Kind" geht es um einen nicht weiter auffälligen Mann, der sich dazu getrieben fühlt, kleine Mädchen zu missbrauchen und zu erwürgen. Der Mörder ist zugleich ein Opfer seiner eigenen Triebe. Ulrich Tukur veranschaulicht die Qualen und die Zerrissenheit dieses perversen Täters, der zu seinem eigenen Entsetzen plötzlich Stiefvater einer kleinen Tochter wird. Für diese schauspielerische Leistung bekam Ulrich Tukur 1996 eine "Goldene Kamera".

Sabine Thiesler (Drehbuch) und Matti Geschonneck (Regie) versuchen nicht, die Ursachen der Perversion zu analysieren – die Hinweise auf den frühen Tod des Vaters und die enge Beziehung zur Mutter sind dafür viel zu oberflächlich –, sondern sie konzentrieren sich auf das Psychogramm des Kinderschänders und Serienmörders.

Dabei verzichten sie auf spektakuläre Effekte. Statt die Bluttaten zu zeigen, sorgen sie dafür, dass das Grauen im Kopf des Zuschauers entsteht.

Inhaltsangabe

Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2007

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