Matti Geschonneck: Hinter blinden Fenstern
mit Hanns Zischler, Maja Maranow, Lisa Maria Potthoff u. a.
      Kritik:
"Hinter blinden Fenstern" – die Verfilmung eines Romans von Friedrich Ani – gilt zwar als Thriller, aber wichtiger als die Aufklärung der Mordfälle ist das desolate Milieu, das hier gezeigt wird. Mit ruhigen Bildern evoziert Matti Geschonneck eine triste Alltagsatmosphäre. Kritik, Filmkritik, Rezension, Filmbesprechung
 

Hinter blinden Fenstern

 
  Inhalt:
Hauptkommissar Polonius Fischer, ein früherer Mönch, der jetzt bei der Mordkommission in München beschäftigt ist, ermittelt in zwei Mordfällen. Im Müllhaus einer Mietskaserne liegt die Leiche eines erschlagenen Stadtstreichers. Im selben Gebäudekomplex wohnte eine Prostituierte, die beim Joggen erstochen wurde. Bei der Befragung der Bewohner stoßen Polonius Fischer und seine Kollegen auf hoffnungslose Existenzen ... Handlung, Inhalt, Inhaltsangabe, Zusammenfassung

Originaltitel: Hinter blinden Fenstern – Regie: Matti Geschonneck – Drehbuch: Hannah Hollinger nach dem Roman "Hinter blinden Fenstern" von Friedrich Ani – Kamera: Carl-Friedrich Koschnick – Schnitt: Inge Behrens – Musik: Jürgen Ecke – Darsteller: Hanns Zischler, Maja Maranow, Lisa Maria Potthoff, Bernadette Heerwagen, Jürgen Tarrach, Johann Adam Oest, Johanna Bittenbinder, Sissy Höfferer, Anna Hausburg, Thomas Loibl, Branko Samarovski u.a. – 2010; 90 Minuten

   


Dieter Wunderlich: Buchtipps & Filmtipps; Bücher, Filme, Literaturverfilmungen Dieter Wunderlich: Buchtipps & Filmtipps - STARTSEITE




Matti Geschonneck: Hinter blinden Fenstern

Inhaltsangabe:

München. Die Prostituierte Dinah Schmidt (Bernadette Heerwagen) wird beim Joggen im Park erstochen. Offenbar handelt es sich weder um einen Raubmord noch um ein Sexualdelikt. Zeugen gibt es keine. Hauptkommissar Polonius Fischer (Hanns Zischler), der neun Jahre lang Mönch war, dann vor 13 Jahren das Kloster verließ und seither bei der Polizei arbeitet, leitet die Ermittlungen. Unterstützt wird er dabei vor allem von Liz Sinkel (Lisa Maria Potthoff), Georg Ohnmus (Stephan Zinner) und Neidhard Moll (Rainer Bock).

Dinah Schmidt schaffte für einen Zuhälter an, bis Clarissa Weberknecht (Maja Maranow) sie freikaufte und in ihrem kleinen S/M-Klub anstellte. Schließlich machte Clarissa Weberknecht sie zu ihrer Geschäftspartnerin. Die beiden Frauen wurden ein lesbisches Paar, und Dinah Schmidt wohnte zuletzt auch bei Clarissa Weberknecht.

Vor einem Jahr hatte Polonius Fischer schon einmal mit Clarissa Weberknecht zu tun: Damals hing ein Ladenbesitzer tot am Andreaskreuz im Klub. Die Besitzerin hatte ihm beim Auspeitschen die Halsschlagader zerfetzt. Es scheint ein Unfall gewesen zu sein.

In einem Müllcontainer der Mietskaserne, in der Clarissa Weberknecht wohnt, wird kurz nach Dinah Schmidts Ermordung ein betrunkener und unterernährter Obdachloser tot aufgefunden. Es handelt sich um den früheren Kfz-Mechaniker Josef Nest (Adolfo Assor). Der hatte mit seiner ersten Ehefrau in dem Mietshaus gelebt, sich dann scheiden lassen und eine 20 Jahre jüngere Frau (Dorothee Hartinger) geheiratet, die ihn schließlich dazu brachte, eine Eigentumswohnung zu kaufen, die er sich eigentlich gar nicht leisten konnte. Darüber zerbrach auch Josef Nests zweite Ehe. Er wurde zum Stadtstreicher. Nun hat ihn jemand mit einem Keferloher erschlagen.

Entdeckt wurde die Leiche von der verbitterten Mieterin Anita Soltersbusch (Johanna Bittenbinder). Sie und ihr Mann besaßen früher eine kleine Bäckerei, aber dann bekam Rupert Soltersbusch (Johann Adam Oest) eine Mehlallergie, und die Kunden kauften ihr Brot lieber im neuen Supermarkt. Rupert Soltersbusch ist jetzt erster Vorsitzender eines Bürgervereins, der im Viertel für Ordnung sorgt. Unermüdlich streicht Rupert Soltersbusch herum, belauert die Mitmenschen und glaubt, dass ihm nichts entgeht.

Er weist Polonius Fischer darauf hin, dass die 17-jährige Schülerin Linda Gabriel (Anna Hausburg), die mit ihren Eltern ebenfalls in dem Komplex wohnt, seit drei Wochen vermisst wird und lenkt den Verdacht auf den arbeitslosen Schauspieler Madaira (Jürgen Tarrach), dessen Rolle in einer Fernsehserie nach zehn Jahren herausgeschrieben wurde. Obwohl Polonius Fischer dafür nicht zuständig ist, geht er dem Hinweis nach. Aufgrund der beiden Mordfälle müssen ohnehin alle Mieter befragt werden. Madaira ist ein gebrochener Mann, aber mit Lindas Verschwinden scheint er nichts zu tun zu haben.

Es stellt sich heraus, dass Anita Soltersbusch vor 15 Jahren eine Affäre mit Josef Nest hatte, von der ihr Ehemann bis jetzt nichts ahnte. Kürzlich habe Josef Nest sie angerufen, gibt sie zu Protokoll, und sie gedrängt, sich mit ihm zu treffen. Sie verabredeten sich am Marienplatz, aber als sie aus dem Haus trat, wartete er bereits auf der Straße. Nach einem kurzen Gespräch sei sie dann allein in die Stadt gefahren.

In der Wohnung von Arthur Fallnik (Thomas Loibl), einem allein lebenden Verkäufer in einem Herrenbekleidungsgeschäft, findet Polonius Fischer die vermisste Schülerin, die allerdings sofort beteuert, freiwillig hier zu sein. Bei der Bücher von Dieter Wunderlich Vernehmung bestätigt Linda Gabriel dann allerdings, dass sie von Fallnick entführt wurde. Sie waren sich in der Silvesternacht begegnet und fühlten sich beide einsam. Fallnick brachte sie schließlich in seine Gewalt, aber auch nachdem er sie von den Fesseln befreit und ihr das Klebeband vom Mund abgezogen hatte, blieb sie von sich aus bei ihm und schlief mit ihm. Für Linda war das ein lang ersehnter Ausbruch aus ihrer tristen Alltagswelt. – Arthur Fallnik wird festgenommen.

Nur einen der Mieter kann die Polizei nicht befragen: den Rentner Berthold Gregorian (Branko Samarovski). Der frühere Privatdetektiv wird nicht in seiner Wohnung angetroffen, und niemand weiß, wo er sich aufhält. Als Polonius Fischer erfährt, dass Gregorian kürzlich in den S/M-Klub wollte, aber von Dinah Schmidt und zwei Türstehern zurückgewiesen wurde, besorgt er sich einen Durchsuchungsbeschluss für die Wohnung. Dort hat offenbar ein Kampf stattgefunden. Am Fensterbrett liegt ein Fernglas. Genau gegenüber befindet sich Clarissa Weberknechts Wohnung. Gregorian scheint die beiden Frauen beobachtet zu haben.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Polonius Fischer geht hinüber und fragt Clarissa Weberknecht, warum sie nichts von Berthold Gregorian gesagt habe. Sie gibt zu, vor einiger Zeit eine Affäre mit ihm gehabt zu haben. Dann wurde es ihr in der Beziehung zu eng, und weil er sie nicht aufgeben wollte, erteilte sie ihm Hausverbot. Er ließ jedoch nicht von ihr ab und mietete schließlich die Wohnung gegenüber.

Offenbar erstach Bertold Gregorian Dinah Schmidt aus Eifersucht. Als Clarissa Weberknecht vom gewaltsamen Tod ihrer Lebensgefährtin erfuhr, ahnte sie sofort, dass er der Mörder war. Sie ging zu ihm und stellte ihn zur Rede. Dabei kam es zum Kampf. Clarissa Weberknecht erdrosselte den Rentner mit einem Handtuch. Als sie die Leiche zum Müllhaus brachte, stieß sie auf Josef Nest und erschlug ihn. Den toten Stadtstreicher ließ sie liegen, Gregorians Leiche verscharrte sie im Wald.

Clarissa Weberknecht wird verhaftet. In der Gefängniszelle erhängt sie sich. "Sie hat es nicht gemocht, wenn man sie fesgehalten hat", kommentiert Liz Sinkel.

Auf der Straße vor der Haftanstalt wird Polonius Fischer von seiner Lebensgefährtin erwartet, der früheren Journalistin Ann-Kristin Seeliger (Sissy Höfferer), die sich inzwischen als Taxifahrerin durchschlägt.

Seitenanfang


Filmkritik:

Nach "Die Idylle der Hyänen oder Die sentimentale Geschichte einer Liebe" ("Todsünde") verfilmten Hannah Hollinger (Drehbuch) und Matti Geschonneck (Regie) auch den Roman "Hinter blinden Fenstern" (2007) von Friedrich Ani. Allerdings ersetzten sie Clarissa Weberknechts Lebensgefährten durch eine Frau, und diese wird nicht auf dem Münchner Oktoberfest, sondern beim Joggen erstochen.

In "Hinter blinden Fenstern" gilt zwar als Thriller, aber wichtiger als die Aufklärung der Mordfälle ist das desolate Milieu, das hier gezeigt wird, die Hoffnungslosigkeit der zum Teil skurrilen Bewohner einer Mietskaserne. Mit ruhigen Bildern evoziert Matti Geschonneck eine triste Alltagsatmosphäre. Die Darsteller spielen zurückgenommen und drücken mehr durch Blicke als durch Worte aus.

Inhaltsangabe

Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2013

Seitenanfang

Friedrich Ani (kurze Biografie / Bibliografie)

Matti Geschonneck (kurze Biografie / Filmografie)
Matti Geschonneck: Der Mörder und sein Kind
Matti Geschonneck: Wer liebt, hat Recht
Matti Geschonneck: Mord am Meer
Matti Geschonneck: Die Nachrichten
Matti Geschonneck: Silberhochzeit
Matti Geschonneck: Duell in der Nacht
Matti Geschonneck: Todsünde
Matti Geschonneck: Entführt
Matti Geschonneck: Boxhagener Platz
Matti Geschonneck: Liebesjahre
Matti Geschonneck: Das Ende einer Nacht
Matti Geschonneck: Tod einer Polizistin
Matti Geschonneck: Das Zeugenhaus
Matti Geschonneck: Ein großer Aufbruch
Matti Geschonneck: Der verlorene Bruder



Dieter Wunderlich: Buchtipps & Filmtipps; Bücher, Filme, Literaturverfilmungen Dieter Wunderlich: Buchtipps & Filmtipps - STARTSEITE