Johannes Fabrick: Tödliche Versuchung
mit Julia Koschitz, Marcus Mittermeier u. a.
      Kritik:
In dem Psychothriller "Tödliche Versuchung" geht es nicht um die Aufklärung eines Verbrechens, sondern um die Frage, was aus zwei Durchschnitts­menschen wird, die unversehens Schuld auf sich geladen haben. Kritik, Filmkritik, Rezension, Filmbesprechung
 

Tödliche Versuchung

 
  Inhalt:
Helena und Thomas Kettner betreiben einen Biobauernhof. Bei der Belieferung von Kunden in München begegnet Helena dem Studenten David. Dass der deutlich jüngere Sohn eines reichen russischen Diplomaten sie umwirbt, schmeichelt ihr, und das Abenteuer empfindet sie als reizvolle Abwechslung. Als sie sich bereits vorgenommen hat, die Affäre zu beenden, kommt ihr Mann dahinter, und statt seiner Frau stellt er den Nebenbuhler zur Rede ... Handlung, Inhalt, Inhaltsangabe, Zusammenfassung



Originaltitel: Tödliche Versuchung – Regie: Johannes Fabrick – Drehbuch: Claudia Kaufmann – Kamera: Helmut Pirnat – Schnitt: Kris Weiland – Musik: – Darsteller: Julia Koschitz, Marcus Mittermeier, Lara Sophie Rottmann, Patrick Geller, Vladimir Burlakov, Monika Baumgartner, Heinz-Josef Braun, Bettina Mittendorfer, Matthias Kupfer, Isabella Leicht, Anja Knauer, Tilo Prückner u.a. – 2013; 90 Minuten

   


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Johannes Fabrick: Tödliche Versuchung

Inhaltsangabe:

Helena und Thomas Kettner (Julia Koschitz, Marcus Mittermeier) sind seit 14 Jahren verheiratet. Sie leben mit ihren Kindern Sebastian und Lisa (Patrick Geller, Lara Sophie Rottmann) in der Nähe von München auf dem Land, am Ufer eines idyllischen Sees, wo sie mit der Magd Kati (Monika Baumgartner) einen Bio-Bauernhof betreiben. Ihre Erzeugnisse verkaufen sie nicht nur im Hofladen, sondern sie beliefern auch Kunden in München. Im Gemeinderat setzt Thomas sich als Einziger dafür ein, die Lebensqualität des Gebiets vor Industrie-Ansiedelungen zu schützen.

Bei einer ihrer München-Fahrten bewundert Helena im Schaufenster einer Boutique ein Kleid. Ein junger Mann spricht sie an und meint, es würde ihr gut stehen, aber sie wehrt ab: "Wann habe ich schon die Gelegenheit, so was anzuziehen?" Das lässt ihr Gegenüber nicht gelten. David (Vladimir Burlakov), so heißt der Sohn eines reichen russischen Diplomaten, kauft ihr das Kleid und lädt sie in ein Straßencafé ein. Die Biobäuerin fühlt sich nicht nur durch die Aufmerksamkeit des gut aussehenden Jura-Studenten geschmeichelt, sondern empfindet auch das sich anbahnende Abenteuer als reizvolle Abwechslung. Die nächsten Auslieferungsfahrten nutzt sie, um sich erneut mit David zu treffen, und es dauert nicht lang, bis sie mit ihm in seiner Münchner Luxuswohnung ins Bett geht.

Wenn sie aus München nach Hause kommt. hat sie keine Lust, mit ihrem Ehemann zu schlafen. Sie wehrt ihn ab und behauptet, müde zu sein. Argwöhnisch folgt Thomas ihr eines Tages unbemerkt nach München, beobachtet, wie sie ein Haus betritt und sieht sie dann durchs Fenster mit David.

Dass Helena sich zu diesem Zeitpunkt bereits vorgenommen hat, die Affäre zu beenden, ahnt er nicht. Ohne sie zur Rede gestellt zu haben, klingelt er an einem der folgenden Tage bei David und stellt sich als Helenas Ehemann vor. Der verwöhnte Diplomaten-Sohn fragt spöttisch, ob das nun ein Gespräch unter Männern werden solle. Bücher von Dieter Wunderlich Thomas erklärt ihm, dass er 14 Jahre glückliche Ehe nicht einfach aufgebe, aber David rät ihm, das besser mit seiner Frau zu besprechen. Aufs Äußerste angespannt, erkundigt Thomas sich, ob es in der Beziehung zwischen Helena und seinem Rivalen um Liebe geht. Die ebenso lapidare wie abschätzige Antwort lautet: "Wir ficken." Da brennen bei Thomas die Sicherungen durch: Er packt eine Karaffe und schlägt sie David auf den Kopf. Obwohl nicht einmal das Glas zerbricht, ist David sofort tot. Thomas kann es nicht fassen, dass er einen Menschen umgebracht hat. Er zerrt die Leiche in seinen SUV. Als er sie im Wald vergraben will, hindert ihn ein bellender Schäferhund daran.

Helena wundert sich, dass sie David telefonisch nicht erreicht und er offenbar auch nicht zu Hause ist. Kommissar Meidinger (Heinz-Josef Braun) kommt aus München, weil David von seinem Vater als vermisst gemeldet wurde und die Polizei herausfand, dass David und Helena des Öfteren miteinander telefonierten. Das erklären Helena und Thomas damit, dass David zu ihren regelmäßig belieferten Kunden gehöre.


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In einer Arznei-Schachtel findet Helena einen Ohrring, den sie in Davids Wohnung verlor. Dann entdeckt sie Davids Leiche in einem Winkel der Scheune. Sie begreift, dass Thomas etwas über die Affäre wusste und ihren Liebhaber ermordete. Mit großer Anstrengung schafft sie es, den Toten in den Kofferraum des SUV zu hieven. Sie fährt damit in den Wald, übergießt die auf den Boden gelegte Leiche mit Benzin und entfacht ein Feuer.

Beim Abendessen trägt sie beide Ohrringe. Die Kinder werden aus dem Raum geschickt. Helena teilt ihrem Mann mit, was sie getan hat. Thomas will zur Polizei und sich stellen, aber Helena hält ihn davon ab. "Denk an die Kinder!", ermahnt sie ihn. "Wir müssen das gemeinsam schaffen."

Von der im Bioladen einkaufenden Dorfbewohnerin Bea (Bettina Mittendorfer) erfährt Helena, dass ihr Sohn Sebastian in Mathematik eine Fünf geschrieben hat. Und Thomas folgt der Bitte von Lisas besorgter Lehrerin Sarah Paulig (Anja Knauer) um eine Unterredung. Die Kinder verschlechtern sich nicht nur in ihren schulischen Leistungen, sondern leiden auch unter für sie unerklärlichen Gefühlsausbrüchen vor allem des Vaters. Sebastian befürchtet, dass die Eltern sich scheiden lassen wollen.

Kommissar Meidinger kommt noch einmal auf den Bauernhof. Inzwischen wurden verkohlte Knochenreste gefunden, die zweifellos von dem russischen Diplomatensohn stammen. Es geht also nicht mehr um die Suche nach einem Vermissten, sondern um die Aufklärung eines Mordfalls. Helena behauptet, ihr sei bei der letzten Lieferung an David nichts aufgefallen, und der Kommissar lässt sich damit abspeisen.

Während Thomas von Schuldgefühlen gemartert wird, versucht Helena, die Situation unter Kontrolle zu behalten. Ohne sich mit ihm abzusprechen, bucht sie eine Urlaubsreise nach Teneriffa.

Die Koffer sind bereits gepackt, als Thomas noch einmal wegfährt. Zwei Stunden später kommt das Taxi, das sie zum Flughafen bringen soll, aber Thomas ist noch nicht zurück. Helena sucht nach ihm. Als sie zurückkommt, steht ein Streifen­wagen auf dem Hof. Ein Polizist wartet auf sie. Er überbringt ihr die Nachricht vom Tod ihres Mannes: Thomas prallte mit dem Wagen gegen einen Baum. Es gibt keine Bremsspuren. Ob ihr Mann einen Grund für einen Suizid gehabt haben könnte, fragt der Beamte. Ohne zu zögern, antwortet Helena, das sei völlig undenkbar. Sie hätten hier wie im Paradies geliebt, seien glücklich gewesen, und er habe sich auf den Teneriffa-Urlaub gefreut.

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Filmkritik:

Ein Seitensprung und eine Tat im Affekt zerstören die Idylle einer Biobauernfamilie, in der nicht viel Persönliches besprochen wird. Während der von Schuldgefühlen gemarterte, aus der Bahn geworfene und über sich selbst entsetzte Mann nicht mehr weiter weiß, denkt die Frau an die beiden kleinen Kinder, versucht die Situation unter Kontrolle zu behalten und tut so, es sei nichts Außergewöhnliches passiert. Sie ist stärker als er und hofft, das Familienleben wieder in geordnete Bahnen zurückführen zu können.

Claudia Kaufmann (Drehbuch) und Johannes Fabrick (Regie) geht es in dem Psychothriller "Tödliche Versuchung" trotz des reißerischen Titels nicht um die Aufklärung eines Verbrechens, das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Täter und Polizei oder ähnliches, sondern um die Frage, was aus zwei bodenständigen Durchschnittsmenschen wird, die unversehens Schuld auf sich geladen haben. Dabei zeigen Claudia Kaufmann und Johannes Fabrick das Geschehen in "Tödliche Versuchung" abwechselnd aus den Perspektiven der Frau und des Mannes, die von Julia Koschitz und Marcus Mittermeier eindrucksvoll verkörpert werden.

Inhaltsangabe

Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2015

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Johannes Fabrick: Die Ohrfeige



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