Richard Eyre: Stage Beauty. Wechselspiel der Liebe
mit Billy Crudup, Claire Danes, Rupert Everett u. a.
      Kritik:
Der ebenso opulente, temporeiche und unterhaltsame Kostümfilm "Stage Beauty. Wechselspiel der Liebe" handelt von der Identitätskrise eines bisexuellen Schauspielers, einer Stage Beauty des 17. Jahrhunderts. Kritik, Filmkritik, Rezension, Filmbesprechung
 

Stage Beauty

 
  Inhalt:
Als der englische König Charles II. 1660 Frauen auf der Bühne zulässt und es zugleich Männern untersagt, weiterhin weibliche Rollen zu spielen, verliert der als Stage Beauty gefeierte Schauspieler Edward ("Ned") Kynaston den Boden unter den Füßen. Während er sich als "Sängerin" in einer zwielichtigen Kneipe durchschlägt, steigt seine vom Theater begeisterte bisherige Garderobiere Margaret ("Maria") Hughes zum Bühnenstar auf ... Handlung, Inhalt, Inhaltsangabe, Zusammenfassung

Stage Beauty. Wechselspiel der Liebe – Originaltitel: Stage Beauty – Regie: Richard Eyre – Drehbuch: Jeffrey Hatcher, nach seinem Theaterstück "Complete Female Stage Beauty" – Kamera: Andrew Dunn – Schnitt: Tariq Anwar – Musik: George Fenton – Darsteller: Billy Crudup, Claire Danes, Rupert Everett, Tom Wilkinson, Mark Letheren, Ben Chaplin, Hugh Bonneville, Zoe Tapper, Richard Griffiths, Derek Hutchinson, Alice Eve, Fenella Woolgar, Isabella Calthorpe u.a. – 2004; 110 Minuten

   


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Richard Eyre:
Stage Beauty. Wechselspiel der Liebe

Inhaltsangabe:

Nachdem Oliver Cromwell am 3. September 1658 an Malaria gestorben war und sein Sohn Richard nur ein paar Monate regiert hatte, konnte der englische König Charles II. im Mai 1660 aus dem Exil nach England zurückkehren und an seinem 30. Geburtstag in London einziehen.

Aufgrund seiner Erfahrungen in Frankreich kritisiert Charles II. (Rupert Everett) die Theateraufführungen in London als zu wenig unterhaltsam. Der Star auf der Bühne des Theaterdirektos Betterton (Tom Wilkinson) ist Edward ("Ned") Kynaston (Billy Crudup), ein Junge aus der Gosse, der sich zu einem berühmten Schauspieler entwickelt hat. Von Anfang an spielte der Narziss ausschließlich Frauenrollen, er gilt als "Stage Beauty". Zur Zeit feiert er Erfolge als Desdemona in William Shakespeares Drama "Othello".

Zwei Bewunderinnen, Lady Meresvale und Miss Frayne (Fenella Woolgar, Alice Eve), überreden Ned, in einem Frauenkleid mit ihnen auszufahren. In der Kutsche wollen sich die beiden davon überzeugen, dass er ein Mann ist und ihm unter den Rock greifen. Nachdem sie ausgestiegen sind, werden sie von Sir Charles Sedley (Richard Griffiths) angesprochen, der sie für Prostituierte hält. Ned beleidigt seine beiden Begleiterinnen und lässt den geilen Höfling spüren, dass er ein Mann ist.

Von seinem Liebhaber, George Villiars, dem zweiten Herzog von Buckingham (Ben Chaplin), erfährt Ned, dass in einer Spelunke verbotenerweise eine Frau auf der Bühne steht und die Desdemona spielt. Er ahnt allerdings nicht, dass es sich dabei um seine Garderobiere Margaret ("Maria") Hughes (Claire Danes) handelt. Die junge, vom Theater begeisterte Frau studiert jeden Abend, wie Ned Kynaston deklamiert und sich bewegt. Heimlich schleicht sie sich mit einem Kleid Neds zu der Spelunke und zeigt dort, was sie autodidaktisch gelernt hat.

Erst bei einem Empfang des Königs, zu dem Ned den Herzog von Buckingham begleitet, sieht er seine Garderobiere in einem seiner Abendkleider. Auch bei dieser Gelegenheit spricht man über das Gerücht von einer weiblichen Schauspielerin, und Maria wird als die Gesetzesbrecherin entlarvt. Sie verteidigt sich mit dem Argument, dass sie nicht in einem Theater, sondern in einer Schenke auftrete. Nell Gwynn (Zoe Tapper), die ordinäre Mätresse des Königs, die kein Blatt vor den Mund nimmt, setzt sich für Maria ein, und Charles II. ordnet deshalb an, dass ab sofort weibliche Theaterrollen von Frauen gespielt werden dürfen.

Sir Charles Sedley, der sich an Ned Kynaston rächen will, setzt durch, dass der Theaterleiter Betterton Maria für die bisher von einem Mann (Mark Letheren) gespielte Rolle der Emilia engagiert, aber der gekränkte Star Ned Kynaston erklärt lauthals, dass er sich weigern werde, mit ihr zusammen aufzutreten. Das hört Nell Gwynn, die daraufhin Charles II. dazu überredet, die neue Regelung zu erweitern und es Männern zu untersagen, Frauenrollen zu spielen.

Dadurch verliert Ned den Boden unter den Füßen. Außerdem verlässt ihn sein Liebhaber, der in Kürze Lady Jane Bellamy (Isabella Calthorpe) heiraten wird. Es kommt noch schlimmer: Lady Meresvale und Miss Frayne locken den Schauspieler in einen Hinterhalt, wo er auf Geheiß von Sir Charles zusammengeschlagen wird.

König Charles II., der sich ungeachtet der neuen Regelung einen Spaß daraus macht, auf der Bühne in seinem Palast als Frau aufzutreten, rät Ned, Männerrollen zu übernehmen. Der Schauspieler versucht es mit der Rolle des Othello, scheitert jedoch, weil er immer wieder in die antrainierten weiblichen Gesten verfällt.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Während Maria zum gefeierten Bühnenstar aufsteigt, schlägt Ned sich als "Sängerin" in einer zwielichtigen Kneipe durch, wo von ihm verlangt wird, dass er am Ende seines Auftritts die Röcke hebt und dem Publikum zeigt, dass er ein Mann ist. Als Maria ihn dort findet, löst sie ihn aus und mietet ihm ein Zimmer.

Sie gehen miteinander ins Bett, aber Ned weiß zunächst nicht, ob er unten oder oben liegen soll und was er tun soll, denn auch beim Sex übernahm er bisher immer den "weiblichen" Part.

Als Betterton einen Ersatz für die schwanger gewordene Darstellerin der Desdemona sucht, soll Maria einspringen. Ned, der sich bislang fragte, was daran Kunst sein könne, wenn eine Frau eine Frau spielt, probt mit ihr und übernimmt die Rolle des Othello. Bei der Aufführung wirkt die Sterbeszene so echt, dass die Zuschauer – unter ihnen der König – einen Moment lang befürchten, Ned habe Maria tatsächlich umgebracht. Für diese neue Art der Darstellung bekommen sie frenetischen Applaus.

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Filmkritik:

Der von Richard Eyre inszenierte Film "Stage Beauty. Wechselspiel der Liebe" basiert auf dem 1999 von der City Theatre Company in Pittsburgh, Pennsylvania, uraufgeführten Theaterstück "Complete Female Stage Beauty" von Jeffrey Hatcher, der auch das Drehbuch schrieb.

Historisch ist, dass zu Beginn der Regierungszeit von König Charles II. (1660) Frauen auf englischen Bühnen zugelassen wurden, während man es Männern gleichzeitig verbot, weiterhin Frauenrollen zu übernehmen. Den englischen Schauspieler Edward ("Ned") Kynaston (1640 – 1712) gab es tatsächlich; und er Bücher von Dieter Wunderlich wurde von Samuel Pepys (im Film: Hugh Bonneville) als Stage Beauty gefeiert, scheint allerdings von Anfang an auch männliche Rollen gespielt zu haben. Margaret ("Maria") Hughes (1630 – 1685) gilt als erste professionelle Schauspielerin in England; sie debütierte am 8. Dezember 1660 als Desdemona in einer Aufführung von Thomas Killigrew's new King's Company in London. Sir Peter Lely (Tom Hollander) malte Margaret Hughes 1670 mit einem Dekolleté, das ihre linke Brust entblößt – so wie es in einer Filmszene dargestellt wird. Ob Edward Kynaston und Margaret Hughes sich wirklich begegnet sind, ist allerdings nicht belegt. Auf jeden Fall war Margaret Hughes (Claire Danes, * 1979) nicht elf Jahre jünger als Edward Kynaston (Billy Crudup, * 1968) wie im Film, sondern zehn Jahre älter. Das method acting, das Edward Kynaston bei den Proben mit Margaret Hughes zu erfinden scheint, wurde erst von dem amerikanischen Schauspiellehrer Israel Lee Strasberg (1901 – 1982) auf der Grundlage der Lehren des russischen Theaterreformers Konstantin Sergejewitsch Stanislawski (1863 – 1938) eingeführt.

"Stage Beauty. Wechselspiel der Liebe" handelt von der Identitätskrise eines bisexuellen Mannes, der nicht nur lernen muss, auf der Bühne statt Frauen Männer darzustellen, sondern auch vor der Aufgabe steht, seine Rolle im Privatleben zu definieren und sich auf die Liebe einer Frau einzulassen.

Wie in "Shakespeare in Love" geht es in dem ebenso opulenten wie unterhaltsamen Kostümfilm "Stage Beauty. Wechselspiel der Liebe" um das Leben auf und hinter der Bühne, und die Kostüme stammen in beiden Fällen von der "Oscar"-Preisträgerin Lisa Westcott. Die Handlung spielt zwar im 17. Jahrhundert, Gestik, Verhaltensweisen und vor allem Dialoge stammen jedoch aus der heutigen Zeit, und das Tempo der Inszenierung entspricht eher dem eines Videoclips als barocker Geruhsamkeit.

Neben den beiden Hauptdarstellern Billy Crudup und Claire Danes glänzt Rupert Everett als verschrobener englischer König.

Die Dreharbeiten für "Stage Beauty. Wechselspiel der Liebe" fanden im Royal Naval College in London und in den Shepperton Studios in Shepperton, Middlesex, statt.

Inhaltsangabe

Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2009

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