Isabel Coixet: Learning to Drive. Fahrstunden fürs Leben
mit Ben Kingsley, Patricia Clarkson u. a.
      Kritik:
Die Komödie "Learning to Drive. Fahrstunden fürs Leben" pendelt unentschlossen zwischen einer Emanzipations-Parabel und einem Clash of Cultures. Die Metaphorik des Fahrschul­unterrichts wird überstrapaziert. Kritik, Filmkritik, Rezension, Filmbesprechung
 

Learning to Drive

 
  Inhalt:
Nach 21 Jahren scheitert die Ehe des New Yorker Paares Ted und Wendy. Wendy nimmt sich vor, den Führerschein zu machen, um ihre Tochter in Vermont besuchen zu können. Ihr Fahrlehrer, der indische Einwanderer Darwan, trägt Bart und Turban, obwohl er dadurch ständig fremdenfeindliche Äußerungen provoziert. Wendy kann es kaum fassen, dass er eine von seiner Schwester für ihn ausgesuchte Frau heiratet, aber er hält arrangierte Ehen für vernünftig ... Handlung, Inhalt, Inhaltsangabe, Zusammenfassung



Learning to Drive. Fahrstunden fürs Leben – Originaltitel: Learning to Drive – Regie: Isabel Coixet – Drehbuch: Sarah Kernochan, nach "Learning to Drive" von Katha Politt – Kamera: Manel Ruiz – Schnitt: Keith Reamer, Thelma Schoonmaker – Musik: Dhani Harrison, Paul Hicks – Darsteller: Ben Kingsley, Patricia Clarkson, Jake Weber, Grace Gummer, Sarita Choudhury u.a. – 2014; 90 Minuten

   


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Isabel Coixet: Learning to Drive

Fahrstunden fürs Leben

Inhaltsangabe:

Ein Mann winkt in New York einem Taxi und steigt ein. Bevor der Fahrer wieder Gas geben kann, kommt eine Frau angerannt. Obwohl der Mann protestiert, reißt sie die Tür auf und setzt sich neben ihn. Dem lautstarken Streit der beiden entnimmt der Taxifahrer Darwan (Ben Kingsley), dass es sich um ein seit 21 Jahren verheiratetes Ehepaar handelt und der Mann seiner Frau soeben in einem Restaurant ankündigte, er werde sie wegen einer anderen verlassen. Sie heißen Ted (Jake Weber) und Wendy (Patricia Clarkson).

Bald nach dem Auszug ihres Mannes erhält Wendy Besuch von der erwachsenen Tochter Tasha (Grace Gummer), die für einige Zeit auf einer Farm in Vermont arbeitet und vom Landleben begeistert ist. Tasha war gerade bei ihrem Vater und nimmt ihrer Mutter die Hoffnung, dass Ted zu ihr zurückkehren werde. Stattdessen reicht er die Scheidung ein.

Solange Wendy verheiratet war, benötigte sie keinen Führerschein, weil Ted das Familienauto fuhr. Doch wie soll sie nun ihre Tochter in Vermont besuchen? Die Literaturkritikerin nimmt sich vor, endlich selbst fahren zu lernen. Bei ihrem Fahrerlehrer handelt es sich um Darwan, der auch den Streit von Ted und Wendy mitbekam.

Der Sikh arbeitet in New York nicht nur als Taxifahrer, sondern auch als Fahrlehrer. In Indien war er Universitätsprofessor. Um jedoch in den USA nicht auf Turban und Bart verzichten zu müssen, begnügt er sich mit anspruchsloseren Jobs. Bücher von Dieter Wunderlich Anders als seine Mitbewohner lebt er nicht illegal in den USA, sondern besitzt einen amerikanischen Pass, aber jeden Tag muss er fremdenfeindliche Äußerungen hinnehmen. Seinen Bruder hatte die Polizei in Indien fälschlicherweise als Terroristen verdächtigt und erschossen. Inzwischen lebt nur noch seine Schwester Rasbir (Rajika Puri) in Indien. Ihr illegal in die USA eingereister Sohn Preet (Avi Nash) ist einer der drei Männer, mit denen Darwan sein kleines Apartment teilt. Zwei der Männer werden von der Polizei verhaftet, aber Preet kann sich in einem Wandschrank verstecken.

Als Wendy von Darwan zur ersten Fahrstunde abgeholt wird, hat sie es sich bereits anders überlegt, aber er überredet sie, sich hinters Lenkrad zu setzen. Geduldig und besonnen bringt er ihr das Autofahren bei. Trotz ihrer Angst überquert sie nach einiger Zeit sogar eine Brücke mit ihm.

Während eines Gewitters verursacht sie jedoch mit einer unerwarteten Vollbremsung einen Auffahrunfall. Ausgerechnet an diesem Tag muss Darwan zum Flughafen, denn Rasbir hat für ihn eine Frau ausgesucht, und nun holt er Jasleen (Sarita Choudhury) mit dem verbeulten Wagen ab. Wendy, die er kurzerhand mitnimmt, weil er sonst zu spät kommen würde, kann es nicht fassen, dass die arrangierte Hochzeit bereits für den nächsten Tag geplant ist.

Debbie (Samantha Bee) versucht ihre Schwester Wendy mit einem Banker zu verkuppeln. Als Wendy mit ihm ins Bett geht, wundert sie sich über ihn, denn sie wartet trotz seiner anhaltenden Erektion vergeblich auf eine Ejakulation, und als sie ihn darauf anspricht, versichert er ihr, dass er bereits mehrere Orgasmen gehabt habe, aber Tantra-Sex praktiziere und die Ejakulation hinauszögere.

Darwan muss feststellen, dass es sich bei seiner Ehefrau um eine Analphabetin handelt. Sie kocht auch nicht nach seinem Geschmack. Erst nach langem Zögern wagt sie sich aus dem Haus. Beim Einkaufen lernt sie die selbstbewusste Inderin Mata (Daniela Lavender) kennen, und als Darwan heimkommt, findet er in seinem Apartment ein kicherndes Damenkränzchen vor.

Bei der Fahrprüfung missachtet Wendy wenige Meter nach am Anfahren ein Stopp-Schild und fällt durch. Nach diesem Scheitern will sie ihr Vorhaben aufgeben, mit dem Auto zu ihrer Tochter nach Vermont zu fahren, aber Darwan motiviert sie zum Weitermachen.

Nachdem Wendy die Prüfung im zweiten Anlauf bestanden hat, lässt sie sich von Darwan beim Kauf eines Autos beraten. Damit kann sie ihre Fahrziele nun selbst bestimmen.

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Filmkritik:

Angeregt durch die autobiografische Geschichte "Learning to Drive" der feministischen New Yorker Autorin Katha Politt ("Learning to Drive And Other Life Stories", 2007) schrieb Sarah Kernochan das Drehbuch für die von Isabel Coixet inszenierte Filmkomödie "Learning to Drive. Fahrstunden fürs Leben".

Sarah Kernochan und Isabel Coixet erzählen von einer Frau, die nach dem Scheitern ihrer Ehe den Führerschein macht und endlich selbst über ihre Fahrziele entscheiden kann. Parallel dazu dreht sich "Learning to Drive" um einen nach New York ausgewanderten Sikh, der sich von seiner in Indien zurückgebliebenen Schwester eine Ehefrau aussuchen lässt und diese dann auch wenige Stunden nach der ersten Begegnung heiratet.

Die Komödie "Learning to Drive. Fahrstunden fürs Leben" pendelt unentschlossen zwischen der Parabel über die Emanzipation und dem Clash of Cultures. Die Handlung wirkt konstruiert, und die Figuren sind Stereotype, keine Charaktere. Kulturelle Vorurteile werden deshalb in "Learning to Drive. Fahrstunden fürs Leben" eher untermauert als untergraben. Die Metaphorik des Fahrschul­unterrichts ist ebenso platt und überstrapaziert wie die Symbolik des Überquerens einer Brücke. Das ist alles unterhaltsam, aber nicht wirklich gelungen.

Inhaltsangabe

Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2015

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