Jeffrey C. Chandor: All Is Lost
mit Robert Redford
      Kritik:
"All Is Lost" ist ein unsentimentales Überlebensdrama mit einer einzigen – von Robert Redford eindrucksvoll dargestellten – Figur. J. C. Chandor verzichtet in dem minimalistischen Film auf Text, Erläuterungen und unnötige action. Kritik, Filmkritik, Rezension, Filmbesprechung
 

All Is Lost

 
  Inhalt:
1700 Seemeilen vor Sumatra wird die Yacht eines Einhandseglers durch einen im Meer treibenden Container leckgeschlagen. Weil die elektrischen Geräte durch das eingedrungene Salzwasser beschädigt sind, kann er keinen Notruf absetzen. Im Sturm kentert das Segelschiff durch, und der Mast bricht. Unmittelbar bevor die Yacht sinkt, wechselt der Skipper ins aufblasbare Rettungsboot. Aber auch das kentert bei einem weiteren Unwetter. Dass er auf eine Schifffahrtsroute zutreibt, lässt ihn darauf hoffen, von der Besatzung eines Frachters entdeckt zu werden ... Handlung, Inhalt, Inhaltsangabe, Zusammenfassung




All Is Lost – Originaltitel: All Is Lost – Regie: Jeffrey C. Chandor – Drehbuch: Jeffrey C. Chandor – Kamera: Frank G. DeMarco, Peter Zuccarini – Schnitt: Pete Beaudreau – Musik: Alex Ebert – Darsteller: Robert Redford – 2013; 105 Minuten

   


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Jeffrey C. Chandor: All Is Lost

Inhaltsangabe:

Ein Einhandsegler (Robert Redford), dessen Name nicht genannt wird und über dessen Identität wir nichts erfahren, schläft auf seiner Yacht Virginia Jean 1700 Seemeilen vor Sumatra. Er wacht auf, weil es nass geworden ist: durch ein Leck schwappt Wasser ins Boot. Ein offenbar über Bord gegangener, im Meer treibender Container hat das Schiff gerammt und aufgerissen. Nachdem der Segler die Außenwand notdürftig mit Glasfasermatten und Harz repariert hat, pumpt er das Wasser aus dem Boot. Der Laptop und die anderen Elektrogeräte sind durch das eingedrungene Salzwasser defekt. Er trocknet sie zwar in der Sonne und hört auch einmal eine Stimme aus dem Funkgerät, aber es gelingt ihm nicht, einen Notruf abzusetzen. Als er deshalb die Funkantenne an der Mastspitze kontrolliert, sieht er ein Unwetter aufziehen.

Im Sturm kentert das Segelschiff durch, und der Mast bricht. Der Skipper wird in der Kajüte hin- und hergeworfenen und schlägt sich die Stirn auf. Nachdem er wieder zu sich gekommen ist, zieht er die Platzwunde mit Klammerpflaster zusammen. Weil kein Zweifel daran besteht, dass die Yacht verloren ist, wassert er das aufblasbare Rettungsboot. Er rasiert sich noch einmal, befüllt einen Kanister mit Trinkwasser, belädt das Schlauchboot und nimmt auch den Kasten mit seinem Sextanten mit. Kurz bevor das Segelschiff endgültig sinkt, wechselt der Skipper ins Rettungsboot.

Aus der beiliegenden Broschüre lernt er, mit dem Sextanten und einer trocken gebliebenen Seekarte zu navigieren und stellt fest, dass er auf eine Schifffahrtsroute zutreibt. Das lässt ihn auf Rettung hoffen.

Als das Rettungsboot im nächsten Sturm kentert, gelingt es ihm zwar, es wieder aufzurichten, aber der schützende Zeltaufbau ist zerfetzt, und der Segler muss sich vor allem vor der Sonne in Acht nehmen.

Beim ersten Versuch, Wasser aus dem Kanister zu trinken, merkt er, dass es verunreinigt und ungenießbar ist. Unverdrossen leert er den Kanister, schneidet ihn auf, spannt eine Plastikfolie darüber und bastelt daraus eine Vorrichtung zum Sammeln von Kondenswasser.

Endlich sichtet er ein Containerschiff. Er schreit und winkt mit einer Leuchtfackel, aber der MAERSK-Frachter zieht ganz in der Nähe vorbei und verschwindet dann wieder am Horizont.

In der Nacht wird er beinahe von einem weiteren Riesenschiff gerammt. Obwohl er Leuchtraketen abfeuert, reagiert die Besatzung nicht.

An einem zur Notausrüstung gehörenden Angelhaken beißt ein Fisch an, aber als der in Seenot geratene Segler die Angelschnur schon fast eingeholt hat, schnappt ein Hai den Fang weg.

Acht Tage nach der Havarie schreibt der Mann einen Abschiedsbrief, deponiert das zusammengefaltete Blatt Papier in einem Schraubglas und lässt es als Flaschenpost ins Wasser gleiten: Die Vorräte sind verbraucht, und er rechnet nicht mehr mit seiner Rettung. "All Is Lost" heißt es in dem Brief.

In der Nacht sieht er ein Licht und schöpft neue Hoffnung. Weil er die zur Notausrüstung gehörenden Leuchtmittel bereits verbraucht hat, füllt er den aufgeschnittenen Kanister mit zerknülltem Papier und zündet ein Feuer an, um auf sich aufmerksam zu machen. Damit das Feuer nicht ausgeht, lässt er zu, dass es das ganze Rettungsboot erfasst und schwimmt selbst im Wasser. Aber als dennoch keine Hilfe naht, hört der Skipper auf, sich zu bewegen und geht langsam unter.

Nach langer Zeit sieht er einen starken Lichtstrahl, mit dem offenbar nach ihm gesucht wird. Er taucht auf und ergreift die Hand, die ihm entgegengestreckt wird. Das Bild wird gleißend hell, und der Film endet an dieser Stelle.

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Filmkritik:

Ein im Meer treibender, Segler gefährdender Container könnte als Kritik an der Konsumgesellschaft verstanden werden, und aus der Abgeschnittenheit des in Seenot geratenen Skippers von allen Kommunikationsmöglichkeiten ließe sich eine Auseinandersetzung mit der globalen Vernetzung entwickeln. Aber Jeffrey C. Chandor (* 1973) geht es in "All Is Lost" nicht um eine "Message" oder eine Bücher von Dieter Wunderlich sinnstiftende Parabel. Stattdessen konzentriert er sich voll und ganz auf den Überlebenskampf eines Skippers, von dem er uns nicht einmal den Namen verrät, geschweige denn etwas über die Vorgeschichte. "All Is Lost" ist ein minimalistisches Drama mit einer einzigen Figur, die noch dazu kaum ein Wort spricht. Im Gegensatz zu Chuck C. Nolands (Tom Hanks) Hyperaktivität in der Robinsonade "Cast Away. Verschollen" verhält sich der von Robert Redford dargestellte Segler eher zu bedächtig. J. C. Chandor versucht auch nicht, das Verhalten seiner Figur zu erklären, etwa durch aus dem Off gesprochene Kommentare des Protagonisten. Diese Zurückhaltung lässt "All Is Lost" umso stärker wirken. Es ist ein unsentimentales Überlebensdrama ohne Effekthascherei. Die ohnehin mit wenigen Ausnahmen nur ganz dezent eingesetzte Musikuntermalung setzt immer wieder aus, damit die Geräusche klar zu hören sind.

Text gibt es in "All Is Lost" nur ganz zu Beginn, wenn die Stimme des Protagonisten aus dem Off einen Abschiedsbrief formuliert. Dann springt die Zeit um acht Tage zurück und bis auf unverständliches Gebrabbel aus dem kaputten Funkgerät, einen "Fuck"-Schrei und einiger Hilfe-Rufe sind keine Worte mehr zu hören.

In diesem Umfeld zeigt der bei den Dreharbeiten 76 Jahre alte Robert Redford sein schauspielerisches Können. Er alleine trägt den Film und hat dabei nicht einmal die Möglichkeit, etwas mit Worten auszudrücken, sondern ist auf Mimik und Gestik beschränkt. Was er daraus macht, ist großartig.

Das Ende ist mehrdeutig. Ob der in Seenot geratene Segler gerettet wird oder sich das nur im Sterben so vorstellt, bleibt offen.

Gerade weil J. C. Chandor in "All Is Lost" auf Realismus setzt, wundert man sich als Laie beispielsweise darüber, dass eine völlig durchnässte Couch und ein Kopfkissen, das im Wasser lag, nach einigen Stunden wieder trocken sind. Woher hat der sowohl mit der Yacht als auch mit dem Rettungsboot gekenterte Segler eine makellos gefaltete Seekarte und unbeschädigtes Papier? Ist es möglich, dass ein einzelner Mann ein gekentertes Rettungsboot wieder aufrichtet? Segler entdecken noch weitere unglaubwürdige Details. Es heißt, die Segel seien nicht korrekt gesetzt. Kritisiert wird auch, dass ein bei Flaute im Meer treibender Container das Schiff nicht in der Nähe des Hecks rammen würde und keinesfalls ein so großes Leck in eine Yacht schlüge.

Sieht man über diese unplausiblen Einzelheiten hinweg, wird man von einem aufs Wesentliche konzentrierten minimalistischen Drama eindreiviertel Stunden lang gefesselt.

Die Dreharbeiten fanden 2012 in Mexiko, Kalifornien und bei den Bahamas statt.

"All Is Lost" wurde in der Kategorie "Bester Tonschnitt" (Steve Boeddeker und Richard Hymns) für einen "Oscar" nominiert.

Inhaltsangabe

Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2014

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