Robert Benton: Im Zwielicht
mit Paul Newman, Susan Sarandon, Gene Hackman u.a.
      Kritik:
Langsam und ohne Effekthascherei entwickelt Robert Benton die Handlung des melancholischen Films, der an die Tradition des "film noir" anschließt. Humorvolle Dialoge, eine dichte Atmosphäre und großartige Hauptdarsteller machen "Im Zwielicht" sehenswert. Rezension, Filmkritik
 

Im Zwielicht

 
  Inhalt:
Als der gealterte frühere Polizist und Privatdetektiv Harry Ross im Auftrag eines krebskranken Freundes einer Frau ein Päckchen überbringen will, stößt er auf einen durch eine Schusswunde tödlich verletzten pensionierten Polizeibeamten und kurz danach kommt er selbst nur knapp mit dem Leben davon ... Inhaltsangabe, Handlung
Im Zwielicht - Originaltitel: Twilight - Regie: Robert Benton - Buch: Robert Benton und Richard Russo - Kamera: Piotr Sobocinski - Schnitt: Carol Littleton - Musik: Elmer Bernstein - Darsteller: Paul Newman, Susan Sarandon, Gene Hackman, Stockard Channing, Reese Witherspoon, James Garner u.a. - 1998; 95 Minuten
   


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Robert Benton: Twilight. Im Zwielicht

Inhaltsangabe:

Harry Ross (Paul Newman) war früher Polizeibeamter, dann Privatdetektiv. Als seine Tochter starb, wurde er zum Säufer. Deshalb verließ ihn seine Frau. Es gelang ihm zwar, die Alkoholabhängigkeit zu überwinden, aber er ist inzwischen ein alter Mann.

Jack und Catherine Ames (Gene Hackman; Susan Sarandon), zwei ehemalige Filmstars, beauftragen ihn, ihre siebzehnjährige Tochter Mel (Reese Witherspoon) aufzuspüren, die mit einem Geliebten durchgebrannt ist. Harry findet Mel Ames und Jeff Willis (Liev Schreiber) in einer Hotelanlage in Puerto Vallarta, Mexiko. Während Jeff gerade duscht, zwingt Harry das Mädchen, sich anzuziehen, zu packen und mit ihm das Hotel zu verlassen. Am Pool holt Jeff die beiden ein und will sie aufhalten. Mit einem kurzen Schlag setzt Harry ihn außer Gefecht, aber in diesem Augenblick holt Mel mit ihrer Reisetasche aus. Während Harry das Gleichgewicht verliert, fällt ihm seine Pistole aus dem Hosenbund. Hysterisch vor Aufregung hebt Mel sie auf. Ein Schuss löst sich und verletzt Harry in der Leiste.

Danach befreundet er sich mit dem Ehepaar Ames und wird als Gegenleistung für den einen oder anderen Freundschaftsdienst in deren Villa in Los Angeles aufgenommen. Knapp zwei Jahre nach der Schussverletzung in Mexiko wohnt Harry immer noch bei ihnen, obwohl Mel ihn deutlich spüren lässt, wie unangenehm ihr das ist. Doch Harry hat sich heimlich in Catherine verliebt und bleibt. Jack erzählt ihm, er habe Krebs, lehne eine radikale Therapie ab und wisse, dass er deshalb nur noch maximal zehn Monate zu leben habe. Harry soll für ihn ein prall gefülltes großes Kuvert bei einer gewissen Gloria Lamar (M. Margo Martindale) abgeben. Ohne Fragen zu stellen, macht Harry sich auf den Weg.

In dem angegebenen Apartment hört er ein Röcheln. Da steht ein keuchender Mann, der sich kaum noch auf den Beinen halten kann, mit dem Rücken zu ihm. Harry fragt ihn arglos nach Gloria Lamar. Da dreht sich der andere um – sein Hemd ist vorne voller Blut – und schießt auf Harry. Bücher von Dieter Wunderlich Der läuft ins nächste Zimmer, aber der offenbar durch eine Schusswunde schwer verletzte Fremde folgt ihm und feuert einen Schuss nach dem anderen auf ihn ab. Eine Kugel zertrümmert die Duschkabine, in der Harry sich versteckte. Der scheint keine Chance mehr zu haben. Aber das Magazin der Pistole ist leer, und der Verletzte bricht tot zusammen. Harry sieht sich den Führerschein des Toten an. Es handelt sich um einen pensionierten Polizisten namens Lester Ivar (Emmet Walsh).

In dessen Wohnung findet Harry Zeitungsausschnitte über den vor mehr als zwanzig Jahren spurlos verschwundenen Schauspieler Billy Sullivan, Catherines ersten Ehemann. Lester Ivar, der seinerzeit in dem Fall ermittelt hatte, war mit seinem Versuch gescheitert, die Selbstmordtheorie zu widerlegen. Gerade als Harry die Zeitungsausschnitte verbrannt hat, stürmt eine Polizeieinheit die Wohnung. Seine frühere Kollegin Verna Hollander (Stockard Channing), die den Einsatz leitet, erlaubt ihm, die Hände wieder herunterzunehmen. Sie küsst ihn zur Begrüßung auf die Wange – und lässt ihn dann verhaften.

Nach der Vernehmung kehrt Harry in die Villa der Ames zurück. Jack schläft bereits. Catherine behauptet, nie etwas von einer Gloria Lamar gehört zu haben, doch Harry glaubt ihr nicht, denn er hat ihr Parfum in Lester Ivars Wohnung gerochen. Sie muss kurz vor ihm dort gewesen sein. Zur Rede gestellt, meint Catherine gereizt, es wäre besser, wenn Harry ausziehen würde. Der packt sofort seinen Koffer. Dann aber kann er nicht widerstehen, reißt Catherine an sich und küsst sie. Sie geht mit ihm ins Bett. Plötzlich hören sie Jacks Hilfeschreie: Er ringt nach Luft, hat offenbar einen Herzanfall. Catherine schlüpft rasch in Harrys rosa Hemd und rennt zu ihrem Mann. Mit einer Mund-zu-Mund-Beatmung bringt sie ihn wieder zu sich. Als Harry mit einem Sauerstoffgerät kommt und Jack die Maske aufsetzen will, schlägt dieser auf ihn ein. Er weiß, dass Harry und Catherine ihn betrogen haben.

Während Catherine ihren Mann im Sanitätsauto ins Krankenhaus begleitet, läutet das Telefon. Eine Frau möchte Mr Ames sprechen. Harry ahnt sofort, dass es sich um Gloria Lamar handelt und erzählt von seinem vergeblichen Versuch, ihr ein Päckchen zu bringen. Sie verabreden sich bei einem Jahrmarkt am Strand. Bevor Harry ihr das Kuvert aushändigt, möchte er wissen, welche Rolle Gloria spielt. Als sie statt auf seine Fragen zu antworten, eine Pistole aus der Handtasche holt, schlägt er ihr die Waffe aus der Hand, doch in diesem Augenblick drückt ihm Jeff Willis von hinten eine Pistolenmündung an den Kopf und schlägt ihn zusammen. Wütend berichtet Jeff, dass er vor zwei Jahren aufgrund einer Anzeige von Jack Ames wegen Verführung einer Minderjährigen zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde.

Kurz bevor die Flut Harry erreicht, findet ein Schwarzer den Bewusstlosen und rüttelt ihn wach. Reuben Escobar (Giancarlo Esposito) ist ein Freund und Bewunderer Harrys und träumt davon, mit ihm zusammen ein Detektiv-Team zu bilden. Aber der benötigt den Rat eines erfahrenen pensionierten Polizeibeamten und wendet sich an Raymond Hope (James Garner), der ebenfalls mit dem Ehepaar Ames befreundet ist und eine luxuriöse Villa hoch über der Stadt bewohnt.

Als Jack aus dem Krankenhaus nach Hause kommt, beschimpft er Harry, weil dieser seine Freundschaft missbraucht und ihn mit Catherine betrogen habe. Als Harry berichtet, in dem Kuvert, das er bei dem Treffen mit Gloria Lamar dabei hatte, sei nur ein Telefonbuch gewesen, verlangt Jack von ihm, Jeff das Geld zu überbringen. Offenbar wird er von dem Jungen erpresst.

Von Mel erfährt Harry, dass Jeff vor ein paar Wochen wieder auftauchte, und sie gesteht, ihm die Schlüssel zum Wochenendhaus der Familie außerhalb der Stadt geliehen zu haben. Obwohl die Ames dort seit Jahren nicht mehr waren und dringend Geld bräuchten, denken sie nicht daran, das große Anwesen zu verkaufen. Haben sie dort etwas zu verbergen? Als Harry hinfährt, sieht er, dass jemand bereits im Garten gegraben hat.

Jeff Willis findet er in einer Kneipe. Harry zeigt ihm das diesmal mit Geld gefüllte Kuvert und begleitet ihn zu Gloria Lamar. Die erzählt ihm, dass Lester Ivar zu ihr gesagt habe, mit einem Bulldozer auf dem unbenützten Grundstück der Ames könne er den Fall Billy Sullivan aufklären. Jeff fand dort zwar nichts, aber allein mit der Drohung, der Polizei zu verraten, wo Sullivans Skelett zu finden sei, konnten sie Jack Ames erpressen. Als Jeff die Haustür öffnet, werden er und Gloria von einer im Dunkeln nicht erkennbaren Person erschossen. Harry ruft zuerst Jack an und fordert ihn auf, das Geld für eine Kaution zu besorgen, dann verständigt er die Polizei. Lieutenant Verna Hollander gibt ihm vierundzwanzig Stunden Zeit, den Fall selbst aufzuklären, obwohl sie damit ihre Karriere aufs Spiel setzt.

Reuben Escobar hilft ihm, auf dem Ames-Anwesen außerhalb der Stadt zu graben. Sie finden einen Schädel mit einem Schussloch.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Danach fährt Harry zu den Ames. Jack erzählt ihm zunächst, dass er sich nun doch zur Chemotherapie entschlossen hat und zu überleben hofft. Vor zwanzig Jahren stellte sein Kollege Billy Sullivan ihn vor dem Wochenendhaus zur Rede, weil er herausgefunden hatte, dass er von Jack und Catherine betrogen wurde. Bei der Rauferei stürzte Sullivan mit dem Kopf voraus in den leeren Pool. Harry bohrt weiter nach, und schließlich gibt Jack zu, Raymond Hope angerufen und um Hilfe gebeten zu haben, weil Sullivan nicht sofort tot gewesen sei.

Raymond, den Harry nun aufsucht, leugnet nicht, den Schauspieler erschossen zu haben. Sonst hätte dieser für den Rest seines Lebens im Rollstuhl sitzen müssen, gibt er zu bedenken. Und er selbst habe von der mondänen Villa geträumt, die er sich nur mit Geld von Jack leisten konnte. Harry schickt sich an, zu gehen und verspricht, die Polizei erst nach einiger Zeit zu verständigen, um seinem früheren Freund einen Vorsprung zu geben. Aber Raymond fühlt sich zu alt für die Flucht vor der Polizei. Als Harry zur Tür geht, nimmt Raymond plötzlich eine Pistole aus einer Schublade und schießt auf ihn. Harry bleibt unverletzt, dreht sich um und erschießt Raymond.

Als er Jack davon erzählt, bleibt dieser ungerührt. Von einer Unterscheidung zwischen Gut und Böse hält er nicht viel, wichtiger sind ihm die Liebe seiner Tochter, seiner Frau und Freunde wie Harry. Er lädt Harry zum Bleiben ein, aber der zieht es vor, die Villa zu verlassen.

Soweit Harry Ross' Aussage bei einem Polizeiverhör am 20. Oktober 1997.

Als ihre Kollegen den Raum verlassen haben, fragt Verna Hollander, ob das wirklich alles sei, und Harry gibt zu, dass er anschließend noch einmal mit Catherine gesprochen habe. Die verwöhnte Schauspielerin verließ sich stets auf Raymond, nicht nur vor zwanzig Jahren, sondern auch in den letzten Wochen, als sie herausgefunden hatte, dass der pensionierte Polizist Lester Ivar auf eigene Faust wieder in dem Fall Billy Sullivan ermittelte und Jack von Gloria Lamar und Jeff Willis erpresst wurde. Harry gesteht ihr zu, keinen der drei Morde explizit in Auftrag gegeben zu haben, aber er wirft ihr vor, mit Raymonds Vorgehen stillschweigend einverstanden gewesen zu sein. Catherine antwortet, für sie zähle einzig und allein, dass Jack noch lebe.

Gemeinsam verlassen Harry und Verna das Polizeigebäude. Auf der Straße schlägt er ihr eine gemeinsame Urlaubsreise vor. Sie greift ihm in die Hosentasche, um sich zu vergewissern, dass an dem Gerücht, er sei aufgrund der Schussverletzung vor zwei Jahren in Mexiko impotent, nichts dran ist und sagt dann zu.

Filmkritik:

Langsam, chronologisch und ohne Effekthascherei entwickelt Robert Benton die Handlung dieses melancholischen Films, der an die Tradition der "schwarzen" Kriminalfilme (film noir) anschließt. Humorvolle Dialoge, eine dichte Atmosphäre und großartige Hauptdarsteller – allen voran Paul Newman – machen "Twilight. Im Zwielicht" sehenswert.

Robert Benton schrieb übrigens auch (zusammen mit David Newman) das Drehbuch zu "Bonnie und Clyde".

Inhaltsangabe

Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004

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Robert Benton: Kramer gegen Kramer
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